Reisebericht Neue Bundesländer - Brandenburg, Sachsen und ein bisschen Thürin-gen
Ich bitte um Gnade, dass ich keine Bilder eingestellt habe. Dies ist der erste Reisebericht überhaupt, den ich hier schreibe. Und das mit den Bildern habe ich bisher nicht verstanden.
Montag – 28.05.2018
Ich fuhr zunächst auf die A 20, der ich bis Wismar folgte. Kurz hinter Wismar ging es dann auf die B 192, die über Brüel, Goldberg und Alt Schwerin führt und die mich dann auf die A 19 von Rostock nach Berlin brachte. Bis dahin fährt man durch eine Landschaft wie in der Holsteinischen Schweiz, also sanfte Hügel, viel Wasser, viel Wald. Bis Berlin fuhr ich aber nicht, sondern ich kam südlich von Waren/Müritz im Mecklenburger Großseenland auf eine nach Wittstock führende Straße, die ich allerdings bald wieder verließ, als Schilder auf die Gedenkstätte Todesmarsch hinwiesen. Ich folgte den Schildern und fand mich wieder auf einer einspurigen Straße mit Feldwegcharakter. Und so kam ich tatsächlich gegen 18 Uhr an der Gedenkstätte an.
Sie liegt weitab von menschlichen Ansiedlungen oder „ordentlichen“ Straßen in einem großen Wald-Areal, wo es aber auch ackerbaulich genutzte Flächen gibt.
Nach einer guten Stunde hatte ich alles gelesen und fuhr – wieder auf einer Art Feldweg – weiter in Richtung Wittstock. Im Ortsteil Alt Daber, praktisch am Rande der Wittstocker Heide, dort , wo der Grenzfluss zwischen den Mecklenburgern und den Brandenburgern verläuft, dort befindet sich ein kostenloser Parkplatz, der auch 4 spezielle Wohnmobil Stellplätze bietet, die sogar (kostenpflichtigen) Stromanschluss bieten. Mit mir parkt hier noch ein WoMo. Die Geschichtsträchtigkeit des Ortes wird unterstrichen durch den Daberturm, einem ehemaligen Zollturm. Hier scheint in früheren Jahrhunderten viel los gewesen zu sein.
Dienstag, 29.05.2018
Über Mirow und Wesenberg ging es dann entlang der Südausläufer des Mecklenburger Großseen-landes auf die B 96, die mich südwärts nach Fürstenberg und dann in das sich anschließende Ravensbrück brachte. Immerhin gut 70 km von Wittstock Dosse entfernt. Ich erreichte Ravensbrück so gegen 12 Uhr.
Ravensbrück war das größte deutsche Frauen-KZ und bestand also solches von 1939 bis 1945. Mehr oder weniger angeschlossen waren auch ein Männer-KZ (ab 1941) und ein „Jugendschutzlager“, also ein KZ für Mädchen ab 1942. Im Gesamtzeitraum ab 1939 gab es insgesamt etwa 120 000 Frauen, 20 000 Männer und 1200 Mädchen in diesen Lagern.
Mein Tagesziel war allerdings noch etwa 30 km entfernt: Neustrelitz am Zierker See. Die 1733 ge-gründete herzogliche Residenzstadt ist nach italienischem Vorbild angelegt. Von einem großen quadratischen Marktplatz führen 8 Straßen sternenförmig in alle Himmelsrichtungen. Es gibt auch einen Schlosspark und einige ältere Gebäude. So richtig hat mich das, was ich auf einem ersten Orientierungsgang gesehen habe, aber nicht vom Sockel gehauen. Vielleicht war’s auch nur zu warm (fast 30°).
Jedenfalls stehe ich jetzt für 8 € auf einem sehr ordentlichen SP am Stadthafen und in wenigen Mi-nuten ist man im Zentrum auf dem Markt. Also: sehr gute Lage.
Mittwoch, 30.05.2018
Nach dem Frühstück gab es einen Stadtrundgang. Also, ganz so schlimm wie gestern beschrieben, kam mir der Ort nun doch nicht mehr vor.
Dann ging es aber los. Mein erstes Ziel war das Slavendorf bei Neustrelitz. Aber als ich da war, fand ich es doch nicht soooo interessant, zumal sollte es Eintritt kosten und erschien mir mehr als Frei-zeitpark für Familien. Vielleicht tue ich den Leuten ja Unrecht, außerdem stand nur ein Auto auf dem Parkplatz.
