Wir gehen noch was ins Städtle, schauen bei der Verarbeitungsfabrik für die King-Crabs ganz vorsichtig durch das geöffnete Tor. Da kommt ein freundlicher Mensch aus dem Büro und fordert uns doch auf, reinzugehen und alles anzuschauen. Natürlich nehmen wir das Angebot an. Beim aufkommenden Gespräch erzählt er uns den weiteren Verarbeitungsprozess und wohin die Crabs überall hingehen. Seine Frage, ob wir schon mal so was gegessen hätten, müssen wir verneinen, was ihn wiederum veranlasst, uns 2 halbe Crabs in die Hand zu drücken und Guten Appetit zu wünschen. Total verblüfft bedanken wir uns und gehen schnurstracks in die Küche des Campingplatzes, um die Köstlichkeit zu kochen. 15 min im Salzwasser gekocht, anschliessend sofort heiss vertilgt. Den Rest im Gefrierfach tiefgefroren, um den Lieben zuhause auch mal den Genuss zu ermöglichen.
Um 22.00 Uhr steuert das südwärtsfahrende Hurtigruten-Schiff die Hafeneinfahrt an und macht durch lautes Hupen auf sich aufmerksam. Wenige Minuten später ist das nordwärtsfahrende Schiff zu erblicken, das ebenfalls in das Hafenbecken einfährt. Beide Schiffe begrüssen sich mit mehrmaligem lauten Hupen. An Bord ist die Party in vollem Gange, aus den Aussenlautsprechern dröhnt „We are the Chamions“.
Nach dem Frühstück muss erst mal entsorgt und der Wassertanks neu befüllt werden.
Wir fahren dieselbe Strecke, die wir gestern gekommen sind, wieder zurück.
Am ersten Sandstrand ein Zwischenstopp. Badehose und Handtuch raus und runter zum Wasser. Schon während der Reiseplanung hab ich mir vorgenommen, einmal im Eismeer zu baden, weil dies zu einem echten Nordlandfahrer dazugehört. Jetzt ist es soweit. Bei momentan 10 ° ist die Wassertemperatur kaum noch in cm zu messen, also es war saukalt.

In Tana bru wechseln wir auf die andere Flussseite und durchqueren das Ifjordfjellet. Völlig überraschend kommt eine Strassenbaustelle, wobei Baustelle maßlos untertrieben ist. Festgewalzte Felsbrocken mit Dreck und Schotter aufgefüllt zwingen zu langsamster Fahrt über viele km. Kaum haben wir wieder Asphalt unter den Rädern, werden wir mit einem weiteren highlight entschädigt. Am Strassenrand sind große Gatter aufgebaut, in denen Rentiere auf ihre Sortierung warten. Immer wieder wird ein Teil von ihnen in ein rundes Gatter getrieben. Dort warten bereits die Hirten um die Tiere festzuhalten, zu markieren, zu impfen. Selbst die Kinder helfen mit, indem sie den dieses Jahr geborenen Kälbern Schilder mit Nummern umhängen.


Der Ifjord leuchtet uns in einem unnatürlich schönen türkis entgegen. Wir biegen ab auf die 888 Richtung Mehamn. Ein großer Teil der Strasse ist neu ausgebaut worden mit großzügigen Parkplätzen an aussichtsreichen Stellen.
In Mehamn versorgen wir uns im örtlichen Supermarkt mit Lebensmittel und fahren die letzten 20 km nach Gamvik, einem kleinen Dorf. Hier etwas ausserhalb am Leuchtturm gibt es einen kleinen Stellplatz direkt am Meer. Dort ist der nördlichste Festlandpunkt Europas. Wir befinden uns jetzt auf dem gleichen Breitengrad wie die Nordspitze Alaskas.

Unser Standplatz ist ideal um den Sonnenuntergang und später auch den Sonnenaufgang zu beobachten. Zum Zeitpunkt der Mitternachtssonne herrscht hier bestimmt reger Andrang, heute sind wir nur zwei Fahrzeuge.
Gefahrene km 342



Juni 2012
August 2011