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birgit60
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Provence und Cote d'Azur September 2017 - Teil 2

permanenter Linkvon birgit60 am 22 Jan 2021 19:20:12

Freitag, 22. September

Schade, dass wir vom Fischkauf und der Zubereitung nichts verstehen. Der kleine Fischereihafen hat allerhand zu bieten. Der Fischgourmet fühlt sich hier bestimmt wie Gott in Frankreich. Nun ja, bis zum nächsten Urlaub haben wir ja Zeit, uns schlau zu machen. Unsere Nachbarn bleiben noch eine Nacht und wechseln auf einen gerade frei gewordenen Platz mit direktem Blick auf’s Meer.

Wir dagegen fahren weiter nach Aigues Mortes.







Vor dem Ortseingang besuchen wir die Salinen und verbinden das Ganze mit einem Großeinkauf: Fleur de Sel, Fleu de Sel Citron (zu Fisch) und grobes Salz für die Mühle.



Den Großparkplatz, direkt am Eingang der Stadt hinter Mauern gelegen, auf dem auch Wohnmobile parken dürfen (sogar über Nacht zu einem moderaten Preis), finden wir auf Anhieb.



Um den ersten großen Hunger zu stillen, machen wir uns noch was zu essen.
Dann begeben wir uns hinein ins Städtchen und steigen durch einen der 4 Türme hinauf auf eben diese Mauern.
Anschließend folgt ein Gewaltmarsch in luftiger Höhe auf der beeindruckenden Stadtmauer, 1,6 Kilometer. Einmal um den Ort herum.











Gert ist völlig fasziniert vom Schicksal der Marie Durant, der wohl berühmtesten Gefangenen dieser Festungsanlage, wie aus einem Flyer zu erfahren ist.


Marie Durand, geboren am 15.7.1711 in Le Bouchet-de-Praneles war eine Hugenottin, die als 19-jährige, frisch vermählte junge Frau im Tour de Constance von Aigues-Mortes zusammen mit anderen Hugenottinen inhaftiert wurde, weil sie nicht dem katholischen, sondern dem reformierten Glauben anhing, was die katholische Kirche aufs Schärfste Verurteilte. Unter den menschenunwürdigen Haftbedingungen in dem Gefängnisturm war Marie Durand „Seelsorgerin“ ihrer Mitgefangenen. Nach 38 Jahren Haft wurde Marie Durand im Alter von 56 Jahren aus dem Gefängnis entlassen und kehrte am 14. April 1768 zurück in ihren Heimatort. Nach ihrer Entlassung war sie „zwar körperlich gebrochen, geistig aber so stark wie immer“, wie es ein Biograph zusammenfasste. Sie lebte noch weitere acht Jahre in Freiheit, bevor sie im Alter von 65 Jahren im Juli 1776 verstarb.



Nach dem Rundgang genehmigen wir uns ein Eis. Ein super leckeres, das allerdings auch seinen Preis hat. 2,50 die Kugel. Macht für zwei Kugeln pro Eis 10 Euro. Preise wie in Saint Tropez. Auf dem Rückweg zieht es uns magisch in einen Laden voll von Süßigkeiten, und geben hier, was sind schon 10 Euro für Eis, gleich 20 für Lakritzstäbchen, Colafläschchen und Gummitiere in allen Farben aus. Aber egal. Sie sind es wert.

Nun geht es weiter nach Saintes-Maries-de-la-Mer. Auf dem CP La Brise genießen wir freie Platzwahl. Der freundliche Mitarbeiter am Empfang gibt uns einen Plan und schickt uns los: „Suchen Sie sich einen Platz, der Ihnen gefällt uns teilen Sie uns morgen früh die Nummer mit.“ Wir einigen uns schnell auf Parzelle 95, die ganz zentral gelegen ist: Nicht weit zum Strand, ein Katzensprung zu den Waschhäusern und der Wasserhahn gleich schräg gegenüber.
Wir wärmen den Rest Kartoffelsuppe von gestern auf und binden das Ganze vorsichtig mit „etwas“ Couscous. Allerdings nicht vorsichtig genug, denn in kurzer Zeit verwandelt sich die Suppe in einen zähen Brei, der sich garantiert zum Spachteln von Kotflügelbeulen eignen würde.
Nach einem Spaziergang über den CP ziehen wir uns in den Kasten zurück.





Samstag, 23. September

Nachdem Gert zu einer größeren Radtour durch die Camargue aufgebrochen ist, mache ich klar Schiff und erkunde anschließend das Städtchen per Rad.





Später liegen wir gemeinsam am Strand in der Sonne und ich nehme ein Bad im wider
Erwarten warmen Meer.


