Im Sommer 2017 sind wir mit einem geliehenen in Baltikum gefahren und haben viele der Highlights "abgeklappert". Dabei ging es uns allerdings in erster Linie um die unberührte Natur im Baltikum. In Teil 1 unseres Berichtes geht es um die Litauische/Masurische Seenplatte, den Berg der Kreuze, Riga und der Gauja NP.
Unseren ganzen Reisebericht mit sehr viel mehr Fotos findet ihr hier: --> Link.
Von Isernhagen nach Lagow/Polen (420 Km)
Ein wolkenverhangener Morgen, feiner Sprühregen und Temperaturen um 17° Grad „versüßen“ uns unsere Abreise in Hannover, in der Hoffnung auf unserer bevorstehenden Wohnmobil-Premiere deutlich angenehmere Wetter-Rahmenbedingungen vorzufinden. Pünktlich um 11 Uhr stehen wir zur Übernahme unseres Wohnmobiles bereit – die Einweisung beansprucht eine geschlagene Stunde, da wir nun einmal echte Womo-Novizen sind.
Der Stauraum des kleinen Davis-Campers erweist sich nicht gerade als üppig, wie wir später beim Beladen feststellen. Dennoch bekommen wir mit einem bisschen Kreativität unsere vorbereiteten Utensilien verstaut. Nachdem wir auch noch unsere Fahrräder fachgerecht am Heck befestigt haben geht es auf die Piste. Glücklicherweise bleibt uns ein Stau auf der chronisch verstopften A-2 nach Berlin erspart, so dass wir schneller vorankommen, als geplant. Je weiter wir nach Osten vordringen, desto wärmer wird es. Wir passieren die polnische Grenze bei Frankfurt/Oder und fahren noch bis Lagow, wo wir auf dem idyllischen, an einem Fischteich gelegenen kleinen Rancho Kimana Campingplatz unsere erste Nacht verbringen werden. Schnell haben wir uns eingerichtet und stoßen mit einem südafrikanischen Pinotage-Rosé auf die erste Etappe unseres Urlaubes an.

Ein Restaurant gibt es auf dem kleinen Campingplatz nicht, und da wir nicht mehr kochen wollen, fahren wir mit dem Fahrrad in den zwei Kilometer entfernten Ort. Der Kurort Lagow ist eine sehr alte Stadt, deren Bild von einer trutzigen Burg des Johanniter-Ordens bestimmt wird. Hier befindet sich heute das exklusive Hotel Zamek Joannitów, das man zu einem unschlagbar günstigen Preis buchen kann (DZ ca. 57,– €). Polnische Urlauber flanieren entlang des lauschigen Sees und erfreuen sich an dem lauen Sommerabend.

Wir entscheiden uns für das Restaurant Pod Lipami, das uns von den jungen Besitzern des Campingplatzes empfohlen wurde. Glücklicherweise gibt es eine deutschsprachige Speisekarte und wir bestellen Piroggen, gefüllte Teigtaschen. Anschließend entscheide ich mich für den gegrillten Fischteller, der so groß ausfällt, dass wahrscheinlich eine vierköpfige Familie davon satt werden würde. Corinna ordert eine Wildroulade mit an Germknödeln erinnernden Klößen (eine etwas trockene Angelegenheit!) als Beilage.
Von Lagow nach Nowe Guty (620 Km)
Bereits um 6 Uhr morgens sind wir hellwach – wir haben beide nicht sonderlich gut geschlafen, obwohl das Bett erwartungsgemäß groß und bequem ist. Wahrscheinlich haben wir noch nicht den Hebel auf Urlaubsmodus umschalten können! Unser Frühstück am Teich wird begleitet durch den exotischen Gesang eines Pirols, den wir jedoch leider nicht zu Gesicht bekommen. Wenn man die Augen zumacht und nur dem Sound dieses Vogels lauscht, meint man in Afrika oder Südamerika zu sein, keinesfalls jedoch in Polen!
Wir fahren noch einmal nach Lagow, um noch eine Weile durch das malerische kleine Örtchen zu schlendern, wo wir einen richtig schnuckeligen Oldtimer entdecken, der jetzt wohl als Verkaufswagen dient. Leider zeigt sich der Himmel wolkenverhangen mit einem nicht gerade idealen Fotolicht. Durch das Polnische Tor aus dem 15. Jahrhundert gelangen wir zur Burg, in der wir den Turm besteigen wollen.

