Heute ist es das erste Mal frisch. Die Sonne kommt selten hervor und es weht eine leichte Brise.
Vor Antritt unserer Reise hätten wir uns solch ein Wetter erträumt, nun sind wir von der Sonne verwöhnt. Wir wollen dem tristen Anblick der Bucht, so ganz ohne Meer, ein wenig entfliehen und beschließen, heute etwas zu unternehmen. Wir machen uns mit den Rädern auf den Weg zum Village Gaulois, einer Mischung aus Hessenpark und Mathematikum. Hinwärts läuft’s ganz gut, weil bergab mit Rückenwind. Der Besuch ist kurzweilig.




Der Rückweg allerdings ist weniger schön: Bergauf mit frischem Gegenwind. Das ist so ziemlich das Gemeinste, was einem wie mir widerfahren kann. Und je mehr ich mich aufrege, desto schwerer fällt es mir, dem Randonneur, dem nix zu schwör ist, zu folgen. Im Vergleich zum gertenschlanken Gert, der immer mehr die Formen einer Fahrradspeiche annimmt, bin ich ein untrainierter Moppel. Mein innerer „Günther“ meint, ich solle öfter mal das Rad für die Fahrt ins Büro zu nehmen. Haha. Ich muss vor allen Dingen erstmal richtig Schalten lernen.
Zurück auf dem Campingplatz beschließen wir morgen weiter zu fahren. Wir sehnen uns nach mehr Meer.
Mittwoch, 5.9.2018
Das war der teuerste Campingplatz der Reise. Für den Blick ins Watt kommt zu den 17 € noch ein Zuschlag von 1,50 € hinzu. Plus Strom und Kurtaxe zahlen wir für 2 Nächte 46,60 €.
Nach einer Stunde Fahrt, erreichen wir den CP Municipal du Fond de la Baie in Locquirec. Der hat seinen Namen zu Recht verdient, denn er liegt traumhaft schön in einer Bucht an einem großen Sandstrand zwischen Felsen. Der Empfang ist erst am Nachmittag wieder besetzt . Wir schlendern über den Platz und schauen uns um. Anschließend fahren wir einkaufen und besichtigen bei der Gelegenheit noch den CP Municipal de la Mer in Primel-Tregastel. Der thront oberhalb des Meeres und liegt auch sehr schön. Auch die Sanitäranlagen sind recht ordentlich. Doch weht hier eine steife Brise und so fahren wir zurück nach Locquirec. Die junge Frau an der Rezeption ist ausgesprochen freundlich und wir nehmen Platz Nr. 131 mit freiem Blick auf das Meer. Die Sanitäranlagen sind ganz ok.