Nach dem Duschgang mit leider nur kaltem Wasser, grillen wir und machen einen schönen Abendspaziergang durch endlose Dünen zu den wilden Flamingos und anderen Vögeln.









Sonntag, 24. September

Nach dem Frühstück steht eine Radtour zum Vogelpark auf unserem Programm. Wir fahren bis kurz hinter Saints-Maries-de-la Mer. Der Himmel sieht nicht gut aus und wir beschließen in die entgegengesetzte Richtung, zum Phare de la Gacholle, zu fahren.
Und so radeln wir mit kräftigem Rückenwind 13 km durch die Nebelschwaden.





Links stehen zahlreiche Flamingos im Bracksee. Rechts liegt vom Nebel verborgen das Meer. Dann fliegt ein Flamingo davon und die anderen verharren in Habachtstellung. Nach und nach fliegen weitere los, bis schließlich nur noch vier übrig bleiben, die im Gleichschritt mit exaktem Abstand weiterschreiten.









Der Radweg, der topfeben über den Deich führt, ist wunderbar zu fahren. Nur hin und wieder müssen wir die Räder durch Sandverwehungen hindurch schieben.








Am Leuchtturm angekommen, stellen wir zu unserem Bedauern fest, dass der Leuchtturm nicht bewirtschaftet ist.







Wir machen uns auf den Rückweg, nun mit Gegenwind. Dafür scheint jetzt die Sonne.



Zum Abendessen grillen wir unsere Reste und Frikadellen.


Montag, 25. September

Heute machen wir uns ganz gemütlich auf unsere Heimreise, die uns wieder durch die Provence führen soll. Erster Stop ist in Les-Baux-de-Provence.



Kurz vor Les-Baux probieren wir uns in einer großen Ölmühle durch die verschiedensten Olivenöle und kaufen reichlich ein.



An der Straße unterhalb von der Cité Les-Baux finden wir genügend Parkmöglichkeiten vor. Wir steigen bergauf und stehen in einem bezaubernden Ort mit vielen Treppen.











Ich kaufe Schalen für meine selbst gesiedeten Seifen. Anschließend gönnen wir uns in einem netten Café Crêpes und Café au Lait.




Am Womo angekommen überreichen wir unseren Parkschein vor der Weiterfahrt an ein junges belgisches Pärchen, das sich sehr darüber freut.

Wir fahren weiter nach Saint-Rémy-en-Provence. Auf dem Campingplatz Monplaisir haben wir Glück. Wir belegen die letzte verfügbare Parzelle. Der CP ist sehr ansprechend: Tolle Sanitärräume. Tolles Personal. Mit den Rädern fahren wir in den Ort den wir zu Fuß erkunden. Dann begeben wir uns auf den Circuit "Promenade dans l´univers de Van Gogh".



Hier sind auf ca. 1,5 km zahlreiche Reproduktionen von Van Gogh zu besichtigen,





Der Weg endet in der Nervenheilanstalt Saint-Paul-de-Mausole. Hier verbrachte Van Gogh das letzte Jahr seines Lebens, nachdem er sich in einem Streit mit Paul Gauguin ein Ohr abgeschnitten hatte.















Auf dem Gelände verstreut stehen Menschen vor ihren Staffeleien und malen.





Auf dem Rückweg zum CP halten wir kurz am Supermarkt. Gert bleibt bei den Rädern, während ich nur Wasser und Tomaten holen will. Ruck zuck habe ich alles erledigt, komme an der Kasse auch sofort dran und verlasse den Supermarché. Nur Gert ist nicht da. Ich laufe den Parkplatz ab, und stelle fest: das ist ein anderer Parkplatz! Ich erkundige mich bei einer Passantin, die mir erklärt, dass der Supermarkt 2 Ein- und Ausgänge habe. Auf die andere Seite zu gelangen ist quasi unmöglich, will man nicht durch den Supermarkt laufen. Nach zahlreichen vergeblichen Versuchen, irgendwie auf die andere Seite zu kommen, wende ich mich an den Securitémann und erkläre ihm, dass ich den falschen Ausgang genommen hätte und mein Mann auf der anderen Seite warte. Ich zeige ihm meinen Kassenbon und er geleitet mich zielsicher durch den Supermarkt, vorbei an den Kassen zum anderen Ausgang. Gert war schon kurz davor Flugblätter mit meiner Vermisstenmeldung zu verteilen.
Nach dieser Supermarktodyssee haben wir lecker gekocht und uns ein (zwei) Glas Rotwein dazu genehmigt.



Dienstag, 26. September

Unsere Heimreise führt uns weiter nach Gordes.





Hier ist, wie soll es auch anders sein, mal wieder Wochenmarkt.







