Heute beginnt mal wieder eine (kurze) Reise, ich nenne sie:
„Himmelswege“
Es beginnt wie immer umständlich. Hab ich alles mit? Was muss ich noch einkaufen?
Gegen 11 Uhr verließ ich das Gehöft, gegen 12 waren Einkauf und Tanken erledigt und ab da ging es erst richtig los.
Die allermeiste Zeit - und damit meine ich 98% der Fahrzeit - regnete es stark. Zusätzlich gab es zwischendurch dann immer noch mal Starkregen. Lediglich bei Wismar und Schwerin habe ich die Scheibenwischer kurzfristig ausstellen können.
Ich konnte mit dem Bus bis auf den Schlossplatz von Ludwigslust durchfahren und ein paar Fotos machen, aber dann begann es wieder zu regnen. Soooo eindrucksvoll war das Schloss nun auch nicht, aber immerhin.

Von Schwerin nach Magdeburg wird es bald eine Autobahn geben, aber die ist nur zu Teilen befahrbar, denn sie ist im Bau. - Offenbar sehr beeindruckt von dieser Tatsache führte mich Uschi auf teils abenteuerlichen Wegen durch die Gegend: Greven, Wittenberge, an Stendal und Tangermünde vorbei, aber irgendwie immer in Richtung Magdeburg.
Nach vielem Hin und Her fand ich schließlich den CP Barleber See, der gut gefüllt war, aber auch noch Plätze frei hatte. Der See ist eigentlich eine alte Kiesgrube, also künstlich, aber das ganze Ensemble macht einen ordentlichen Eindruck. 17,50 € durfte ich berappen, weniger als erwartet.
Nachdem das Womo installiert war und es natürlich wieder angefangen hatte zu nieseln, holte ich das Klapprad raus und machte mich - mit Regenzeug versehen - auf die Erkundung der örtlichen Wasserstraßenangebote.
Da ist zunächst der Mittellandkanal,

von dem ein Seitenkanal (Rothenseer Verbindungskanal) abgeht, zu dem ein Schiffshebewerk und eine Schleuse gehören.


Ein bisschen weiter den Kanal entlang überquert dieser dann die Elbe in einer Art Wassertrog. Das ist schon spannend.

Der Kanal wird auch von Straßen unterquert, sein Wasserstand befindet sich in ziemlicher Höhe. Bis auf ein paar angeleinte Schiffe war aber kein Schiffsverkehr auf den ganzen Wasserstraßen zu erkennen.
Ziemlich durchnässt kam ich auf dem CP wieder an. Das Rad war gut gefahren, aber die Steigungen und der Gegenwind …
Bei der Rückkehr war der Platz noch mehr gefüllt. Aber ich finde, ich stehe hier recht gut.
Tag 2 - 17.08.2021 - Dienstag
Morgens war es kalt, aber es regnete nicht, wie übrigens fast den ganzen Tag. Dafür war es halt ziemlich windig.
So gegen 11 startete ich. Ich hatte es nicht weit, denn ich wollte zum wenige Kilometer entfernten Stellplatz am Yachthafen. Man muss ganz durch Magdeburg ins Zentrum und dann über die Elbe zu einem Seitenarm am Winterhafen. Eigentlich ganz einfach, wenn nicht die Zufahrtsstraße zum SP wegen Bauarbeiten gesperrt gewesen wäre. Man sieht den SP, aber man kommt nicht hin. Eine umständliche Sucherei begann, ich war schon am Ortsschild von Magdeburg vorbei und bin dann umgedreht, bis ich auf die U5, versehen mit einem Wohnmobilsymbol, stieß, der ich natürlich folgte, mich dabei noch mal verfuhr, um letztlich doch auf verschlungenen Pfaden zum SP zu finden. Dort waren noch ein paar Plätze frei, auch solche zur Wasserkante. Ich wählte die Nr. 2, aber es war niemand da, bei dem ich bezahlen konnte. Man soll das Geld (12 €) in einen Briefumschlag stecken und den dann im Kasten einwerfen. Ich hatte keine 12 Euro passend.
Ich entschied mich, erstmal einen Stadtbummel zu machen, während dem ich das Geldproblem lösen könnte. Wegen dieser gesperrten Zufahrtsstraße musste ich dafür mit dem Fahrrad einen riesigen Umweg fahren.
Magdeburg ist nicht so schlecht, es hat einige Sehenswürdigkeiten und normales städtisches Leben. Gleich zu Beginn ist eine riesige Einkaufspassage und gegenüber die schöne alte Johanniskirche, bei der ein Luther-Denkmal steht. Man kommt dann auf den Alten Markt mit dem Rathaus, dem Magdeburger Reiter und dem Magdeburger Roland.

