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birgit60
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Spanien durch die Pyrenäen Juni 2022 - Teil 1

permanenter Linkvon birgit60 am 27 Jul 2022 00:03:45

Die letzte Reise liegt fast neun Monate zurück und in dieser Zeit hat unser Womo einige Veränderungen erfahren. Der alte Thule-Fahrradträger hat einem neuen Busbiker Platz gemacht, der es nun erlaubt, neben Birgits E-Bike und meinem alten Herrenrad sogar ein drittes, mein Rennrad, mitzunehmen. Abgesehen davon ist das Handling nun unvergleichlich komfortabler und die Lebensdauer der Türscharniere wird um Jahre verlängert. Der alte Gasherd, der immer wieder Probleme machte, wurde durch einen neuen ersetzt und zu guter Letzt hat Birgit die schweren Töpfe durch neue ersetzt, die leichter, platzsparender und zu-dem stylischer anzuschauen sind. Genauso wie der neue Wasserkessel. In einem Notizbuch schreiben wir mehr oder weniger regelmäßig unsere Erlebnisse auf, damit wir nichts verges-sen. Deshalb steht das „ich“ mal für Birgit und mal für Gert.

Mittwoch, 15. Juni

Dreieinhalb Wochen haben wir nun Zeit. Soviel wie noch nie. Das Womo haben wir am Vorabend zum größten Teil gepackt und starten gegen 13 Uhr. Allerdings erst einmal zur Tank-stelle. Mit vollem Tank fährt es sich nun mal entspannter. Wir fahren Richtung Freiburg. Fast schon Routine. Und wie es sich in der Vergangenheit bewährt hat wechseln wir uns alle zwei Stunden mit dem Fahren ab. Es ist heiß, die Klimaanlage brummt, wir rollen mit Tempomat gemächlich dahin, verkehrstechnisch ruhig, das lang ersehnte Womo-Urlaubsgefühl, es ist da.



Erster Kaffeestopp kurz vor Freiburg. Es ist heiß. Netter Parkplatz, wenig Schatten. Ein Motocrossfahrer hält wenige Meter neben uns, zieht gleich die schwere Lederjacke aus. Ein güldenes Trikot erscheint, ich denke, kommt mir bekannt vor. Na klar,auf dem Rücken steht in fetter Schrift Eintracht und Kamada. Dann sehe ich auch das F-Kennzeichen. Ich sage „geiles Trikot“, er „ja, ne?“, ich „und, wo geht’s hin?“, er „Italien, mit Kumpels treffen zum Offroad-Crossen. Und ihr? Wo kommt ihr her?“ Ich: „erstmal nach Spanien, dann mal schau-en. Wir kommen übrigens aus Offenbach.“ Er, „achso, na dann, trotzdem gute Fahrt.“

Die Straßenbeschilderung verändert sich, wir sind in Frankreich. Unser geplantes Ziel, den WoMo Stellplatz in Reventin Vaugris erreichen wir heute zwar nicht, finden aber über Camper Contact einen tollen Übernachtungsplatz auf einer Autobahnraststätte, der A39, ca. 40 Kilometer vor Bourg en Bresse. Er heißt Aire du Poulet de Bresse und ist absolut empfehlenswert. Sauber, ruhig, viel Platz und topfeben. Wir stellen uns an den Rand einer großen Wiese mit etwas Abstand hinter einen schwedischen Alkoven, und verspeisen genüsslich unser traditionelles erstes Essen auf Reisen: Würstchen mit Kartoffelsalat.




Donnerstag, 16. Juni

Nach einer tropischen Nacht sind wir früh wach und fühlen uns dennoch erholt. Ein kleines Frühstück auf der Wiesen-Picknickgarnitur und um 07:30 Uhr geht’s direkt vom Parkplatz auf die Autobahn.



Die Außentemperaturen steigen und steigen. 37 Grad. Ohne Klimaanlage wäre es unerträglich. Das übliche Verkehrsaufkommen um Lyon wollen wir nicht als Stau bezeichnen und sagen uns: „langsam reisen ist auch schön“. Bei Perpignan verlassen wir die Autobahn und rollen ab jetzt auf der N116, die sich zwischen grünen Hügeln und kleinen Ortschaften langsam in die Höhe schlängelt. Birgit, die unbestrittene Kulturbeauftragte von uns beiden, hat mal wieder ganze Vorarbeit geleistet und einen besonderen Zwischenstopp markiert. Die Grotte des Canalettes. Diese atemberaubende Höhle in der Nähe von Villefranche-de-Conflent ist Teil eines ausgedehnten unterirdischen Netzes von Kanälen und Seen, das 1957 von Henri Salvayre, einem französischen Hydrogeologen entdeckt wurde. 20 Jahre später erforschte er mit dem Höhlenkundler Edmond Delonca diese Höhlen erneut und gemeinsam entdeckten sie 1982 den sogenannten weißen Saal. Die beiden Forscher veranlassten die öffentliche Einrichtung der Grotte, und diese ist absolut sehenswert. Schon allein der Temperatur wegen. Draußen 38 Grad, drinnen 14. Herrlich. Die Höhle ist zu Fuß auf einem halben Kilometer langen Rundkurs zu begehen. Überwiegend auf metallenen Stegen und Treppen. Zahllose, teils mehrere Meter hohe Stalagmiten und Stalaktiten, von bunten Strahlern faszinierend in Szene gesetzt säumen die steilen Treppen links und rechts. Nichts für Besucher mit Knieproblemen.

