Recht kurzfristig haben wir beschlossen, dem heimischen Schmuddelwetter zu entfliehen und unseren Urlaub im sonnigen Spanien zu verbringen.
In strömendem Regen verlassen wir Offenbach um 13.30 Uhr in Richtung Schweiz. Unseren ersten Übernachtungsplatz habe ich im Internet herausgesucht.
Ein Wohnmobilstellplatz auf der Autobahnraststätte Grauholz in der Nähe von Bern. Wir kommen, trotz Dauerregen, einigermaßen gut voran. Allerdings kann das Navi mit den Koordinaten aus nicht viel anfangen. Es lotst uns zunächst von der Autobahn hinunter, über eine dunkle Landstraße, durch einen kleinen Ort und dann über einen asphaltierten Feldweg bis es nicht mehr weiter geht. Wir stehen vor dem verschlossenen Hintereingang des Rasthofs. Also alles wieder zurück. Nach 30 Minuten und 30 km Umweg finden wir den besagten Stellplatz. Allerdings können wir keine ausgewiesenen WoMostellplätze ausmachen. Vereinzelt steht mal ein WoMo irgendwo geparkt aber es hat wirklich nichts von einem WoMostellplatz. Es schüttet immer noch. Wir machen uns ein paar Würstchen warm und begeben uns zeitig zu Bett.
Samstag, 21.12.2019
Wir starten außergewöhnlich früh für unsere Verhältnisse und sind bereits um 7.30 Uhr auf der Autobahn.
Starkregen, Nebel und Nieselregen wechseln sich ab und ich bin für jeden Tunnel froh, in den wir hineinfahren, denn dort regnet es wenigstens nicht.

Irgendwo in Frankreich kommt endlich einmal die Sonne hervor. Sie wird uns ab jetzt bis Spanien begleiten.


Wie abgemacht legen wir alle zwei Stunden eine kurze Pause ein und wechseln uns beim Fahren ab. Die Zeit vergeht wie nichts und am frühen Abend sind wir bereits in Peralada, einem hübschen kleinen Ort in der Nähe von Figueres.

Dort gibt es die Cavas der Perelada Group und wir holen uns gleich zum Abendessen den Rosé Pescador, die spanische Antwort auf den Prosecco. Hier entsteht das leichte Prickeln nicht durch Kohlensäure sondern durch natürliche Fermenation. Auf dem Stellplatz direkt vor der Stadtmauer gibt es 6 ausgewiesene Stellplätze, kostenloses Frischwasser und Entsorgung. Den Platz kann man gut weiterempfehlen.






Nach unserer Ortsbesichtigung kochen wir uns Nudeln mit Tomatensoße und genießen den spanischen Frizzante.

Sonntag, 22.12.2019

Nach einer ruhigen Nacht und ausgiebigem Frühstück fahren wir über die Autobahn Richtung Cambrils.

Dort angekommen suchen wir zuerst den CP Oasis Mar in Montroig del Camp auf, um uns zu vergewissern, dass er auch wirklich geöffnet hat. Hat er. Sieht aber ziemlich verlassen und ungemütlich aus. Anschließend wollen wir den CP Cala d’Oques in L’Hospitalet de l’Infant besichtigen. Er ist nur einen Katzensprung entfernt und 15 Minuten später rollen wir schon vor die Rezeption. Klein aber fein, außergewöhnlich große Sanitärkabinen, entweder mit Toilette und Dusche oder mit Waschbecken und Dusche. Der CP liegt direkt am Strand und die holländischen Besitzer sprechen deutsch. Wir zögern nicht lange und bleiben.

