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IVECO Daily und andere - Alternative Hubstützen


wosch03 am 23 Mai 2021 13:22:58

Hallo zusammen,
als technikaffiner Mensch habe ich mich seit geraumer Zeit für das Thema automatische Hubstützen interessiert. Besonders solche Systeme, bei denen die komplette Technik unterflur untergebracht werden kann, fand ich interessant, da hierdurch wertvoller Stauraum eingespart wird.
Nach längerem Ringen, ob das denn wirklich sein muss, habe ich mich dann doch entschlossen, eine solche Anlage anzuschaffen (vielleicht war das auch dem Corona Koller geschuldet).
Bei der Detailrecherche bin ich dann auf eine Lösung gestoßen, die sich technisch deutlich von allen anderen Anlagen unterscheidet. Das ist auch der Grund für dieses Posting.
Alle am Markt befindlichen hydraulischen Hubstützen arbeiten mit Einfach- oder Teleskopzylindern. Bei den Einfachzylindern reicht oft der vorhandene Bauraum nicht aus, um den gewünschten Hub zu erzeugen. Daher werden vorwiegend Teleskopzylinder eingesetzt. Hierbei fährt zunächst der dicke Stempel aus und dann der dünnere, der dann die Last stemmt und hält. Der dicke Stempel könnte eigentlich sehr große Kräfte stemmen, fährt aber nur durch die Luft. Der dünnere Stempel hat in Folge der kleineren wirksamen Fläche des Kolbens weit weniger Leistung. Hinzu kommt, dass bei weit ausgefahrenem dünnerem Stempel die Überlappung der beiden gering ist und somit auch eine deutlich verringerte Stabilität bei Queer Kräften besteht. Da zunächst der große Kolben ohne Last ausgefahren wird, muss auch eine relativ große Menge Hydrauliköl gepumpt werden, weshalb diese Anlagen auch einen recht großen Öltank von 5 bis 6 Litern benötigen.
All das geht auch anders, ob besser, das mag jeder selbst entscheiden.
Die Firma Ewo Fluid Power --> Link, am Rande der Schwäbischen Alb, ist seit langem ein Spezialist für Konstruktion und Fertigung von Hydraulikanlagen jeder Größe. Sie fertigen übrigens auch seit Jahrzehnten alle Hydraulikzylinder für Goldschmitt, aber auch für andere aus der Branche. Ungeachtet dessen, wurde dort ein eigenes Hubstützensystem entwickelt, welches obige prinzipiellen Nachteile vermeiden soll. Hierbei wird das Fahrzeug von einem so genannten Elefantenarm angehoben, der durch einen waagrecht installierten doppeltwirkenden Einfachzylinder senkrecht nach unten gedrückt wird. Diese Arme können sowohl längs als auch queer angebracht werden und stützen sich auf rechteckigen Edelstahltellern auf den Boden.
Nach telefonischer Anmeldung konnte ich noch am selben Tag vorbeikommen, um die mögliche Einbausituation zu prüfen. Die Anlagen werden vorwiegend kundenspezifisch berechnet und gefertigt, je nach gegebener Einbausituation. Es handelt sich definitiv nicht um einen Standard Einbau Kit für Cassis A, B oder C. Weiterhin besteht der Ehrgeiz, sowohl die beste Hubhöhe zu erreichen, als auch nach Möglichkeit keinerlei Löcher in den Fahrzeugrahmen bohren zu müssen. Erste Berechnungen und ein Angebot wurden sofort erstellt. Um es gleich vorweg zu nehmen, das Preisniveau ist marktüblich und staffelt sich über das Fahrzeuggewicht. Ein möglicher Einbautermin konnte in den nächsten Tagen vereinbart werde. So schloss ich per Handschlag den Vertrag und kam zum vereinbarten Termin wieder.
Die komplette Mechanik und Hydraulik wird selbst gefertigt, die Steuerung ist ein Standard Industrieprodukt und entspricht, wie übrigens die gesamte Anlage, allen Sicherheits- und CE-Richtlinien. Auch das ist ein Unterscheidungsmerkmal zum Rest des Marktes. Pumpe und Steuerung werden in einem Edelstahlgehäuse an geeigneter Stelle unterflur angebracht. Bei der Größe des darin eingebauten Öltanks reicht in aller Regel 1 Liter, bei mir wurden zur Sicherheit 1,5 Liter verbaut. Bedienteil ist eine Funkhandsteuerung. Optional ist zusätzlich eine App-Steuerung auf Android (IOS in Vorbereitung) möglich. Darüber hinaus gibt es auch zusätzlich, aber als Alternative zur App, ein Display zu Innenmontage. Sowohl bei der App, als auch beim Display kann als weitere Option eine Wiegefunktion realisiert werden. Ich habe mich für das Display mit Wiegefunktion entschieden.
Bei meinem Fahrzeug, einem 5,2t IVECO Daily, wurden die vorderen Stützen längs unter dem Rahmen verbaut, die hinteren beiden queer hinter Achse und Luftfederung. Jeder Zylinder wurde mit zwei U-Profilen und Bolzen am Rahmen durch vorhandene Bohrungen befestigt. Lediglich für die Stromversorgung und das Kabel für das Display musste jeweils ein Loch in der Bodenplatte gebohrt werden. Realisiert wurden schon viele Anlagen für Ducato und Sprinter Fahrgestelle, aber auch für LKWs und Offroad Fahrzeuge.
Das erreichte Ergebnis ist, dass die Vorderräder um ca. 15cm vom Boden abgehoben werden können, die hinteren Zwillingsreifen um 12cm. Natürlich gibt es auch eine automatische Nivellierung auf eine voreingestellte und leicht veränderbare waagrechte Position. Zu beachten ist, dass alle Funktionen immer über eine „Tot Mann Taste“ erfolgen. Das bedeutet, dass nach zunächst angewählter Funktion eine Taste dauerhaft gedrückt werden muss, bis zur gewünschten Endposition. Dies ist nach Industrie Standards zwingend erforderlich
Zur Nutzung der Wiegefunktion müssen alle Zylinder bis zum Anschlag ausgefahren werden, dann wird für eine definierte kurze Zeit abgesenkt und das Ergebnis kann am Display für VA, HA und Gesamtgewicht abgelesen werden. Um korrekte Werte zu erhalten, muss das Fahrzeug dabei möglichst eben stehen. Eingestellt werden die Werte in der Werkstatt durch Wiegung aller Radlasten. Da mir diese Werte allerdings etwas zweifelhaft vorkamen, bin ich noch auf eine kalibrierte öffentliche Waage gefahren und habe dabei erhebliche Abweichungen zu den zuvor gemessenen Achslasten festgestellt. Das lässt sich aber mittels des Displays dann korrigieren.
Über längere Erfahrungen kann ich natürlich noch nicht berichten. Außer etwas rumspielen und sehr komfortablem Rädertausch ist noch nicht viel geschehen. Die Anlage soll sogar etwas leichter sein, als solche mit Teleskopzylindern. Wird bei mir ca. 70kg wiegen. Dafür habe ich aber dann den hydraulischen Wagenheber und sämtliche Keile rausräumen können.
Anbei noch einige Bilder der ganzen Aktion.

