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birgit60
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Route Napoleon und Cote d Azur Septemer 2019 Teil 1

permanenter Linkvon birgit60 am 29 Sep 2019 11:42:49

Mittwoch, 28.8.2019

Die WetterApp kündigt für Frankreich bestes Reisewetter an. Unserem Vorhaben, die Route Napoléon zu fahren, steht also nichts im Wege. Im Gegensatz zu Napoléon, kommen wir nicht aus der Verbannung von Elba sondern aus Offenbach am Main und fahren seine Route in entgegengesetzter Richtung. Was Napoléon in 8 Tagen zu Fuß schaffte, sollte mit dem Kastenwagen in 14 Tagen doch zu schaffen sein. Heute steht es endgültig fest, es geht wieder einmal nicht nach Italien sondern in das inzwischen vertraute und zu unserem Lieblingsland gewordene Frankreich. Demzufolge besorge ich mittags beim ADAC die Vignette für die Schweiz und werde großzügig mit allerhand Kartenmaterial versorgt: Schweiz, Frankreich, Provence, Cote d’Azur, Ver- und Entsorgungsstationen für Wohnmobile und Wissenswertes zu den Ländern, die wir durchfahren.

Nachmittags beginne ich zu packen und räume schon mal ein. Nachdem im zurückliegenden Sommerurlaub unsere Versorgungsbatterie geschwächelt und eine Woche später komplett ihren Geist aufgegeben hatte, gönnten wir uns für diesen Urlaub solartechnisch ein Upgrade und erweiterten das 75 Watt Solarpanel um eine 105 Watt Platte. Dazu gab’s einen neuen Solarladeregler und zwei neue 85 AmH Gelbatterien. Damit sollten wir (trotz unseres energiehungrigen Kompressorkühlschranks) ein paar Tage frei stehen können. Im Zuge dieser Umbaumaßnahmen und weil die Gasprüfung anstand, leisten wir uns noch einen Crashsensor. Jetzt können wir die Gasflasche während der Fahrt aufgedreht lassen und müssen nicht umständlich mit schlechtem Gewissen die mit Fahrrädern beladenen Hecktüren öffnen um an den Gaskasten zu gelangen. Letztere Investition sollte sich schon bald amortisiert haben, denn wir sparen zig teure Kaffees und Café au Laits bei Zwischenstopps auf Tank- und Rastplätzen.

So. Alles fertig. Ich schließe mit Schwung die Hecktür und dabei fällt mir das linke Heckfester entgegen. Das kann doch nicht wahr sein. So können wir unmöglich losfahren. Warum muss es immer kurz vor Fahrtantritt solch unliebsamen Überraschungen geben? Ich teile mein Problem unseren Kastenwagenfreunden mit und werde wieder mit vielen guten Informationen versorgt. Unser Retter in der Not ist Hartmut, der spontan vorschlägt, schnell bei ihm vorbeizukommen. Gesagt, getan. Kaum angekommen, Fenster ausgebaut, mit Heißluftfön thermisch in Form gebracht, Fenster eingebaut und das abgebrochene Teil mit Sugru verklebt. Fertig. Fenster hält und lässt sich problemlos öffnen und schließen. Ein Hoch auf Hartmut!


Freitag, 30.8.2019

Um 14.30 Uhr setzen wir uns in Bewegung.



Es läuft wider Erwarten bestens und gegen Abend erreichen wir einen kleinen Ort namens Cheyres in der Nähe von Yverdon-Les-Bains am Lac de Neuchatel.



Wir stehen auf einem Parkplatz, der zu einer Ferienhaussiedlung gehört und verbringen eine ruhige Nacht.







Samstag 31.8.2019

Nach dem Frühstück geht’s weiter vorbei am Genfer See über Chambery nach Grenoble.



Hier lotst uns das Navi zunächst auf die (wohl schnellere) N75. Wir wollen aber auf die Route Napoléon und das ist nun mal die N85. Nach einem kurzen Umweg gibt TomTom es auf, uns ständig und immer wieder auf die von ihm vorgeschlagene Route zurückbringen zu wollen.