Wir nehmen eine Parzelle in der ersten Reihe mit Blick auf’s Meer und das nahegelegene L’Hospitalet. Bis in den Ort sind es nur 1.8 km, immer am Strand entlang. Wir kommen mit dem einen oder anderen Nachbarn ins Gespräch und weil es recht windig ist, befolgen wir deren Tipp, Tisch und Stühle vorsichtshalber reinzuholen, denn: der Wind nimmt merklich zu! Nach dem Duschen gehen wir im Restaurant am Platz essen. Gert wählt das Kaninchen, ich Hähnchenschaschlick. Dazu gibt’s leckere Pommes und bisschen Gemüse (hier von der Köchin Salat genannt), eine Flasche roten Hauswein und Mineralwasser. Es war nicht schlecht aber auch nicht wirklich gut. Mittlerweile ist der stramme Wind in einen ordentlichen Sturm übergegangen. Auf dem Rückweg kommt uns unsere Spülschüssel entgegengeflogen, den Siebeinsatz finden wir am anderen Platzteil wieder, ein Badeschlappen ist weg. Naja, wenigstens hatten wir Tisch und Stühle vorher reingeholt. Vorsichtshalber schließen wir beide Hekis und die Fenster und legen uns schlafen. Was sich in dieser Nacht hier abspielte, lässt sich schwer in Worte fassen. Selbst in Kroatien haben wir es so noch nicht erlebt. Der Orkan schaukelt uns kräftig durch und wir hören schon vorher, wie er Anlauf nimmt. Ich klammere mich an Gerts Hand. An schlafen ist nicht zu denken. Mir schießen etliche Gedanken durch den Kopf, was wohl passiert wenn wir umkippen, wenn der Kasten ins Meer geweht wird. Glücklicherweise gibt es hier keine Bäume, die uns auf’s Dach fallen können. Kurz frage ich mich, ob es was nützen würde, wenn wir uns um 90° drehen. Aber das bringt nichts, da der Sturm ständig die Richtung wechselt.
Montag, 23.12.2019
Gegen halb 8 wird es hell und wir sind wie gerädert von der Nacht.

Wir suchen und finden den vermissten Badeschlappen. Unsere Fahrräder, die am Laternenpfahl angeschlossen waren, liegen völlig verkeilt am Boden. Überall sammeln die Leute ihre Siebensachen zusammen. Die Badeschlappen des Nachbarn sind nicht mehr aufzufinden.
Nach dem Frühstück fahren wir in den nahegelegenen Ort und erledigen ein paar Einkäufe. Der Rad- oder Fußweg geht schön am Meer entlang. Wir kaufen beim Metzger und im Gemüseladen ein und besorgen noch ein paar letzte Sachen beim Spar.
Zurück am Campingplatz trinken wir einen Kaffee und machen anschließend einen Spaziergang in die angrenzende traumhafte Badebucht in der entgegengesetzten Richtung. Wir laufen weiter und gelangen zu einem riesigen, auch sehr schönen Campingplatz, der oberhalb des Meeres gelegen ist. Der hat aber geschlossen.

Obwohl es hier eine Stunde länger hell ist als zu Hause, wird es auch hier irgendwann dunkel und so verstauen wir unsere Habseligkeiten wieder im Auto und beginnen mit den Vorbereitungen für’s Abendessen. Heute gibt es Burger. Danach spielen wir noch paar Gesellschaftsspiele und gehen ins Bett. Schon schade, dass die Tage nicht länger sind.
Dienstag, 24.12.2019
Heute lässt der böige Wind endlich nach und es ist herrlich warm.

Wir frühstücken draußen. Gegen 13 Uhr sind es in der Sonne 30 °C.

Das Meer hat 15 °C aber mehr als ein Fußbad ist nicht drin.
Wobei, reizen würde es mich schon. Schließlich haben wir bei weniger Wassertemperatur früher in der Ostsee gebadet. Aber das ist 40 Jahre her. Wir genießen die Sonne, telefonieren mit Zuhause und versuchen, es uns so weihnachtlich wie möglich zu machen. Der Tisch wird festlich gedeckt, auf dem Herd brät die Schweinelende. Dazu gibt es Pilzrahm und Spätzle. Alles muss gut durchdacht werden, schließlich haben wir nur 2 Kochstellen. Ein guter Rotwein dazu und zum Nachtisch gibt es Crema Catalana vom Spar.