LG Wolfgang


















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Luckydad am 23 Mai 2021 15:06:39

Sehr schöner Bericht. Danke

Lancelot am 23 Mai 2021 15:15:20

Toller Bericht ... :gut: ... über ein (vermutlich, bin auf Langzeit-Erfahrung gespannt) tolles Produkt :!:
Könnte mir vorstellen, daß durch diese Art der Abstützung auch Quer-Kräfte besser abgefangen werden können.

:dankeschoen:

Anzeige vom Forum


JackSchmidt am 23 Mai 2021 18:54:31

Hallo Wolfgang,
danke fürs zeigen! Dafür von mir ein Plus.

Leider für mich zu spät. Das System hat technisch klare Vorteile.

PS. Wir sind im Moment in Bodenheim.....

andwein am 24 Mai 2021 12:38:29

Auch von mir ein Pünktchen für die gute Beschreibung und Dokumentation,
Danke, Andreas

Limanda am 24 Mai 2021 13:24:50

Das System habe ich vorher schon einmal gesehen. War es hier im Forum? Danke für den Hinweis! Die 24 t E&P Anlage unter unserem Fahrzeug arbeitet auch bei Sturm zuverlässig. Sicher wäre ein Vergleich der Systeme unter Extrembedingungen sehr interessant.