Jedenfalls fuhr ich weiter in Richtung Neubrandenburg, bog aber kurz vorher ab und fuhr nach Burg Stargard. Bei diesem Ort gibt es die gleichnamige Burg, die ich besuchen wollte. Sie war für mich nicht leicht zu finden, aber den Auskünften eines Einwohners folgend fand ich sie dann doch. Man musste eine enge Holperstrecke hochfahren und stand dann vor der einzigen Höhenburg im Norden Deutschlands.
Es ist eine relativ gut erhaltene Burganlage aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Nachdem man seine Parkgebühr (WoMo 3 € für die erste und 1 € für jede weitere Stunde) bezahlt und das Eingangstor durchschritten hat, kommt man zur Kasse. Ich wählte das „volle Programm“: Museumsbesuch, Turmbesteigung und Audioguide für 6 €. Das fand ich O.K.
Man kommt erst in die Vorburg mit Museum, Kräutergarten, Hotel und muss durch ein weiteres Tor, um in den Innenhof der eigentlichen Burg zu gelangen. Dort gibt es verschiedene Gebäude, z. B. das Krumme Haus, die Burgkapelle, eine Gastwirtschaft mit langer Geschichte und den Bergfried in Form eines Turmes, der über 30 m hoch ist und von oben eine tolle Aussicht bietet.
Ich war 2 Stunden in dem Gelände unterwegs und es hat sich gelohnt!
Von Burg Stargard führte mich der Weg über Feldberg und die Feldberger Seenlandschaft in den tristen Ort Boitzenburg, bei dem es aber das Schloss Boitzenburg gibt, das „Neuschwanstein des Nordens“. Wirklich ein beeindruckender Bau in toller Lage und dazu noch traumhaftes Wetter. Viel Wasser drumherum.
Von Boitzenburg fuhr ich noch knapp 30 km über Wichmannsdorf, Kuhz, Haßleben, Mittenwalde und Fährkrug nach Templin auf den dortigen kostenlosen SP Alte Knehdener Straße, von wo aus man zu Fuß recht schnell in der Innenstadt ist und der auch eine Toiletten- und Entsorgungsanlage hat.
Templin wurde schachbrettartig angelegt und ist von einer Stadtmauer mit einigen Stadttoren um-geben. In der Mitte gibt es einen großen Marktplatz. Der Ort wirkt ein wenig langweilig, reges Le-ben war nicht zu erkennen. Immerhin gab es dort ein vietnamesisches Restaurant, wo ich lecker und günstig essen konnte.
Donnerstag, 31.05.2018
Zunächst fuhr ich die etwa 50 km bis Rheinsberg; Schloss, Tucholsky, Fontane … Es ging über Ly-chen und Fürstenberg an der Havel (Ravensbrück, wo ich ja schon war) nach Rheinsberg. Dort woll-te ich auf einen kostenlosen SP, allerdings mit obligatorischer Einkehr, und dann mit dem Fahrrad den Ort erkunden. Ich kam am frühen Mittag am trostlosen SP an. Nein, das wollte ich nicht. So machte ich mit dem Auto eine kleine Stadtrundfahrt durch diesen sich mondän gebenden kleinen Ort und fand mich in meinem Zweifeln bestätigt. Tucholsky und Fontane werden es verschmerzen, vor allem Tucholsky, dessen Museum im Schloss ich nun nicht besucht habe.
Weiter ging es über Heinrichsdorf, Lindow, Herzberg und Radensleben bis nach Wustrau-Altfriesack auf den CP Zum Roten Milan, wo mich eine sehr nette Betreiberin empfing und mich über den kleinen Platz führte, der kaum belegt war. Die Parzellen sind recht groß. Man hat WLan, Strom, kann duschen usw. und zahlt dafür 10 € als Einzelreisender. 100 m entfernt ist eine Liegewiese am See mit Badestelle. Der ganze Ortsteil steht unter Denkmahlschutz und ist kopfsteingepflastert. Zur Hauptstraße sind es etwa 500 m. Dort gibt es einen Edekamarkt und ein Restaurant.
Freitag, 01.06.2018
Ich bin trotz der Hitze doch losgefahren gen Oranienburg. Im Auto lässt es sich wegen der Klimaan-lage sofort gut aushalten, allerdings musste ich sie fast auf vollste Stufe stellen. Jedenfalls ging es erstmal wieder zurück nach Herzberg, dann rechts ab und auf der B 96 nach Oranienburg. Vom Ort habe ich nichts gesehen, denn ich musste bald nach Sachsenhausen zur dortigen Mahn- und Ge-denkstätte abbiegen. In dem Infozentrum gab es eine Karte und einen Audioführer. Die Gedenk-stätte war trotz der Hitze überraschend gut besucht (auch durch Schulklassen), aber auf dem weit-läufigen Gelände verlief sich alles schnell und auch hier konnte ich ganz alleine in einem hörsaalarti-gen Kinoraum einen Film schauen.
