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Reisebericht Frankreich/Spanien im Juli 18, Teil 2

permanenter Linkvon birgit60 am 19 Jul 2018 23:27:55

Sonntag, 8.7.2018

Ich bin, wie immer, früh wach. Die Sonne geht auf und ich setze mich nach draußen. Bis auf ein WoMo scheinen alle Konzertbesucher und andere Wohnmobilisten noch in der Nacht die Flucht ergriffen zu haben. Wo neben uns noch ein Teilintegrierter stand, steht nun ein kleiner PKW. Auf der Rückbank schläft einer der letzten Feierwilligen, der sich von der steigenden Hitze geweckt, mühsam aus dem Auto zwängt. Am anderen Ende des Stellplatzes stehen die Bandmitglieder vor ihrem VW Bus und warten darauf, dass ihre Fahrtüchtigkeit zurückkehrt. Die Toiletten sind wider Erwarten immer noch sauber und der Parkplatz auch.
Wir frühstücken eine Kleinigkeit, entledigen uns noch unseres Brauchwassers und machen uns auf den Weg nach Lagrasse.

Über Berge und durch wunderschön gelegene Täler kommen wir nur langsam voran und brauchen für die 40 Kilometer mehr als eine Stunde. Aber es lohnt sich. Die Aussicht ist grandios.





Der Wohnmobilstellplatz in Lagrasse liegt schön in Wiesen eingebettet am Ortseingang (oder Ausgang, je nachdem, aus welcher Richtung man kommt) und ist über den P2 erreichbar. Nicht, wie in der P/MApp beschrieben, über P3.



Heute ist Flohmarkt. Wir schlendern an den Ständen vorbei, trinken zwischendurch einen Café au Lait und erkunden das einstige Wehrdorf. Hier bilden Stadtmauer, Kirche, Markthalle und die Pont Vieux aus dem 12. Jahrhundert mit den mittelalterlichen Gassen und Häusern eine harmonische Einheit.










Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses Orbieu, in dem man übrigens auch baden kann, liegt die mächtige, im 8. Jahrhundert gegründete Benediktinerabtei St.-Marie d’Orbieu, die wir auch gleich besichtigen.











Zurück im Ort, lauschen wir kurz auf dem Dorfplatz einem Klavierkonzert und essen auf dem Rückweg beim Bäcker noch zwei Quiches mit Spinat und Schafskäse.





Unser Navi ist auf Gruissan programmiert. Gruissan kennen wir. Auf dem WoMostellplatz „4 Vents" standen wir aber schon zweimal, weswegen wir uns heute auf den Besuch der Salinen beschränken.

















Wir kaufen Salze in diversen Geschmacksrichtungen – ja, das gibt es – und fahren weiter nach Le Sérignan Plage. Das Navi lotst uns vorbei a CP Beauséjour, den wir bei der Gelegenheit gleich mal anschauen.

Komisch: Die nette Empfangsdame erklärt uns, dass letzte Woche noch alles ausgebucht gewesen wäre und nun sei sie selbst verwundert darüber, noch genügend freie Parzellen für uns zu haben. Wir hätten freie Wahl. Sie nimmt sich viel Zeit, und streicht auf einem Plan sämtliche Plätze an, die noch zu haben sind. Wir freuen uns wie Bolle, laufen über den Platz, schauen hier, schauen da, und stellen enttäuscht fest: Der gefällt uns aber gar nicht. Alles wirkt dunkel und erinnert an die Schrebergärten bei uns zuhause. Zum Strand ist es wohl nicht weit, sehen kann man ihn aber nicht. Gert übernimmt die peinliche Aufgabe und sagt der jungen Dame wieder ab.

Wir beschließen, die Nacht auf dem WoMostellplatz in Portiragnes Plage zu verbringen. Auch hier ist noch jede Menge frei. Gert, immer noch Freund unsinniger Statistiken, schreitet den Platz ab und zählt: 18 Wohnmobile. Davon 12 Franzosen, 2 Deutsche (mit uns), 2 Belgier, 1 Schwede, 1 Italiener.