Von oben erschließt sich uns die malerische Seenlandschaft rund um Lagow mit seinem ausgedehnten Landschaftspark.
Nachdem wir noch bei einem Bauernstand frisches Brot und geräucherten Ziegenkäse eingekauft haben, machen wir uns auf den Weg in Richtung Masurische Seenplatte. Heute steht uns die weiteste Etappe unserer Reise bevor. Corinnas auserwählte Route erweist sich alles andere als ideal, da sie uns bereits bei Kutno von der Autobahn führt. Wir müssen uns nahezu 500 Kilometer über zum Teil mit Schlaglöchern übersäte Nebenstrecken quälen. So benötigen wir für die Strecke rund neun, anstatt der geplanten sieben Stunden. Entlang des gesamten Weges sichten wir auf Feldern oder Nestern immer wieder Heerscharen von Störchen, derzeit emsig mit der Nahrungssuche für die Jungvögel beschäftigt. An der Masurische Seenplatte gibt es rund 10.000 Weißstorchpaare, gleichbedeutend mit 6 Prozent der weltweiten Gesamtpopulation.
In Pisz tanken wir erst einmal voll und fahren dann weiter nach Nowe Guty, einem kleinen Urlaubsörtchen am Rande der Masurischen Seenplatte. Der Campingplatz von Nowe Guty liegt unmittelbar an einem See. Wie bereits in Lagow ist der Platz inklusive Sanitäranlagen piek-sauber. Die Toiletten werden sogar nach jeder Nutzung desinfiziert! Nach der langen Autofahrt haben wir uns den Sundowner auf dem Steg am See redlich verdient. Wir genießen eine Weile die friedliche Stimmung und den Sonnenuntergang über der spiegelglatten Wasserfläche.

Da wir keine Lust mehr haben, zu einem einen Kilometer entfernten Restaurant zu radeln, brutzeln wir uns unser Abendessen schnell aus unseren spärlichen mitgebrachten Lebensmittelbeständen, Gurken mit Ziegenkäse sowie Nudeln mit einer Oliven-Tomatensoße. Wir stellen fest, dass die Einrichtung der Küche in unserem Wohnmobil der pure Luxus ist, wenn man es mit unserer einfachen Campingküche in Afrika vergleicht!
Von Nowe Guty nach Gawrych-Ruda (125 Km)
Wir starten in den Tag mit einem erfrischenden Bad im See und machen uns nach dem Frühstück startklar zur Weiterfahrt. Wir haben uns nach dem anstrengenden gestrigen Tag entschlossen, heute nicht allzu weit zu fahren und so wählen wir als heutiges Ziel die an die Masuren grenzende Litauische Seenplatte, allerdings noch auf der polnischen Seite, aus.
Im Kaufland-Supermarkt von Elk frischen wir erst einmal unsere Vorräte auf und fahren dann weiter nach Gawrych-Ruda, das am Rande der Seenplatte liegt und ziemlich verschlafen wirkt. An das „Nad Wigrami Resort & Pure Nature*“ ist der Campingplatz Nad Stawem angeschlossen, eine kleine Wiese mit Stromanschlüssen und Entsorgungsmöglichkeit. Außer uns befinden sich nur noch wenige weitere Zelte auf dem Platz. Das Nad Wigrami Resort vermietet übrigens auch günstig bestens eingerichtete Zimmer (DZ mit F um 45,– €).
Wir relaxen erst einmal eine Weile unten am See, schmökern in unseren Büchern (Gesa Neitzel: Elefanten zum Frühstück*!) und beobachten Bienen und Schmetterlinge, die emsig Nektar saugen. Es ist mit Temperaturen um 30° Grad immer noch ziemlich heiß, so dass uns eine Erfrischung im See gerade Recht kommt.

