Hallo,
als wir diese Reise planten, habe ich kaum private Einträge über Guernsey im Netz gefunden. Womo-Reiseberichte kann es schon garnicht geben, da Womos wegen der Enge der Insel nicht erlaubt sind. Da wir aber mit dem Wohnmobil in der Bretagne unterwegs waren, halte ich einen Bericht über dieses eher seltene Ziel auch in einem Wohnmobil-Forum für passend.
Gebucht hatten wir bei Condor-Ferries ab Saint Malo. Und da gingen die Probleme auch schon los: Wo bleibt das Womo und was ist mit unseren Fahrrädern, denn die sollten auf jeden Fall mit. Ein Parkplatz im Fährhafen wird auf der Internet-Seite erwähnt, aber zu Fahrrädern erfährt man nichts. Eine mail-Anfrage wurde nicht beantwortet.
Eigentlich wollte ich erst vor Ort in S.Malo buchen, aber als Mitte August das Hotelangebot immer knapper wurde, trotz des nahen Ferienendes in Frankreich, habe ich dann doch im Internet gebucht. Während des Buchungsvorgangs auf der Fährseite dann die Überraschung: Unter Optionen wird die Mitnahme von Hund oder Fahrrad abgefragt. Die Räder können kostenlos mitgenommen werden, müssen aber auf dem Ticket ausgewiesen sein. Die Bezahlung gestaltete sich dann noch als schwierig, weil nur Kreditkarten akzeptiert werden, - aber meine VISA nicht! Nach Wiederholung der ganzen Prozedur, (alle Daten neu eingeben), wollte der Computer plötzlich unsere Fahrräder auf der Hinfahrt nicht mehr, nur die zeitaufwendigere Alternative über Jersey ging noch, egal, Hauptsache wir hatten ein Ticket. Mit der Mastercard vom Schwiegersohn klappte dann auch die Bezahlung. Im Hafen wurden wir dann freundlicherweise doch auf die Direktfähre umgebucht. Als Autofähre haben die ohnehin keine Platzprobleme wegen der paar Räder.(Ticket pro Person ca. 80€)
Das Womo wollten wir eigentlich auf dem CP in S.Malo abstellen(Übernachtung Womo+ 2Pers. = 21€), das wurde aber nicht erlaubt. War aber kein Problem, denn er Platz an der Fähre war ausreichend groß und kostet 10€/Tag. (Platz mit Höhenbalken; auf Anruf(Knopf an der Schranke) kommt ein Mitarbeiter und klappt den Höhenbalken zur Seite. Warum wird der nicht gleich abgebaut???(Französisch halt).
Die Fährgesellschaft bietet zwar auch Hotels an, aber bei den bekannten Buchungsportalen im Netz war die Auswahl größer und die Preise billiger. Wir buchten ein kleines Hotel südlich der Inselhauptstadt für knapp 100€/DZ und Nacht. Sehr überrascht hat uns die Verkehrsdichte auf sehr engen Straßen. Die sehr niedrigen Geschwindigkeitsbeschränkungen stehen weitgehend nur auf dem "Papier". Fahrradwege fehlen völlig, das, was als Fahrradweg ausgewiesen wird, sind alles Straßen. Daher hat sich vor allem meine Frau im Sattel sehr unwohl gefühlt. Dazu kommt noch der ungewohnte Linksverkehr. NRW hat eine Bevölkerungsdichte von ca. 500/qkm, Guernsey hat aber ca. 1000/qkm, und das noch ohne Touristen, defakto im August also ca. 2000/qkm. Das entspricht dann ca. unseren Großstädten. Da es keine Hochhäuser gibt, verteilen sich die Menschen gleichmäßig über die Insel, was zu einer starken Zersiedelung führt. Eine so weitgehend zugebaute Insel hätten wir nicht erwartet, vor allem in der Südhälfte. Überhaupt kein Vergleich zu unseren Nordseeinseln.
Empfehlenswert ist eine Wanderung auf dem Küstenwanderweg, der sich rings um die Insel zieht, und auch einen der zahlreichen Badestrände haben wir besucht. Allerdings war das Wasser trotz warmem Wetter und purem Sonnenschein lausekalt. Später in der Bretagne war es mit 22° ganz angenehm.
Noch ein Besichtigungstipp: Ein Busfahrschein kostet 1 Pfund und gilt solange man nicht aussteigt.(zahlbar beim Fahrer). Auf diese Weise gelingt mit dem richtigen Bus in ca. 1,5 h eine komplette Inselrundfahrt.
In mehreren Museen wird an die deutsche Besatzung von 40 - 45 erinnert, das hat uns aber nicht interessiert.
Insgesamt hatten wir drei erlebnisreiche Tage auf einer außergewöhnlichen Insel bei sehr schönem Sommerwetter.
Ach so, ganz wichtig: Die Kanalinseln gehören nicht zur EG. Daher entsprechen die Handykosten denen von Amerika. Haben wir leider nicht gewußt und ca. 100€ verbraten.
Also, auf nach Guernsey, die Menschen sind sehr freundlich und äußerst rücksichtsvoll, aber dort das Handy auf Flugmodus!!!
Schöne Grüße, sprinterklasi

