Es geht zurück nach Frankreich aber wir wissen noch nicht, wohin. Sollen wir erneut einen Campingplatz am Meer ansteuern oder lieber bisschen was im Landesinneren anschauen? Bis zuletzt sind wir unschlüssig. Inzwischen haben auch in Frankreich die Ferien begonnen und die Aussicht auf eine schöne Parzelle mit Meerblick wird bestimmt nicht größer.
Wir (ehrlich gesagt mehr ich als Gert) sehnen uns nach einem schönen Städtchen zum Bummeln und Schauen. Die Entscheidung fällt auf Pézenas.
Kurz vor dem beschaulichen Ort, brennt neben der A 75 die Böschung. Die Feuerwehr ist bereits im Großeinsatz.

Pézenas hat wunderschöne Altstadtgassen und denkmalgeschützte Patrizierhäuser. Im Labyrinth aus Gassen, Loggien und Hinterhöfen haben sich Kunsthandwerker aus ganz Frankreich mit ihren Ateliers angesiedelt. Ein absolutes Highlight soll der Wochenmarkt sein, der jeden Samstag stattfindet. Leider haben wir den um einen Tag verpasst. Wir parken am Ortseingang auf einem kostenlosen Parkplatz und wandeln zunächst auf den Fußabdrücken berühmter Persönlichkeiten in die Altstadt.




Übrigens gelang Molière hier in Pézenas 1647 mit seinem „Illustre Théâtre“ der Durchbruch.

An den Hauswänden weisen Schilder auf die Kreativen der Stadt hin.


Nach einem rund dreistündigen Bummel suchen wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe. Wir entscheiden uns für einen Wohnmobilstellplatz am Lac du Salagou. Es erwarten uns beeindruckende Farben in allen rot-grün Variationen. Nach einem ausgiebigen Spaziergang stellen wir fest: es ist schön hier, man muss es auch mal live gesehen haben aber morgen fahren wir weiter.


Montag, 4. Juli
Auf unserer Route zum Lac de Pareloup legen wir eine Pause in Saint Affrique ein, das im Tal des Flusses Sorgue am Rande der Hochebene Causse du Larzac liegt. Wir schlendern über die alte Brücke des 14.Jahrhunderts zur Pont-Neuf des späten 17. Jahrhunderts und besichtigen die neugotische Kirche Eglise du Bon Pasteur.

Wir setzen unsere Fahrt fort. An einem besonders schönen Picknickplatz, der eine imposante Sicht auf die Brücke von Millau bietet, legen wir eine Kaffeepause ein.



Angekommen auf dem CP Les Genêts in Salles Curan am Lac de Pareloup werden wir freundlich empfangen und bekommen eine Parzelle direkt am Seestrand. Wir buchen für drei Tage. Der CP bietet viele Annehmlichkeiten insbesondere für Familien mit Kindern. Es gibt einen großen Spielplatz mit Hüpfburg, einen Minigolfplatz, ein Schwimmbad und ein Spa. Die Duschen sind geräumig und sauber aber wieder mal mit Druckknopf.
Wir verbringen die Tage mit paddeln, schwimmen, und Gert zusätzlich mit darten und radfahren.



Donnerstag 7. Juli
Weil wir gestern Abend den Kasten schon reisefertig gepackt haben, brechen wir früh nach dem Frühstück auf. Es liegt eine „kurze“ Strecke mit langer Fahrzeit vor uns, weil wir durch die Cevennen unter Vermeidung von Mautstraßen an die Ardêche fahren wollen. Zumindest ist so der Plan.
Gut gelaunt geht es zunächst einige Kilometer auf die A 75 und dann auf die N 88. Unser TomTom ist auf „schnellste Strecke“ programmiert, was sich im Nachhinein als nicht sonderlich zweckmäßig erweist aber trotz aller Widrigkeiten wohl doch noch die beste Wahl ist. Denn wenn wir „kürzeste Strecke“ wählen, dann lotst er uns über Straßen, die selbst einen Kastenwagenfahrer vor gewisse Herausforderungen stellen. Wenn nun der Weg Richtung Mende über die D 42 auch nur 2 Minuten schneller ist anstatt auf der N 88 zu verbleiben, dann wählt TomTom eben diesen. Er kann ja nicht wissen, dass wir uns auf diesen Sträßchen nur mit 50 km/h statt der erlaubten 80 km/h fortbewegen. Und so kommt es , wie es kommen muss: Die Ankündigung eines Tunnels, der für unseren Kasten zu niedrig ist. Wir ignorieren TomToms Anweisung rechts abzubiegen und fahren stattdessen weiter geradeaus. Er berechnet ja schnell eine neue Route, wenn er lange genug darauf hingewiesen hat, dass wir umdrehen sollen.