Das Auffälligste an der ganzen Anlage ist ihr Grundriss: ein Dreieck, von einer Mauer umgeben, in dem sich in 5 Bögen die typischen KZ-Baracken über der Grundlinie anordnen, in der Grundlinie das Eingangstor und davor der halbkreisförmige Appellplatz. Diese als Muster KZ geplante Anlage hat sich in dieser Form als unzweckmäßig erwiesen, schon wegen der fehlenden Erweiterungsmög-lichkeiten.
Es war ein bedrückender Besuch mit unendlich vielen Informationen, sehr gut aufbereitet. Ich glau-be, die Mehrzahl der Besucher war Ausländer. – Ich war wohl 6 Stunden dort und habe längst nicht alles gesehen und gelesen.
Dann ging die Fahrt weiter. Über Zehlendorf, Stolzenhagen und Klosterfelde kam ich nach Prenden, das wohl zur Gemeinde oder zum Kreis Wandlitz (gut 10 km entfernt, kennt man ja aus DDR-Zeiten) gehört. Hier in Prenden gibt es einen kostenlosen SP, der sogar Stromanschlüsse hat, die natürlich etwas kosten.
Sonnabend, 02.06.2018
Ich fuhr dann so etwa 50 km weiter ostwärts nach Chorin. Dort gibt es das von Zisterziensern gegründete Kloster Chorin, das heutzutage eine Besuchs- und Veranstaltungsstät-te ist. Heute wurde zum Beispiel einer Strauß-Operette aufgeführt, so dass man einen Teil der Anla-ge nicht besichtigen konnte.
Die rote Backsteinanlage ist ganz schön wuchtig und groß und dabei dennoch recht grazil. Es gibt in den Gewölben einige Ausstellungen und man kann auf einer kleinen Wanderung die Klostergebäu-de umrunden und dabei den berühmten Westgiebel betrachten.
Eine schöne Anlage in traumhafter Lage.
Für mich ging es danach noch 15 km weiter nach Niederfinow zum dortigen Schiffshebewerk, das am 31.03.1934 nach fast 10 Jahren Planung und Bau eröffnet wurde. Es ist Teil des Oder-Havel-Kanals, über den die Oder mit Berlin und dem weiteren Wasserstraßennetz verbunden ist. Die Hub-höhe des Troges ist mit 36 m beachtlich.
Man kann die Anlage auf einem eingerichteten Besucherweg sehr gut erkunden, zumal, was bei mir der Fall war, wenn ein Schiff angehoben wird.
Übrigens ist nebenan eine weitere Hubanlage im Bau, die etwas größer und moderner wird.
Ich stehe jetzt auf dem offiziellen Parkplatz der Hubanlage und muss, wenn ich rausfahre, dafür 3 € bezahlen. Dafür kann ich hier übernachten, was einige WoMos tun.
Es gibt eine Ausstellung, ein paar Imbisse, Toiletten und einen Fahrgastschiffanbieter, mit dem man durch das Hubwerk fahren kann
Sonntag, 03.06.2018
Ich machte mich auf von Niederfinow nach Bad Freienwalde, das bereits seit 1684 als Heilbad ge-nutzt wurde und somit die älteste Märkische Kurstadt ist. Mit Hilfe von Mooranwendungen lassen sich viele orthopädische Probleme behandeln.
Ich schaute mich ein wenig um die St. Nikolai-Kirche herum auf dem dreieckigen Marktplatz um, bis ich die Touristeninformation entdeckte, die gerade öffnete. Zwei nette Frauen darin, die mich mit Material versorgten, und eine der beiden machte mit mir noch eine Privatführung durch die Kir-che. Das war sehr nett und hat mir gut gefallen. Dann marschierte ich bis zum „Schloss“, einer bes-seren Villa in allerdings üppigem Garten, dennoch nett anzusehen. Mit dem Auto fuhr ich noch ein Stück weiter zu einem auf einem Hügel gelegenen Aussichtsturm. Erst den Hügel erklimmen, dann noch den Turm: doppelte Anstrengung. Die Belohnung war eine ziemlich gute Aussicht über Stadt (7500 Einwohner) und Oder-Niederung.
