Gast am 27 Jul 2006 10:58:24
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Stinker raus aus der Innenstadt
30000 Fahrzeuge betroffen / Wer noch rein darf und wer nicht
Wer einen Diesel fährt, der vor 1992 gebaut wurde, muss sich ab Oktober kommenden Jahres möglicherweise nach einem anderen fahrbaren Untersatz umschauen – zumindest dann, wenn er die Straßen innerhalb des Mittleren Rings benutzen will. Gestern hat nämlich der Stadtrat die Einführung einer Umweltzone beschlossen.
Und die macht die Innenstadt für rund 30000 in München angemeldete Autos zum Sperrbezirk! Demnach sind ab Oktober 2007 alle Straßen innerhalb des Mittleren Rings für alle Diesel tabu, die die Euro-Norm 2 nicht erfüllen; das sind in der Regel alle vor 1992 zugelassenen Diesel-Fahrzeuge.
Auch Benziner, die keinen geregelten Katalysator haben, dürfen sich nicht mehr in die City wagen. Der G-Kat ist seit 1989 Pflicht, wurde bereits seit Mitte der 80er Jahre meistens eingebaut. Dennoch haben heute noch 1,7 Prozent der Benziner keinen Katalysator. In einer zweite Stufe sollen ab Oktober 2009 auch Dieselfahrzeuge ausgesperrt werden, die die schärfere Euro-Norm 3 nicht erfüllen. Das schaffen in der Regel nur Dieselfahrzeuge, die nach 1996 zugelassen wurden.
Für den umweltpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Rathaus, Sven Thanheiser, ist die Umweltzone „ein weiterer notwendiger Baustein, um insbesondere der Feinstaubbelastung weiter entgegenzuwirken“. Computerberechnungen zufolge würde schon die erste Stufe der Umweltzone die Anzahl der Überschreitungen der Feinstaubgrenzwerte um ein Siebtel senken. Viele Besitzer älterer Autos können nun ihren Diesel mit einem Rußfilter nachrüsten, das kostet zwischen 600 und 1000 Euro pro Auto.
Laut ADAC sind aber nicht alle älteren Diesel-Fahrzeuge nachrüstbar. Unklarheit herrscht derzeit noch über die Ausnahmen, die gewährt werden sollen. So erfüllen 52 Prozent aller in München zugelassenen Lastwagen nicht mal die erste Stufe der Umweltzone – es geht um 14 000 Fahrzeuge, die ohne Sondergenehmigungen ausgemustert oder teuer umgerüstet werden müssten!
Probleme sieht auch die Großmarkthalle, die von zahlreichen Rußschleudern aus Südosteuropa angesteuert wird. Auch die Besitzer von Oldtimern fürchten, nicht mehr in die Innenstadt fahren zu können. Rettungsdienste müssen sich allerdings keine Sorgen machen, ebenso Besitzer von Rasenmähern, landwirtschaftlichem Gerät oder Baumaschinen. Untragbare Härten für Fahrzeugbesitzer gibt es laut Rathaus-Mehrheit nicht: „Die betroffenen Halter hatten und haben reichlich Zeit, ihre Fahrzeuge umzurüsten.“
Ob und wie die Umweltzone nun umgesetzt wird, muss die Stadt allerdings noch mit der Regierung von Gastn klären, die als Aufsichtsbehörde das letzte Wort hat. Ob die Umweltzone eines Tages auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet wird, will der Stadtrat Ende 2008 beschließen.