Ich hab´ hier mal wieder einen "kaputtgesparten" Motor.
Und da der 2,8er ja immer noch ein gängiges Antriebselement, gerade bei uns Womofahrern, ist, hab´ ich mir überlegt diejenigen, die es interessiert, vielleicht mal ein bisschen "mit zunehmen"?
Es handelt sich um den relativ bekannten Iveco 2,8l mit der Kennnummer 8140 in der X3er Ausführung mit Turbo und 122PS.
Verbaut wurde der Motor bei Iveco, Fiat, Citroen, Alfa, Opel,... und, wie im vorliegenden Fall, bei Renault.
Der Motor um den es geht hat noch keine 200.000km gelaufen, verbrauchte aber "unmengen" Öl, hatte Leistungsverlust und sprang immer schlechter an.
Ausgebaut ließ sich die Kurbelwelle auch kaum von Hand drehen.
Dabei war der Motor noch das Beste an dem ganzen Auto. :D
Der Besitzer hat sich dann von dem Fahrzeug getrennt, das Getriebe arbeitet heute in einem anderen Renault, den Motor wollen wir gleich zerlegen und der Rest ist mehr oder weniger in die ewigen Jagdgründe verabschiedet worden.
Fangen wir mal an:
hier hat der Motor schon einen kleinen Striptease hingelegt und wurde auf zur besseren Demontage aufgehängt.
Einspritzdüsen raus ( bis auf eine die "festgewachsen" ist :D ), Ventildeckel runter,....
Erwähnenswert ist hier vielleicht, das der Motor KEINE Lagerschalen für die Nockenwelle hat!
Die Nockenwelle dreht sich direkt in den Bohrungen der Aluminium -"Böckchen". Wer also mal einen neuen Zylinderkopf benötigt sollte hier darauf achten dass die Bohrungen noch maßhaltig sind. Man kann sowas zwar nachsetzen, das ist aber nicht ganz preiswert.
Außerdem ist hier die Schmierung / der Öldruck doppelt wichtig.
Nachdem die Nockenwelle ausgebaut ist, der Zylinderkopf demontiert, ....
drehen wir den Motor um und sehen die nächste Eigenheit des Motors:
der Block ist im unteren Bereich geteilt und die Lagerhälften der Kurbelwellen-Hauptlager sind in die beiden Hälften integriert.
Das ergibt einen sehr sehr steifen Aufbau des Motors bzw der Kurbelwellenlager!
Nicht nur daran sieht man dass der Motor "für die Ewigkeit" gebaut wurde.
Die Kurbelwelle hat auch Lagerschalen an allen Lagerstellen ( also an Haupt- und Pleuellagern ).
Tja und nun sind wir am eigentlichen Problem dieses Motors angekommen:
wenn die Kurbelwelle ausgebaut ist sollten sich die Kolben nach oben aus dem Block schieben lassen.
SOLLTEN!
Die Kolben bewegten sich keinen Millimeter!
Also die Standardprozedur: einweichen mit entsprechenden, mehr oder weniger aggressiven, Mittelchen.
Übernacht: nix! Keine Reaktion!! :eek:
Übers Wochenende: nix! Keine Reaktion! :eek:
Wenn man dann..., mit Gewalt,.... hätte man anschließend u.U. tiefe Riefen in der Zylinderwand. Dann müßte man u.U. sogar Laufbuchsen setzten,.... :gruebel:
Ich hab´ mich dann dazu entschieden die Zylinderbohrungen oberhalb der Kolben etwa 5/100 größer zu spindeln und nochmal ein paar Tage einweichen zu lassen.
Zwei Kolben ( der 2. und der 3. ) ließen sich dann mit viel Kraft bewegen und "fielen" durch die größere Bohrung schließlich raus.
Der dritte Kolben ( bzw in der Reihenfolge des Motors war es der 4. ) ließ sich nur mit roher Gewalt bewegen und viel dann auch.
Der vierte ( vom Motor aus Nr.1 ) zeigte sich absolut unbeeindruckt.
Da brauchte es dann wirklich rohe Gewalt bis auch er sich ein paar Zentimeter bewegt hat und durch die gespindelte Bohrung dann mit Kraft geschoben werden konnte.
So sahen sie dann aus, die Kolben:
Eigentlich sollte man an den Kolben Ringe erkennen können die sich in ihren Nuten drehen und "verschieben" lassen.
Hier erkennt man garnix mehr! :eek:
Für diejenigen die sich nicht vorstellen können wie ein "nackter" Kolben aussieht mal ein Beispielbild:
Das ist allerdings ein Kolben eines alten Volvo!
Die Verkrustungen auf den Kolben ließen sich erstmal nur mechanisch entfernen.
Die Kolbenringe, die wie gesagt "locker" in den Nuten sitzen sollten und sich darin auch locker drehen lassen sollen, mussten "mit Hammer und Meißel" aus den Nuten geschlagen werden. Dabei sind die Ringe natürlich auch allesamt mehrfach gebrochen. ( was aber sowieso egal war: Schrott!! )
Woher kommt aber sowas?
Wieso verkoken die Kolben so?
Benzin ( bzw Diesel :D )??
NEIN!! Denn dann müssten die Ventile ja auch so aussehen.
Die Ventile sind aber eigentlich noch super:
( ok, hier sind die Ventile grob vorgereinigt. Trotzdem gut! :D )
Auch die Auslasskanäle im Kopf sind eigentlich in Ordnung.
Bleibt also nur das Öl, welches "von unten" kommt.
Wenn das dann nicht weggebrannt wird dann kokt das langsam die Kolben zu.
Also tut Euch den Gefallen und lasst den Motor, wenn ihr mal 50-100km Autobahn gefahren seid, ein bisschen "laufen".
Schaltet bei gleicher Drehzahl mal einen Gang runter damit die Drehzahl rauf geht und auch die Temperatur im Motor höher geht.
Ja ich weiß, kostet mehr Sprit. Und gerade jetzt ist Diesel auch nicht gerade preiswert. So eine Motor-Revision aber auch nicht!!
Und denkt mal über Eure Ölwechsel nach: muss es immer die billigste Plörre sein?
Und das gilt nicht nur für diesen Motor!
Das gilt für fast alle. Vor allem wenn sie nicht viel gefahren werden. Und dann noch möglichst "schonend fahren"? :gruebel:
Was anderes ist das wenn man noch den alten "63"er, den Saugdiesel mit ohne Turbo und mit nur 90PS hat: der wird wohl im Alltag eher "getreten".
Bis jetzt machen die anderen Teile übrigens einen ziemlich guten Eindruck:
bis jetzt habe ich keine Maße gefunden die außerhalb der Fertigungsspezifikation von SOFIM gewesen wären.
D.h. also die Lager der Kurbelwelle oder auch der Nockenwelle sind tadellos. Die Nocken der Nockenwelle genauso.
Selbst die Kolben zeigen keinen mechanischen Verschleiß!! Haben keine Riefen, Ausbrüche oder sonstwas!!
Mechanisch wäre der Motor locker nochmal für die doppelte Laufleistung gut gewesen.
Der Motor wird wohl wieder aufgebaut:
im Moment gehen die Teile erstmal zum ultraschallreinigen, ggf. trockeneisstrahlen, dann nochmal vermessen und nacharbeiten, wieder reinigen, teilweise beschichten und dann mit neuen Dichtungen etc. wieder montieren.
Wenn sich nicht so ganz viele User hier dagegen aussprechen könnte ich das Thema dann auch fortführen.
Würde allerdings ein paar Tage, ggf. Wochen dauern?
Grüße
Dirk

