Wir haben am 28.10 unsere Wohnung abgegeben.
Völlig übermüdet aber glücklich sind wir danach mit dem Fahrrad zum Wohnmobil gefahren.
Da war schon klar das wir mindestens noch 14 Tage brauchen bis wir losfahren können.
Wir konnten neben dem Leerräumen und Renovieren der Wohnung und den Formalitäten dann doch weniger Zeit als gedacht in das Wohnmobil investieren.
Und noch weniger Zeit uns über die Sinnhaftigkeit unseres Vorhabens, relativierende Gedanken zu machen.
Wir schlittern ja gerade von Sturm zu Orkan. Regen, Hagel und Schnee stehen vor der Tür.
Möglicherweise könnten uns hier und dort herzhafte Wetterlagen unser dasein im Wohnmobil erschweren.
Und was ist eigentlich mit dem Wohnmobil?
Neben der immer noch nicht abschliessend geklärten Stromversorgungsfrage muß Biene Maja also Winterfest gemacht werden.
Beim ersten mal Wettervorhersage mit der Tendenz 0° Celsius kitzelte mir dann endgültig die Kühlwasserwechselhand. Haben ja jetzt ganz kurze Wege.
Wir bauen den Ausgleichsbehälter aus. Beim Ausschütten kommen rote Schleimklumpen mit. Unbedarfte und ängstliche könnten sowas als Rückschlag werten. Ich sage "Klasse" alles schön rausgerotzt.Der Schlauch zum Kühler ist dicht mit dem Schleim.

Wir spülen den Behälter und montieren ihn wieder. Etwas Wasser rein, fertig.
Wir lassen das Kühlwasser am Kühler ab und füllen mit Wasser wieder auf. Dann Motor starten und warmfahren oder laufen lassen bis das Thermostat öffnet. Abkühlen lassen und wieder ablassen. Wir hätten jetzt das Thermostat auch ausbauen können und uns das Warmlaufen lassen sparen.
Erst nach abnehmen der Abdeckung im Fahrgastraum konnten wir uns ein genaues Bild machen warum diese ........... Halter da im Weg sind , weswegen sich die Schrauben nicht herausziehen lassen.
Wir kriegen das Thermostatgehäuse dann irgendwann gewaltfrei ab.
Um vernünftig zu Spülen bräuchten wir jetzt einen Wasserhahn. Der ist knapp 50 Meter entfernt. Ich entscheide eine Druckpumpflasche zu modifizieren.
Mit der gebogenen Lanze gehe ich in alle Kanäle und Pumpe bis nur noch klares Wasser in die 4.99€ Mömax Stappelbox Klarsicht läuft.
Klassische Aufgabe für Auszubildende oder unmotivierte Mitarbeiter.
Nachdem auch aus dem Wärmetauscher nur noch Trinkwasser sprudelte konnten wir guten mutes zusammenbauen.
Wir füllen am Thermostat und Kühler reichlich vom quitschgelben Frostschutzmittel ein. Zur errechneten Menge fehlen am Ende allerdings ca. 4 Liter KFS.
Insgesamt zirkulieren 22 Liter durch Biene Majas Kühlwassersystem.Da müssen wir noch schauen.
Es gibt ein neues Thermostat mit Dichtung und einen neuen Deckel für den Kühler.
Wir kontrollieren mehrfach alles bevor wir den Motor starten. So können wir auch die 7 Meter bis zum Gulli fahren um mal wieder abzulassen.
"Pastawasser solange wir stehen bitte direkt in den Gulli!!!"
Ansonsten tut es ja auch ein Eimer.
Brauchen wir nicht auch Gas?
Also müssen wir zur Tankstelle. Das sind 1km Hin/Rückweg. Zu Fuß 400 Meter.
Manchmal nerven kurze Wege. Obwohl wir jetzt am Stadtrand residieren ist trotzdem mit Rush Hour Verkehrslage zu rechnen.
Immerhin ,wir können ein paar Meter fahren. Mal schauen ob es noch geht.
Die traumaitische Erinnurung des Vorglühdesasters weicht langsam wieder dem Vertrauen in ihren grundsoliden Charakter.
Anschnallen. Automatik auf D. Bröhhhh. Wir fädeln uns in die Schlangen des Feierabendverkehrs ein.