Dann wollte ich mich über das (!) Oderbruch informieren und zu diesem Zweck das Oderbruch Mu-seum Altranft (Ortsteil von Bad Freienwalde) aufsuchen. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, aber es ist mir nicht gelungen, das Museum zu finden. Ich vermute, es war geschlossen, oder ich war zu doof oder beides.
Ich kam jedenfalls auf die Idee, mich nach Hohenwutzen zu bewegen. Auf dem Weg dorthin wur-den die Straßen immer enger (teils einspurig), aber man hatte an einer Stelle die Gelegenheit, bis direkt an den Oderdeich heran zu fahren und dann einen Blick auf den recht breiten Fluss zu werfen.
Hohenwutzen liegt dann direkt an der Oder und es führt eine Brücke über sie nach Polen. Und was ist direkt hinter der Brücke? Natürlich ein Polenmarkt, aber mit allem: Restaurants, McDonald’s, diverse Tankstellen und und und. Da war ziemlich viel los am Sonntagnachmittag. Ich habe nur eine Runde mit dem Auto gedreht und fuhr dann wieder über die Brücke.
Einige Baustellen und Umleitungen verhinderten, dass mich das Navi direkt zu den nächsten Zielen dirigieren konnte. Meist ergaben sich Umwege.
Ich fuhr also fast bis Bad Freienwalde zurück, dort aber dann auf die nach Süden führende B 167 bis nach Wriezen. Auch dort kann man sich wunderschön verfahren. Ich wollte jedenfalls in den kleinen Ort Neulietzegöricke. Warum? Es ist einer von 12 Orten, die Friedrich II nach erfolgreicher Trockenlegung des Oderbruchs bis 1762 errichten ließ. Angeworbene Menschen aus ganz Deutsch-land und einigen Auslandsstaaten ließen sich hier nieder und kolonisierten gegen Vergünstigungen das Land. Diese Kolonistendörfer haben einen charakteristischen Grundriss, der in Neulietzegöricke noch gut erhalten ist, ebenso einzelne Gebäude.
Zurück nach Wrietzen und dann über Neutrebbin (1755) nach Wuschewier (1757), beides ehemalige Kolonistendörfer, aber nicht so eindrucksvoll wie Neulietzegöricke. Allerdings das Schul- und Bet-haus von Wuschewier (1764) hat mir gut gefallen. Solche multifunktionalen Gebäude waren früher in der Oderbruchregion weit verbreitet.
Die Fahrt ging weiter nach Letschin zum Schinkel-Turm, dem Rest einer von Karl Friedrich Schin-kel Anfang des 19. Jahrhunderts geplanten Kirche, die 1945 so stark beschädigt wurde, dass sie letztlich entfernt, der Turm aber saniert wurde und jetzt alleine auf dem Markt steht. Dort gibt es übrigens auch einen netten türkischen Imbiss.
Der letzte Weg führte mich auf einen CP fast an der Oder (Familie Mahrt, Kienitzer Oderstr. 20, Letschin), wo ich jetzt übernachten werde, sozusagen exklusiv, weil kein anderer Gast da ist und ich alle Einrichtungen für mich habe. Inkl. Duschen und Strom wird das wohl 10,50 € kosten.
Montag, 04.06.2018
Es ging los, und zwar 5 km weit nach Groß Neuendorf (Tipp vom Platzbetreiber). Der Ort liegt di-rekt an der Oder und hat sogar einen Hafen mit Verladeeinrichtungen. Der Hafen wird wohl nicht mehr als solcher genutzt, aber es gibt dort eine gewisse touristische Infrastruktur: aufgestellte Wag-gons werden als Café, als Ferienwohnungen und einer sogar als Theater genutzt. Auch der Verlade-turm ist zu einer Ferienwohnung umgebaut worden.
Mein Weg ging jetzt nach Westen über Letschin (der Dönerladen von gestern) nach Neuhardenberg. Das wirkt wie ein verschlafenes Kolonistendorf, hat aber ein Schloss mit allem, was dazu gehört, und eine (natürlich von Schinkel entworfene) Kirche. Schloss und Park haben mir gefallen, die Kir-che ging so. Immerhin war bei ihr ein kleiner Friedhof mit mehreren Gräbern, und auf jedem stand der Name Hardenberg.
Ich fuhr weiter in Richtung Osten, also zur Oder zurück, und kam zu meinem nächsten Ziel: Seelow.
