Die verunglückte Wolfsdelle
Freitag Nachmittag 15.30 Uhr.
Endlich sollte es losgehen. Ich fuhr den PC im Büro runter und machte mich auf den Heimweg, wo das Potti mit den Hundis schon auf gepackten Klappkisten wartete.
Wir waren müde, weil der Muck uns in der Nacht zuvor, von halb eins bis fünf wegen heftigen Gewitters wachgehalten hatte. :wall:
Nach fliegendem Klamottenwechsel, dem letzten Zusammenkramen persönlicher Utensilien sowie gründlichen Reisechecklisten-Checks, standen wir gegen 17 Uhr beim Jockel und beluden das Bürstel.
Schnell noch den im letzten Urlaub aufgequollenen Bambustisch gegen ein Alu-Lamellen-Modell ausgetauscht, zur Tankstelle gekurvt, das Navi eingeschaltet und dann rollten wir gen Süden.
Unser Ziel lag 200 km entfernt in der Nähe von Koblenz. Der Plan war, am Samstag einen der 26 Traumpfade zu laufen. Dieses Mal die "Wolfsdelle".
Wir kamen gut durch. Ein Schild auf der AB versetzte mich kurzzeitig in Schrecken: Europabrücke für Fahrzeuge über 3,5 t gesperrt. :eek:
Oh jeh! Nu darf unser 3,85 t Monstermobil da nicht drüber!
Des Potti indes meinte, dass wir ja schließlich halb leer seien, und deshalb, wenn überhaupt nur unwesentlich mehr als 3,5 t wögen und fuhr vergnügt an der beschilderten Ausfahrt für die LkWs vorbei.
Etwas paralysiert lugte ich ins Tal hinunter und hielt den Atem an.
Aber die Brücke hielt!
Wir hatten einen Campingplatz in Brey ausgesucht und das Navi führte uns eine enge Serpentinenstraße, auf der das Bürstel nur alleine Platz hatte, in das kleine Örtchen hinein. Als wir in eine Sackgasse ohne Wendemöglichkeit abbiegen sollten, ahnten wir, dass hier was schief lief. :?
Hätten wir ein Dickschiff, stünden wir heute noch dort....
Mit viel Gekurbel und Gezirkel entronnen wir der Navifalle, konnten jedoch trotz intensiver Suche den CP nicht finden. Auch diverse Nachfragen bei Einheimischen, brachten keine Abhilfe, führten uns aber letztlich zum CP Sonneneck in Spay. Mittlerweile war es kurz vor zehn und die Rezeption natürlich geschlossen. Im Fenster hing jedoch ein Schild:
Liebe Gäste. Die Schranke schließt um 22 Uhr. Suchen Sie sich einfach einen Platz und melden Sie sich morgen an.
Und das taten wir. :ja:
Wir wählten einen Platz zwischen zwei, tagsüber schattenspendenden Bäumen , mit direktem Blick auf den Rhein. Sehr idyllisch.
Einzig die Fahrgeräusche der nahen B9 und der Güterverkehr auf den Gleisen, gleich hinter dem Platz, störten ein wenig die Ruhe...also ich meine....die Züge ließen mich nachts mehrfach senkrecht im Bett sitzen. Des Potti hat indes seelig weitergeschlummert. Na ja. Von solcher Kleinigkeit lass ich mir nicht das Wochenende verderben. Man gewöhnt sich auch dran.
Der Blick auf das am anderen Ufer gelegene Schloss, sowie die quasi direkt am Womi vorbeischippernden Flusskähne, entschädigte für alles.
Die Küche in der Gaststätte hatte schon zu, ließ sich von meinem bittenden Blick aber erweichen und brutzelte uns noch ne Portion Pommes mit Calamares und nem griechischen Salat. Da wir den Wein vergessen hatten, verkauften sie uns noch zwei Flaschen Spätburgunder und Riesling.
Wir genossen den Abend in der lauen Sommernacht und entschieden, uns für den kommenden Morgen keinen Wecker zu stellen.