Auf dem Empfangsschild steht, dass ein Mitarbeiter der Gemeinde mehrmals am Tag zum Kassieren der Gebühr vorbeikommt. Wir gehen an den Strand und sind entsetzt, wie viel Trubel um 18 Uhr noch immer herrscht. Eine Stunde später sitzen wir vorm Kasten und essen Schinkennudeln mit Gurkensalat. Klingt komisch, schmeckt aber.


Montag, 9.7.2018

Wir wissen zwar nicht was besagter Mitarbeiter mehrmals am Tag macht, aber kassieren sicherlich nicht. Da bis 08.30 Uhr niemand zum Abkassieren kommt, fahren wir los. Wir haben umsonst, naja besser gesagt gratis gestanden. Viel zu bieten hatte der Stellplatz ohnehin nicht. Es gibt keine Toiletten und die V+E ist ein paar hundert Meter entfernt.
Nach einer halben Stunde sind wir in Marseillan Plage.



In der hintersten Ecke einer zum Strand führenden Sackgasse landen wir vor CP „La Plage“. Die Einfahrt ist schmal. Wir warten am Empfang bis die „Chefin“ kommt. Sie spricht deutsch und kreuzt auf dem Plan die freien Parzellen an. Auch hier haben wir genügend Auswahl. Sogar in der ersten Reihe mit Meerblick gibt es noch freie Plätze. Schnell entscheiden wir uns für Platz 101, der direkt am Strandausgang liegt.



Vom Platz aus hat man eine schöne Sicht auf das Meer (man muss nur den Zaun ignorieren). Wir buchen bis Donnerstag.





Eigentlich hätte ich den Platz als ungeeignet für größere Wohnmobile beschrieben, aber das ist Unfug. Am Abend kommen zwei große italienische Concordes (oder Hymer), die zunächst für einen kapitalen Stau vor dem kleinen Waschhaus sorgen. Sie weisen sich aber gekonnt gegenseitig in die relativ kleinen Parzellen ein. Geht doch ☺

Im Ort Marseillan Plage gibt es jede Menge Läden und Kneipen aber schön ist das nicht wirklich. Ich war zwar noch nicht am Ballermann, aber so stelle ich es mir dort vor. Es blinkt und leuchtet in allen erdenklichen Farben, eine völlige Reizüberflutung wohin man sich auch dreht. Aber wenn man sich erstmal mit Lebensmitteln eindeckt, kann man hier auf La Plage richtig schön die Seele baumeln lassen.
Die Sanitäranlagen sind etwas vorsintflutlich, dafür aber sauber und die Lage des Platzes mit dem kurzen Weg zum schönen Strand und der schönen Aussicht, gleicht das alles wieder aus.
Zwischen 08:00 und 08:30 Uhr kommt die Bäckerin mit einem kleinen PKW auf den Platz und verkauft ihre Backwaren aus dem Kofferraum heraus. Wie praktisch. Ihr Verkaufsplatz ist vor der Nummer 101!



Das Meer ist etwas kälter als in Spanien, dafür glasklar und schön sauber.


Dienstag 10.7.2018

Wir haben wunderbar geschlafen und fühlen uns geborgen wie in Abrahams Schoß. Das Tor zum Strand wird gegen 22 Uhr verschlossen. Danach zieht ein Nachtwächter zu Fuß seine Runden über den Platz. Ein Fremder hat kaum eine Chance auf den Platz zu gelangen.
Nach dem Frühstück bricht Gert zu einer Radtour auf. Der Garmin ist für einen Rundkurs programmiert. 70 Kilometer will er rund um Séte fahren und nimmt nur eine Trinkflasche mit. 2,5 Stunden würde es ca. dauern. Es ist ja flach.
Derweil schaue ich mir die umliegenden Campingplätze an: Nouvel Floride und Charlemagne, Beach Garden und Beau Séjour. Aber bei keinem ist es so familiär wie auf La Plage. Anschließend kaufe ich ein.
Gert kommt später als erwartet. Blöd wenn man bei der Routenplanung „unbefestigte Straße“ nicht deaktiviert hat. So kam er irgendwann selbst mit dem Trekkingrad nicht mehr weiter und musste improvisieren um einen „Berg ohne Asphalt“ zu umfahren. 85 Kilometer wurden es dann und Gert – sichtlich gezeichnet – hatte einen ordentlichen Flüssigkeitsnachholbedarf. Schließlich waren es weit über 30 Grad.
Am Abend grillen wir. Kurz nach 18 Uhr leert sich der Strand blitzartig.