Durch den Breiten Weg, eine Art Einkaufsboulevard, gelangt man zur Grünen Zitadelle. Das ist ein umfänglicher Wohnkomplex, entworfen von keinem Geringeren als Friedensreich Hundertwasser, der 2005 fertiggestellt wurde und natürlich den typischen Hundertwasser-Stil aufweist, u.a. hat der Künstler wohl über 900 verschiedene Fenster entwickelt.
Schon ein eindrucksvolles Gebäude.Ein wenig weiter befindet sich der ziemlich große Domplatz, der trotz einiger Wasserspiele etwas trostlos wirkt. Der uralte Dom allerdings, der hat schon was,
u.a. auch einen schönen Kreuzgang mit Innenhof.

Das Geldproblem war allerdings noch nicht gelöst. Ich hatte zwar inzwischen aus einem Automaten zwei Fünfzigeuroscheine, aber eine Dame an der Kasse bei der Commerzbank wollte mir diese nicht wechseln, weil ich dort kein Konto habe. Ich betrat noch einmal die riesige Einkaufspassage, bezahlte einen Cappuccino mit einem Fünfzigeuroschein und hatte endlich das nötige Kleingeld.

Zurück am Platz konnte ich nun meine Schulden begleichen. Der Platz war inzwischen gesperrt, weil voll. Ich kam mit dem “Manager” ins Gespräch (Dusche: 1 €; Toilette: 20 Cent) und er schlug mir eine alternative Route für die folgende Fahrradtour vor.
Mein nächstes Ziel war der Elbauenpark, ca. 5 km mit dem Fahrrad. Das ist eine Art Freizeitpark, aber ohne Loopingbahnen und dergleichen. Die Reste der BUGA 1999 hat man erweitert und zu einem Erholungsgebiet mit einzelnen Attraktionen gemacht.
Eine davon ist der Jahrtausendturm, kegelförmig wie ein Zelt, 60 m hoch und von innen und außen zu begehen. Im Innern wird über verschiedenste wissenschaftliche Phänomene berichtet, z. T. verbunden mit Experimenten, die der Besucher anstellen kann. Schon recht interessant. Aber auch anstrengend, denn die 60 m wollen in beide Richtungen bewältigt werden.Das angeblich vorhandene Schmetterlingshaus habe ich nicht gefunden (ich vermute, es war geschlossen), an Klettern, Rutschen, Skaten, durch Blumenbeete Flanieren hatte ich kein Interesse, und so machte ich mich wieder auf den Weg zum SP.
Und gerade als ich mich mit dem Campingstuhl auf meine zum SP gehörende Terrasse setzen wollte, fing es an zu nieseln.Tag 3 - 18.08.2021 - Mittwoch
Es ist gerade 18 Uhr und es hat bisher nicht geregnet. So weit so gut.
Vom SP aus fuhr ich in Richtung Pömmelte. 5 Kilometer vor dem Ort war die Straße allerdings wegen Bauarbeiten gesperrt. Neuen Weg gesucht und gefunden und dann war ich endlich beim Ringheiligtum von Pömmelte angekommen,
eine durchaus beeindruckende Anlage aus Holzpfeilern, Wällen und Toren, alles nachträglich rekonstruiert.
Es erinnerte ein wenig an indianische Totempfähle, verziert mit Schnitzereien.
Dazu gab es ein paar Erklärungstafeln. Es war sicherlich damals vor 4300 Jahren eine bedeutungsvolle Kultstätte. Vom Aussichtsturm hat man einen Überblick über die sieben Ringe.
Ich fuhr anschließend weiter bis Barby und überquerte dort mittels einer Seilzugfähre (5 €) die Elbe.
