Ohne kleinlich sein zu wollen, halte ich mal fest, dass im Grunde genommen gar kein Fluss namens “Rhein“ in die Nordsee mündet. Wie schon an anderer Stelle beschrieben, teilt sich der Rhein kurz hinter der deutsch-niederländischen Grenze vor Arnheim in die Waal und den Neder Rijn, und auf dem weiteren Weg bis zur Nordsee verästeln sich beide Arme immer wieder und wechseln noch mehrmals ihre Namen.
Auch bei der Angabe zur Länge des Rheins gibt es unterschiedliche Angaben, auf die auch ich bei der Berechnung meiner Route reingefallen bin. Der Rhein erstreckt sich nämlich auf eine Länge von ca. 1.230 km (nicht 1.320 km) und durchfließt auf seinem Weg von der Quelle bis zur Mündung die Schweiz, Österreich, Deutschland und die Niederlande. Für Liechtenstein bildet der Rhein den westlichen und für Frankreich den östlichen Grenzfluss.
Die immer wieder in Lexika und auch im Internet zu lesende Aussage, dass der Rhein eine Länge von 1.320 km hat, ist schlichtweg unzutreffend. Offensichtlich handelt es sich bei der falschen Angabe um einen Zahlendreher, der auch auf der Tafel an der Rheinquelle am Tomasee festgeschrieben wurde (siehe Foto). Der Fehler wurde erst 2010 entdeckt.
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Hier am Tomasee im Sankt-Gotthard-Massiv in einer Höhe von 2.345 m entspringt also der Rhein, der bis zu seiner Vereinigung mit dem Hinterrhein den Namen “Vorderrhein“ führt.
Am meisten beeindruckt war ich am Vorderrhein von seiner Quelle und von der Rheinschlucht.
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Bei Reichenau fließen der Vorderrhein und der beim San Bernardino Pass an den Hängen von Rheinwaldhorn, Güferhorn und Rheinquellhorn entspringende Hinterrhein zusammen und setzen ihren Weg als “Alpenrhein“ fort. Dieser mündet zwischen Hard und Fussach in den Bodensee, den er in Konstanz als Hochrhein wieder verlässt. Erst ab der Rheinbrücke in Konstanz beginnt die Kilometrie des Rheins, d.h. ab hier werden die Flusskilometer gezählt und am Flussufer auf Tafeln angezeigt, beginnend bei Null.
Hinter Konstanz weitet sich der Hochrhein zum Untersee, der seinerseits bei Stein am Rhein endet. Nun fließt er weiter nach Schaffhausen, wo er im Rheinfall 20 m in die Tiefe stürzt. Von Schaffhausen fließt der Rhein immer noch als Hochrhein in westlicher Richtung nach Basel und bildet über weite Strecken die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz.
Das absolute Highlight am Hochrhein war für mich der Rheinfall.
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Ab Basel vollzieht der Rhein eine markante Richtungsänderung und strömt als Grenzfluss zwischen Frankreich und Deutschland Richtung Norden. Für die folgenden 250 km verläuft das Flussbett in der Oberrheinischen Tiefebene. Dieser Abschnitt wird als “Oberrhein“ bezeichnet. Er ist geprägt durch Kanalisierung und eine Vielzahl an Staustufen. Das ursprüngliche Flussbett führt zwischen Basel und Breisach kaum noch Wasser. Der Hauptanteil des Wassers wird zu Zwecken der Schifffahrt und Energiegewinnung in den Rhein-Seiten-Kanal abgezweigt.
Der Oberrhein war landschaftlich gesehen für mich nicht so attraktiv, weil er fast nur in der Ebene dahin fließt. Dafür sind aber die Städte zwischen Basel und Mainz, die ich besucht habe, umso sehenswerter. Ein glanzvoller Höhepunkt waren die Chagall Fenster in der Stephanskirche von Mainz.
Die nördliche Fließrichtung des Oberrheins endet bei Mainz, wo der Fluss beim so genannten “Rheinknie“ über ca. 30 km nach Westen fließt, bevor er ab Bingen bis zur Niederländischen Grenze in Richtung Nordwesten strömt. Von Bingen bis Bonn bezeichnet man ihn als “Mittelrhein“.
Ab der Nahemündung bei Bingen fließt der Mittelrhein durch ein enges Tal. Und obwohl sich hier zum Leidwesen der Bewohner auf beiden Seiten des Rheins die B9 (linksrheinisch) sowie die B42 (rechtsrheinisch) hindurch-zwängen, neben denen auch noch doppelgleisige Bahnlinien entlang führen, ist dieser Teil des Rheins einer der touristisch attraktivsten Abschnitte und zugleich Weltkulturerbe der UNESCO. Hier am Mittelrhein liegen die Loreley, zahlreiche Schlösser und verschiedene Burgen sowie die imposante Rheinschleife bei Boppard.
Am Mittelrhein kann ich nichts besonders hervorheben, da dieser einfach als Ganzes einen glanzvollen Höhepunkt, wenn nicht gar die Krönung meiner Rheintour darstellt. Damit möchte ich aber keineswegs die anderen Attraktionen abwerten, von denen ich keine missen möchte.
Von Bonn aus durchfließt der Rhein das Bundesland Nordrhein-Westfalen und die Niederlande, wo er sich schließlich aufgabelt. Ab Bonn trägt der Rhein den Namen “Niederrhein“.
Am Niederrhein haben es mir die Städte Köln und Düsseldorf besonders angetan. Neben dem Dom bietet Köln als Vorzeigeobjekt seinen aufwändig umgestalteten Rheinauhafen mit den drei Kranhäusern, und Düsseldorf seinen gleichermaßen gestylten MedienHafen. Highlights sind hier die Gehry-Bauten.
In beiden Städten gibt es natürlich noch mehr zu bestaunen.
Und der Niederrhein fließt weiter Richtung Nordsee. Kurz nach der Niederländischen Grenze teilt er sich in die Waal und den Neder Rijn auf. Weitere Verzweigungen folgen und leiten das Wasser in mehreren Kanälen und Flüssen mit dauernd wechselnden Namen in die Nordsee. Bei Hoek van Holland sah ich den “Rhein“ schließlich im Meer verschwinden.
Leider ist es mir nicht gelungen, hier Bilder hochzuladen.
Den Rhein bis zur Mündung habe ich bereist und in 32. bebilderten Berichten beschrieben. Wen es interessiert, lade ich ein auf meine Homepage:
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