Salut,
in zwei Wochen Aufenthalt im Südosten Frankreichs, die von Mistral und Tramontane und dem entsprechend kühlen Wetter geprägt waren, konnte ich genügend über einige Dinge des französischen Alltags nachdenken, die mir seit langem vertraut sind, mich aber immer wieder berühren.
Beim morgendlichen Gang zum Bäcker freue ich mich bereits über die elegante Einwickeltechnik: die Baguette wird diagonal von Papier umschlungen, die Croissants wandern in eine weiche Tüte, beide werden mit rasanten Zipfeldrehungen verschlossen. (Ich gebe zu, es gibt auch grobe Bäckersfrauen, die das Brotpapier mit einem Stück 'scotch' zupeppen.)
Die Croissants haben immer noch einen Geschmack, den ich hierzulande bei den Produkten, die unter diesem Namen verkauft werden, noch nie gefunden habe. Aber auch in Frankreich sinkt die Qualität: zu fettig, zu gelb (Butter mit Karotin!), zu wenig blätterteigig.
Die Baguette ist ein Thema für sich. Ihre Zutaten (Mehl, Wasser, Salz, Hefe oder Hefeteig als Triebmittel) sind gar in Gesetzen vorgeschrieben, das französische Reinheitsgebot sozusagen. Wenn man bedenkt, dass es für die mannigfachen Zusätze, die unsere Brotfabriken in ihren Produkten verstecken, nicht die geringsten Nachweise gibt, möchte man gleich auswandern. Weichmacher und Schimmelhemmer gibt es in Frankreich nicht. Aber auch eine Tendenz zur industriellen Herstellung, zum Rückgriff auf tiefgefrorene Halbfertigprodukte. Trotzdem ist die Kruste meist knackig, der Teig großporig, und der Geschmack lässt beim Frühstück das kühle Wetter vergessen. Und das alle Tage auf ein Neues. Zur Abwechslung darf es dann auch gern mal eine Flûte oder eine Ficelle sein.