Die Fähre läuft an einem Stahlseil und wird nur durch die Kraft des Elbwassers betrieben. Im Übrigen sei die Bedeutung der Elbe als Gütertransportweg in diesem Gebiet erheblich gesunken, erklärte mir der Fährführer.Über die Dörfer ging es dann weiter bis Zerbst. Dort habe ich getankt (1,339/l) und anschließend ging die Fahrt weiter auf der Bundesstraße 184 über Roßlau und Coswig in die Lutherstadt Wittenberg. Als erstes wollte ich mir eine Unterkunft suchen und dann in aller Gemütlichkeit die Sehenswürdigkeiten abklappen.
Der erste SP (auf dem Hinterhof vom Hotel Wittenburg) sollte 20 € nur fürs Stehen kosten. Strom wäre für 5 € zu haben, Toiletten- und Duschzugang noch einmal 5 €. Das war mir dann doch zu viel und ich machte mich auf zum zweiten SP (Marina Camp). An der Eingangspforte stand auf einem angehängten Zettel, dass man sich zwingend per E-Mail schriftlich angemeldet und eine Bestätigung erhalten haben müsste. Also ein weiterer Flop.
Die App bot keine mich ansprechenden Alternativen und so fasste ich den Entschluss, Lutherstadt Lutherstadt bleiben zu lassen, und wandte derselben den Rücken zu.
Zurück auf gleichem Weg, allerdings nur bis zur A9 und dann nach Süden 70 km. Baustellen über Baustellen, auch in Halle, wo ich schließlich landete, und zwar auf dem CP Nordbad Camping. Es war etwas frei und für 15,90 € (einschl. Strom) ist man dabei. In die Stadt kommt man mit dem Fahrrad oder Bus/Straßenbahn (knapp 5 km ins Zentrum/gut 2 km zum Landesmuseum für Vorgeschichte). Dort werde ich mich morgen aufhalten.
Tag 4 - 19.08.2021 - Donnerstag
Ich habe mir nach dem Frühstück das Fahrrad geschnappt und bin die 2 ½ km zum Museum geradelt.
Das Landesmuseum für Vorgeschichte ist sehr sehenswert. Es befasst sich mit der Entwicklungsgeschichte des Menschen, von den Anfängen bis etwa zur Völkerwanderung, sehr anschaulich dargestellt, aber auch sehr datailverliebt.
Dazu als Sonderausstellung alles, was mit der Himmelsscheibe zu tun hat, und die Scheibe selbst natürlich auch (Fotografierverbot). Viel über Pömmelte, die Originalstatue der Dolmengöttin, Beziehungen zu anderen Kulturen. Das war sehr interessant.Mit dem Rad zurück zum CP, keine Lust auf Stadtbesichtigung von Halle. Abfahrt zum nächsten Ziel: Querfurt. Der Ort hat nichts mit den Himmelswegen zu tun, soll aber einiges zu bieten haben. Am Ortseingang ordentlich eingekauft, Parkplatz in der kleinen Stadt gefunden und ein bisschen Sightseeing gemacht. Es ist ein netter kleiner Ort mit ein paar prächtigen Bauwerken, [url=https://www.wohnmobilforum.de]
z.B. dem Rathaus, und scheint früher einen gewissen Reichtum erlangt zu haben.
Überragt wird das Ganze von einer ausladenden Burganlage in einem verhältnismäßig guten Zustand. Sehr sehenswert.Das nächste Ziel sollte die oben erwähnte Dolmengöttin in Langeneichstädt sein. Der Ort, der auch über eine sehenswerte Bockwindmühle verfügt, ließ sich leicht finden, mein eigentliches Ziel aber erst nach langem Suchen, und das auf vom Zustand her abenteuerlichen Straßen.