Wir brechen gleich zu einem Spaziergang über den breiten Strand zu den Felsen am Ende der Bucht auf.
Nach dem Grillen sitzen wir noch draußen und ziehen uns nach Einbruch der Dunkelheit – es ist doch recht frisch – in den Kasten zurück.
Donnerstag, 6.9.2018
Die Sonne lässt sich mal wieder blicken und Gert nimmt eine längere Radtour ins „Landesinnere“ in Angriff - ich eine kleinere in den Hafen von Locquirec.
Gert kehrt am frühen Nachmittag enttäuscht von seiner Tour zurück. Sein Resümee: Landschaftlich durchwachsen, nix besonderes und keine erwähnenswerten Berge.
Heute ist die letzte Möglichkeit im Meer zu baden, denn morgen soll es Richtung Heimat gehen. Gert meint, dass 18 Grad Außen- und Wassertemperatur nicht gerade zum ausgiebigen Plantschen einladen. Gert ist nicht für Geld dazu zu bewegen sich in Badeklamotten zu schmeißen, geschweige denn in die Fluten zu stürzen. Ich möchte aber unbedingt wenigstens einmal im Urlaub im Meer gewesen sein. Schuhe aus, Bikini an, 36 Grad hat es zwar nicht, aber egal. Vielleicht 18. Das Meer ruft. Gert übernimmt dick eingepackt die Aufgabe, den Badegang fotografisch festzuhalten. Das Weichei.
Mit einem Großeinkauf in einem Super U und einem letzten Grillen im Freien begehen wir unseren letzten Abend am Meer.
Freitag, 7.9.2018
So langsam müssen wir uns mit der Heimreise befassen. Wie schon oft nehmen wir uns vor, Frankreich ohne Mautgebühren zu durchqueren. Und es soll uns erstmalig gelingen.
Das heutige Ziel: Provins - 70 Kilometer südöstlich von Paris.
Wir sind überrascht, wie angenehm die Fahrt verläuft. Teilweise sind die Landstraßen autobahnähnlich ausgebaut und man darf 110 km/h fahren. Wir sparen nicht nur Sprit, wir sparen auch Maut und die damit verbundene Zeit für das Zahlprocedere an der Mautstation.
Bis kurz vor Paris läuft es bestens. Sicherheitshalber verfolge ich die Strecke auf der Karte. Am Freitagnachmittag in und um Paris zu fahren, ist kein Vergnügen. Bevor ich Gert eine andere Strecke vorschlagen kann, sind wir an der Ausfahrt vorbei gefahren und stehen im zähfließenden Berufsverkehr von Paris. Tom Tom aktualisiert sich wund und wir wissen gar nicht mehr, wo wir sind. Nach 1,5 Stunden haben wir das Schlimmste hinter uns. Provins rückt näher.
Der Wohnmobilstellplatz, auf dem übrigens auch Wohnwagen erlaubt sind, ist gut zu finden und liegt direkt vor den Stadtmauern.

Nach der langen Fahrt brechen wir gleich zum ersten Rundgang durch Provins auf.
Die mittelalterliche Festungsstadt Provins liegt in Seine-et-Marne. Im Mittelalter war sie das wirtschaftliche Zentrum der Grafen der Champagne und eine der bekanntesten Städte Frankreichs. Hier fanden die großen jährlichen Handelsmessen statt, die den Norden Europas mit den Gebieten rund um das Mittelmeer in Kontakt brachten. 58 Denkmäler, Bauwerke oder bedeutende Anwesen haben dazu beigetragen, dass Provins im Jahr 2001 als UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen wurde. Die Stadt ist stolz auf ihre Geschichte und lädt Besucher zu unterhaltsamen Spaziergängen durch den Ort,durch die unterirdischen Gänge aus dem Mittelalter, ins Museem sowie zu Open-Air-Veranstaltungen ein.

Das alles müssen wir unbedingt morgen nochmal im Hellen sehen.
Samstag, 8.9.2018
Ich bin vor acht Uhr wach und mache mich auf den Weg zum Bäcker. Der Ort schläft noch und ich frage mich bei Einheimischen zum Bäcker durch. Ich muss in die „Unterstadt“ und durchquere zuerst das Weltkulturerbe. Danach geht es noch stramm 15 Minuten bergab. Es riecht verlockend nach frisch gebackenem Brot. Ich kaufe reichlich ein und mache mich auf den Rückweg.
Vor den Stellplatz an der Touristeninformation, spricht mich eine Französin an. Wir plaudern ein Weilchen und ich erzählte ihr, dass ich gerade „weit unten“ beim Bäcker war. Sie meinte, dass sei aber schade um den Weg denn um 9 Uhr gäbe es immer frisches Brot an der Touristeninformation. Auf meiner Uhr ist es kurz nach 9. Ok, nächstes Mal weiß ich Bescheid. Ich werde meine Informationen weitergeben.
Nach dem Frühstück erkunden wir gemeinsam den Ort. Die Führung in den unterirdischen Gängen hat gerade begonnen. Die nächste (in Englisch) findet erst um 14.30 statt. Zeitgleich laufen die Ritterspiele und eine Raubvogel-Show gibt es auch noch.