Heute Abend ist Halbfinale und es spielt Frankreich gegen Belgien. Überall wird noch schnell gegessen und geduscht, um sich dann beim CP eigenen Restaurant Les Pieds dans l’O einzufinden. Aus allen Richtungen ertönt „Allez les Bleus“ begleitet von Hupen und Tröten.
Nach dem Spiel laufen wir nochmal an den „Ballermann“. Dort tobt das Leben. Die französische Jugend feiert ausgelassen den Einzug ins Finale. Gert isst zur Feier des Tages noch 2 Crêpes mit ordentlich Zucker, bevor wir zum CP zurücklaufen.





Dort werden wir gleich vom Nachtwächter kontrolliert. In vorauseilendem Gehorsam tragen wir unsere orange-blauen Campingplatz-Kautschukbändchen, die uns zuvor die Chefin bei der Anmeldung nach Inaugenscheinnahme unserer Handgelenke angelegt hatte.



Zunächst empfanden wir die Dinger als recht unappetitlich und ich überlegte, ob diese nach dem Zurückgeben in irgendeiner Art gereinigt werden? Obwohl, wenn man damit erst einmal im Meer und anschließend unter der Dusche gewesen ist, geht’s eigentlich.


Mittwoch, 11.7.2018

Der Bäcker steht heute wieder hinter unserem „Schlafzimmer“. Nur wenige Schritte trennen uns vom Baguette. Wir frühstücken in gewohnter Urlaubsweise reichlich und gemütlich und stellen übereinstimmend fest, dass es hier wunderbar zum Ausspannen ist.



Der „Ballermann“ ist nicht unser Ding aber da wir kein Wasser mehr haben, schwingen wir uns auf die Räder und fahren zum Supermarkt. Auf dem Weg dorthin gucken wir uns zwei weitere Campingplätze an, die in entgegengesetzter Richtung, auch direkt am Strand liegen. Doch keiner von beiden gefällt uns besser als La Plage. Nach dem Einkauf gönnen wir uns etwas Gesundes in Form von Obst und Quark mit Honig. Wir laufen fast eine Stunde am Strand im knöcheltiefen Wasser, damit wir uns wenigstens ein bisschen bewegt haben und uns, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, auf unsere Apfeltaschen zum Kaffee freuen können. Jetzt wollen wir ein letztes Mal an den Strand, denn morgen heißt es Abschied nehmen. Während ich auf Gert warte, kommt eine Frau zögernd auf unsere Parzelle zu. Wir schauen uns an und können es kaum glauben. „Birgit?“ Fragt sie mich und ich erwidere sofort: „Nevenka, das gibt’s doch wohl gar nicht.“ Vor mir steht eine Schulkameradin. Wir besuchten Parallelklassen derselben Schule und waren in der Oberstufe zusammen in diversen Kursen. Nevenka steht mit Mann, Hund und Wohnwagen nur 3 Parzellen weiter. Wir verabreden uns für den Abend auf einen gemeinsamen Wein.

Am Strand unterhalten wir uns mit einer jungen Familie mit einjährigen Zwillingen. Sie reisen im selbstausgebauten Sprinter oder Crafter. Der junge Familienvater erzählt uns stolz einiges über die Ausstattung, wie autark er mit seiner leistungsstarken Solaranlage sei und dass wir uns das Ganze gerne mal anschauen können, wenn wir möchten. Klar möchten wir und sagen sofort zu. Gerne erweitern wir unseren Horizont, was Wohnmobiltechnik angelangt, zumal wir auf diesem Gebiet ziemlich unwissend sind. Was hat die Aufbaubatterie mit Euro 6 zu tun, oder haben wir ihn falsch verstanden und er meinte die Fahrzeugbatterie? Warum braucht man bei Euro 6 einen Ladebooster? Er hat einen Wechselrichter mit 2000 Watt verbaut und 2 Solarzellen auf dem Dach. Im Prinzip braucht er auch auf Campingplätzen keinen Strom, sagt er. Und er hat komplett auf Gas verzichtet. Stattdessen kocht er auf einem eingebauten Spirituskocher, der eigentlich auf Booten eingesetzt wird. Wir sind gespannt.

