Der Mensch lebt von und mit Ritualen. Bei uns und vielen anderen Menschen in der Umgebung gehört dazu, dass der erste Glühwein des Jahres in Diez auf dem Martinsmarkt getrunken wird.
Diez ist eine Stadt in Rheinland-Pfalz, grenzt aber unmittelbar an Limburg in Hessen.
Der Besuch des Martinsmarktes in Diez ist quasi eine Revanche dafür, dass wir Limburger an Allerheiligen in unserer Stadt keine Chance haben, einen Parkplatz zu finden. Denn in Rheinland-Pfalz ist an dem Tag Feiertag und da müssen alle Bewohner der Umgebung unbedingt nach Limburg zum Shoppen.
Der Martinsmarkt findet immer an einem Sonntag rund um Sankt Martin, also dem 11. November, statt.
Es gibt einen Krammarkt, dazu haben die Geschäfte in der Innenstadt an diesem Sonntag geöffnet.
Wie der erste Glühwein schmeckt, das hängt auch davon ab, wie das Wetter an diesem Tag ist. In den letzten Jahren war es oft zu warm, um Glühwein wirklich genießen zu können. Dieses Jahr war es ziemlich kalt, aber auch sehr nass.
Wir zogen also zur Mittagszeit los, wollten ja auf dem Markt etwas essen und trinken und stellten schon gleich fest, dass es in unmittelbarer Nähe der Innenstadt tatsächlich noch freie Parkplätze gab.
Da wir Jacken mit Kapuzen anhatten, entschieden wir uns gegen Regenschirme, denn es gibt kaum etwas Schlimmeres, als sich mit einem Schirm in der Hand durch Marktbudenreihen zu schieben.
Na ja mit Schieben war nichts, eher gähnende Leere. Wie wir später aus der Zeitung erfuhren, hatten ein Drittel der Marktbeschicker morgens bei strömendem Regen gar nicht erst aufgebaut. Und von den Marktbesuchern war wohl auch die Hälfte lieber daheim auf dem Sofa geblieben.
Die ersten Martinsbretzeln, die wir entdeckten, waren durch Plastiktüten vor der Feuchtigkeit geschützt.
Ich hielt Ausschau nach den Kartoffelpuffern, auf die ich großen Appetit hatte. Der Stand war nirgends zu entdecken.
Unter einem Torbogen mit Durchgang neben einer Pizzeria beschwor ein Alleinunterhalter die Sonne: Oh Sole mio.
Nix da mit Sonne, aber das Pizzastück schmeckte gut.
Wir konnten uns also ins nicht vorhandene Marktgetümmel stürzen.
Der letzte Schrei.......
Putzlappen machten das dürftige Angebot ein wenig bunter.
Und ohne Sockenwolle geht einfach gar nichts.
Zum Glück hatte wenigstens der Kräuter- und Teestand aufgebaut.
Ich kaufte alles was auf meinem kleinen Einkaufszettel stand. Dabei konnte ich feststellen, dass ich in 12 Monaten genau 80g Oregano verbraucht habe.
Die Weckmänner fristeten ihr Dasein hinter Glas.
Und dieser Brezel war es auch viel zu nass.
Ohne Schieben und Drängeln landeten wir auf dem Alten Markt.
Auch da sah man schon mal erheblich mehr Kunden.
Hier fanden wir nun auch endlich einen Glühweinstand.
Und tranken den offiziell ersten Glühwein des Jahres. Der war schön heiß, das Wetter war zwar eklig aber es war recht kalt. Fast perfekt. Naja...........
Im Grunde hatten wir damit schon alles erledigt.
Aber in Diez kann man sich noch ein paar schöne Eckchen auch bei schlechtem Wetter anschauen.
Zum Beispiel Skulpturen von Alfred Gutsa einem Bildhauer aus Simbabwe.
Näheres konnte ich dazu nicht erfahren. Interessiert mich aber.
Scheinbar hat er den schwarzen Lahnmarmor verwendet der auch für den Amalien- Sargophag in der evangelischen Diezer Stiftskirche genommen wurde.
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Wenn man in der Altstadt immer höher steigt kommt man zum ehemaligen Diezer Schloss in dem heute eine Jugendherberge und ein Heimatmuseum untergebracht sind.
Gegenüber sieht man die kleine, ebenfalls evangelische, Kirche St. Peter.
Von innen kenne ich sie nur von stimmungsvollen Konzerten vor allem in der Weihnachtszeit.
Diez war bis vor gar nicht allzu vielen Jahren Garnisonsstadt mit 3 Kasernen.
Nur das Schloss Oranienstein wird heute noch zum Teil militärisch genutzt.
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Es liegt etwa 2 km außerhalb der Diezer Innenstadt.
Diez lohnt auf jeden Fall einen Besuch.
Die Stadt ist dabei, vieles zu sanieren und renovieren.
Es gibt auch einen kleinen Wohnmobilstellplatz, ohne alles, in unmittelbarer Nähe der Aarmündung in die Lahn.
Der ist aber derzeit nicht benutzbar, weil sich dort eine große Baustelle befindet.
Aus einem, über Jahre eifrig diskutierten, richtigen großen Wohnmobilstellplatz wurde bisher leider nichts.
Allerdings soll der Diezer Campingplatz so bald wie möglich von Grund auf modernisiert und erneuert werden und dabei werden mit Sicherheit attraktive Wohnmobil Stellplätze entstehen.
Durch Diez geht auch der sehr schön zu fahrende Lahntal-Radweg.
Fazit meines Martinsmarktbesuches. Es lohnt sich immer wieder, ein wenig durch Diez zu spazieren.
Bei schönem Wetter natürlich noch mehr. Diez bietet einiges für Touristen und die Geschichte um Herzogin Amalie, welche die Ahnherrin des heutigen niederländischen Königshauses ist, ist auch spannend.
Im Sommer mache ich mich dann noch mal auf nach Diez.
Die vermissten Kartoffelpuffer gab es am nächsten Tag bei uns zu Hause.



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