Wir disponieren um und erkunden den Ort auf eigene Faust. Langsam bekommen wir Hunger. Wie schnell hier die Zeit vergeht. Wir besichtigen das Museum und bekommen für 8 € Eintritt sogar noch einen Audioguide auf Deutsch.
Danach wird es höchste Zeit für eine Stärkung und wir besetzen den letzten freien Tisch vor einem urigen kleinen Restaurant.

Nach dem Essen machen wir einen Verdauungsspaziergang außerhalb der Stadtmauern und am frühen Nachmittag sind wir, bereichert durch viele schöne Eindrücke, zurück am WoMostellplatz.

Da wir nichts ausgepackt hatten, sind wir schnell abfahrbereit. Wir fahren heute nur 180 km bis zum Lac du Der-Chantecoq (kurz Lac du Der; Marne-Stausee).
Der See liegt in der südlichen Champagne, in der Region Grand Est und ist mit knapp 48 km² der größte Stausee in Frankreich, der bei Wassersportlern wie bei Naturfreunden wegen seiner Lage im dünn besiedelten Nordosten Frankreichs bekannt ist.
Ziel ist der Yelloh Campingplatz Champagne. Mit Yelloh hatten wir bislang nur gute Erfahrungen gemacht.

Dieses Mal ist das anders. Wir treffen auf eine sehr nette Rezeptionistin. Sie erklärt uns den Platz und gibt uns den Plan. Viel Auswahl haben wir nicht, bis auf 2 Parzellen sind alle belegt, und große Lust nach was anderem zu schauen haben wir nicht. Gert macht noch eine kurze Erkundungstour per Rad. Dann gehen wir duschen: Im Gebäude ist es recht duster, das Licht funktioniert nicht, die Duschen sind eng und es gibt nur jeweils eine für Männer und eine für Frauen. Naja, ansonsten ist der CP ganz ordentlich, wenn man sich an der Chemietoiletten-Entsorgung direkt neben der Restaurantterrasse nicht stört. Mahlzeit.
Sonntag, 9.9.2018
Um den Frühstücksgästen auf der Terrasse nicht den Appetit zu verderben, entsorgen wir unser Chemieklo am anderen Sanitärgebäude. Nach dem Frühstück machen wir uns abermals auf mautfreien Straßen auf den Heimweg.
In Blieskastel legen wir eine kurze Pause ein und gönnen uns ein leckeres Essen im Pferchtaler Biergarten, dessen Küche durchgehend geöffnet ist.
Die letzten 170 km nutzen wir die heimische Autobahn und stellen fest, dass es sich auf Frankreichs Nationalstraßen dank Tempolimit entspannter reisen lässt.
Fazit:
Unser erster Bretagneurlaub hat sich auf alles Fälle gelohnt. Wir fuhren quasi am Chemin des Douarniers entlang. Hätten wir mehr Zeit gehabt, wären wir sicher die eine oder andere Strecke auch gelaufen. Uns boten sich viele schöne Eindrücke.
Das absolute Highlight war natürlich der Mont Saint Michel. Den muss man live erlebt haben.
Atemberaubend empfanden wir außerdem die Rosa Granitküste bei Plougrescant.
Entlang der rosafarbenen Strände erscheinen bezaubernde Felsansammlungen. In Le Gouffre brodelt das Meer in einem tiefen Schlund. Häuser (das wohl Bekannteste ist sicher das Castel Meur) schmiegen sich hier beeindruckend an die Felsen und hinter jeder Biegung erschließen sich neue, unvergessliche Eindrücke.
Die Campingplätze am Meer liegen meist etwas weit „vom Schuss“. Man sollte möglichst bei jedem Supermarkt, der auf dem Weg liegt, seine Vorräte auffüllen. Frische Nahrungsmittel gibt’s natürlich auf den Märkten in den jeweiligen Orten.
Gefahrene Km: knapp 2.500
Durchschnittlicher Verbrauch: 8.8 l
Spritkosten: 322,95 €
Maut auf der Hinfahrt: 83,20 €
Übernachtungskosten: 164,14 €




November 2022
Juli 2022