Inzwischen sind wir 2 Stunden unterwegs. Eigentlich wäre jetzt ein Fahrerwechsel angesagt aber Gert ist noch fit und so überlasse ich ihm gerne weiterhin das Steuer. Auf Straßen ohne Mittellinie bin ich restlos überfordert, wenn ein größeres Fahrzeug entgegen kommt. Am ersten, einem großen Milchtanker, sind wir souverän im Schritttempo vorbei gekommen. Das Navi schickt uns zurück auf die N 88.
Über die D 74, die D 27 auf die N 901 nähern wir uns langsam dem anvisierten Ziel.
Doch einige Kilometer hinter Bagnols les Bains kommt es ganz schlimm. Eine Weiterfahrt ist aufgrund einer Baustelle für uns nicht möglich. Es wird einspurig, dann kommt eine Ampel, die den Gegenverkehr regelt, und kurz vor der Ampel der Hinweis, dass nach der Kurve eine Höhenbegrenzung von 2,50 m auf uns zukommt. Na hätte das nicht ein paar Kilometer vorher angekündigt werden können? Während mir der Schweiß ausbricht, manövriert Gert den Kasten souverän 100 m zurück, denn wenden vor der Ampel geht gar nicht. Zurück in Bagnols les Bains legen wir eine Kaffeepause mit Lagebesprechung ein. Großzügig überlasse ich Gert mein Pain au Chocolat. An essen kann ich gerade nicht denken. Wir beschließen TomTom abzuschalten und nach Karte weiterzufahren. Gerts Abenteuerlust ist noch nicht gestillt und er liebäugelt mit einer „Abkürzung", die uns irgendwann, irgendwo zurück auf die D 901 führen soll. Ich kann seinen Tatendrang aber bremsen und setze mich durch. Wir sind inzwischen vier Stunden unterwegs und meine Kraft, wenn auch nur auf dem Sozius, ist erschöpft. Dann lassen wir die Cevennen eben aus und fahren statt nach Ruoms direkt zum Winzer Les Caves Vivaraises nach Vesseaux. Über die D 27, die N 88 und die N 102 rollen wir ohne weitere böse Überraschungen und genießen die schönen Ausblicke in den Parc Naturel Regional des Monts d’Ardèche.


Beim Weingut decken wir uns mit verschiedenen Rot- und Roséweinen ein, essen eine Kleinigkeit und beschließen, noch ein paar Kilometer weiter zu fahren. 40 Minuten später stehen wir in Baix an der Rhone auf einem schönen Stellplatz. Nach dem Essen schlendern wir durch den verlassenen Ort.







Das waren heute 265 km – 8 Stunden.
Freitag, 8. Juli
Es geht nach Dole. Ohne die Nutzung von Mautstraßen liegen 312 km vor uns.
Wir haben ja Zeit. Das Städtchen ist sehenswert, hier waren wir noch nicht und es gibt einen großen Wohnmobilstellplatz direkt vor den Toren der Altstadt. Zwischendurch fällt uns auf, dass einige Landstraßen neu asphaltiert wurden. Nebenbei entdecken wir gelbe Fähnchen und Wegweiser. Sollte hier etwa … ? Schnell gegoogelt und tatsächlich, Dole ist morgen Startort der 8. Etappe. Es ist früher Nachmittag, die Profis radeln ja noch in den Vogesen, also suchen wir uns erst einmal den Stellplatz. Wir wollen ja nur die Stadt besichtigen, eine Nacht bleiben und morgen, bevor der Trubel losgeht, schon wieder weg sein.

