Hallo,
wir waren Anfang April über ein verlängertes Wochenende in Wien.
Hier ein kurzer Reisebericht.
Bilder gibt es hauptsächlich von den Friedhöfen, um euch vielleicht auf den Geschmack zu bringen.
Wien sagt man ja einen morbiden Charme nach. Ich mag alte und große Friedhöfe und Wien sollte da schon einiges zu bieten haben.
Der Bericht hat zwar einen nekrophilen Schwerpunkt, aber Wien hat natürlich auch über der Erde sehr viel zu bieten und ist empfehlenswert. Aber da dazu schon alles gesagt ist, will ich heute eben mal den anderen Blickwinkel betrachten.
An den üblichen Sehenswürdigkeiten vergeude ich keine wertvolle Urlaubszeit mit Fotos. Die Bilder gibt es alle schon im Internet. Besonders wenn keine nennenswerten Personen drauf sind.
Kurz zu unserem Setting: Zwei Personen, im Kastenwagen (Weinsberg CaraBus 600) unterwegs.
Freistehen ist OK, aber auch gerne mal Stellplatz.
Abfahrt in der Nähe von Heidelberg am Mittwochnachmittag 29.03.23
Ziel undefiniert, so weit wie möglich ohne Stress. Letztendlich wurde es Regensburg.
Wir parkten am Parkplatz Unterer Wöhrdt. Nichts Besonderes, wir wollten ja nur übernachten. Einige Womos waren da. Es war schon 21 Uhr. Eigentlich wollten wir in die nahe gelegene Pizzeria essen gehen, aber die wollten demnächst schließen, also zwei Pizze mitgenommen und im Mobil gespeist.
Am nächsten Morgen ging es relativ früh wieder auf die Piste Richtung Wien.
Wir entschieden uns für den Reisemobilstellplatz Wien in der Perfektastraße.
Der Platz ist ideal für einen reinen Stadtbesuch. Hat alles, was man braucht (außer WLAN bis zum Womo). Dusche, WC, Strom. Preis ist mit 25€ Vorsaison und 30 € Hauptsaison OK.
Noch vor Ort haben wir uns die Vienna Card geklickt. Tatsächlich würde ich im Nachhinein nur ein Ticket für die Wiener Linien nehmen. Wir nutzten die zusätzlichen Boni nicht aus. Sind jetzt aber am Mehrpreis auch nicht zugrunde gegangen.
Dann ab in die Stadt. U-Bahn nur wenige Minuten entfernt und in etwa 15-20 Minuten steht man am Stephansdom.
Hier haben wir uns erst mal grob orientiert, es war ja schon Nachmittag. Da wir wegen technischer Probleme mit der Vienna Card sowieso zur Tourist Info am Albertinaplatz mussten sind wir von dort direkt zur Kapuzinergruft. Die letzte Ruhestätte der meisten Habsburger. Allerdings nur der Körper. Herzen und Eingeweide hat man an anderen Orten bestattet.
Tatsächlich imposant, was da so rumliegt an Habsburgern. Und wie die sich so nach und nach gesteigert haben, was ihre Außendarstellung nach dem Tod angeht.
Man könnte von starkem Selbstbewusstsein oder eben auch Größenwahn reden. Neben Maria Theresia hat ihren Kindern nicht nur vorgeschrieben, wen sie zu heiraten haben, sie hat auch gleich mal festgelegt, dass deren Särge rings um ihren imposanten Doppelsarkophag (mit ihrem Ehemann) drapiert werden.
Aber natürlich liegt dort auch die allseits beliebte Sisi.
Nach einem kurzen Bummel war es auch schon Zeit fürs Abendessen. Dazu gings ins „Bermudadreieck“ ins Krah Krah, ein kleines feines Lokal, das auch von Einheimischen geschätzt wird. Wer meint er muss in Wien Wiener Schnitzel essen, kommt hier auch auf seine Kosten zu einem nicht ganz so touristischen Preis. Und es gibt leckeres Bier.
Erstaunt waren wir zuvor, dass es in der Schnitzeltourihochburg Figlmüller nur Schweineschnitzel (also Wiener Art) gibt.
Zum Abschluss machten wir einen Nachttour durch das Haus der Musik sehr interessant und gut gemacht,
Am nächsten Morgen hatten wir uns für eine „Free Walking Tour“ angemeldet.
Zuvor noch ein leeeckeres Frühstück im „Joseph Brot“. Der Werbeslogan „..vom Pheinsten“ ist nicht übertrieben.
Die Tour dauerte etwa 2,5 Stunden und deckte alles Wichtige ab. So eine Tour ist immer ein guter Start für einen Städteurlaub. Dann weiß man im Anschluss, was man sich näher anschauen will. Wir spendeten 20 € pro Person und tigerten dann auf eigene Faust los.
Die Insta-Kaffeehäuser „Sacher“ und Cafe Central“, vor denen tatsächlich Schlangen standen um ein Insta Foto zu machen, ließen wir links liegen und begaben uns zum Cafe Sperl.