Wir sind auf der richtigen Route. Es fährt sich prima, selbst die berühmt berüchtigte Rampe von Laffrey stellt kein Problem dar, zumal wir ja aus der Gegenrichtung kommend, die Rampe bergauf fahren und erst am Ende feststellen, dass es diese gewesen ist. Am Lac de Laffrey machen wir Mittagspause.






Ein Gewitter kommt auf, zieht aber an uns vorbei. Wir genießen das Bergpanorama. Am späten Nachmittag erreichen wir den CP Les Prés Hauts in Sisteron.






Sonntag, 1.9.2019

Nach dem Frühstück entschließen wir uns, doch nicht mit den Rädern nach Sisteron zu fahren. Wir packen zusammen und wechseln auf einen kostenlosen Stellplatz direkt am Ortseingang von Sisteron, wo man auch hätte übernachten können und machen uns zu Fuß hinauf zur Zitadelle.










Nach deren Besichtigung haben im Ort die meisten Läden Mittagspause. Wir bummeln kurz durch den sehenswerten Ort und fahren anschließend weiter nach Digne-Les-Bains auf CP Les Thermes.





Nach einer kleinen Stärkung fahren wir mit den Rädern in den Ort. Hier findet gerade ein Oldtimer-Treffen statt.











Nach der Orts- und Kirchenbesichtigung radeln wir zurück zum CP.

Montag 2.9.2019

Unser heutiges Ziel ist Moustiers-Sainte-Marie.





Es soll eines der schönsten Dörfer Frankreichs sein. In dem beschaulichen Ort gibt es keine Parkmöglichkeiten, also steuern wir den am Fuße des Bergdorfes gelegenen Stellplatz an und stiefeln hinauf in den Ort, der zu Recht als einer der schönsten Frankreichs zählt.















Man erkennt ihn kaum: Zwischen den Felsen hängt hoch oben über dem Dorf ein goldener Stern, der das Dorf beschützen soll.











Hier nochmal der Stern:




Nach drei Stunden entschließen wir uns zur Weiterfahrt an den Lac de Saint Croix nach Les-Salles-Sur-Verdon.







Die beiden großen Cps sind leider belegt. Auf dem CP municipal Les Ruisses haben wir jedoch Glück. Die Empfangsdame ist ausgesprochen freundlich. Der Platz an sich ist relativ einfach aber die Sanitäranlagen sind ordentlich, wenn auch nicht die Neuesten.









Dienstag, 3.9.2019

Nach dem Frühstück unternehme ich (Gert) eine Radtour. Der Garmin hat mir mittels Roundtriprouting eine 65-Kilometer-Strecke rund um die als Sehenswürdigkeit beschriebene Schlucht, durch die der Verdon rauscht, zusammengestellt. Nach vier Jahren Garmin-Roundtriprouting-Erfahrung sollte ich eigentlich wissen, dass das mit den Kilometern am Ende nie stimmt, aber egal. Eine Banane, ein dreiviertel Liter Apfelsaftschorle, das muss reichen … und los geht’s. Runter vom Campingplatz, links auf die Landstraße und nach einem Kilometer im Kreisel raus auf die D71, eine wunderschöne, schmale Landstraße, die nur ein Profil kennt – bergauf. Schnell finde ich meinen Tritt und kurbel mich Kurve für Kurve höher hinauf, an einsamen Höfen vorbei und genieße nach jeder Kehre die Aussicht auf den immer kleiner werden Lac de Saint-Croix.



Nach einer Weile wundere ich mich das erste mal über meinen Garmin. Im Feld „Distanz“ steht 0 Kilometer. Ich will das Ding schon verfluchen, das fällt mir ein, ich habe vor lauter Aufregung nicht auf Start gedrückt als ich die Campingplatzschranke passiert habe…da hat er aber Glück gehabt, der Herr Garmin. Ich halte zweimal kurz an um ein Foto zu machen, und weiter geht‘s nach oben. Irgendwann ist es geschafft. Auf 1190 Meter ging es hoch und die Ausblicke, die sich nach jeder Richtungsänderung zeigen sind unfassbar schön.