Alles wie immer.
Was trennt uns jetzt noch davon direkt in See zu stechen?
Ein Hauch von Vernunft vermutlich.
Wir hatten geplant unser Wohnobil nicht im Verlauf eines Winters zu ruinieren. Das ist schwer aber machbar.
Zusätzlich sind grundsätzliche Dinge nicht geklärt.
Welche Panels an welchen Laderegler mit welchen Batterien?
Wann machen wir den Boiler?
Können wir uns auf die Truma E4000 von 1986 verlassen?
Wie transportieren wir die Fahrräder?
Wie bauen wir uns eine Außenisolierung?
So geht das immer weiter. Von der Frage ob so ein Gastank im Winter beheizt sein sollte über die Suche nach einem brauchbaren 2. Hand Vorzelt das frei steht nicht zu groß ist und im Winter halbwegs mitmacht.
Gegen die Angst vor der ganz großen Not kaufen wir bei vollem Bewustsein einen Generator. 250 eu beim Kleinanzeigen Portal.
Kipor 1KW inverter. Also der Honda für arme Leute.
Natürlich haben wir die Sätze im Ohr " Pfui ein Moppel"
Der Klassiker " Da kriegst aber keine Freunde mit"
Wo? Wann? Wieso?
Kommen die Flachsolarchorsänger in einer eisig kalten Niederländischen Zwischenjahrsnacht mit ihrer Tupperdose angeschwebt und sagen " Sorry ich hab Mist erzählt, hier hast du Strom"?
Sollte er das tun gibts nen Schierker eiskalt.
Für uns ist das Ding eine Versicherung. Und ein Nützliches Werkzeug im Notfall.
Sollte der Chinakracher Probleme machen zünde ich ihn an.
Derzeit steht er in unserem neuen Lagerraum. Ist hier auf dem Grundstück.
Nebenbei haben wir Adapter für die BA15S Lampensockel besorgt. Baumarkt Bootsabteilung für 4.99 das Stück.
Dazu verschiedene G4 LED´s mit 0.8-2.5 Watt um ein gemütliches Lichtkonzept zu erstellen.
Dazu sorgen Vorhänge an Duschstangen im Flur und zum Fahrerhaus mit einem Haufen an neuer Teppiche für mehr Wärme.
Die Fahrerhausscheiben decken von Außen erstmal Baumarktmatten ab. Asozial.
Von Innen gibts einen Thermovorhang.
Trotz allem werden wir über den Winter öfter mal die Temperatur über das Öffnen der Fenster regulieren.
Der Traum wäre natürlich eine mit Liebe selbstgenähte Fahrerhausvollverschleierung.
Und da ist sie wieder.
Biene Maja.
Auch aus so einer entstellenden Hülle würde sie noch ihre Fühler strecken. Wie süß.
Das Geld für die bald anstehende Batterie ist griffbereit verstaut.
Wir haben heute einen Fahrradträger für die AHK gekauft. Baumarkt , mittlere Quallität.
Den werden wir der Anleitung genau folgend montieren. Und 2-20 kleineren Absicherungsleinen.
Der erste Test ergab " Das geht ja, damit kann ich beruhigt mitfahren"
Der min. 60kg wiegende Lastenträger kann also weiter Pause machen.
Nach mehreren Tagen voller Elan ist Biene Maja nur noch eine halbe Baustelle.
Morgen lege ich mich noch mal unter sie.
Die Getriebeölwanne muß runter. Es gibt keine Ablass-Schraube.
Alles um den 50cent Dichtungsring zu tauschen. Welchen ich schon mal fast in der Hand hatte.
Klassisch.
Dazu gibts einen neuen Filter. Danach schmieren wir noch ab.
Bisschen was zum Schutz auf die Fahrwerksteile etc.
Die unvermeidbaren Notwendigkeiten sind erledigt.
Warten bis alles erledigt ist könnte bedeuten: Wir fahren nie.
Das werden wir vermeiden.
Spätestens Donnerstag werden wir im Dunkel der frühen Morgenstunden in die eisige See auslaufen.
Niederlande und Belgien.
Dann werden wir auch langsam begreifen das wir jetzt wirklich unterwegs sind.
Das wir alles aufgegeben haben.
Das wir jetzt alle Möglichkeiten haben.
Es wird ernst.



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