Mittwoch, 25.12.2019
Die Nacht war ruhig und wir haben gut geschlafen. Bereits um 9 Uhr sind es angenehme 23 °C. Wir frühstücken wieder draußen. Wie gestern zeigt das Thermometer in der Sonne um 13 Uhr 30 °C. Von mir aus kann das gerne so bleiben.
Heute mache ich (Gert) eine Radtour. Der Garmin Roundtriproutenplaner bekommt von mir die Vorgabe: 60 km und bietet kurz darauf drei Touren an. Ich nehme die mit den meisten Höhenmetern wohlwissend dass das selten stimmt. Es ist unfassbar warm und somit kurz/kurz angesagt. Die ersten 20 km geht es wellig eine gut ausgebaute Landstraße entlang. Gut ausgebaut für Autos, weniger für Radfahrer, allerdings gibt es einen komfortablen Seitenstreifen und da so gut wie kein Verkehr herrscht ist alles bestens. Ich suche mehrmals vergeblich einen Abzweig den mir Garmin anzeigt und fahre resignierend einfach weiter. Nach weiteren 10 km biege ich nach rechts ab und hoffe auf die ursprüngliche Route zu kommen, was auch klappt. Die Landstraße ist schon älter, schlechter Asphalt und am Rand unbefestigt. Und nun kommen sie. Die Steigungen.

Auf den nächsten 20 Kilometern kündigen die Schilder Anstiege von 10, 11, 12 und 14 Prozent an. Mit der Sommerform wäre es grandios, mit der Winterform könnte es problematisch werden. Außerdem traue ich dem Garmin nicht mehr, zumal ich nichts zu essen dabei habe und nur 0,5 l Wasser. Am abenteuerlichsten ist aber: seit nunmehr 30 Kilometern auf dieser Landstraße habe ich nicht eine Menschenseele getroffen, kein Auto, keinen Radfahrer, keinen Esel, nichts.