Am Nachmittag werden unsere Pläne, eine kleine Radtour zu unternehmen, zunächst durch ein kleines Gewitter gestoppt. Nach ein paar Tropfen ist der ganze Spuk schon nach wenigen Minuten wieder vorbei und wir können starten. Ein sehr schöner 15 Kilometer langer Rundweg führt entlang der malerischen Seenlandschaft und durch tiefe Wälder des Wigierski Narodwy Parks. Sogar Elche soll es hier geben, die wir jedoch leider nicht zu Gesicht bekommen. Anhalten, um die Landschaft zu genießen, funktioniert leider nicht, da man umgehend von fies beißenden Bremsen „aufgefressen“ wird!
Eigentlich wollen wir im Restaurant des Nad Wigrami Resorts abends essen, jedoch gibt es nur noch Truthahn oder Suppe, der frische Fisch ist bereits aus! Also entscheiden wir uns, den Grill anzuschmeißen und einen frischen Salat dazu zu machen – keine schlechte Alternative in einer lauschigen Sommernacht!
Von Gawrych-Ruda zum Berg der Kreuze / Litauen (330 Km)
Bevor wir heute nach Litauen weiterfahren, wollen wir noch eine große Fahrradtour um den Wigrysee unternehmen. Direkt nach einem leckeren Frühstück – es gibt French Toast! – brechen wir auf zu der rund 50 Kilometer langen Rundtour. Diese Tour ist kein „Kindergeburtstag“ – das merken wir relativ schnell. Es geht auf schmalen Waldwegen durch den Wigierski Narodwy Nationalpark stetig bergauf und bergab. Die Ausschilderung ist perfekt, so dass wir den Weg nicht verfehlen können. Zwischendurch führt die Strecke über lange Holzstege durch den dichten Wald – immer wieder eröffnen sich aber auch Blicke auf den Wigrysee.

In Cimochowizna kann man zum ersten Mal einen Blick über den See auf das malerische Eremitenkloster Wigry werfen.
Natürlich machen wir einen Stopp bei diesem architektonischen Juwel, nachdem wir um den See herum gefahren sind. Da heute Sonntag ist, haben nicht nur wir diese Idee; es herrscht ein ganz schöner Trubel von einheimischen Sonntagsausflüglern. Das Kloster wurde 1694 gegründet und im ersten und zweiten Weltkrieg völlig zerstört, danach 1950 wieder aufgebaut. Den malerischen Klosterinnenhof mit seinen symmetrisch angeordneten Häuschen kann man am besten vom Turm aus bewundern. Von oben eröffnet sich zudem ein atemberaubender Blick auf die umliegenden Seen und Wälder.

Wir setzen unseren Weg fort und gelangen gegen Ende unserer Runde nach Bryzgiel, wo wir im Restaurant Widok nach einer anstrengenden Runde neue Energie bei einem sehr leckeren Mittagsmahl auftanken! Anschließend geht es auf direktem Weg zurück zu unserem Campingplatz, wo wir noch kurz duschen und unser Wohnmobil startklar machen.
Berg der Kreuze
Die Strecke nach Litauen ist bestens ausgebaut – hinter Kaunas beginnt sogar eine zweispurige Autobahn. So benötigen wir nicht einmal vier Stunden für die Fahrt nach Siauliai zum Berg der Kreuze und kommen gerade noch rechtzeitig eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang. Um diese Zeit ist das Licht zum Fotografieren an diesem magischen Ort am besten – am Morgen hingegen befindet sich die Treppe hinauf zum Berg im Gegenlicht.
Der Berg der Kreuze, ein neun Meter hoher sattelförmiger Grabhügel, ist Ausdruck des tief katholischen Glaubens des litauischen Volkes. Ursprünglich war der Hügel ein mittelalterlicher Burghügel, dessen Burg 1348 von Kreuzrittern zerstört worden ist. Nach den Aufstände gegen das zaristische Regime in den Jahren 1830/31 sowie im 1863/64, die blutig niedergeschlagen wurden, begannen die Bewohner der Umgebung, auf dem Hügel Kreuze für ihre getöteten Angehörigen aufzustellen, von denen sie nicht wussten, wo sie begraben sind. Nach der sowjetischen Okkupation 1940 wurden mehr als 100.000 Litauer in die Gulags Sibiriens deportiert. Die Überlebenden stellten nach Stalins Tod im Jahre 1953 weitere Kreuze für die Verstorbenen auf. Der Berg wurde dadurch nach und nach zu einem litauischen Wallfahrtsort und zu einem politischen Symbol gegen die kommunistische Herrschaft der Sowjets. Dem Regime war der symbolträchtige Ort natürlich ein Dorn im Auge und so walzten Bulldozer ab 1961 immer wieder die Kreuze nieder. In den Siebzigern wiederholten sich die Zerstörungsaktionen des Regimes, jedoch erneut blieb der Kreuzzug der Kommunisten erfolglos – im Gegenteil, der Berg wurde zunehmend zu einem Symbol des nationalen Widerstands. 1990 sollen bereits 40.000 Kreuze auf dem Hügel gestanden haben, heute sogar über 200.000!

