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Spanien - Bardenas Reales Juni 2022 - Teil 2

permanenter Linkvon birgit60 am 27 Jul 2022 00:10:20

Freitag, 17. Juni

Wir haben gefrühstückt, der Wassertank ist aufgefüllt. Um 08:30 Uhr sind wir abfahrbereit.



Zunächst geht es nur bergab. Der Übergang von Frankreich nach Spanien ist fließend. Wir bemerken es kaum und befinden uns nun auf der N 260.



In La Seu d’Urgell, einem kleinen Städtchen, machen wir Halt. Wir wollen Brot und Hack-fleisch kaufen. Die Straßen sind so eng und voller parkender Autos, dass ich nur in einer gestrichelten Parkverbotszone halten kann. Ich warte am Steuer während Birgit zu Fuß nach einem Bäcker und Metzger sucht. Nach erfolgreichem Einkauf verheddern wir uns mehrmals in dem Straßenwirrwarr der Innenstadt, erst nach mehrmaligem Abbiegen in die eine oder andere Straße finden wir wieder auf die N260 Richtung La Pobla de Segur und El Pont de Suert.

Bild[/url

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Wir wechseln auf die N230 und schlängeln uns um einen See, weiter entlang eines Flusses und durchfahren 13 Tunnels. Diese sind tatsächlich nummeriert.













Die Straßen werden langsam holpriger. Wir sind in Aragonien. Die Fahrgeräusche nehmen deutlich zu, die Reisegeschwindigkeit nimmt dafür ab. Die Straßen sind teilweise katastrophal. Spätestens an diesem Tag reift in uns der Gedanke, sich doch mit einer Luftfederung aus dem Hause Goldschmidt zu beschäftigen.

Während ich mich auf die holprigen Straßen konzentriere, durchstöbert Gert das Internet und macht sich schlau zum Thema Luftfederung. Er liest mir sämtliche Vorzüge dazu vor. So richtig folgen kann ich ihm nicht. Im Geiste versuche ich, mir ein paar Sätze auf Spanisch zurecht zu legen. Die Spanier rollen das „R“ ordentlich und lispeln das „S“: Barrdenath Rrrealeth … hört sich an, wie ein Trommelwirbel.

Aus der N 230 wird die N 240. Die Landschaft hingegen bleibt konstant wunderschön. Es folgen sechs weitere Tunnels und unzählige Risse im Asphalt. Auf schmalen Landstraßen fahrend breitet sich eine unendlich weit erscheinende Landschaft vor uns aus. Ein wenig ähnelt es Namibia. Ok, es fehlen die Elefanten und Zebras sehen wir auch keine, aber diese weite, karge Landschaft, lässt sich durchaus damit vergleichen. Als wir langsam damit rechnen, dass unser Fahrwerk ernsthaft Schaden nehmen könnte, werden die Straßen von jetzt auf gleich besser, denn wir sind nun in Navarra. Von weitem können wir schon die Bardenas Reales erahnen.



Wer in die Bardenas Reales fahren will, sollte eine Nacht auf dem Stellplatz vor den Höhlen von Arguedas verbracht haben. Der Stellplatz liegt direkt unterhalb des Bergs mit den Höhlen. Er ist geschottert, parzelliert und alleine schon des beeindruckenden Fotomotivs wegen ein unbedingtes Muss. Und er ist kostenfrei. Die Entsorgung ebenso. Frischwasser gibt es ca. 100 Meter vom Stellplatz entfernt, sofern man sich vorher in irgendeinem Geschäft einen Jeton für 2 Euro gekauft hat. Angeblich gibt es dafür 100 Liter.



