Hallo,
wer jetzt einen Reisebericht erwartet, mit schönen Fotos, und Friede, Freude, Eierkuchen,
der sollte sich hier und jetzt überlegen, ob er weiterlesen will!
Damit kann ich leider nicht dienen. Hier folgt nur der ganz normale Wahnsinn.
Da ich am Freitag, wie der Name schon sagt, FREI hatte, haben wir uns kurz entschlossen, mal nach Stade zu fahren.
Donnerstagabend schnell das Womo gepackt, dann noch Fußi geschaut, beim Abpfiff erkannt, der Drops ist gelutscht.
Bitterlich geweint…. und nach einer kurzen Nacht und einem schnellen Frühstück noch kurz ein Tschüss an die schlafende Tochter,
und dann los.
Wie immer, fast keine Autobahn. Bis Varel auf der Landstraße, und dann weiter auf der B437 durch den Wesertunnel bis Stotel.
Nach einem Umweg über das „Schaufenster Fischereihafen“ in Bremerhaven, wo wir uns bei Fisch Fiedler
mit allerlei Köstlichkeiten eindeckten, sind wir weiter auf der B71 in Richtung Bremervörde gefahren.
Unterwegs kamen uns ungewöhnlich viele Motorräder entgegen, und dann fiel es mir
wie Schuppen aus meinem grauen Haupthaar….. Letztes Juni Wochenende…………
Motorrad Grand Prix in Assen. Ich sagte zu meiner Gabi, dass ich mich verfahren habe,
und Stade eigentlich in Holland liegt und wir sofort umdrehen müssten.
Sie hat nur gelacht und gesagt, dann ist Timbuktu eine Vorstadt von Wanne Eickel.
Dieses Jahr geht gar nicht!! Also bin ich schweren Herzens weiter gefahren und habe mich der vielen,
schönen Rennwochenenden in Assen erinnert. Die Brücke, unter der man nur trocken durchkommt,
wenn man einen Burnout macht, sonst gibt’s ‘ne Bierdusche von oben.
Das Reifen eingraben auf dem CP. Das Motorhaubensurfen hinter einem Crosser.
Und Hektoliter weise Heinecken Bier und Genever. Man haben wir Spaß gehabt.
Aber ich durfte nicht umdrehen.
Nach dem Untergang der Nationalelf war das der 2. Niederschlag für mich innerhalb von 24 Stunden.
Aber es sollte noch schlimmer kommen.
Wir erreichten dann kurz nach Mittag den Stellplatz an der Schiffertorstraße in Stade.
Das Womo schnell mit Keilen und Stützen ausgerichtet und dann ordentlich zu Mittag gegessen.
Dann sind wir mit den Rädern in die Altstadt, um uns ein wenig umzusehen.
Und als bekennende Geocacher haben wir auch gleich ein paar Caches auf dem Weg eingesammelt.
Stade hat eine sehr schöne Altstadt, auf einem Hügel gelegen, mit sehr schönen alten Häusern mit tollen alten Haustüren.
Wenn Haustüren erzählen könnten.
Leider kam ein starker Wind auf, und der Himmel verdunkelte sich zusehends und wir
sind dann schnell zum Stellplatz zurück. Wir kamen gerade am Womo an, da fing es an zu
regnen. Was sag ich, zu schütten, mit Donner und Blitz. Was vom Himmel runter wollte.
Im Nu stand der Stellplatz unter Wasser. Das war wie Weltuntergang und wollte gar nicht aufhören.
Aber jedes Unwetter hat irgendwann ein Ende, und nach einiger Zeit wurde das Geprassel auf dem Dach immer leiser,
und hörte schließlich ganz auf.
Das Wasser auf dem Stellplatz versickerte ziemlich schnell, und bei einem guten Glas trockenen Rotweins
ließen wir den Tag unter der Markise ausklingen.
Am nächsten Tag klingelte der Wecker, ja ich weiß, ein Wecker hat im Womo nix zu suchen,
um 7:00. Wir hatten uns vorgenommen, nach dem Frühstück zum Wochenmarkt zu fahren,
um Gemüse und Kartoffeln einzukaufen. Und zum Frühstück habe ich das erste Mal
unseren Omnia Backofen ausprobiert und Brötchen aufgebacken. GENIAL das Teil.
Jeden Cent wert. Krosse Brötchen von Albrecht Feinkost in 12 Minuten.