Die Landstraße verläuft nun mehr oder weniger parallel zur Schlucht. Auf der linken Seite der Canyon, rechts weiche Hügellandschaft bis zum Horizont. Es gibt zig Haltebuchten, die einen grandiosen Blick in die Tiefe ermöglichen, an machen Stellen geht es bis zu 700 Meter nach unten. Irre. Anfangs halte ich in jeder Kurve und gucke runter, und mir dämmert, wenn ich so weiter mache bin ich morgen erst zurück. Es wird ein weniger flacher, kurvig ist es sowieso und die ein oder andere Abfahrt kommt hinzu.




Die Straßen sind perfekt. Keine Schlaglöcher, kein Split in den Kurven. Ich fahre und fahre und kann es immer noch nicht glauben wie schön das hier ist. Der Garmin zeigt mittlerweile im Feld Distanz 35 Kilometer an. Wenn ich bedenke, dass der erste Teil fehlt und ich mich seit bald zwei Stunden weg vom See bewege, taste ich erstmals ängstlich nach der Banane in meiner Trikottasche. Nach einigen Kilometern in hügeligem Gelände nähere ich mich dem Ort Trigance. Das müsste der weiteste Punkt sein und allerhöchste Zeit, meine mittlerweile leere Trinkflasche aufzufüllen.





Eine kleine Brücke führt über den Verdon, was bedeutet, dass ich ziemlich weit unten bin. Ab jetzt geht es wieder stetig bergauf, und der Blick auf das Distanzfeld sagt mit, der Garmin hat mal wieder gelogen. Langsam melden sich die Oberschenkel. Mein Treckingrad hat keine Klicks, nur normale Pedale, das heißt ich kann nur treten, nicht ziehen. Der wunderschöne Aufstieg entlang des Verdons lässt mich dieses kleine Handicap schnell vergessen. Es geht wieder sagenhaft schöne Kilometer nach oben, mit Felsüberhängen und Spitzkehren, die unzählige atemberaubende Blicke in die Tiefe bieten. Nach rund 75 Kilometern sehe ich endlich die Brücke am Eingang zum See. Ich halte kurz an, fotografiere und schreibe Birgit, dass ich gleich zurück sein werde, denn es sind nur noch rund 4 oder 5 Kilometer. Dachte ich zumindest. Obwohl ich die Brücke von oben in wenigen hundert Metern Entfernung sehe, komme ich nicht runter. Ich muss die D952 weiter fahren und entferne mich immer mehr vom See. Langsam bekomme ich Hunger. Die Banane habe ich schon vor einer Stunde gegessen und ich werde langsam nervös. Es dauert eine Weile bis ich an einen Kreisel komme, der mir endlich eine Richtungsänderung erlaubt. Ich wechsele auf die D957 und nun stimmt die Richtung wieder. Nach 92 Kilometern passiere ich die Schranke vom Campingplatz und nehme mir zum wiederholten Male vor, mich nicht mehr auf den Garmin zu verlassen…


In der Zwischenzeit räume ich (Birgit)auf, löse Sudoku, halte ein Schwätzchen mit der Nachbarin, deren Mann mit Sohn gerade eine Kanutour auf dem Verdon unternimmt.
Gert ist zurück und ich fahre mit dem Rad nach Les Salles sur Verdon und finde dort einen tollen Metzger mit angrenzendem Gemüsestand. Ich kaufe Zutaten für einen Salat und wähle beim Metzger ein eingelegtes Filet Mignon (Filet zum Grillen kannte ich bisher nicht) und zwei Bratwürste. Am Abend grillen wir die Köstlichkeiten vom Metzger und fühlen uns wie Gott in Frankreich.

Mittwoch, 4.9.2019

Nach dem Frühstück packen wir zusammen. Wir verlassen den See über die D952 in Richtung Castellane.