Dort fuhr ich zu der bekannten Gedenkstätte Seelower Höhen. Bei Seelow fanden im April 1945 die letzten entscheidenden Kämpfe zwischen einer russisch-polnischen Armee und den Deutschen statt. Die Niederlage der Deutschen öffnete den Weg nach Berlin. Hier in Seelow haben sich die Russen ein martialisches Denkmal gesetzt, das ihre Rolle bei der Befreiung vom Faschismus betont. Es gibt auch noch ein Museum dazu.
Mein Tagesziel war der SP im Küstriner Vorland, Kuhbrücke 23. Dieser Platz direkt an der Oder kostet mich 11 € mit Strom und Sanitär. Es ist recht leer, es gibt Picknickbänke, Klos und Duschen sind vom Feinsten. Also: alles gut..
Ich habe dann noch einen Fahrradausflug (4 km, meist auf dem Deich) nach Küstrin gemacht, der Ort liegt komplett in Polen. Es war jahrhundertelang eine schier uneinnehmbare Festungsstadt. Dort hat sich die Geschichte mit dem jungen Friedrich und seinem Freund Katte abgespielt. Gegen Kriegsende ist dieser Ort nahezu komplett unter seinen Trümmern begraben worden wie einst Pom-peji. Nach und nach rekonstruiert man dieses und jenes, aber im Grunde ist es überwiegend ein Trümmerfeld.
Dienstag, 05.06.2018
Mein erstes Ziel heute war recht nah, das Fort Gorgast (erbaut 1883 – 1889) in – natürlich – Gorgast.
Küstrin war der Mittelpunkt Preußens und entsprechend schwer befestigt. Um Küstrin herum gab es zur weiteren Verteidigung eine ganze Reihe von Befestigungsanlagen (Forts), die Küstrin schützen sollten. Eine davon war Fort Gorgast, zuständig für das westliche Oderufer. – Schon während der sechsjährigen Bauzeit erwies sich wegen der erhöhten Geschützreichweiten die Planung als militä-risch veraltet. So diente das Bauwerk fürderhin als Depot und Munitionslager.
Die Anlage ist von Wasser umgeben, vieles ist unterirdisch, vieles ist im letzten Krieg zerstört wor-den und trotzdem ist es ganz interessant, dort durch die Landschaft und die Trümmer zu stapfen.
Danach suchte ich den Weg nach Frankfurt an der Oder. Ich wollte einkaufen. Von Frankfurt ging es ca. 50 km nach Beeskow, das sich das Tor zur Niederlausitz nennt. Der Ort an der Spree hat mir recht gut gefallen. So Manches ist erhalten geblieben oder restauriert worden: die Marienkirche, das älteste Haus der östlichen Mark Brandenburg, die Burg Beeskow und verschiedene Türme und Tore in der teilweise erhaltenen Stadtmauer. In der Mönchsherberge hat 1861 Theodor Fontane übernach-tet.
Mein nächstes Ziel war das etwa 40 km entfernte Neuzelle. Es war weniger der Ort, der mich inte-ressiert, sondern vielmehr das katholische Kloster, die Hauptattraktion von Neuzelle. Man kann es schön, übertrieben, geschmackvoll, kitschig oder was auch immer nennen, aber was die Klosterkir-che an barockem Pomp bot, wird nur knapp von der bayerischen Wies Kirche überboten. Es ist kaum zu beschreiben, wie überladen die Kirche mit Figuren und Ornamenten ausgestattet ist, wobei es hier mehr in Richtung Marmor und nicht wie in Bayern Gold geht.
Dort, wo die Neiße in die Oder mündet, liegt Ratzdorf direkt an der Oder. Ratzdorf hat einen SP mit Stromanschlüssen und Entwässerung für 8 € + Strom. Es gibt auch eine Toilette (50 Cent). Nach 300 m ist man am Oderufer. Danach machte ich noch einen Spaziergang zur Oder, zum Zusammenfluss von Neiße und Oder und durch das Dorf.
Mittwoch, 06.06.2018
Ich fuhr zunächst über Neuzelle und Lawitz die gut 10 km nach Eisenhüttenstadt. Von der west-deutschen Stahlindustrie nach dem Krieg abgeschnitten, musste sich die DDR einen neuen Standort schaffen. Das geschah an der Oder und für die dortigen Arbeiter wurde eine neue Stadt entworfen: Eisenhüttenstadt (bis 1961 Stalinstadt). Das in den 50ger Jahren realisierte Projekt für etwa 30 000 Einwohner hat die Besonderheit, dass es nur aus großen Wohnblocks bestand, die Parks- und Grün-flächen umrahmten, dazwischen breite Straßen, schachbrettartig angelegt. Es sollte eine Idealstadt werden, wo sich Arbeit und Wohnkomfort mit sozialer Lebensqualität vereinen.
