als technikaffiner Mensch habe ich mich seit geraumer Zeit für das Thema automatische Hubstützen interessiert. Besonders solche Systeme, bei denen die komplette Technik unterflur untergebracht werden kann, fand ich interessant, da hierdurch wertvoller Stauraum eingespart wird.
Nach längerem Ringen, ob das denn wirklich sein muss, habe ich mich dann doch entschlossen, eine solche Anlage anzuschaffen (vielleicht war das auch dem Corona Koller geschuldet).
Bei der Detailrecherche bin ich dann auf eine Lösung gestoßen, die sich technisch deutlich von allen anderen Anlagen unterscheidet. Das ist auch der Grund für dieses Posting.
Alle am Markt befindlichen hydraulischen Hubstützen arbeiten mit Einfach- oder Teleskopzylindern. Bei den Einfachzylindern reicht oft der vorhandene Bauraum nicht aus, um den gewünschten Hub zu erzeugen. Daher werden vorwiegend Teleskopzylinder eingesetzt. Hierbei fährt zunächst der dicke Stempel aus und dann der dünnere, der dann die Last stemmt und hält. Der dicke Stempel könnte eigentlich sehr große Kräfte stemmen, fährt aber nur durch die Luft. Der dünnere Stempel hat in Folge der kleineren wirksamen Fläche des Kolbens weit weniger Leistung. Hinzu kommt, dass bei weit ausgefahrenem dünnerem Stempel die Überlappung der beiden gering ist und somit auch eine deutlich verringerte Stabilität bei Queer Kräften besteht. Da zunächst der große Kolben ohne Last ausgefahren wird, muss auch eine relativ große Menge Hydrauliköl gepumpt werden, weshalb diese Anlagen auch einen recht großen Öltank von 5 bis 6 Litern benötigen.
All das geht auch anders, ob besser, das mag jeder selbst entscheiden.
Die Firma Ewo Fluid Power --> Link, am Rande der Schwäbischen Alb, ist seit langem ein Spezialist für Konstruktion und Fertigung von Hydraulikanlagen jeder Größe. Sie fertigen übrigens auch seit Jahrzehnten alle Hydraulikzylinder für Goldschmitt, aber auch für andere aus der Branche. Ungeachtet dessen, wurde dort ein eigenes Hubstützensystem entwickelt, welches obige prinzipiellen Nachteile vermeiden soll. Hierbei wird das Fahrzeug von einem so genannten Elefantenarm angehoben, der durch einen waagrecht installierten doppeltwirkenden Einfachzylinder senkrecht nach unten gedrückt wird. Diese Arme können sowohl längs als auch queer angebracht werden und stützen sich auf rechteckigen Edelstahltellern auf den Boden.
Nach telefonischer Anmeldung konnte ich noch am selben Tag vorbeikommen, um die mögliche Einbausituation zu prüfen. Die Anlagen werden vorwiegend kundenspezifisch berechnet und gefertigt, je nach gegebener Einbausituation. Es handelt sich definitiv nicht um einen Standard Einbau Kit für Cassis A, B oder C. Weiterhin besteht der Ehrgeiz, sowohl die beste Hubhöhe zu erreichen, als auch nach Möglichkeit keinerlei Löcher in den Fahrzeugrahmen bohren zu müssen. Erste Berechnungen und ein Angebot wurden sofort erstellt. Um es gleich vorweg zu nehmen, das Preisniveau ist marktüblich und staffelt sich über das Fahrzeuggewicht. Ein möglicher Einbautermin konnte in den nächsten Tagen vereinbart werde. So schloss ich per Handschlag den Vertrag und kam zum vereinbarten Termin wieder.
Die komplette Mechanik und Hydraulik wird selbst gefertigt, die Steuerung ist ein Standard Industrieprodukt und entspricht, wie übrigens die gesamte Anlage, allen Sicherheits- und CE-Richtlinien. Auch das ist ein Unterscheidungsmerkmal zum Rest des Marktes. Pumpe und Steuerung werden in einem Edelstahlgehäuse an geeigneter Stelle unterflur angebracht. Bei der Größe des darin eingebauten Öltanks reicht in aller Regel 1 Liter, bei mir wurden zur Sicherheit 1,5 Liter verbaut. Bedienteil ist eine Funkhandsteuerung. Optional ist zusätzlich eine App-Steuerung auf Android (IOS in Vorbereitung) möglich. Darüber hinaus gibt es auch zusätzlich, aber als Alternative zur App, ein Display zu Innenmontage. Sowohl bei der App, als auch beim Display kann als weitere Option eine Wiegefunktion realisiert werden. Ich habe mich für das Display mit Wiegefunktion entschieden.
Bei meinem Fahrzeug, einem 5,2t IVECO Daily, wurden die vorderen Stützen längs unter dem Rahmen verbaut, die hinteren beiden queer hinter Achse und Luftfederung. Jeder Zylinder wurde mit zwei U-Profilen und Bolzen am Rahmen durch vorhandene Bohrungen befestigt. Lediglich für die Stromversorgung und das Kabel für das Display musste jeweils ein Loch in der Bodenplatte gebohrt werden. Realisiert wurden schon viele Anlagen für Ducato und Sprinter Fahrgestelle, aber auch für LKWs und Offroad Fahrzeuge.
Das erreichte Ergebnis ist, dass die Vorderräder um ca. 15cm vom Boden abgehoben werden können, die hinteren Zwillingsreifen um 12cm. Natürlich gibt es auch eine automatische Nivellierung auf eine voreingestellte und leicht veränderbare waagrechte Position. Zu beachten ist, dass alle Funktionen immer über eine „Tot Mann Taste“ erfolgen. Das bedeutet, dass nach zunächst angewählter Funktion eine Taste dauerhaft gedrückt werden muss, bis zur gewünschten Endposition. Dies ist nach Industrie Standards zwingend erforderlich
Zur Nutzung der Wiegefunktion müssen alle Zylinder bis zum Anschlag ausgefahren werden, dann wird für eine definierte kurze Zeit abgesenkt und das Ergebnis kann am Display für VA, HA und Gesamtgewicht abgelesen werden. Um korrekte Werte zu erhalten, muss das Fahrzeug dabei möglichst eben stehen. Eingestellt werden die Werte in der Werkstatt durch Wiegung aller Radlasten. Da mir diese Werte allerdings etwas zweifelhaft vorkamen, bin ich noch auf eine kalibrierte öffentliche Waage gefahren und habe dabei erhebliche Abweichungen zu den zuvor gemessenen Achslasten festgestellt. Das lässt sich aber mittels des Displays dann korrigieren.
Über längere Erfahrungen kann ich natürlich noch nicht berichten. Außer etwas rumspielen und sehr komfortablem Rädertausch ist noch nicht viel geschehen. Die Anlage soll sogar etwas leichter sein, als solche mit Teleskopzylindern. Wird bei mir ca. 70kg wiegen. Dafür habe ich aber dann den hydraulischen Wagenheber und sämtliche Keile rausräumen können.
Anbei noch einige Bilder der ganzen Aktion.
LG Wolfgang


