Beieinander liegen das “Steinkammergrab mit Menhir und Dolmengöttin” und die “Eichstädter Warte”. Sie haben nichts miteinander zu tun. Die Warte ist ein mittelalterlicher Wachtturm, ca. 13 m hoch und ohne direkten Zugang, der zur Beobachtung und ggf. Signalgebung diente. Der Eingang war in etwa 5 m Höhe. Das Steinkammergrab wurde zufällig 1987 entdeckt und der Menhir mit der darauf eingeritzten Dolmengöttin war einer der Abdecksteine.
Eine Kopie steht direkt beim Grab. Sehr interessant. Die Fahrt ging weiter zum Sonnenobservatorium von Goseck. Noch vor Stonehenge errichtet, gilt die fast 7000 Jahre alte Anlage als weltweit erste für gezielte Himmelsbeobachtung. Was man sieht, ist natürlich eine Rekonstruktion, denn die Anlage bestand aus Holz.
Zwei Ringe aus Palisaden hatten insgesamt einen Durchmesser von 71m. In die Palisaden waren Lücken eingelassen. Wenn diese von der Sonne erreicht wurden (Auf- oder Untergang), war das ein Zeichen für einen bestimmten Tag des Jahres. Sommersonnenwende, Frühlingsfest usw. Auch hier war es interessant.Meinem Tagesplan folgend begab ich mich zum CP Blütengrund, bereits zum Stadtgebiet von Naumburg gehörig, aber doch über 4 km außerhalb am Zufluss der Unstrut in die Saale gelegen. Der Platz hat seinen Preis: stolze 24 € incl. Strom und “Kurabgabe” von 2 €. Trotzdem ist er gut gefüllt mit allen Arten des Campings.
Tag 5 - 20.08.2021 - Freitag
Nach dem Frühstück habe ich mich entschieden, auf Impressionen aus dem Weltkulturerbeort Naumburg zu verzichten und gleich nach Nebra zur Arche zu fahren. Eine Fahrt durch schöne mittelgebirgsartige Landschaft, überall Weinhänge und kleine Ortschaften und zahlreiche Sehenswürdigkeiten (Burgen, Klöster und sonstiges Altes). Nicht umsonst nennt sich die Gegend Burgenlandkreis. Ein bisschen wie an der Mosel.
Vom Parkplatz zur Arche sind es ein paar 100 m bergauf bis zum Ort des Interesses.
In der Arche wird alles Mögliche über die Himmelsscheibe präsentiert und inhaltlich zugänglich gemacht. Glücklicherweise konnte ich an einer Führung teilnehmen (3 €), die neben dem Eintrittspreis (9,50 €) zu bezahlen war.Wir wurden sehr fundiert informiert darüber, was im Ausstellungsteil zu sehen war. Im zweiten Teil ging es dann ins Planetarium, wo über den Köpfen eine informative und anschauliche Darstellung wesentlicher Inhalte der Scheibe projiziert wurde.
Diese Scheibe scheint wirklich ein sehr bedeutsamer Fund zu sein. Allerdings hat man auch manchmal das Gefühl von Überinterpretation.
Den Weg zum eigentlichen Fundort mit einem Aussichtsturm - 3 km - habe ich mir geschenkt.
Das war’s mit den Himmelswegen. Am eindrucksvollsten war natürlich die Scheibe, aber geschichtlich bedeutungsvoll war sicher auch das Sonnenobservatorium von Goseck.
Es folgte ab etwa 15 Uhr die Überfahrt in Richtung Emsland. Querfurt, Sangerhausen, Nordhausen, Duderstadt, Kassel, Paderborn waren Abfahrten von der Autobahn, die z. T. brechend voll war, besonders an den zahlreichen Baustellen. Etwas nördlich von Paderborn liegt der Ort Hövelhof. Dort gibt es einen kostenlosen SP beim Bahnhof, der sogar über Stromanschlüsse verfügt. Da stehe ich jetzt und bin gespannt, wie oft ich durch Züge geweckt werde.