Wir fahren auf den Stellplatz, der noch genügend freie Plätze bietet. Es ist später Nachmittag und Gert sah in den letzten Stunden mehrmals mit angstvollem Blick auf die Außentemperaturanzeige.
42 Grad. Bis jetzt hat uns die Klimaanlage den Tag erträglich gemacht. Nach Erreichen der endgültigen Parkposition und Abschnallen ahnt Gert schon beim Öffnen der Beifahrertür, dass ihn gleich der Schlag treffen wird. Es ist schlicht unerträglich. Er bewegt sich in Zeitlupe, holt zwei Stühle aus dem Heck und schleppt sich 20 Meter vom Auto entfernt in den Schatten. Ich, von dem herrlichen Panorama beeindruckt, geselle mich erst einmal dazu. Es geht ein leichter Wind, nur bringt der keine Kühlung, das ist wie Sitzen vor einem laufenden Umluftherd bei offener Klappe. Nun zeigt das Thermometer 42,7 Grad. Die Stunden bis zum Sonnenuntergang vergehen, wenn auch langsam. Der Stellplatz füllt sich.





Während Gert mit einem nassen Waschlappen auf den Kopf apathisch rumsitzt und in regelmäßigen Abständen 42,7 Grad warmes Mineralwasser in sich hineinschüttet, wende ich meine mir angeeigneten Spanischkenntnisse bei unseren Stellplatznachbarn an und erkundige mich: „Visite las Bardenas Reales o haber estado ya alli?“ (besuchen Sie die Bardenas Reales oder waren Sie schon dort?) … „Es hermosa alli?“ (ist es schön dort?) Zuerst blicke ich in ein fragendes Gesicht. Zögerlich kommt eine Antwort: „Bien“. Dieser Nachbar ist kein Spanier sondern ein Belgier. Ein anderer mischt sich in unsere einseitige Konversation ein und antwortet umso freudiger: „Si, senora, es muy bonito“. Na geht doch ☺ Und weil das gerade so gut läuft, frage ich noch, wo denn die Entsorgungsstation sei: „Donde vaciar las aguas residuales?“ Mein spanischer Gegenüber versteht mich auf Anhieb und weist mir den Weg.

Anschließend kochen wir Nudeln und Hackfleischsoße.

Mit dem letzten Tageslicht besichtigen wir nach dem Essen, mittlerweile ist es auf 40 Grad abgekühlt, die berühmten Höhlen von Arguedas. Einige von Ihnen, in denen bis in die 60er Jahre noch Menschen lebten, kann man begehen, die meisten aber sind aus Sicherheitsgründen gesperrt.











Bis nach Mitternacht sitzen wir draußen vor dem Womo. An Schlafen ist noch nicht zu denken. Im Freien sind wir allerdings leichte Opfer der vielen und ziemlich aggressiven Stechmücken. Mit wenig Hoffnung auf Verschonung sprühen wir uns mit Antibrumm ein. Unsere Reste vom Abendessen wandern immer noch warm in den Kühlschrank. Abkühlung ist nicht in Sicht.


Samstag, 18. Juni

Wir haben die Nacht überlebt. Während sich die Stechmücken ansonsten lieber bei Gert aufhalten, haben sie mich dieses Mal nicht verschont. Mein linker Oberarm sieht aus, als hätten mich die Affenpocken heimgesucht. Unzählige Stiche. Quaddeln überall.

Wir sind die ersten, die den mittlerweile gut besuchten Stellplatz in Richtung Bardenas verlassen. Nach wenigen Kilometern stehen wir vor dem flachen, neuen Informationsgebäude. Wir werden freundlich begrüßt, bekommen einen Plan und erklärt, wie wir uns in dem Nationalpark zu verhalten habe. Das ganze wieder kostenfrei.



Nach wenigen hundert Metern kommt der erste Point of View. Wir steigen aus, und nach 50 Metern Fußweg gelangen wir an einen Punkt von dem aus wir einen ersten beeindruckenden Rundumblick über die Bardenas haben.



Wir fahren weiter, sind nahezu allein unterwegs. Die Ausblicke und Eindrücke sind überwältigend. Auf einem ca. 38 Kilometer langen geschotterten, staubigen Rundkurs durchfährt man ein Gebiet, das weitläufiger kaum sein kann und von dem man nicht glauben mag, dass es mitten in Europa liegt. Kleiner Wermutstropfen – im Prinzip ist das Ganze eine Einbahnstraße, es wird geraten, nach der ersten Gabelung rechts abzubiegen. Die vielen Wege, die den Hauptweg verlassen, dürfen wir nicht befahren. Fast alles ist Militärgebiet. Was die hier wohl machen?























Rund drei Stunden später passieren wir wieder den Eingangsbereich und der Wunsch nach einer Luftfederung wird immer größer. Abgesehen davon sieht das Womo aus als wären wir Paris-Dakar gefahren. Es ist völlig eingestaubt. Am schlimmsten sehen die Fahrräder auf dem Busbiker aus. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir sie an der Info stehen lassen und auf dem Rückweg wieder mitgenommen. Wir erinnern uns an Arguedas, den Stellplatz, Frischwasser, 100 Liter, 2 Euro. Also zurück nach Arguedas.

Wir besorgen in einer Bar für 2 Euro einen Jeton, den man für den Hydranten braucht. Es ist mittlerweile genauso heiß wie gestern. Wir stehen in der prallen Sonne vor diesem Hydranten und wissen nicht, wie wir an das Wasser kommen sollen. Wir finden den Münzeinwurf nicht. Dort wo er sein sollte ist ein Loch groß wie eine Zigarettenschachtel. Gert überlegt, ob vielleicht am Ende dieses Loches ein Trichter sein könnte, der die Münze automatisch … und wirft den Jeton einfach in dieses Loch. Es macht Pleng und es passiert natürlich nichts. Letzter Versuch. Gert verbiegt akrobatisch seine Hand und greift in das Loch um den Jeton zu retten, holt stattdessen eine lose Platine heraus. Endlich begreifen wir … das Ding wurde geknackt.

Wenig später auf der Autobahn finden wir durch Zufall eine Waschanlage für LKWs. Für drei Euro und 10 Minuten später sieht unser Womo wieder aus wie neu.





Wir müssen dringend tanken. Abseits der Autobahn finden wir eine große Tankstelle. Das Display der Zapfsäule zeigt 153 €, die freundliche Kassiererin möchte aber „nur“ 135 €. Keine Ahnung warum, aber wir kommen in den Genuss einer Rabattaktion.

Ziel des heutigen Tages ist das Ebro-Delta.



Wir fahren teils auf der Autobahn, teils auf Landstraßen in südöstlicher Richtung und sehen kaum einen Menschen. Es gibt keine Städte oder Dörfer, so gut wie keine Häuser die man sonst vereinzelt sieht, und Autos begegnen uns auch kaum. Für rund eineinhalb Stunden kommen wir uns recht einsam vor.



Birgit setzt sich langsam mit dem Universum in Verbindung und wünscht sich spätestens nach der vierten Kurve einen Supermarkt. Denn wir brauchen Wasser und auch sonst gehen unsere Vorräte zur Neige. Birgits Wunsch wird schnell erfüllt. In Flix, der Ort heißt wirklich so, finden wir parallel zur Hauptstraße einen Supermarkt, parken direkt vor dem Eingang und decken uns mit dem Nötigsten ein.
Auf Birgits Kulturzettel ist Miravet notiert, ein sehenswerter Ort am Ebro, den wir uns auf unserem Weg ins Ebro-Delta anschauen möchten. Leider kann man mit dem Womo nicht im Ort selbst parken. Wir halten vom Ortskern etwas entfernt und laufen wenige Meter ans Ufer.



Zu mehr als ein paar Fotos zu machen, haben wir allerdings aufgrund der Hitze keine Lust und fahren weiter auf den Stellplatz Camper Area Amposta, irgendwo hinter Deltebre. Der Stellplatz bietet für mehr als 60 Mobile Platz, ist tellereben asphaltiert und sehr sauber. Er kostet 9 Euro die Nacht. Dafür gibt‘s Ver- und Entsorgung. Allerdings nur, wenn man rechtzeitig kommt. Es ist 21 Uhr und wir sind zu spät. Der Kiosk, an dem man bezahlen müsste hat zu, und die Frischwasserzufuhr, die wir dringend brauchen, ist abgestellt. Wir müssen also bis zum nächsten Morgen warten. Das Ebro-Delta ist für Ornithologen sicherlich ein Highlight, für uns aber ist es die Hölle. Stechmücken über Stechmücken vermiesen uns den Abend bei tropischen Temperaturen und ebensolcher Luftfeuchtigkeit.



Fortsetzung Teil 3: --> Link

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