Auf mich wirkt manches relativ monströs, einförmig und nicht besonders attraktiv, teilweise ver-wahrlost. Aber interessant ist dieses städtebauliche Kulturdenkmal allemal.Eine Welt für sich, in der der Einzelne und das Individuelle nicht im Vordergrund standen.
Mit vielen Eindrücken wandte ich mich danach gen Süden und folgte der Neiße auf der B 112, an Guben vorbei, durch Grießen und Briesnick bis nach Forst/Lausitz. Von dort ging es auf der A 15 in Richtung Cottbus und Berlin, aber bei Vetschau war für mich Schluss mit der Autobahn. Von dort quälte ich mich über teilweise einspurige und/oder sehr schlechte Straßen nach Lichterfeld. Dort befindet sich das Besucherbergwerk F 60. Die Attraktion ist eine riesige Abraum-Transportanlage, die imstande war, enorme Mengen Abraum von einer Seite des Tagebaus auf die andere zu transpor-tieren. Sie ist die größte technische Anlage der Welt und erinnert an einen liegenden Eiffelturm. In einer Führung kann man das ganze Teil erklimmen und ist an der höchsten Stelle immerhin 74 m hoch. Dahinter befindet sich ein gefluteter Tagebau, an dessen östlichem Ufer noch reichlich Braun-kohle im Boden liegt.
Ich stehe jetzt auf dem kostenlosen Parkplatz des Besucherbergwerks. Ich habe gefragt, ich darf hier übernachten.
Donnerstag, 07.06.2018
Mein Ziel für heute war: das Lausitzer Seenland zu erkunden, alles Seen, die infolge des Tagebaus entstanden sind. Die meisten sind noch im Werden und werden geflutet. Der hier an der F 60 heißt Bergheider See. Also los: Ich fuhr etwa 20 km nach Großräschen an den Großräschener See. Dort befindet sich das Besucherzentrum IBA-Terrassen. Es ist Teil des ganz neu gestalteten Uferbereichs des Sees. Viele Seen sind mit Kanälen verbunden, die Ufer meist nett renaturiert, aber es sind halt Baggerseen.
Etwas nördlich der Seenkette befindet sich bei Welzow ein aktiver Tagebau. Verschiedene angeleg-te Aussichtspunkte ermöglichen einen Einblick in diese gigantisch dimensionierte Technik, aller-dings war der aktive Bereich sehr weit entfernt – die Eindrücke blieben schemenhaft. Dennoch, das Wort „gigantisch“ trifft schon recht gut das, was dort geschieht.
Östlich des Tagebaus liegt die Stadt Spremberg und südlich davon das Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe, eine riesige Anlage mit dampfenden Kühltürmen. Fährt man von hier nach Ho-yerswerda, kommt man auf einer schmalen Landenge zwischen dem Partwitzer See im Westen und der Blunoer Südsee und dem Neuwieser See im Osten hindurch. Auch das Flüsschen Schwarze Els-ter ist hier zu Hause. Ich habe Hoyerswerda nur durchquert.
Etwas südöstlich von Hoyerswerda steht im kleinen Örtchen Mortka die Jakubzburg. Ich fand sie auch und sie sah aus wie eine richtige Ritterburg (stammt aber nicht aus dem Mittelalter), aber sie war geschlossen. Die ganze Gegend hier ist wegen der Sorben zweisprachig. Über die müsste man mal mehr erfahren. In Schleife (Slepem) gibt es ein sorbisches Kulturzentrum. Vielleicht fahre ich da morgen mal hin.
Nachdem das mit der Burg nichts war, blieb noch eine Option: der Lausitzer Findlingspark in Noch-ten. Im Grunde ist es ein Steingarten, in dem unendlich viele Pflanzen angeordnet sind. Verschiede-ne Lebensbereiche von Pflanzen werden präsentiert. An manchen Stellen hat man eine enorme Aus-sicht, u. a. auf das Kohlekraftwerk Boxberg vis à vis, aber auch auf einen weiteren Tagebau. Eigent-lich eine schöne Anlage. Auf dem Parkplatz hätte ich auch kostenlos übernachten können. Das erschien mir aber nicht so at-traktiv.
So fuhr ich noch einmal 20 km bis Weißwasser auf den dortigen kostenlosen SP am Tierpark, Teichstraße 24. Das ist einfach nur ein Parkplatz ohne alles.