Wir laufen bis zum Sonnenuntergang kreuz und quer durch die kleinen Pfade zwischen den Kreuzen. Um diese Tageszeit hat man den Berg fast für sich allein!
Wir stellen für die Nacht unser Wohnmobil beim Gasthaus Angelu ab – dieser Platz erscheint uns heimeliger zu sein als der benachbarte kostenpflichtige Parkplatz unmittelbar am Berg der Kreuze. Die Besitzer sind nicht anwesend, so dass wir den Stellplatz für die Nacht nicht einmal bezahlen können. Wir brutzeln uns noch ein schnelles Abendessen zusammen und fallen dann todmüde ins Bett.

Vom Berg der Kreuze nach Riga (130 Km)
Nochmals laufen wir kurz nach Sonnenaufgang über den Berg der Kreuze, um weitere Fotos zu schießen. Das Licht ist nicht annähernd so magisch wie gestern Abend!
Nach einem schnellen Frühstück brechen wir sodann auf nach Riga, der Hauptstadt Lettlands. Wir entscheiden uns für den Riverside Campingplatz, der noch recht neu ist und nicht einmal in unserem Womo-Führer über das Baltikum aufgeführt ist. Der Platz befindet sich auf der Insel Kipsala mitten im Daugawa, dem Fluss der Stadt. Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf die Skyline von Riga. Die Sanitäranlagen des Platzes sind in Containern untergebracht und sind einigermaßen in Ordnung. In jedem Fall gefällt uns der Platz deutlich besser als der benachbarte City-Campingplatz.

Um 12 Uhr startet die Riga Daily Bike Tour, eine Stadtführung per Fahrrad der Agentur „Eat Riga Tours & Events“ (--> Link), zu der wir uns telefonisch angemeldet haben (10 € auf dem eigenen Bike). Mit unserem Guide Arseni sowie zwei jungen Finnen fahren wir zunächst auf die andere Flussseite nach Kipsala. Arseni erklärt, dass hier inzwischen eine heftige Gentrifizierung eingesetzt hat. Viele gut Betuchte Investoren haben die baufälligen Holzhäuser mit den wertvollen Flussgrundstücken erworben. Die Halbinsel gilt als der teuerste Distrikt in Riga. Überall sind die alten Häuser aufwändig restauriert worden, es gibt aber auch noch einige baufällige Ruinen, die derzeit unbewohnbar sind. Vor einem dieser Häuser entdecken wir einen völlig verrotteten Oldtimer, der bereits von Sträuchern überwuchert wird.
Wir fahren zurück in die Altstadt und durch den Stadtpark, wo pikanter Weise genau gegenüber der Russischen Botschaft eine skurrile Statue von einem Affen im Raumanzug steht. Sie soll an die bei Tierschützern nicht unumstrittenen Experimente russischer Kosmonauten erinnern, die Affen als Versuchsobjekte mit ins All genommen haben.
Riga gilt als die Hauptstadt des Jugendstils. Daher ist unsere nächste Station das Jugendstilviertel, in dem zahlreiche wundervoll restaurierte Häuser des legendären Architekten Michail Eisenstein zu bewundern sind; allesamt von 1901 bis 1908 entstanden. Die prachtvollsten Exemplare stehen in der Alberta Iela.

Nach der Tour schlendern wir noch bis zum Abend durch die Altstadt. Zunächst machen wir jedoch einen Abstecher zu den Markthallen. Es handelt sich dabei um fünf große weiße Hallen, die früher als Hangars für Zeppeline dienten. Die Hallen sind streng unterteilt in Warenangebote: In der ersten Halle gibt es Fleisch, in einer anderen Gemüse und in einer Dritten Fisch. Vor den Hallen sind zahlreiche Bauernstände anzutreffen, die Obst und Gemüse feilbieten. Wir beschließen, morgen auf der Weiterfahrt hier zu halten und einzukaufen.
In einem der Restaurants in der Torna Iela machen wir eine kurze Rast und gönnen uns ein gutes lettisches Bier. Die gelb getünchten Häuser entlang der Straße waren ehemals Kasernen, heute befinden sich in ihnen Edelboutiquen und Restaurants.
Eines der interessantesten Gebäude-Ensembles Rigas sind „Die Drei Brüder“. Drei komplett verschiedene Baustile aus vergangenen Zeiten zeigen sich hier unmittelbar vereint. Haus Nummer 17 ist das älteste erhaltene Wohnhaus der Stadt, erbaut Ende des 15. Jahrhunderts, mit gotischen und Renaissance-Elementen. Die Häuser Nummer 19 und 21 sind Ende des 17. Jahrhunderts errichtet worden, eines davon im holländischen Manierismus, das andere im Barockstil. Natürlich posieren die unvermeidlichen asiatischen Touristengruppen vor dem Häuserensemble, so dass man kaum eine Gelegenheit für einen menschenfreien Schnappschuss bekommt.

