JEFF und GITTE am 09 Jun 2007 18:11:55 Wir möchten mal einen neuen Thread eröffnen:
" ... unterwegs ... Geschichten und Geschichte"
Hier sollte, wer mag, seine "besonderen" Reiseerlebnisse eintragen, oder eine Geschichte von unterwegs erzählen, ... oder wahre Geschichte, die sonst so keiner kennt, erzählen.
Wir machen einmal den Anfang mit unserer Geschichte über zwei Hunde am Strand von Githio.
Diese hatten uns sehr schnell adoptiert und vor der Polizei bewahrt. Wir haben dann, versponnen, das Erlebnis einmal auf Deutschland übertragen.
Viel Spaß beim lesen!
Tag 28: Am Strand von Githio (08.12.2005) 0 km
Wir legen einen Rasttag ein und bleiben an der Beach. Es wird einfach nur einmal gefaulenzt und ein wenig weiter an diesem Reisetagebuch gearbeitet. Sie Sonne scheint und wir genießen in Badesachen die wärmenden Strahlen der Sonne.
Unsere neuen, treuen Begleiter folgen uns auf Schritt und Tritt. Der Schwarze geht sogar mit uns schwimmen. Am Nachmittag kommt ein Polizeiwagen an dem sonst so einsamen Strand entlang gefahren. Unsere neue „Wachgesellschaft“ versucht sich gar in die Reifen zu verbeißen. Auszusteigen trauen sich die Beamten wohl nicht, denn sie fahren, nach kurzem Stopp, gleich weiter. Nichts passiert! Wir hingegen simulieren, uns an der Sonne labend im warmen Sand liegend, was wohl nun in Deutschland angelaufen wäre.
Die Polizei hätte den Tierfänger beauftragt die Hunde einzufangen und ins Tierheim zu überstellen. Wir wären, obwohl völlig unbeteiligt, es sind ja nicht unsere Hunde, vernommen worden. Ein Polizeibericht würde alles dokumentieren. Mit Durchschlag an das Ordnungsamt, versteht sich von selbst. Das Ordnungsamt hätte, weil ja offensichtlich Aggressivität der Tiere vorlag, Strafanzeige gegen unbekannten Hundehalter erstattet. Und überhaupt, liegt hier ja Steuerhinterziehung vor, die Hunde haben ja keine Steuermarken. Also, auch ein Durchschlag vom Ordnungsamt an das Finanzamt. Ein besonders findiger Ordnungsamtmann erinnert sich dann auch noch, einmal etwas von Fliegenden Hunden gehört zu haben und schaltet, wegen des Verdachts der Vogelgrippe das Veterinäramt vorsichtshalber gleich mit ein. Der Staatsanwalt wäre inzwischen tätig geworden und hätte wiederum Beamte ermitteln lassen. Fotos würden von den Tieren geschossen. Alter, Rasse, Größe, Gewicht, Farbe und besondere Merkmale hätte man peinlichst genau notiert. Ein Tierarzt hätte dabei vermutlich mitgewirkt und seine Ergebnisse mit entsprechenden Kopien an die Staatsgewalt, gegen Gebühr natürlich, zur Verfügung gestellt. Dem Ordnungssinn folgend und das nicht sein darf was durchaus mal sein kann, wäre wohl eine Nachbarschaftsbefragung durch Hilfsbeamte, nach dem Motto, „Wer kennt diese Hunde?“, eingeläutet worden. In kleineren Städten wäre gar in der lokalen Presse ein Bild der Tiere mit Aufruf erschienen. Nach 12 Monaten Widervorlage beim Staatsanwalt wäre dann, nach vorheriger Prüfung der Tiere durch einen Verhaltensforscher, das Verfahren vielleicht eingestellt worden, wäre da nicht diese verdächtige Nähe der Hunde zu uns am Strand liegend, im Protokoll aufgetaucht. Auf diesen Verdacht hin würden wir vermutlich alsbald Post, als Angeklagte, vom Amtsgericht erhalten. Natürlich wäre vorher vom Veterinäramt noch ein Bericht an das Statistische Bundesamt gegangen, so was muss ja schließlich erfasst werden. Inzwischen hätten Dutzende von Schriftsätzen ihre begeisterten Leser auf Seiten unserer Anwälte und der Staatsanwaltschaft gefunden. Mit einem Freispruch hätte das Verfahren, dann gegen uns, hoffentlich, nach irgendwann so 24 Monaten Kleinkrieg mit den Behörden, geendet. Der Schlusssatz des Richters hat dann gelautet: „Die Kosten des Verfahrens fallen der Staatskasse zur Last!“ Wenn, ja wenn, es hier enden würde und der junge, Karriere geile Staatsbeamte der Staatsanwaltschaft, nicht noch in Berufung ginge, denn Hunde fallen nun mal nicht vom Himmel.