Freitag, 08.06.2018
Mein erstes Ziel war der Turm am Schweren Berg, immerhin 2 km entfernt. Das ist ein ziemlich hoher Aussichtsturm, mit dem man einen ordentlichen Überblick über das Braunkohlerevier westlich von Weißwasser hat. Aber auch hier waren die entscheidenden Dinge weit entfernt. Gegenüber sah man die Spitzen des Findlingsparks von gestern und das Kraftwerk Boxberg.
Die Sorben (oder auch Wenden) sind eine Minderheit, die in der Lausitz lebt, eine eigene Sprache hat, eigene Gebräuche und Sitten. Sie wurden nicht verfolgt. Überall steht alles zweisprachig. In Schleife gibt es ein sorbisches Kulturzentrum. Das habe ich besichtigt und so dies und das erfahren, vor allem, dass es keine einheitliche Gruppe ist, sondern je nach Region in den Eigentümlichkeiten ihrer Nationalität unterschiedlich.
Ich fand den kostenlosen SP Parking Bautzen, bekam den letzten der 4 ausgewiesenen SP mit Strom und war also in Bautzen angekommen. Der Platz ist ein größerer Parkplatz, aber er hat Toilet-ten (50 Cent) und eben Strom (50 Cent). Auch ist er ein bisschen laut, aber das wird sich zur Nacht beruhigen. Man geht 15 Minuten und ist in der historischen Altstadt an der Spree.
Bautzen ist sehr sehenswert. Am Hauptmarkt befinden sich das Rathaus und die Touristeninforma-tion, daneben ist der Fleischmarkt, an den sich der St. Petri-Dom anschließt, der, so was habe ich noch nie gesehen, eigentlich eine Doppelkirche ist, die eine Hälfte ist katholisch, die andere evange-lisch. Getrennt sind sie durch ein Geländer. Jede Hälfte hat ihre typischen Einrichtungen, vom Altar bis zur Orgel.
Es gibt noch sehr viel anderes Sehenswertes: die Ortenburg, den Reichenturm, den Wasserturm, den Nicolaiturm und noch mehr. Es lohnt sich auf jeden Fall, durch die Stadt zu schlendern. Im Korn-markt-Center kann man einkaufen.
Bautzen kennt man ja vor allem wegen des Stasi-Gefängnisses, inzwischen Gedenkstätte Bautzen. Just heute um 17 Uhr fand dort eine kostenlose Führung statt. Es gibt/gab zwei Gefängnisse in Bauzen, ein großes („das Gelbe Elend“) und ein kleineres, in dem sich jetzt die Gedenkstätte befindet. Beide wurden zu Anfang des letzten Jahrhunderts gebaut, waren für damalige Zeiten modern. Seit-dem hat sich in den Zellen nicht viel verändert.
Die Nazis nutzen die Gefängnisse, um politische Gegner mundtot zu machen, z. B. Ernst Thälmann, die Russen nach dem Krieg ebenso. Ab 1950 unterstanden sie der DDR, Bautzen II dem MfS. 80% der Insassen in Bautzen II waren politische Häftlinge. Besonders während der Phase der sowjeti-schen Leitung kamen viele Häftlinge wegen der unglaublichen Zustände und der schlechten Versor-gung ums Leben. – Der Rundgang wurde mit vielen Einzelschicksalen erläutert.
Sonnabend, 09.06.2018
Ich wollte an die Neiße und das letzte Stück bis zum Dreiländereck (D, Pl, Cz) in Zittau zurücklegen. Das war wegen der vielen Baustellen gar nicht so einfach. Schließlich landete ich in Görlitz und folgte von dort der B 99 über Ostritz nach Zittau. Damit hatte ich die Südostecke der neuen Bundesländer erreicht und war die Oder-Neiße-Linie abgefahren, auch wenn ich den nördlich vom Oderbruch liegenden Teil mit Schwedt ausgelassen habe.
Dann umher, bis ich auf die Idee kam, doch über die Grenze zu fahren und möglicherweise günstig tanken zu können. Über die Grenze fahren ging, günstig tanken ging nicht. Und dann brach, aus den Bergen kommend, ein heftiges Unwetter los. Im Radio wurde von starken Überschwemmungen im Vogtland berichtet, und daher kam ich zum Entschluss, das Thema Erzgebirge auf eine andere Fahrt zu verschieben. Somit blieben nur noch zwei Ziele übrig: Buchenwald und Nordhausen.
Es ging also von Zittau über Löbau auf die A 4, an Dresden vorbei, an Leipzig vorbei, an Jena vorbei in Richtung Weimar. Das waren eine Menge Kilometer.