Wir kaufen Halstücher für die ganze Familie, Lavendelsäckchen, Salami, den weltbesten Käse überhaupt und erfahren nebenbei, dass der Tischläufer „Chemin de table“ heißt.











Weiter geht es nach Grignan.





Auf dem Weg dorthin machen wir eine Weinprobe in der Winzergenossenschaft Rhonéa, in Beaumes-de-Venise und kaufen 6 Flaschen Rosé und 6 Flaschen Weißwein. In Grignan laufen wir durch den netten Ort hoch hinauf zum Schloss.














Im Hintergrund der Mont Ventoux.







Eine freundliche Deutsch sprechende Kartenverkäuferin gibt uns Stellplatztipps zum Übernachten in der Nähe. Dazu fahren wir ins nahegelegene Nyons. Bei einem Olivenbauern bekommen wir noch einen Notplatz, neben einem stoffeligen Bayern zugewiesen.




Mittwoch, 27. September

Frühzeitig starten wir wieder ausschließlich über Land- und Nebenstraßen Richtung Schweiz und gewinnen atemberaubende Eindrücke,



wie z.B. das Aqueduc de Saint-Nazaire.



In Gognin-les-Gorges parken wir vor der Kirche und besichtigen die Ferme Michallet.
Hier werden Walnüsse zu Öl, Essig, Senf u.v. mehr verarbeitet. Trotz Mittagspause nimmt sich die Chefin Zeit für uns und lässt uns von allen Köstlichkeiten probieren.











Unser Abschiedsessen, ein Menu du Marché à 19,00 €, findet im Restaurant L'Olivier - 100, route du Vernay - 38490 La Batie Divisin statt. ( Bib Gourmand-Michelin 2017: Die Auszeichnung „Bib Gourmand“ steht für sorgfältig zubereitete und preiswerte Mahlzeiten).
Vorspeise: Quiche mit Pilzen, Trüffeln, Lachs und dazu Salat. Hauptgericht: Ragout de Lappin (Kaninchengulasch) mit gegrillten Kartoffeln und gegrillten Tomaten. Nachtisch: Apfelküchlein mit Sahne.





Nach dem Essen kommen wir mit einem Ehepaar aus Baden Baden ins Gespräch. Er ist Franzose, sie Deutsche. Der Franzose erklärt uns, warum im Französischen oft anstelle des Accent circonflexe ein „s“ geschrieben steht: „Der Accent circonflexe gibt in den meisten Fällen den Ausfall eines altfranzösischen „s“ an. Als einziger Accent kann er im Französischen auf fünf Vokalen stehen: â, ê, î, ô und û. So ist es zum Beispiel beim gebräuchlichsten Hilfsverb être (sein), das im Altfranzösischen noch estre geschrieben wurde, oder bei fenêtre, das früher ein fenestre war.“ Nun sind wir schlauer. Wir fragten uns nämlich ständig, worin der Unterschied zwischen „L’île“ und „L’isle“ bestehe und warum manche Hotels ein „hostel“ und kein „hôtel“ sind.

Gut gestärkt setzen wir unsere Fahrt fort.


In der Schweiz angekommen, geht es nur schleppend weiter. Wie auf der Hinfahrt meldet Tomtom eine Verzögerung auf unserer Route von über 200 Minuten. Wir verlassen die Autobahn und landen in Solothurn. Inzwischen ist es dunkel und spät, sodass wir nicht den Campingplatz aufsuchen, sondern uns mit dem großen Parkplatz davor begnügen.


Donnerstag, 28. September

Wir sind sehr früh wach und halten uns nicht lange auf, denn es ist ungemütlich und neblig. Der Campingplatz öffnet erst um 9 Uhr. Nur eine Reinigungskraft ist schon fleißig und zeigt uns am Eingang des Platzes die Entsorgungsmöglichkeit für die Chemietoilette. Das ist ja mal eine vorbildliche Lösung.



In Deutschland angekommen rasten wir auf einem großen Parkplatz gegenüber des Wohnmobilstellplatzes in Bad Bellingen, der auch als Ausweichmöglichkeit dienen soll, wenn der eigentliche Stellplatz voll belegt ist. Beim nahegelegenen Rewebäcker holen wir uns frische Brötchen und frühstücken ausgiebig.



Gegen Mittag sind wir zuhause. Zwei schöne Wochen mit wundervollen Eindrücken sind zu Ende. Insgesamt legten wir 2.736 km in 42:45 Stunden zurück und hatten einen Durchschnittsverbrauch von 8,5 l.

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Kommentare

RE: Provence und Cote d'Azur September 2017 - Teil 2

permanenter Linkvon VoBo am 28 Jan 2021 21:25:33

Vielen Dank für den schönen und informativen Reisebericht.
Viele Grüße
Volkhard
VoBo
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