Die armen Hunde wären inzwischen vermutlich an Altersschwäche eingegangen. Vorsichtshalber hätte uns das Tierheim, über das Ordnungsamt, da hier die Gewalt des Staates durch Paragraphen besonders greift, schon mal die Kosten für Verpflegung der Tiere, Tierarzt und Tierkörperbeseitigung, in Rechnung gestellt. Frei nach dem Motto „man kann es ja mal versuchen!“
Das alles hätte viel Geld und noch mehr Zeit gekostet, fürwahr, aber so ein Einsatz und Aufwand lohnt sich und schafft ja auch „Arbeitsplätze“ für Beamte und solche die es noch unbedingt werden wollen. Wir lachen laut bei dem durchaus realen Gedankenspiel und wenden uns einmal mehr in der Sonne, ohne dafür Kurtaxe prellen und mit einer Belehrung und teurer Anzeige rechnen zu müssen, während unser Hotel derweil sicherlich vom Strand abgeschleppt würde.
JEFF und GITTE am 09 Jun 2007 18:27:38 Hippiestimmung am Strand von Matala ...
Es wird schon dunkel, aber ich muss unbedingt noch in eine solche Höhle hinein, die in ihrer jüngsten Zeit ihrer Geschichte Wohnort für Hippies waren, in steinzeitlicher Geschichte den ersten Menschen Zuflucht boten und unter römischer Herrschaft zu Begräbnisstätten wurden. Wie mag es hier in den wilden Sechzigern ausgesehen haben. Damals hatten wir doch fast alle lange Haare, trugen Blümchenhemden und Armeejacken mit der Aufschrift „Make love – No war!“ Das Atomgegnerzeichen prangerte unübersehbar auf dem Rücken. Ich schaue aus einer der Höhlen hinunter zum Strand, sehe vor meinem geistigen Auge lauter junge Menschen im Kreise sitzen. Einer spielt Gitarre, ein anderer taktet das schellende Tamburin gegen seine linke Hand, die Mundharmonika jammert mit zittrigen Tönen, viele der Anderen singen und tanzen barfuss im warmen Sand dazu. Der Schein des Lagerfeuers erhellt die Bucht und die Gestalten und taucht alles in eine gespenstische Kulisse. War es gerade Cat Stevens, der da in die Saiten griff? Hier soll er doch sein berühmtes „Tea fort he Tillerman“ - Album komponiert haben, oder war es jemand der Donovans „Atlantis“ und den „Universal-solider“ zum Besten gab, oder gar Barry Macquieres raue Anklage des „Eve of destruction“ aufspielte? Janis Joplin, sang an dieser Beach ihre Proteste gegen den Wind und in die Brandung. Das war die Folklore der Sechziger Hippiekultur und ich kann sie förmlich noch hören und summe gerne mit. Ich schau ich mich um und will den Kerzenschein aus den Höhlen flackern sehen, die Düfte von Räucherstäbchen inhalieren und den Bratenduft von frisch gefangenen Fisch dazu genießen. Was für eine Zeit war das damals! Was ist aus den Hippies geworden? Warum haben sie sich überlebt? Warum war ihre Bewegung von nur so kurzer Dauer? Fragen über Fragen. Ich werde darüber nachdenken müssen, denn das Thema fasziniert mich nun von Neuen. Mich, den Typen der selbst einst schulterlanges Haar trug, Gitarre in einer Band spielte, die Mao-Bibel stets in der Gesäßtasche der Jenas mit sich trug und für den das kommunistische Manifest biblischen Charakter besaß. Was waren wir nur für Träumer? Wir wollten die Welt verbessern! Ist es den Anderen auch so wie mir ergangen? Jobben, Studium, Kinder, Ehe, Job, Karriere, Wohlstandsbäuchlein, Häuschen, das