Während wir so am Strand liegen und die Uhr unaufhörlich tickt, meint Gert, dass er noch keine Lust hätte, morgen schon zu fahren. Ich auch nicht. Außerdem haben wir zum ersten Mal Probleme unsere Verabredungen unter einen Hut zu bringen und so laufe ich schnell zur Rezeption und verlängere um eine Nacht. Glück gehabt, denn der Platz ist noch immer nicht vergeben.



Damit wir noch in Ruhe essen können und Gert pünktlich zum Fußballgucken kommt, verschieben wir unsere Verabredungen kurzerhand auf den nächsten Tag.

Nun sitzt Gert biertrinkend am „Ballermann“ und verfolgt das Spiel Kroatien gegen England, während ich den Abwasch vom ganzen Tag erledigt habe und frisch geduscht im Dunkeln unser Reisetagebuch schreibe, Camping ist schön ☺ (Stimmt, Anm. Gert)


Donnerstag, 12.7.2018

In den ersten Stunden unseres Verlängerungstags hat die Sonne große Mühe sich durch die Wolken zu kämpfen, was aber nicht weiter schlimm ist, denn die WoMobesichtigung bei Christian und Laura sowie den Zwillingen Anna und Paul steht ja bevor. Christian ist in seinem Element. Obwohl ihn vom Vorabend ein Pastis-Kopfschmerz plagt, erklärt er in ausführlicher Weise den Komplettausbau seines Crafter-Kastenwagens. Als gelernter Tischler bringt er natürlich alles mit, was man zum Ausbau eines Lieferwagens zum Wohnmobil braucht. Das „elektrische Drumherum“ hat er sich in zwei Jahren einfach mal angelesen. Unglaublich. Der Wagen ist von vorne bis hinten durchdacht. Von den Fenstern, Dachluken, Bett, Schränken, Licht, Heizung, bis zur Wasserversorgung und Solaranlage … alles ist Handarbeit. Besonderes Gimmick: ein in der Sitzbanklehne elektrisch versenkbarer und um 180° drehbarer Fernseher!
Ein letztes Mal geht‘s zum Einkaufen. Für abends holen wir noch was zum Grillen und beginnen langsam zusammenzupacken. Abends kommt Nevenka noch zum Tschüss sagen bei uns vorbei und wir quatschen über Gott und die (kleine) Welt.



Freitag, 13.7.2018

Am frühen Vormittag verabschieden wir uns noch von Christian, der in der Nähe des Ausgangs steht und uns hektisch mit dem Zeigefinger gen Himmel deutend darauf aufmerksam macht, dass unser vorderes Heki noch offen steht. Wie peinlich.





Durch ein Kreisellabyrinth verlassen wir den Ballermann und fahren Richtung Mont Ventoux – denn Gert möchte dieses Radsportmonument mit seinem Trekkingrad erklimmen. Und dieses Mal die „Männerauffahrt“ von Bedoin aus, und nicht wie vor zwei Jahren, die „Nasenbohrerrunde“, wie er hinterher in einem Zeitungsartikel gelesen hatte, die von Sault aus startet.

Ich möchte unbedingt noch auf dem Weg dorthin in Les-Baux de Provence ein paar der Seifenschalen kaufen, die ich mir letztes Jahr dort schon geholt hatte. Bei der Gelegenheit kommen wir auch wie letztes Jahr an der Olivenölmühle vorbei und decken uns mit sündhaft teurem aber super leckeren Olivenöl ein.
Bei weit über 30 °C kämpfen wir uns die Treppen hinauf nach Les-Beaux.









Wir finden auch recht schnell den Seifenschalenladen wieder, allerdings – Skandal – ohne Seifenschalen. Die gibt‘s nämlich nicht mehr. Glücklicherweise gibt‘s ein paar Ecken weiter ein ähnliches Geschäft, und das hat welche. Statt „Made in Taiwan“ steht hier „Made in France“ drauf und zack sind auch die Preise „Made in France“ denn sie sind deutlich teurer. Nach kurzem Verhandeln gibt’s einen Rabatt und der Rucksack wird mit 10 schönen Schalen bepackt. Auf diese Schalen kommen nämlich meine selbstgesiedeten Seifen, und schon hab ich ein schönes Geschenk für meine Lieben.

