
Wenn der französische Lastwagenfahrer mittags Hunger hat, sucht er einen „Routier“. Und wenn der (Bau)arbeiter hungrig ist, geht er zum „Ouvrier“.

Wenn wir längere Strecken über Land fahren, machen wir es genauso wie sie.
Die Routiers findet man vor allem an größeren Überlandstraßen. Ouvriers auch in Orten mit kleineren Straßen. Bei beiden Lokalen ist ein größerer Parkplatz in unmittelbarer Nähe.
Die großen Parkplätze gewährleisten, dass LKW Fahrer ihre Ruhezeiten einhalten können.
Oft bieten die Lokale auch Duschen und Abendmenüs, damit die Fahrer dann dort auch übernachten können.
Also so etwa ab 12 Uhr halten wir die Augen offen, ob am Straßenrand Hinweisschilder stehen.
Bei den oft sehr langen, geraden Straßen erkennt man auch meist die Parkplätze, auf denen um diese Uhrzeit die ersten Lastwagen oder Lieferwagen stehen, schon weit im Voraus.

In dem Fall ist es so, dass wir erfahren, dass das Menü mit Vorspeise, Hauptgericht und Dessert, incl. einem Viertel Wein 12 € kostet.
Um zu erfahren, was es als Hauptgericht gibt, soll man die Karte befragen.
Am liebsten ist es mir, wenn bereits an der Straße eine Tafel (franz.: Ardoise) mit dem Mittagsmenü steht.
Dort erfährt man dann, was das Menü kostet und was darin enthalten ist.
Man betritt das Lokal fast immer durch die Bar. Dort am Tresen nimmt man (wir nicht) seinen Aperitif ein und sagt, dass man essen möchte. Manchmal bekommt man dann einen Bon, meist wird man auf den Nebenraum verwiesen, wo man darauf wartet, dass eine Bedienung einen Platz zuweist.
Wenn die Bar abgeschlossen zum Speisezimmer ist, darf dort geraucht werden. Ansonsten gibt es für die Raucher, Terrassen, Zelte, Wintergärten etc....

Wenn es sich um ein sehr einfaches, eher kleines Lokal handelt, kann es auch heute noch vorkommen, dass es nur ein Menü ohne Wahlmöglichkeiten gibt. Das Tagesgericht, welches man natürlich auch solo bekommen kann, steht dann meist irgendwo angeschrieben.
Ansonsten ist es heute fast überall üblich, dass es ein Vorspeisenbüffet gibt, danach mehrere Fleisch- und auch Fischgerichte und danach Käse und/oder Dessert. Auf jeden Fall gibt es eine ganze Anzahl an Desserts zur Auswahl und oft sind diese hausgemacht.
Das Essen ist im allgemeinen Hausmannskost. Wobei der Franzose darunter unter Umständen etwas ganz anderes versteht als der deutsche Tourist.
Getränke stehen oft, wenn sie im Preis enthalten sind, zur freien Bedienung auf dem Tisch. Alles was nicht frei ist (z.B. Cola oder Bier) muss man extra bezahlen.
Freie Getränke sind stilles Wasser, Wein und/oder Cidre und auch oft weiße Limonade.
Da aber auch in Frankreich inzwischen strenger auf den Alkoholkonsum beim Autofahren geachtet wird, wird man heute oft gefragt welchen Wein man möchte, rot, weiß, rosé, und bekommt dann ein Viertel davon in einem Krug auf den Tisch gestellt.

Einen Brotkorb bekommt man auch sofort gebracht.
Wenn es ein Buffet gibt, wird man zunächst aufgefordert, sich dort zu bedienen.
Während man die Vorspeise isst,


kommt die Bedienung und fragt nach dem gewünschten Hauptgang.
Immer möchte sie dann auch wissen, was man als Beilage haben möchte. Frites, Pommes , Pâtes, Riz, Salade, Haricot... (also Pommes, gekochte Kartoffeln, Reis, Nudeln, Salat, Bohnen...)z.B.