berühmte Bäumlein pflanzen und die Geschichte setzt sich so fort, gleich der unserer Eltern und deren Eltern? Am Ende unseres Dranges nach Freiheit und einer von anderen Werten bestimmte Gesellschafts(un)ordnung stand die Anpassung an die Gesellschaft und ihrer “ bewährten-gelebten“ Ordnung, die uns doch so verhasst war. Wir blickten damals auf die Geschichte zweier Weltkriege zurück und stellten sie natürlich in Frage, während in Vietnam die Amerikaner begannen ihr vernichtendes Agent Orange zur Entlaubung ganzer Urwälder und todbringendes Napalm abzuwerfen, um gleich ganze Dörfer und Landstriche zum verglühen zu bringen. Junge Amerikaner zogen in den Krieg ins Ferne Asien. Menschen, so jung, oder so alt, wie wir es gerade einmal waren, ließen dort ihr Leben. Wer zurückkam, die grüne Hölle überlebt hatte, war für immer gezeichnet, psychisch und viele physisch. Klar waren wir gegen jede Art kriegerischer Auseinandersetzung, Frieden bestimmte unser Denken. War es gut so, das sich die Hippies überlebt haben, oder schlecht? Hätte beides, dass Alte und das Neue, nicht irgendwie verschmolzen werden können? Was hätte aus einer anderen Gesellschaftsform und Werteordnung werden können? Wir werden es wohl nie erfahren, denn die Chance wurde verpasst es zu probieren. Wie von den Spartanern, ist von den Hippies nicht viel übrig geblieben. Beides lebt nur noch in der Geschichte fort.
Es wird dunkel, die bunt gekleideten Hippies, die eben noch schemenhaft vor meinen Augen tanzten, sangen und lachten sind wie Geister aus einer fernen Zeit mit dem letztem Licht entschwunden. Der Platz ist wieder einsam geworden. Ich blicke hinunter auf den treuen Camper, auf unser Hotel und Zuhause und komme gleich zum naheliegendsten Gedanken: Was wird Brigitte heute gekocht haben? Wie banal das Leben doch ist, aber man hängt eben an dieser Banalität, sie ist ein Teil von uns geworden. Ich verlasse den Felsen etwas wehmütig, um ihn morgen, bei Tagesanbruch nochmals und diesmal mit Brigitte zu erklimmen. Ein freundliches Kalinichta und wuchtiges Jammos auf den heutigen Tag und die goldene Zeit der Hippies, die nichts weiter als Frieden wollten auf der Welt, Liebe und Frieden für alle und nur das der Erde entnehmen, was man zum (Über)-Leben brauchte. Ich bin dankbar, diese Zeiten miterlebt und mitgefühlt zu haben. Vielleicht ist es jetzt, wo ich 53 Jahre alt bin, Zeit, meine, mir damals aufgepresste, alte Werteordnung hier in den alten römischen Gräbern rituell abzulegen, und, für mich eine neue Ordnung, ein neues Leben und sinnvolle Aufgabe zu suchen. Dies ist ein wichtiger Gedankenimpuls und ich weiß, es wird etwas Neues folgen, den alten Pfaden vermag ich nicht mehr zu folgen. Aus Protest öffne ich später alle Fenster des Reisemobils, lege von Bob Dylan „ … like a Rolling Stones“ in die CD-Maschine und drehe den Regler auf volle Phonzahl. Es schallt zurück von den Felswänden. Das mag eine lächerliche Geste sein, … aber es tut irgendwie gut, es befreit sogar, … wir singen es nun Beide lauthals in die Brandung und den Wind, „ … Like a Rolling Stone!“ „ Jammos!“ (Prost), auf alle, die unseren Zeilen, bis hierhin gefolgt sind.
|
|