Inselmann am 24 Mai 2021 21:00:14

Interessante Anlage. Mir fällt es nur ein wenig schwer da einen Gewichtsvorteil zu sehen.
Da ist ne Menge Eisen verbaut. Aber ohne wiegen ist alles nur Spekulieren.

Bin Mal gespannt auf Langzeit Erfahrungen, besonders wie rüttelfest das ist verglichen mit den "Stempel" Anlagen

wosch03 am 25 Mai 2021 11:41:20

Zum Thema Gewicht: Die Elefantenfüße sehen zwar relativ massiv aus, sind jedoch aus verschweisstem Stahlblech gefertigt. Der größte Unterschied liegt wohl in der Nutzung deutlich kleinerer und somit leichterer Hydraulikzylinder. Bei mir haben die einen Durchmesser von 60mm und sind 32cm lang.

Das Gewicht ist jedoch bestimmt nicht das entscheidende Argument für oder gegen eine solche Anlage.

LG Wolfgang

Acki am 25 Mai 2021 13:16:06

Inselmann hat geschrieben:Interessante Anlage. Mir fällt es nur ein wenig schwer da einen Gewichtsvorteil zu sehen.
Da ist ne Menge Eisen verbaut. Aber ohne wiegen ist alles nur Spekulieren.
...

Wolfgang schreibt oben von 70 kg ... PhoeniX in der Zubehörliste für den Daily beim "klassischen System" von 150 kg ... könnte also schon einen Gewichtsvorteil bedeuten ... :gruebel:

Der Preis wäre dann noch interessant!?

Gast am 25 Mai 2021 13:52:19

Die 150 kg sind meiner Meinung nach ziemlich hoch angesetzt.

Linnepe gibt für deren Anlage bei Fahrzeugen ab 6 Tonnen z.B. 65 kg an:
--> Link

Nichtsdestotrotz bin ich auch von den Einbaumaßen und der daraus resultierenden Bodenfreiheit von Wolfgangs Anlage beeindruckt.

VG, westy75

ramWFnet am 25 Mai 2021 14:38:21

Hallo Wolfgang,

ein sehr interessanter Bericht. Vor allem die Hubhöhe und die Bodenfreiheit spricht meiner Meinung nach für dieses System.

Gibt es auch mehrere abspeicherbare Positionen für z.B. Übernachten, Wasserentleeren usw.?

Wie sieht das denn mit dem Verdrecken der Hubzylinder aus? Sind die Stützen eingefahren, dann sind ja die Zylinder ausgefahren und direkt dem Straßendreck, Spritz- und Salzwasser ausgesetzt. Normalerweise werden z.B. an Ladebordwänden die Zylinder deshalb in Gummimanschetten verpackt.

Viele Grüße
Marten

wosch03 am 25 Mai 2021 17:49:39

Ja es ist richtig, dass bei Ruhestellung die Zylinder voll ausgefahren sind. Die befinden sich aber oben waagrecht am Rahmen und somit nicht im direkten Spritzbereich von Rädern. Ich habe am Z-Antrieb meines Motorbootes auch Hydraulikzylinder, die sich wochenlang im Salzwasser befinden ohne dabei Schaden zu nehmen. Das ist eine Frage der Materialqualität. Baumaschinen befinden sich auch ganzjährig in rauer Umgebung und müssen trotzdem in allen Lagen funktionieren.

Es gibt nur eine abspeicherbare Position, die dann zum Nivellieren genutzt wird. Es ist aber kein Problem mit einer der Heckstützen manuall eine Schräglage zu erzeugen.

Goldschmitt gibt für seine vergleichbare HLC Smart ein betriebsbereites Gewicht von 76kg an, inkl. 6,5L Öl. Das gilt für ein Ducato Serienchassis.

LG Wolfgang

elias-04 am 25 Mai 2021 18:17:38

Ich habe mich auch oft gefragt, wie viel seitwärts wirkende Kräfte die „klassischen“ Hubstützen auffangen können. Das sehe ich bei der hier gezeigten Montage Vorteile. Und doch habe ich ein Verständnisproblem.