Der von mir anvisierte Platz in Bad Berka war überfüllt. Jetzt stehe ich in der Nähe der Autobahn auf einem offiziellen kostenlosen Park- und Stellplatz ohne alles, der in meiner App nicht verzeichnet ist.
Sonntag, 10.06.2018
Das KZ Buchenwald liegt außer- und oberhalb von Weimar. Ich kam gerade rechtzeitig zu einer (kostenlosen) Führung. Es ging zum Eingangstor und zum Krematorium, an die eine Genickschussanlage wie in Sachsenhausen angeschlossen ist. Ernst Thälmann, der gegen Ende des Krieges von Bautzen nach Buchenwald überstellt wurde, ist im Be-reich des Krematoriums nach 3 Stunden ermordet worden. Auch von Buchenwald gingen Todes-märsche aus. Es gab eine Untergrundorganisation, die sogar mit den Amerikanern Funkverkehr hatte und daher gut informiert war. Das Lager hat sich durch die Umstände im Grunde selbst befreit. Die Führerin meinte auch, dass vermutlich jeder in Weimar (übrigens die erste Stadt mit einem national-sozialistischen Bürgermeister) von den Vorgängen in Buchenwald gewusst hatte. Das Lager war nachts hell erleuchtet, es war von manchen Stellen aus einsehbar und der KZ-Bahnhof war im Streckennetz eingetragen.
Im Torgebäude besteht ein Flügel aus Arrestzellen
In der Nazi-Zeit waren in Buchenwald mit allen Nebenlagern etwa 280 000 Menschen aus über 50 Nationen inhaftiert, davon kamen ca. 56 000 ums Leben.
Auch in Buchenwald gab es nach dem Krieg bis 1950 ein sowjetisches Speziallager, in dem in der gesamten Zeit etwa 28 500 Menschen interniert waren. Ein Viertel dieser Menschen ist ums Leben gekommen und in Massengräbern im angrenzenden Wald verscharrt worden.
Zu DDR-Zeiten wurde vieles demontiert und die Anlage zu einer Gedenkstätte umgestaltet.
Nach vielen Eindrücken fuhr ich dann zum nächsten Ziel: KZ Gedenkstätte Mittelbau-Dora, ein Außenlager von Buchenwald, 100 km entfernt, am Rande des Harzes in Nordhausen. Nach der Bombardierung Peenemündes hat man die Produktion der von Braun’schen Wunderwaffen hierher verlegt, und zwar in Stollen, die in den Berg getrieben wurden. Deswegen wurde dieses KZ erst spät (August 1943) gegründet, das Barackenlager entstand sogar erst im Frühjahr 1944. Schon 1 Jahr später wurden die Inhaftierten wegen des Heranrückens der Amerikaner in Todesmärschen oder mit der Bahn nach Westen verlegt (vor allem nach Bergen-Belsen). Von den etwa 60 000 Men-schen in Mittelbau-Dora hat ungefähr ein Drittel nicht überlebt.
Inzwischen begann schon der Abend und damit die Suche nach einem SP. Eigentlich wollte ich etwas mit Strom, aber jetzt bin ich auf dem kostenlosen SP Parkplatz Adenauerring in Duderstadt gelandet.
Montag, 11.06.2018
Heute ging es weiter auf die Heimreise. Ich ließ mir erstmal Zeit und fuhr dann in Nordheim auf die A 7. Weiter ging es über Hannover und dann aber nicht direkt nach Hause, denn es gibt ja noch das KZ Bergen-Belsen in der Heide.
Diese Einrichtung - zunächst als Kriegsgefangenenlager und KZ angelegt, zum Schluss nur noch KZ - liegt abgelegen in der Lüneburger Heide und war das Ziel vieler Evakuierungen von weiter östlich gelegenen Lagern. Bergen-Belsen ist der Ort, wo Anne Frank ums Leben kam.
Es gibt eine sehr gute Ausstellung (auch montags geöffnet) zu besichtigen. Das Lagergelände dage-gen weist wenig Erhaltenes auf. Bergen-Belsen wurde im April 1945 von den Amerikanern befreit. Der Zustand des Lagers und der Menschen ist mit intensivem Anschauungsmaterial (Fotos, Filme, Dokumente) dokumentiert. Es kamen etwa 70 000 Menschen hier ums Leben. Viele Tote wurden erst nach der Befreiung in Massengräbern beerdigt.
Die restlichen Kilometer gingen schnell vorbei. Abends war ich wieder zu Hause.
Fahrstrecke: etwa 1600 km