Promt verschliefen wir, was sicher auch dem Schlafmangel der vorhergehenden Nacht geschuldet war und krochen um 10 Uhr, immer noch müde, aus den Federn. Bis wir gefrühstückt, die Bildzeitung gelesen, :les: geduscht, die Hundis gefüttert, die Rucksäcke gepackt und die Wandersachen angezogen hatten, wars halb drei. Aber was soll's. Schließlich ist's abends lange hell.
Da die (leichte) Wolfsdelle in Rhens begann, der ( mittelschwere) Rheingoldbogen dagegen ganz in der Nähe lag, planten wir um, und liefen letzteren.
Leider erwies sich der 2,5 km lange "Zubringer" als äußerst steil und so kämpften wir uns in der Schwüle des Nachmittags Schritt für Schritt den Berg hinauf. Mit hochroten Köpfen und einem Pulsschlag jenseits der 180, landeten wir schließlich auf dem prämierten Wanderweg und wussten sofort, dass wir die 12,6 km plus Zubringer, den wir ja wieder zurück mussten, nicht schaffen würden. Ein Blick auf die Karte zeigte eine Einkehrmöglichkeit in passabler Entfernung und so stapften wir, voll neuen Mutes, los.
Der Weg war buchstäblich traumhaft. Sanft auf und ab steigende Pfade führten uns durch die Weinberge oberhalb des Rheins, auf den wir die ganze Zeit einen tollen Blick hatten. Dann noch mal ein ordentlich steiles Stück durch einen wilden Wald und wir standen vor der "Einkehr", einem 5 Sterne Golfressort. Schmutzig und verschwitzt überlegten wir einen Moment, ob wir da wirklich reinwollten. :oops:
Aber der Wunsch nach Wasser, die mitgenommenen Getränke waren uns längst ausgegangen, trieb uns hinein.
Eine Reihe luxuriöser Dickschiffe empfing uns und ein Schild teilte uns mit, dass hier gerade eine Niesmann und Bischoff Zusammenkunft stattfand.
Wir setzten uns in den exklusiven Biergarten im Innenhof, umgeben von gestylten Damen und Herren in gehobener Freizeitkleidung und wurden formvollendet bedient. Die Blicke, die wir ernteten, galten wohl mehr unseren Hundis und waren durchaus wohlwollend. Beide Hundis waren stante pede umgefallen und eingeschlafen und das nötigte den Zuschauern offenbar Respekt ab. Als wir wieder aufbrachen, wurden wir mit aufmunternden Worten verabschiedet.
Total erschöpft und von Mücken zerstochen, kamen wir nach insgesamt knapp 14 km und gut 5 Stunden wieder am Bürstel an. Also, Traumpfade muss man definitiv früh morgens wandern.
Bis Mitternacht saßen wir bei Nudeln mit Pesto und dem einen oder anderen Gläschen Wein vorm Womi und schauten den Schiffen hinterher.
Erwartungsgemäß schmerzte heute Morgen jeder Muskel, als ich zum Restaurant radelte, um die bestellten Brötchen abzuholen.
Wir ließen es langsam angehen und brachen erst gegen zwei Uhr Richtung Heimat auf. Nicht ohne den Plan, uns am Fühlinger See noch mit Indy zu treffen. Bis auf einen Ministau verlief die Fahrt ereignislos.
Am See gabs dann ein freudiges Wiedersehen mit unserer Pfotenforumsmutter und eine Portion Pommes später befanden wir uns im schönsten Frauenkläfchen.
Gott und die Welt, Hunde, Männer, Hunde, Wohnmobile, Hunde, Urlaub und erwähnte ich Hunde? waren unsere Themen.
Gegen 19 Uhr wurde der Muckl etwas muckelig und mahnte zum Aufbruch. Da das Womi noch zum Händler ( da wohnt es) gebracht und ausgeladen werden musste, wurde es auch Zeit.
Nicht ohne Versprechen auf ein baldiges Wiedersehen, liefen wir zum Parkplatz, wo Indy noch schöne Fotos vom Bürstel und seinem schrulligen Inhalt schoss.
So fand ein schönes Wochenende seinen angemessenen Ausklang.
Wir freuen uns schon auf Freitag. Da heißt es dann wieder:
Im Ruhrpottbürstel on Tour!