Beim Ausfahren der Stützen wird die Kolbenstange in den Zylinder gezogen. Da der „Elefantenarm“ mit seinem oberen Ende an der Kolbenstange und nahe der Mitte an einem weiteren Arm drehbar befestigt ist, fahren die Stützplatten in einem Kreisbogen um diese mittige Befestigung nach unten. Wenn alle Stützen in gleicher Ausrichtung montiert sind, so wie z.B. die vorderen, würde das Fahrzeug bei Bodenkontakt der Stützplatten etwas nach vorne oben gehoben. So wie sie aber jetzt montiert sind, würden die vorderen Stützen versuchen das Fahrzeug nach vorne und die hinteren jeweils auf ihre Seite zu ziehen.
Vielleicht irre ich mich - bei meinem technischen Verständnis ist das sogar wahrscheinlich - aber bitte helft mir das zu verstehen.

Viele Grüße
Achim

Gast am 25 Mai 2021 18:30:41

Ja, genau das Gleiche habe ich mich auch gefragt.
Theoretisch "scharren" die Platten ein bisschen hin und her, bis das Fahrzeug ausgerichtet ist, oder?
In der Praxis dürfte das nichts ausmachen; man parkt ja nicht auf Parkettboden. 8)

VG, westy75

wosch03 am 26 Mai 2021 15:02:02

Die Stützplatten fahren senkrecht nach unten, da verschiebt sich auf dem Boden nichts. Die Fix-und Drehpunkte, sowie die geometrie der beweglichen Teile sind so dimensioniert, dass eine senkrechte Bewegung erreicht wird. Der Elefantenarm wird ja nicht über einen starren Punkt gehebelt, da sich die Haltearme ja auch noch mit drehen. Habe das mit einem aufgestellten Winkel überprüft. Von der oberen Ruhestellung bis zum Bodenkontakt sind lediglich ca.5 mm Abweichung von der Senkrechten feststellbar. Beim Anheben erfolgt keine Fahrzeugbewegung.

LG Wolfgang

elias-04 am 26 Mai 2021 17:33:18

Vielen Dank für die Antwort.
Ich bin gepannt auf die Erfahrungen mir dem neuen System.

Viel Grüße
Achim

wosch03 am 11 Sep 2021 23:02:50

Hier ein kurzer Zwischenbericht:

Wir waren bisher ca. 8 Wochen unterwegs mit regelmäßiger Nutzung der Stützen.
Das sind noch keine Langzeiterfahrungen, aber bisher alles gut.

LG Wolfgang

Abweg am 22 Nov 2022 14:22:17

Hallo Wolfgang,

danke für den sehr guten Bericht.
Du nennst einen Zylinderdurchmesser von 60mm, was vermutlich der Außendurchmesser ist, kannst du auch das Innen-/Kolbenmaß und den Betriebdruck nennen?
Hintergrund: ich will mal überschlagen ob die "Schubkurbel" auch elektrisch betrieben werden kann, ich habe schon viele (Industrie)-Hydraulikanlagen gesehen und keine war wirklich dicht.

beste Grüße, Andre

wosch03 am 07 Dez 2022 19:28:03

Hallo Andre,

der Betriebsdruck soll, wie bei anderen ähnlichen Anlagen, bis zu 160 Bar betragen. Den Kolbendurchmesser kenne ich nicht genau, aber bei 60mm Außendurchmesser wir er wohl 50mm oder etwas mehr betragen. Der Öldurchsatz, also die Geschwindigkeit zum Aus- und Einfahren der Stützen, wird bei der Installation auf das notwendige Maß begrenzt, ist also einstellbar.

Die Anlage funktioniert immer noch tadellos, waren gerade wieder 6 Wochen unterwegs mit häufiger Nutzumg.

LG Wolfgang

joergvoessing am 22 Dez 2022 14:32:39

Hallo, was machen die Bodenteller/platten, wenn sie auf einen unebenen buckeligen Untergrund treffen, der nicht nachgibt und sie dann schräg stellt. Ist das nicht eine arge Belastung für den Drehbolzen der Platte? Gibt es eine flexible Stelle, die das abfängt?

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