Gegen Abend suchen wir uns ein lauschiges Restaurant auf dem idyllischen Platz zwischen den Kirchen Sankt Petri und Sankt Johannes, das Restaurant Peter Gailis. Bei Tripadvisor hat das Restaurant hervorragende Kritiken bekommen und wir können uns den positiven Bewertungen nur anschließen. Die Lammkeule ist ein Gedicht und auch der Zander ist frisch und lecker.
Sightseeing in einer Großstadt macht müde – abends haben wir regelrechte Plattfüße und machen es uns noch eine Weile in unserem Wohnmobil gemütlich, bevor wir uns zur Ruhe begeben.
Von Riga zum Gauja Nationalpark (100 Km)
Wir frühstücken in aller Herrgottsfrühe direkt an der Daugava mit einem fantastischen Ausblick auf die Silhouette der Stadt und die Vansu Tilts Brücke. Morgens herrscht an diesem Platz eine wundervolle Atmosphäre.
Unsere erste Station sollen heute die Markthallen sein. Wir kaufen jede Menge frisches Gemüse für die nächsten Tage ein, sowie Thunfisch und Rinderfilet zum Grillen. Der Fisch und das Fleisch kosten gerade einmal halb so viel wie in Deutschland (25,– €/Kg) und auch das Gemüse ist spottbillig. An einem Käsestand lässt uns die gut englisch sprechende Verkäuferin nahezu ihr gesamtes Sortiment verkosten – auch dort frischen wir natürlich unsere Vorräte auf.
Zum Gauja Nationalpark ist es von Riga aus nicht allzu weit. Der Abstecher unterwegs zur Burg Sigulda ist nicht sonderlich lohnend, auch der in unserem Reise-Know How Reiseführer* aufgeführte „Fotografenhügel“ ist so dicht zugewachsen, dass man vom angepriesenen malerischen Gauja-Bogen rein gar nichts mehr sehen kann! Sehr viel lohnender dagegen ist der Abstecher zur Burg Turaida, der wohl berühmtesten Burg Lettlands (Eintritt 5 €). Erst in den Siebziger Jahren wurde die alte Kreuzritterburg mit den typischen roten Ziegelsteinen wieder restauriert. Der Aufstieg auf den fast 40 Meter hohen Nordturm ist natürlich gesetzt, zumal man von oben einen grandiosen Ausblick auf den Gauja-Bogen sowie den Rest der Burg hat.

Unterhalb der Burg liegt die sehr schöne Holzkirche von Turaida, mit einem freundlichen, nordisch anmutenden Interieur. Mit dem vor der Kirche befindlichen Grab der „Rose von Turaida“, das bis heute zahlreiche Liebende anzieht, ist eine herzzerreißende Geschichte verknüpft:
„Das wunderschöne 19-jährige Mädchen Maja verliebte sich in den Gärtnerjungen Viktor. Ein polnischer Offizier war aber ebenfalls in Maja verliebt. Als Maja die Avancen des Offiziers abblockte, wollte dieser ihr Gewalt antun. In ihrer Not bot Maja dem rasenden Offizier ein Tuch an, das angeblich vor jeder Verletzung schützen sollte. Maja wollte die Wirkung am eigenen Leib demonstrieren. Der Offizier schlug zu und schnitt dabei dem bedauernswerten Mädchen die Kehle durch.“
Einige wunderschöne, traditionelle Holzhäuser stehen im Park, zumeist umgeben von farbenfrohen Blumenbeeten, die umschwirt werden von prachtvoll schimmernden Rosenkäfern. Hier kann man gut eine Weile durch die gepflegt angelegten Gartenanlagen wandeln.