Die Kellner in Wien sind wirklich was Besonderes, aber unfreundlich war keiner. Etwas spröde vielleicht. Wiener Schmäh eben.
Dann ging es kreuz und quer durch Wien. Die Sehenswürdigkeiten sind ja bekannt. Zwischendurch Kaffee und Strudel im Cafe Bräunerhof, Empfehlung des Tourguides.
Abendessen mal nicht ganz so wienerisch im Swing Kitchen veggie und lecker.
Dann zum Abschluss noch einen Absacker im Cafe Hummel.
Weil der Ober dort so nett war, ging es dort auch am nächsten Morgen frühstücken.
Anschließend bei der ersten und letzten noch existierenden Untergrundjugendstiltoilette vorbei geschaut. Dann ab in den Stephansdom. Wir nahmen an der Katakombentour teil. Sehr cool (keine Bilder erlaubt). Der Führer war auch etwas „besonders“: Wiener Schmäh extrem, aber unterhaltsam und interessant.
Dann ging’s nach außerhalb, auf den Friedhof St. Marx. Ein „stillgelegter Friedhof, der aber gerade noch so gepflegt wird, dass die Wildnis nicht überhand nimmt.
Hier liegt angeblich Mozart begraben, aber keiner weiß wo genau. Deshalb hat man das Denkmal, das dort früher stand auf den Zentralfriedhof gebracht und dort hingestellt, wo er mit Sicherheit nicht liegt.
Heutzutage gibt es noch die Nachbildung eines älteren Denkmals, das wohl ein Friedhofsgärtner aus alten Grabsteinen zusammengebaut hatte.
Der Friedhof ist aber ansonsten auch sehr cool, für alle die einen beschaulichen teils verwilderten Friedhof zu schätzen wissen.
Im Anschluss an diesen Ausflug machten besuchten wir auch noch das Schloss Belvedere. Ziemlich groß und die Hanglage macht es imposant. Leider noch kaum Blütenpracht. Und ich muss sagen, unser Schlossgarten in Schwetzingen macht mich da mehr an.
Abendessen gab es heute im Zwölf Apostelkeller. Ein uriges Restaurant das bis zu 18m tief in den Untergrund geht. Eher touristisch, aber trotzdem gutes Essen und gutes Bier.
Fast vergessen, zwischendurch waren wir auch noch im Schmarren & Palatschinkenkuchl. Klein, aber feine Mehlspeisen.
Der nächste Tag war der Montag, Abreisetag. Dafür hatten wir uns dann den nekrophilen Höhepunkt der Stadt ausgesucht.
Der Wiener Zentralfriedhof.
Ein Muss für jeden Friedhofsfan. Aber für die 2km² muss man sich erst mal stärken. Deshalb gibt es dort im Friedhof eine Filiale der Kurkoditorei Oberlaa, wo wir erst mal ein Frühstück einnahmen und nach dem Besuch leckersten Kuchen für die unterwegs erstanden.
Der Friedhof ist so groß, dass man dort auch mit Auto zum Grab fahren kann bzw. mit der internen Buslinie. Wir erledigten das Thema per Pedes und starteten am alten jüdischen Friedhof. Wie an solchen Plätzen üblich, sehr „gothic“ mit schiefen und umgestürzten Grabsteinen und „wild romantisch“. Sogar ein paar Rehe tummelten sich zwischen den Grabsteinen.
Je mehr man sich der Mitte nähert, desto größer werden die Grabmäler. Einige müssen halt selbst nach ihrem Ableben ihre Komplexe bedienen.
In der Mitte, vor der Friedhofskirche, die innen ziemlich schön ist, befinden sich die Ehrengrabmäler.
Reserviert für berühmte Persönlichkeiten. Beethoven, Brahms , Strauss, Udo und Curd Jürgens, Deix, allerlei Prominenz „saftelt“ hier vor sich hin.
Hier steht eben auch das zuvor erwähnte Mozartdenkmal obwohl er dort nicht saftelt.
Ein Stück weiter weg im „Ehrenhain“ findet man Falcos Grab. Auch wenn er nicht bei den ganz Großen mitspielen darf, ist sein Grab doch ziemlich groß und vor allem kitschig.
Zum Abschluss gab es noch ein Erinnerungs-T-Shirt aus dem Friedhofsmerchshop.
Und dann ging es auf die Piste gen Heimat.
Zwischenübernachtung auf dem Stellplatz in Friedberg bei Augsburg.
Leckeres Abendessen mit sehr freundlicher Bedienung in der Linde und am Morgen Frühstück bei „Da Leo“ direkt neben dem Stellplatz mit wirklich leckerem, italienischem Kaffee. Der Stellplatz ist kostenlos und ohne Zubehör. Zwar direkt neben der Kirche, aber da wir auch zu Hause an der Kirche wohnen haben wir die Glocken nicht gehört.
Das wars, ich hoffe der ein oder andere kann unsere Tipps für seinen nächsten Wien Besuch nutzen.







