Quo vadis, Sevel? Wie sieht der nächste Boxer/Ducato/Jumper aus?
Im Jahre 1978 gründeten Fiat und die PSA-Gruppe (Peugeot/Citroën) gemeinsam zwei Gesellschaften: Die Società Europea Veicoli Leggeri Sevel S.p.A. (Sevel Sud) in Atessa (Italien) und die Société Européenne de Véhicules Légers S.A. (Sevel Nord) in Lieu-Saint-Amand, Frankreich. Die Beteiligung der Unternehmen lag jeweils bei 50%.
Bei Sevel Nord wurden zunächst die im Grundsatz nahezu baugleichenTypen Peugeot 806, Citroën Evasion, Fiat Ulysse und Lancia Zeta gefertigt. Zuletzt waren es der Peugeot Expert, Citroën Jumpy und Fiat Scudo. Da Fiat zwischenzeitlich eine Liaison mit Chrysler/Jeep eingegangen war und deren Typen verstärkt auf den europäischen Markt bringen wollte, kündigte Fiat den Vertrag mit PSA im Jahr 2012. An die Stelle von Fiat trat nun Toyota als neuer Partner von PSA in das Werk Sevel Nord ein. Mit Toyota werden derzeit die Modelle Peugeot Traveller, Citroën Spacetourer und Toyota Proace Verso 2 fabriziert.
Das für uns interessantere Werk ist allerdings Sevel Sud. Hier werden Boxer/Ducato/Jumper mit einigen temporären Unterarten von Talbot, Alfa und sogar seit 2013 als Chrysler RAM ProMaster gefertigt, aber auch anderes wie beispielsweise Omnibusse.
Das erste Kleintransportermodell setzte als Typ 280/290 unter der Bezeichnung Fiat Ducato I/Alfa Romeo AR6/Citroën C25/Peugeot J5/Talbot Express in den Jahren 1982–1994 erstmals seine Reifen auf den Asphalt.
Ihm folgte in den Jahren 1994 - 2006 der Typ 230/244, der nun auf die Modelle Fiat Ducato II/Citroën Jumper I/Peugeot Boxer I reduziert wurde.
Ab 2006 gibt es nun den derzeit nach wie vor aktuellen Fiat Ducato III/Citroën Jumper II/Peugeot Boxer II/Ram Promaster als Typ 250. Im Jahr 2014 erfolgte das letzte Facelift, das Modell erhielt – bis auf den RAM, der die alte Front beibehielt – das heutige Aussehen.
Da das jetzige Modell nunmehr schon ins 12. Baujahr geht und somit technisch den Zenit überschritten hat, die Konkurrenz zudem zunehmend schöne Töchter, die zwar preislich nach wie vor meist nicht mithalten können, technisch aber insbesondere in Hinsicht auf den Einbau moderne Assistenzsysteme überlegen sind, präsentieren, wird man bei Sevel Nord hinsichtlich eines baldigen Nachfolgers entweder weiter mit mehr oder weniger Sympathie Händchen halten oder einen klaren Trennstrich ziehen müssen. Ein neues Kleintransportermodell wird langsam fällig. Die Zeitschrift Focus mahnte bereits vor rd. zwei Jahren bei Fiat grundsätzlich neue Modelle an, die mangels Finanzmasse nicht erscheinen würden --> Link. Bei PSA sieht es finanziell bekanntlich nicht viel anders aus.
Die 1978 zwischen Fiat und PSA eingegangene Ehe ist also bei Sevel Sud nach wie vor existent, aber sie scheint nicht nur vor wenigen Jahren bei Aufgabe des zweiten gemeinsamen Projektes Sevel Nord Kratzer bekommen zu haben. Ab Sommer 2016, also dem Modelljahr 2017, geht man motorentechnisch zwischen PSA und Fiat jeweils eigene Wege. Bisher setzte man zwar auch teilweise unterschiedliche Motoren ein, bezog sie jedoch gemeinsam zum Großteil von PSA und SOFIM, einem gemeinsamen Motorenwerk von IVECO und Saviem/Renault (!). Von Fiat selbst kamen nur wenige Motorversionen.
Und nun der Blick in die Glaskugel:
1. Wann kommt der neue Sevel-Kleintransporter, der Fiat Ducato IV/Citroën Jumper III/Peugeot Boxer III?
2. Wer sind seine Väter? Kommt vielleicht Chrysler verstärkt mit ins Boot, obwohl sie selbst derzeit bei Sevel in Form des RAM ProMaster fertigen lassen?
3. Was unterscheidet ihn, außer dem Einsatz moderner Assistenzmodelle wie teilweise die der Konkurrenz, vom heutigen Modell 250?

