Auf der Rückreise vom hohen Norden kamen wir am Hamra Nationalpark in der Orsa Finnmark vorbei. Schönes Wetter, machen wir da eine Mittagspause ! Informationstafeln, Grillplätze mit Holz, Tische, Bänke, es war noch in Aufbau, schön robust und ursprünglich, von außen sehr ansehentlich und in die Gegend passend, lt. Anschlag Neueinweihung Mitte September 2011. Dazu Sonnenschein und kein Mensch in der Nähe. Wir blieben gleich da, so gut hat uns das gefallen. Hamra ist ein kleiner NP, 28 ha, in Teilen soll noch nie eine Motorsäge zum Einsatz gekommen sein. Dazu zwei Rundwege z.T. auf Stegen, der Urwaldweg und der Moorweg. Wir beschlossen, nach dem Mittagsessen beide abzuwandern. Amüsiert hat uns eine Box, bei der wir erst eine Kurbel drehen mussten, um Strom zu produzieren, und dann erklangen auf Knopfdruck verschiedene Laute von Tieren, die hier heimisch sind. Wir lachten über das Brummen, besser uaaaah des Bären und drückten immer wieder. Unsere Tochter gestand später, das sie vorhatte, nach ihrem nächtlichen Spaziergang (die sie schon seit Jahren tätigt und die sie zum Abschalten braucht) sich am Womo zu schubbeln und zu brüllen, um uns aus dem Schlaf zu schrecken.
Wir gingen also als erstes den Moorweg, die Sonne leuchtete alles so farbig aus, traumhaft. Keine 300m gegangen kam ein kleiner See in Sicht, darum das helle Gras, ein paar kleine Birken, da sah ich ihn : einen BÄREN. Zuerst rief ich, da, ein Elch, aber das dunkele Vieh bewegte sich nicht wie ein Elch, es lief wie aus einschlägigen Filmen bekannt nach rechts weg, blieb stehen, guckte, lief weiter. Und das 200 m von uns entfernt ! Wir waren wie elektrisiert, so eine Gänsehaut hatte ich noch nie, noch nicht einmal bei der Walsafari in Andenes. Dauerte auch 10 Minuten, bis die wieder weg war. Selbst jetzt beim Schreiben kribbelt es. Mein Mann, der ein ganzes Stück hinter uns beiden lief, sah nichts, war zu langsam. Dabei dauerte es schon eine Weile, bis der Bär im dichter werdenden Wald verschwunden war.
Bären sollen sich ja verdrücken, wenn sie Menschen hören, das hat dieser auch getan. Wir gingen dahin, wo er verschwunden war, aber in dem nassen Boden sahen wir keine Abdrücke.
Der Urwaldwanderweg war auch schön, da war es schon früher Abend, es wurde finster zwischen den Bäumen, viele Elchspuren, aber kein größeres Tier zu sehen, aber unser Erlebnis vom Nachmittag war auch nicht zu toppen. Und in Nachhinein erklärte uns das die "bärensicheren" Mülleimer aus dickem Metall mit kleinen Schlitzen und schweren Deckeln.
Bleibt noch zu erwähnen, dass unsere Tochter ihren Nachtspaziergang zum ersten Mal seit Jahren ausfallen ließ und im sicheren Womo blieb.