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Am Ende des Rundkurses liegt verkaufstechnisch geschickt der Souvenirbereich und nach rund einer Stunde stehen wir leicht unterkühlt im Freien bei sengender Hitze und empfinden diese für wenige Minuten als muggelig warm.

Wir sind nun mitten in den Pyrenäen.





Der Ducato windet sich meist im 2. Gang geräuschvoll um die engen Kurven und nach jeder Biegung tut sich ein neuer atemberaubender Ausblick auf. Zeit für einen Pause. Wir finden einen schattigen Platz zum Halten und die Freude über einen Kaffee aus dem neuen stylischen Kessel währt nur wenige Sekunden. Der neue Gasherd verweigert seinen Dienst. Keine Flamme. Kein Gasgeräusch. Und vor allem kein Problem. Wie schön, dass wir den neuen Busbiker haben, denn endlich können wir ja ohne schlechtes Gewissen unterwegs die Hecktüren öffnen, um nach dem Gas zu schauen. Doch diese Freude währt noch kürzer. Der Busbiker lässt sich nicht öffnen. Das Ding sitzt bombenfest. Kein Rütteln, ziehen oder heben hilft. Wir schauen uns fragend an – die drei Räder abmontieren für einen Kaffee? Frustriert steigen wir ein und winden uns weiter durch die Kurven, jetzt auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz und, noch wichtiger, nach einer Tankstelle. Der Ducato braucht Diesel. Nach der einzigen Tankstelle weit und breit finden wir sogar noch einen Campingplatz. In der Nähe von Saillagouse. Er heißt Llisa Camping und ist nichts Besonderes. Viele Mobilehomes, wenige Stellplätze und noch weniger Gäste. Für 20 Euro die Nacht stehen wir auf einer kleinen Parzelle mit mehr oder weniger Blick ins Tal.



Einziges Highlight: Le petit Train Jaune. Europas höchste Eisenbahnlinie in Meterspur, die ursprünglich dazu diente, die Hochebenen der Cerdagne mit den übrigen Pyrénées-Orientales zu verbinden. Die 63 km lange Route zwischen Villefranche-de-Conflent und La-tour-de-Carol überwindet einen Höhenunterschied von 1.200 Metern. Er kündigt sich lautstark an und wir sehen ihn auf dem gegenüberliegenden Berghang langsam vorüber fahren.



Was ist nun mit dem Gas? Räder runter, und zack, der Busbiker lässt sich problemlos öffnen. Das soll einer verstehen. Gaskasten auf und siehe da, der Crashsensor hatte ausgelöst. Ein kleines Knöpfchen hatte uns also die Kaffeepause vermiest. Knopf rein, Flamme an. Vorsichtshalber fetten wir die Verriegelung des Busbikers etwas ein, damit er sich beim nächsten Mal leichter öffnen lässt.
Vor dem Essen möchten wir unbedingt noch duschen. Nach zwei Tagen Dauerhitze freuen wir uns auf ein erfrischendes Nass. Das Duschhaus habe ich mangels Gästen komplett für mich alleine. Dusche an und das Wasser schießt kalt aus dem verkalkten Duschkopf. Von eiskalt geht es für wenige Sekunden über in angenehm warm und direkt in kochend heiß und verbleibt bei einer Temperatur mit der ich mir morgens meinen Kaffee überbrühe. Dummerweise hatte ich mich in der Angenehm-warm-Phase eingeseift und stehe nun vor der Wahl, eingeschäumt oder hummerrot das Duschhaus zu verlassen. Da kommt mir die Idee einfach eine Dusche weiter zu gehen, in der Hoffnung noch einmal die ersten beiden Phasen zu erwischen, und siehe da, es funktioniert. Birgit ist offensichtlich nicht so empfindlich. Sie schafft das Ganze in einer Duschperiode.
So heiß wie der Tag war, so angenehm kühl wird die Nacht auf 1300 Meter Höhe.

Fortsetzung Teil 2: --> Link

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