Es geht hoch und runter und irgendwann sehe ich zumindest mal wieder das Meer. Nach einer kurvenreichen und schlaglochübersäten Abfahrt weiß ich wieder wo ich bin und finde unseren Campingplatz. Am Ende waren es doch über 70 Kilometer mit deutlich über 1000 Höhenmeter.
Birgit macht leckere Nudeln mit Schinkensahnesauce und zum Nachtisch verdrücken wir noch den Rotweinkuchen.
Das üppige Abendessen schreit nach einem Verdauungsspaziergang. Wir schlendern großräumig um den Campingplatz an einer Villenstraße entlang. Im ersten Stock eines modernen Bungalows steht hinter einer plakatwandgroßen Glasscheibe ein junger Mann der in unsere Richtung schaut und telefoniert. Wir bleiben stehen und bestaunen das Anwesen. Birgit fängt das Lachen an und deutet in Richtung des telefonierenden Mannes, weil sie ihn erst für eine Statue hielt. Wir schlendern weiter und hören kurz darauf wie hinter uns in einiger Entfernung ein Mann ruft. Er meint wohl uns, da niemand sonst in dieser verlassenen Gegend auf der Straße ist. Wir bleiben stehen und ich erkenne die vermeintliche Statue von eben. Als wir auf Spanisch nicht reagieren, wechselt er auf Englisch und quatscht uns mit einem aggressiv arroganten Unterton an, wir hätten über ihn gesprochen und dabei gelacht und was das soll.. („you talk to me“)…während ich umständlich in Gedanken an einer deeskalierenden Antwort arbeite, aber lieber fragen möchte, ob er sie noch alle hat und was er sich einbildet wer er wäre, erklärt Birgit freundlich lächelnd und somit entwaffnend, dass sie ihn fälschlicherweise für eine Statue gehalten hätte und was für ein wunderschönes Haus das doch wäre. Der sichtlich unter Drogen stehende Vollpfosten scheint jetzt etwas irritiert und nach wenigen Sekunden trollt er sich wieder Unverständliches vor sich hinmurmelnd in die Richtung aus der er kam. Wir beenden unbeschadet unseren Verdauungsspaziergang und grübeln den Rest des Abends darüber, was das wohl für ein Kerl war.
Donnerstag, 26. 12. 2019
Und wieder ein Morgen mit grandiosem Sonnenaufgang über dem Meer und wieder ein Frühstück draußen vor dem Womo. Es ist schon verrückt. An Weihnachten im Freien frühstücken. Der heutige Tagesplan ist schnell gefasst. Wir machen einen Ausflug in das rund 100 Kilometer entfernte Peniscola.
Die Fahrt dorthin verläuft unspektakulär auf der gut ausgebauten Landstraße, die ich zum Teil gestern mit dem Rad gefahren bin. Auf der Hälfte der Strecke streifen wir das Ebro-Delta und grübeln, ob wir das heute auch noch schaffen uns anzuschauen. Vielleicht auf der Rückfahrt. Schon von weitem sieht man allerdings erstmal die potthässliche „Hotelbunker-Skyline“ von Peniscola. Eine Bausünde neben der anderen erstreckt sich über etliche Kilometer parallel zur Strandpromenade.
Bei der Gelegenheit schauen wir uns den Campingplatz „Eden“ an, den wir uns ursprünglich als südlichstes Ziel dieser Reise ausgesucht hatten. Da Kastenwagenfreunde gerade hier verweilen, schlendern wir über den Platz. Verwöhnt von unserer Strandparzelle in L’Hospitalet werden wir diese nicht gegen eine Parzelle zwischen Hecken ohne Blick auf das Meer eintauschen.
Anschließend begeben wir uns in den historischen Stadtkern, Die Altstadt liegt auf einem imposanten Felsen über dem Meer. Im 14. Jahrhundert residierten hier die Päpste Benedict XIII und Clemens VIII.

Vor der Kulisse der mächtigen Burganlage wurde am Strand von Peñíscola die finale Entscheidungsschlacht der Spanier gegen die Almoraviden des bekannten Historienfilms El Cid gedreht. Außerdem diente Peñíscola als Kulisse der 6. Staffel Game of Thrones.



In einer Seitengasse finden wir ein uriges kleines Lokal, in dem wir zu Mittag essen. Wir bestellen eine Paella con Pollo für zwei. Vorher serviert der Küchenchef noch Brot und Aijoli. Dazu gibt’s eisgekühlten weißen Hauswein und Mineralwasser.


Nach der Stärkung schlendern wir weiter durch die Gassen, bis wir uns am Nachmittag zurück zum Kasten begeben und unsere Rückfahrt antreten.
Für eine Besichtigung des Ebrodeltas ist es nun eindeutig zu spät.
Freitag, 27.12.2019
Wieder frühstücken wir draußen. Anschließend machen wir eine Radtour Richtung Cambrils.

Der Radweg führt mehr oder weniger immer am Meer entlang und nach jeder Biegung entdecken wir traumhafte Badebuchten.


Leider haben auf dieser Strecke die Strandbars und Cafés geschlossen. Wir kehren um und kaufen beim Bäcker Stückchen. Zurück auf unserem sonnigen Stellplatz gibt es erst mal Kaffee und Kuchen.

Samstag, 28.12.2019
Weil es hier so schön ist und wir immer noch draußen frühstücken können, entscheiden wir uns dazu, heute noch hier zu bleiben. Allerdings soll das Wetter morgen schlechter und vor allem kühler werden. Das macht den geplanten Abschied leichter.

Wir fahren mit den Rädern zum Einkaufen, trinken nachmittags noch Kaffee und rücken mit unseren Stühlen der Sonne nach, denn im Schatten wird es recht kühl. Anschließend packen wir zusammen und planen unseren weiteren Reiseverlauf.




November 2022
Juli 2022