Schon auf dem Weg in das Elsass wurde uns verdeutlicht, was in der nächsten Zeit unsere Getränkekarte vorgibt.

War nicht nur dem Himmel zunächst nach Weinen zumute, strahlte er bei unserer Ankunft auf einem schönen Natur-Campingplatz in Orbey mit mir um die Wette.

Ende September ein Frühstück im Sonnenschein bei 12 °C – wir waren am nächsten Morgen zufrieden. Wer meine bessere Hälfte kennt weiß aber, dass es kein Ausruhen gibt. Die Fahrräder schnell gesattelt fuhren wir hinunter in das Örtchen Kaysersberg.

Viele reich verzierte Fachwerkhäuser schmücken den als Ausflugsziel bekannten Ort.


Ein Nepomuk darf auf der Brücke über die Weiss nicht fehlen.





Der Stockbrunnen mit der Darstellung Kaiser Konstantins aus dem Jahre 1521 dominiert …

… den Platz vor der Eglise Sainte-Croix (Heilig-Kreuz-Kirche), die zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert erbaut wurde.

Prächtig anzusehen sind das über 4 Meter hohe Kreuz auf dem Balken im Hauptschiff …

… und der Schnitzaltar mit der Darstellung der Leidensgeschichte Jesu.


Gleich hinter der Kirche befindet sich ein Friedhof mit christlichen, jüdischen und muslimischen Gräbern. Afrikaner, Italiener, Spanier, Polen, Elsässer und Bretonen – sie alle starben fern ihrer Heimat. Hatten sie nicht alle die gleichen Träume, Hoffnungen und Wünsche? Strebten sie nicht auch nach Ruhe, Frieden und Harmonie – genauso, wie wir heute auch?
„Der Friede ist keinesfalls eine dauerhafte Situation“, so beschreibt es eine Hinweistafel. „Bei dem Frieden handelt es sich stets um einen Siege über das „Laissez-faire“. Das Streben nach Frieden setzt eine feste Überzeugung und Bestimmtheit – in Worten wie auch in Taten – voraus…“
Worte, die heute gültiger sind denn je.

Zum Frieden gehört Friedfertigkeit.
Friede im Haus ist die unfassbare Musik, die aus dem Herzen seiner Bewohner heraus tönt.
Albert Schweizer.

Die Chapelle Saint-Michel neben dem Friedhof war leider verschlossen, nur ein Blick durch die Glastür war möglich.

Jedoch konnte ich durch die Tür zur Krypta …

… ins Beinhaus blicken.

Die Tafel erinnert an eine Inschrift, die früher am Beinhaus der ostfriesischen Gemeinde Pilsum stand:
„Hyr iss gerigtet regt , hyr ligt de Heere hg een Knegt , olt , junk , Man , Frouw , Knegt , magt , arm und ryk , ein Knake is hier den andern gelyk . Komet gy wehvysen alle herby und segget welker de beste sy.“
Vom Friedhof zum Rathaus, einem Renaissancebau mit zweistöckigem Erker und Treppenturm.

Neben der Besichtigung seines schönen Innenhofes …

… bietet es auch weitere Aufenthaltsmöglichkeiten, wobei man sich den elsässischen Gebräuchen beugen sollte.

Eigentlich ein Laden wie gemacht für mich. Aber wie jedes Kind weiß: Gutes Bier gibt es nur im Revier.

Ein Hinterhof …

… mit seinem Brunnen samt weisem Spruch:
DRINCKS TV WASER IN DEIM KRAGEN VBER DISCH ES KÄLT DIN MAGEN
DRINK MÄSIG ALTEN SVBTILN WEIN RATH ICH VD LAS MICH WASER SEIN

(Weniger weise, wenn man an die Folgen denkt, doch dazu komme ich noch. )




Wieder zurück an der Weiss …

… fällt mein Blick nicht nur auf die reichen Verzierungen …

… dieses Hauses, sondern auch auf die Befestigungsanlagen der Kaiserburg.

Der Ausblick von dort oben musste herrlich sein.
Leider hatte ich ein Handicap, das Friedrich von Logau so beschreibt:
Die Gicht verbeut den Wein zu trincken,
Sonst mustu liegen oder hincken.
Mich dünckt, es sey ein groß Verdruß,
Wann über Maul regirt der Fuß.

Etwas weniger Gewürztraminer wäre vielleicht besser gewesen. Er erspart mir jedoch die 320 Stufen auf Berg und Turm, die meine gut trainierte, leistungsfähigere Hälfte gerne auf sich genommen hat. Ihre Ausbeute:


Das Tal der Weiss

Ein letzter Hinterhof, …

… wo einst ein der bedeutendste Sohn des Ortes, Albert Schweitzer gewohnt hat.

Mit einem Blick auf das Geburtshaus Albert Schweitzers (links im Bild) beendeten wir unseren Kaysersberg-Besuch …

… und radelten wieder hinauf in die Vogesen.
Gott sei Dank war nur mein Kupplungsfuß vom Zipperlein betroffen, sodass wir am nächsten Tag zur Route des Crêtes, der Vogesenkammstraße aufbrechen konnten. Aber davon mehr in einem anderen Bericht.
Herzliche Grüße,
Irmgard und Klaus