Glücklich und zufrieden schlendern wir raus in die sengende Hitze und machen genau das, was wir uns nach dem letzten Besuch vor einem Jahr geschworen hatten nicht mehr zu tun, nämlich in dem urgemütlichen aber sauteuren Bistro zwei Kaffee und zwei Crepes für 15 Euro zu bestellen! Selbst schuld. Aber egal, schön war’s.



Der Berg ruft …



Auf dem Weg zu unserem Ziel Bédoin finden wir ein Weingut. Nach einer kurzen Weinprobe sind wir im Besitz von 14 weiteren Flaschen. Von allem etwas. Weiß-, Rot- und Rosé-Wein, und finden auch noch den nötigen Platz diese zu verstauen.

Bevor wir uns um einen Übernachtungsplatz kümmern, fahren wir noch hoch auf den Mont Ventoux. Meine Premiere. Zwar nicht mit dem Rad, aber immerhin. Die 22 Kilometer mit 1600 Höhenmetern meistert der 130 PS Ducato-Diesel ohne Probleme, und oben, auf 1908 m angekommen, erfreuen wir uns einer atemberaubenden Aussicht.











Ein Grupetto lustiger italienischer Rennradfahrer knipst uns vor dem Gipfelschild des Mont-Ventoux.



Die anschließende Talfahrt bleibt durch stinkende Bremsbeläge und einem einsamen Schaf, das frontal auf uns zu galoppiert, in ewiger Erinnerung.

Der Stellplatz in Bédoin liegt unweit des Zentrums neben einem kleinen Schwimmbad. Die Anlage ist tipptopp sauber, nahezu eben und mit Strom sowie einer gut zugänglichen Ablassstation ausgestattet. 15 Mobile stehen schon dort, mindestens nochmal so viele hätten Platz. 11,60 Euro inkl. Strom soll die Nacht kosten. Perfekt. Nur der vollautomatische Kartenautomat macht Probleme.



Trotz deutscher Menüführung will der Bezahlvorgang nicht funktionieren. Die Schranke bleibt verschlossen. Ich wähle die angezeigte Notfallnummer und nach einem kurzen Gespräch auf „Franzenglisch“ wird uns die Einfahrt gewährt.



Mit den Rädern fahren wir nur wenige Minuten ins Zentrum.





Wir schließen sie am Rand des kleinen Marktplatzes an und flanieren die Platanen-Allee auf und ab bis wir eine Pizzeria finden, die noch zwei freie Plätze für uns hat. Auf die Pizza „Royale“ und „Onion“ fällt unsere Wahl, dazu ein Panaché und ein „Bière Pression“. Zwei französische Pärchen, die neben uns sitzen sind sichtlich erfreut über unser perfekt ausgesprochenes „Bon appetit!“
Der Nachtisch in Form eines grandios schmeckenden Eises aus der Eisdiele nebenan rundet den kulinarischen Ausflug gaumenfreudig ab.







Samstag, 14.7.2018

Der Plan für heute: Gert beradelt den Mont-Ventoux in aller Herrgottsfrühe. Ich schaue mir derweil den Ort an. Wir brechen gegen 13:00 Uhr auf und fahren idealerweise bis Freiburg.
So weit so gut…
Gert verschläft. Gert muss natürlich vorher noch frühstücken. Gert muss danach noch einen Kaffee trinken. Gert fährt 10:10 Uhr los und vergisst seinen Ersatzschlauch. Ich ahne Böses im Falle eines Plattfußes.



Das Telefon bleibt aber still und kurz vor 13:00 Uhr ertönt die von einem glückseligen Gert betätigte Fahrradklingel am Stellplatz. Erst ausschwitzen, noch was essen und erstmalig noch unter die Außendusche stellen – somit kommen wir erst gegen 14:30 Uhr los.



Bis zur Autobahn geht es über holprige kleine Wege.







Die Autobahn ist voll. Ein Stau reiht sich an den anderen. Ich studiere genervt die Straßenkarte und wir entscheiden uns gemeinsam, die Autobahn hinter Lyon zu verlassen. Die Landstraßen scheinen parallel zur Autobahn zu verlaufen und laut Navi bleiben die Kilometer bis nach Hause nahezu gleich. Nur die Ankunftszeit hat sich merklich nach hinten verschoben. Noch sind wir entspannt.

Es wird kurven- und kreiselreicher als gedacht. Für meine Begriffe fährt Gert zu schnell und fährt überall dort vorbei, wo ich gerne stoppen würde, Gert dagegen empfindet seine Fahrweise den Tempovorschriften angemessen und beruft sich auf den ursprünglichen Plan soweit wie möglich Richtung Grenze zu kommen. Hungrig, müde und nicht mehr sitzen könnend, rasten wir auf einem schmuddeligen Parkplatz, auf dem sich schon zwei polnische Transporter befinden. Einer der Fahrer rührt auf einem Einflammen-Gaskocher im Topf herum. Wortkarg essen wir die Reste, die sich im Kühlschrank finden. Im letzten Jahr gab es noch ein Drei-Gänge-Gourmet-Menu als Abschlussessen, dieses Mal Weißbrot vom Vortag, Hartwurst und Käse von der Vorwoche.

Wir fahren weiter auf der nicht enden wollenden Landstraße und haben einen Stellplatz in 39 Kilometer Entfernung in Baume-les-Dames ausfindig gemacht. Allerdings erreichen wir diesen erst in der Dunkelheit. Von dem eigentlich schönen Stellplatz sehen wir so gut wie nichts, sind aber froh auf dem überfüllten Platz den letzten noch bekommen zu haben. Die Stromkästen sind komplett belegt.



Sonntag, 15.7.2018




Die Nacht ist schnell rum und nach einem kurzen Frühstück entsorgen wir noch am Ausgang und machen uns um 08:00 Uhr auf die letzen 420 Kilometer unserer Reise.
Nach wenigen Kilometern wechseln wir die Plätze und ich sitze hinter dem Steuer. Kaum in Deutschland nimmt der Verkehr zu und Baustellen aller Art und Länge drücken den Schnitt merklich. Gert fragt süffisant „wie war das gestern nochmal mit dem Rasen?“ und blickt auf die Tachonadel, die sich zitternd der 140 nähert. Naja, das ist doch auch was anderes – wir wollen ja nicht mehr anhalten.


Statistisches zum Abschluss:

Unfall/Pannen: keine.

Defekte:
Plastiktürschnappwinkel der Klotür abgebrochen (oder wie das heißt)
Meine Kaffeetasse (als Gert die volle Spülschüssel aus der Hand rutscht.)
Baumreste in Fahrradschaltung (als Gert rückwärts ausparkt, und meint er sieht alles)
Ein Gaskochfeld bleibt nicht mehr an.

Zahlen:
2950 Kilometer
9,0 Liter Durchschnittsverbrauch

288 Liter Diesel gesamt
403,38 € Tanken
145,50 € Maut
522,00 € Camping-/Stellplatz
267,28 € Verpflegung/Essen gehen

1.338,16 € Gesamtausgaben

3 Kommentare 27467 mal betrachtet
Kommentare

RE: Reisebericht Frankreich/Spanien im Juli 18, Teil 2

permanenter Linkvon reisetanteuta am 14 Aug 2018 15:16:02

Ich habe die Lektüre des lebendig geschriebenen und wohltuend gut formulierten Reiseberichtes sehr genossen. Vielen Dank fürs Mitnehmen!

Grüße
Uta
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reisetanteuta
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RE: Reisebericht Frankreich/Spanien im Juli 18, Teil 2

permanenter Linkvon 1ede2 am 22 Aug 2018 08:14:53

Vielen, vielen Dank das ist ein wahrlich schöner Reisebericht :lenker: . Teile dieser Route werden wir auch in 2 Wochen befahren. Danke für viele Anregungen.

Jürgen
1ede2
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RE: Reisebericht Frankreich/Spanien im Juli 18, Teil 2

permanenter Linkvon gluehstrumpf2 am 28 Aug 2018 12:32:24

Ein ganz toller Reisebericht!
Sehr ansprechend und mitreißend geschrieben.

Vielen herzlichen Dank für diese Mühe !

Gruß Gluehstrumpf
gluehstrumpf2
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