Hier bestellte ich "Mogette de Vendée " zum Kotlett und wie ich richtig vermutete, waren das weiße Bohnen

Und nach dem Hauptgang gibt es dann Fromage, das kann eine kleine zugeteilte Portion sein oder eine riesige Platte, von der man ein paar Stückchen wählt und selber abschneidet.
Für den Käse behält man das Messer zurück, wenn der Teller abgeräumt wird. Natürlich ist es auch kein Problem, jetzt noch mal ein Stückchen Brot nachzubestellen.
Und dann das Dessert, falls man nicht zwischen Käse und Nachtisch wählen muss.


Die Desserts sind vielfältig, können im besten Fall auch auf einer Tafel ausgesucht werden oder die Bedienung kommt mit einem Tablett oder einem Servierwagen. Ansonsten rattert sie ein ganze Liste herunter. Da wir nie die ersten Gäste im Raum sind haben wir dann immer schon mal beobachtet, was die anderen Anwesenden so bestellen. Und für uns schon mal eine Wahl getroffen. Sind wir sehr spät dran, kann natürlich das eine oder andere nicht mehr vorrätig sein. Fast immer gibt es zur Wahl auch 2 Bällchen Eis, wobei man dann das „Parfum“, also den Geschmack, wählen muss. Das Eis ist meistens von sehr guter Qualität.

Der Café dann hinterher kann auch im Preis enthalten sein, meist kostet er inzwischen 1€ und man nimmt ihn fast immer an der Theke ein, während man dort bezahlt.
Hier ein Ouvrier kurz vor der Île de Noirmoutier
Der café ist "offert" also im Preis enthalten
Die Bratwurst blass aber lecker. In Muscadet sautiert.
Die Tarte zum Nachtisch im Pizzaofen gebacken.
Essen beim Routier macht Spaß, wird von immer mehr Touristen angenommen, ist preiswert und sehr schmackhaft. Wenn man experimentierfreudig ist, wie ich, lernt man auch ab und zu ganz neue Gerichte kennen.
Ein paar Brocken Französisch sollte man aber können, sonst ist man ziemlich aufgeschmissen.
Einmal trafen wir in Südfrankreich ein Wohnmobilpaar aus Deutschland, die auf der Rückreise von Spanien waren. Sie hatten unser Wohnmobil auf dem Parkplatz gesehen und erhofften sich Hilfe von uns. Sie erzählten, dass sie seit vielen Jahren durch Frankreich nach Spanien fahren und sich in Frankreich nie trauten in der Art essen zu gehen, weil sie kein Wort Französisch könnten.
Wir halfen ihnen dann Boeuf Bourguignon zu bestellen,
Buffet war ja kein Problem
und unter den Namen der Desserts konnten sie sich auch etwas vorstellen.
Die beiden waren sehr zufrieden.
Eine sehr beliebte Alternative sind heute die zahlreichen „Woks“ in den Industriegebieten und an den Umfahrungen der Städte.
Da kommt man dann auch klar, ohne Französisch zu können.
Hier in Montpellier muss man sich nur zwischen dem Menü mit und dem ohne Getränke, aber mit Wasser und Kaffee, entscheiden.


Und kann sich so manches aussuchen, was hier als ganz normal gilt und für uns typische Zutaten für die Urlaubsküche sind.





Eins muss man aber immer mitbringen, egal wo man anhält, nämlich Zeit.
Es wird davon ausgegangen, dass der LKW Fahrer mindestens eine Stunde gerne auch länger Mittagspause macht.
Die Bedienung in den Lokalen ist zwar immer sehr flott, aber es dauert schon seine Zeit bis man die 3 und mehr Gänge bewältigt hat.
Oft biete sich dann der große Parkplatz auch noch zu einer ausgiebigen Mittagsrast an.



Mai 2020
Februar 2018