Vorher machen wir aber den Abstecher über die Route de Crêtes. Dazu muss man wissen, dass diese Route ca. zur Hälfte „Einbahnstraße“ ist und nur im Uhrzeigersinn befahren werden darf, wenn man die Runde komplett fahren möchte. Wir durchqueren also La Palud de Verdon und kurz hinter dem Ortsausgang ist die Route ausgeschildert. Was wir hier sehen, lässt sich nicht gut beschreiben. Es ist umwerfend, beeindruckend, fantastisch. Gut ausgebaut finden sich quasi hinter jeder Kehre Aussichtshalteplätze.










Offensichtlich halten sich die Meisten an das angeratene Im-Uhrzeigersinn-Fahren und uns kommen relativ wenige Fahrzeuge entgegen. Der Tross bewegt sich im gleichen Rhythmus und an den Aussichtspunkten treffen wir immer wieder die gleichen Leute. Dann kommt die Stelle, an der es nur noch in eine Richtung weitergeht. Es wird schmaler, wir freuen uns, dass mit entgegen kommenden Fahrzeugen nicht gerechnet werden muss.














Aber wir täuschen uns. Die folgende Begebenheit fasst Gert mal zusammen, da er das Gespräch mit dem „Geisterfahrer“ von Beginn an führte:
Wir stehen in einer Kurve an einem Aussichtspunkt. Ein kleiner Campingbus mit Mannheimer Kennzeichen und aufgestelltem Heki kommt von oben, wechselt ohne zu blinken über die Gegenfahrbahn in die Parkbucht und hält direkt vor mir. Ich deute auf das offene Heki. Am Steuer ein Deutscher, Mitte Fünfzig, daneben seine Frau mit starrem Blick geradeaus. Fenster offen, er ohne Begrüßung deutet nach oben: „Ich weiß.“ Der Motor läuft weiter. Er: „Stimmt das, man kann nur in eine Richtung fahren?“ Ich: „Soweit ich weiß, ja. Und zwar im Uhrzeigersinn. Also da lang“ und deute mit dem Finger in die Richtung. Sie recht barsch: „Sag ich doch!“ ER: „Wir sind andersrum gefahren. Da stehen ja auch keine Schilder.“


Doch doch , sie stehen da und sind nicht zu übersehen.

Er weiter:“Wir waren schon fast oben, da sagt einer wir müssen wieder zurück.“ Ich: „Ja, es stehen regelmäßig blaue Schilder mit einem weißen Pfeil in diese Richtung. Eigentlich recht eindeutig.“ Er: „Aber es steht nirgendwo, dass man nicht andersrum fahren darf.“ Ich: „Naja, auf der Autobahn steht ja auch nicht, dass man nicht anders rum fahren darf. Das weiß man eben.“ Sie, langgezogen und völlig genervt: „Siiieeehste!“. Er: „Also wieder zurück. Das haben wir doch schon alles gesehen, aber was soll’s. Alllaaa…“ und fährt davon. :lol: Leider kann ich das völlig genervte Gesicht der Frau nicht angemessen beschreiben, denn ich habe mich innerlich gebogen vor Lachen, weil ich war mir sicher war, sie hat zig kilometerlang versucht ihren Mann davon zu überzeugen, dass sie in der falschen Richtung unterwegs sind.

Gert erzählt mir die ganze Geschichte nochmal von Anfang an und ich denke dabei sofort an Loriots „Szenen einer Ehe“. Köstlich. Da ist er doch tatsächlich in der falschen Richtung durch 2 Tunnel gefahren. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Ich mach’s und habe immer noch Spaß dabei.










Zurück auf der D 952 fahren wir weiter nach Castellane. Auf CP Frédérik Mistral, der fußläufig zum Ort liegt, schlagen wir unser Lager auf.





Nach der Platzbesichtigung (alles tipp-topp, nette Betreiber) und einem Kaffee, radeln wir nach Castellane und schlendern durch den netten kleinen Ort.














Wieder einmal zur Mittagspause, zu spät zum Mittagessen, zu früh zum Abendessen haben wir keine Aussicht auf ein Menu und so kaufen wir unterwegs in einem Supermarkt ein. Zurück auf dem CP weihen wir unseren Omnia ein.



In der Dunkelheit haben wir einen schönen Blick von unserer Parzelle auf die beleuchtete Notre Dame du Roc:


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