Überall sind Absperrungen zu sehen, reges Treiben und viel Verkehr. Wir sind fast am Ziel, nur noch über die Brücke, nach der Ampel rechts abbiegen, und da liegt er schon, der riesige geschotterte Stellplatz vor der Altstadt. Herrlich und so schön leer. Kein Womo, nichts. Wir biegen auf den Platz ein, vorbei an ein paar PKWs, Lieferwagen und Menschen, die uns interessiert nachschauen und rollen über das weitläufige Gelände, eine leichte Staubwolke hinter uns herziehend, als uns ein PKW linksseitig einholt und der Fahrer uns lautstark aus dem offenen Seitenfenster auf irgendetwas aufmerksam zu machen versucht. Wir verstehen nicht viel, nur so viel: „Interdit! Interdit!“. Tatsächlich, wir sind das einzige Wohnmobil mitten auf dem Gelände, wo morgen eine der größten Sportveranstaltungen der Welt stattfindet. Die 8. Etappe der TdF startet hier zu Ehren von Louis Pasteur, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 200. Male jährt.

Nach der Aufregung suchen wir uns einen sicheren und legalen Parkplatz hinter einem Kreisel und besichtigen den reizvollen Ort zu Fuß. Später beschließen wir hier nicht zu übenachten, und uns außerhalb etwas zu suchen, um dem morgigen Trubel zu entgehen.





Wir fahren ins ca. 30 km entfernte Lamarche-sur-Saône. Der Wohnmobilstellplatz liegt idyllisch gelegen direkt an der Saône, bietet Ver- und Entsorgung und ist kostenlos. Allerdings benötigt man für die Wasserentnahme Jetons, die man im Ort erhält.

Spät abends, wir liegen schon im Bett, quetscht sich ein VW Bus kuschlig eng zwischen uns und unseren Nachbarn.
Samstag, 9. Juli
Unseren letzten Urlaubstag gehen wir gemütlich an und frühstücken in der morgendlichen Sonne. Nun sehen wir auch den nächtlichen Nachzügler. Er heißt Andy, ist aus UK und ein absoluter TdF-Fan. Andy ist allein unterwegs und begleitet die Tour, wohin es nur geht. Mit seinem Rennrad fährt er gleich die 20 Kilometer nach Dole und wird sich den Start der 8. Etappe aus nächster Nähe anschauen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit dem Brot von gestern, machen wir uns auf den Weg Richtung Heimat. 500 Kilometer liegen vor uns, eigentlich ein Klacks :D

In Montbéliard legen wir eine Pause bei E. Leclerc ein, dem größten Supermarkt, den wir je gesehen haben. Wir wollen traditionellerweise noch ein paar Crème Brûlée für Zuhause und ein paar Apfeltaschen für die letzte Kaffeepause auf unserer Reise mitnehmen.

Der Urlaub geht dem Ende zu … gegen 18 Uhr sind wir zuhause.
Fazit:
3,5 Wochen Urlaub am Stück, solange waren wir noch nie unterwegs. Wir sind 4.117 km gefahren bei 8,7 Liter im Durchschnitt, das ganze unfall- und pannenfrei. Wir haben unfassbar viel gesehen und unendlich schöne Eindrücke gewonnen. Die Bardenas Reales waren nach langer Abwägung landschaftlich das Highlight und die Pyrenäen waren und bleiben eines von vielen Reisezielen. Den französischen Teil Richtung Westen werden wir irgendwann noch mal in Angriff nehmen. Genauso wie die Cevennen. Die Ardèche ist immer wieder eine Reise wert. Die Spritkosten, wen wundert es, machten in diesem Urlaub den absoluten Löwenanteil aus.
Und die Luftfederung ist mittlerweile bestellt …




November 2022
Juli 2022