Der Gauja Nationalpark ist mit 920 Quadratkilometern der größte Nationalpark des gesamten Baltikums und beherbergt zahlreiche Vogel- (149) und Säugetierarten (48). Wir haben uns als heutiges Ziel den Platz Kanoe Kampings in Ligatne ausgesucht (24,– €). Er liegt unmittelbar an der Gauja und ist ausgestattet mit nagelneuen Sanitäranlagen, die im Baltikum Womo-Führer noch nicht aufgeführt sind. An dieser Stelle wird eine antiquierte Holzfähre mit Platz für zwei Fahrzeuge betrieben, die mit Muskelkraft von den beiden Fährleuten an einem Stahlseil entlang ans andere Flussufer gezogen wird. Wir fühlen uns fast an afrikanische Verhältnisse erinnert, fehlen nur die Krokodile im Fluss!
Den Nachmittag verbringen wir mit Relaxen und Lesen und ich wage sogar ein erfrischendes Bad im ziemlich eisigen Fluss – für Corinna sind diese Wassertemperaturen ohnehin nichts! Abends wird gegrillt und wir sind begeistert von der guten Qualität des Gemüses und des Thunfisches vom Markt in Riga.
16. August 2017 – Gauja Nationalpark
Für heute Morgen haben wir eine Kanutour auf dem Gauja gebucht (45,– €), Tourbeginn ist um 11 Uhr. Mit einem Bus werden Boote und Passagiere zwanzig Kilometer flussaufwärts nach Cesis gebracht. Wir verstauen unsere Fotoausrüstung in Wassersäcken und lassen das Kanu in den Fluss gleiten. Die Strömung ist so stark, dass wir uns ohne größere Anstrengung vorwärts bewegen.
Natürlich hoffen wir auf einige Vogelsichtungen, wenn uns auch bewusst ist, dass die Jahreszeit dafür alles andere als optimal ist. Eisvögel kann man jedoch zu jeder Jahreszeit sehen und tatsächlich haben wir auch Glück. Einige dieser wunderschönen und bunten Vögel jagen über die Wasseroberfläche, für ein gutes Foto reicht es aber leider nicht. Außerdem entdecken wir unter anderem Silberreiher, Flussuferläufer sowie einige Gänsesäger.

Überall schwirren in Ufernähe filigrane Blauflügel-Prachtlibellen durch die Lüfte. Sie stehen in Deutschland auf der Roten Liste und sind in zahlreichen Gegenden vom Aussterben bedroht.
Es gibt entlang des Ufers Rastplätze, auf denen man bei einer Mehrtagestour übernachten kann. Alle Plätze sind mit einem überdachten Podest sowie einer Trockentoilette ausgestattet. In Briedisi legen wir unsere Mittagspause ein und verspeisen genüsslich unsere mitgebrachten Brote. Man sollte bei dieser Kanu-Tour unbedingt Autan dabei haben, da man auf dem Fluss von Bremsen regelrecht überfallen wird!
Ansonsten macht es großen Spaß, auf dem Fluss die Landschaft gemächlich an sich vorbeiziehen zu lassen. Die von der Besitzerin des Campingplatzes angekündigten Stromschnellen kurz vor Ende der Tour erweisen sich als harmlos; dies kann zu anderen Zeiten natürlich ganz anders aussehen. Im Juni zum Beispiel ist der Wasserstand rund einen Meter höher und der Strom an einigen Stellen entsprechend reißend!
Weil uns der Fluss ein bisschen an Afrika erinnert, beschließen wir heute Abend am offenen Feuer im Potjie (Dutch Oven)* zu kochen, den wir uns kurz vor der Reise noch angeschafft haben. Auch bei einer Wohnmobil- oder Campingreise in Europa ist der Potjie einfach ein grandisoes Utensil, das wir nicht mehr missen wollen! Wir bereiten unseren „berühmten Afrika-Eintopf“ mit Rinderfilet, Linsen und frischem Gemüse zu – mindestens eine Stunde gegart – lecker, lecker!

Heute Abend sind die Temperaturen ein bisschen angenehmer, jedoch sorgt eine Armada von Moskitos dafür, dass wir nach dem Essen schnell ins lauschige und Insekten-freie Wohnmobil flüchten.
Lest weiter auf unserer Website. Hier findet ihr auch sehr viel mehr Fotos unserer Reise, die Fernweh nach dem Baltikum auslösen. --> Link