Und dann sind wir in die Stadt und haben einen schönen Vormittag dort verbracht.
Nicht ahnend der Dinge, die sich in der Zwischenzeit abspielten.
Gegen 13:00 sind wir wieder auf dem Stellplatz angekommen, haben unsere Fahrräder abgestellt, und die Waren,
ja ich gestehe, auch etwas zur Verschönerung unseres Womos,
einsortiert, und wollten uns einen Kaffee kochen, da sah ich die Bescherung.
Tropf, tropf, tropf, immer lustig auf das Polster der Dinette.
Mir blieb die Pumpe stehen. Unser Hymi, „UNSER WOMO“, inkontinent?
Die Hängeschränke ausräumen und die Schadensanalyse von deren Inhalt, war innerhalb von 30 Sekunden erledigt.
Alles war trocken. Das Wasser hatte sich einen Kabelkanal ausgesucht um ans Polster zu kommen. Aber wo kam es her?
Ich bin dann über die Heckleiter aufs Dach und habe dann die Bescherung gesehen. Durch das genaue Ausrichten des Womos,
ja, gibt’s mir, ich bin manchmal ein Pedant, hatten sich rechts und links, da wo die Schräge des Alkoven aufhört,
große Mengen Wasser gesammelt, die darauf warteten, in der Sonne zu verdunsten.
Auf der rechten Seite ging es dem Wasser wohl nicht schnell genug, und es suchte sich den Weg, der Schwerkraft folgend,
durch das Dekalin der Abdeckleiste ins Innere des Womos.
Ich habe sofort die Heckstützen eingekurbelt und das Wasser lief nach hinten ab.
… --- … SOS, was sollen wir tun? Schnell alles zusammenraffen und ab nach Hause?
Nö, nicht mit uns. Handy her, Kumpel angerufen. Wo krieg ich am Samstag um 13:30 in Stade Dekalin oder Sikaflex her.
ATU hat bis 16:00 auf.
Also ich aufs Fahrrad und los.
An der Hütte des Platzwartes hab ich mir die Adresse des Premio und Wohnmobilservice Kaufmann geholt, bin dann hingeradelt um festzustellen, Samstag bis 12:00.
Also weiter zu ATU. Nix Dekalin, nix Sikaflex. Nur ein SM Polymerkleber von UHU.
UHU ULTRA MONTAGE KLEBER.
Na gut, mitgenommen und in Rekordtempo zurück. Nach Verpusten, Mann ist ja nicht mehr 20, mit Werkzeug aufs Dach. Nach Entfernen der Kederabdeckung habe ich auf ca. 70cm alle Schrauben entfernt. Die Schraube genau im Knick, stand im Wasser. Also wird das Wasser,
(i hope so) hier den Weg nach innen gefunden haben. Mit dem Cuttermesser habe das Dekalin herausgetrennt und den Spalt mittels Föhn nach dem Reinigen getrocknet.
Das UHU Zeug habe ich dann mittels der beiliegenden Spitze bis zum Herausquellen reingedrückt.
Und beim Anschrauben der Kederleiste quoll das Zeugs auch schön wieder heraus. Das Überstehende habe ich dann mit dem Finger glattgezogen.
Es hat dann zum Glück nicht mehr geregnet und das UHU Zeug hatte Zeit um auszuhärten.
Und die Polster trockneten auch in der Sonne.
Innen haben wir mit einem kleinen Heizlüfter alles was feucht war getrocknet.
So endete dann der Samstag in der Hoffnung, der Sache genüge getan zu haben, mit einer kleinen, erfolgreichen Geocachetour durch Stade, einigen Gläsern Rotwein und der Erkenntnis, dass man beim Kauf eines älteren Womos nie vor Überraschungen sicher sein kann.
Am Sonntag haben wir nach einem opulenten Frühstück, mit Omnia Brötchen,
dank Android Eierkoch App auf den Punkt gekochten Eiern, Lachs u.s.w. langsam eingepackt, und sind dann wieder Richtung Heimat aufgebrochen.
Unterwegs kamen uns die gleichen Motorradfahrer vom Freitag wieder entgegen, und ich
meine bei einigen das Grinsen gesehen zu haben, das man sieht, wenn es ein gelungenes Wochenende war.
Ich konnte mir ein Grinsen auch nicht verkneifen.
Wer feiert schon den 30 Hochzeitstag im Womo bei Weltuntergangswetter.:wink:
Karlo :wink:

