Um 13.00 Uhr starten wir guter Dinge in unseren letzten Urlaub in diesem Jahr.
Seit drei Wochen fahren wir mit der Zusatzluftfederung und sind gespannt, wie sich diese auf das Fahrverhalten in beladenem Zustand auswirkt.
Wir haben sie auf 2 bar aufgepumpt. Gert spürt sofort den Unterschied. Ich, als Beifahrer(in) bilde mir auch ein, dass der Ducato besser auf der Straße liegt. In zwei Stunden werde ich es selbst beurteilen können, denn der Fahrerwechsel nach zwei Stunden hat sich auf den zurückliegenden Fahrten bewährt und wird beibehalten.

Zwei Stunden später und 170 km weiter legen wir unsere erste Kaffeepause ein. Nun bin ich an der Reihe und schwinge mich voller Vorfreude auf den Fahrersitz. Tatsächlich: Beim Überholen der LKW „schwimmt“ der Ducato nicht mehr. Er liegt wie ein Brett auf der Autobahn und fährt einfach Klasse. Selbst bei 130 km /h bleibt er ruhig. Aber das war nur ein Test. Wir kamen überein, dass wir uns zwischen 100 und 120 km/h fortbewegen wollen. Das schont Gerts Nerven und in Anbetracht des Dieselpreises auch unser Portemonnaie. Ich stelle anerkennend fest: Die Investition (ca. 640 € Material plus 106 € TÜV Abnahme) und Gerts Eigenleistung unter Hartmuts fachkundiger Anleitung haben sich absolut gelohnt.
Gegen 19.30 Uhr erreichen wir unseren ersten Übernachtungsplatz. Wie schon im Juni steuern wir den großen Rastplatz Aire du Poulet de Bresse an der A 39 an. Vom Übernachten auf Autobahnraststätten wird ja eigentlich abgeraten. Dieser hier wird jedoch von den gängigen Stellplatzapps als offizieller Wohnmobilübernachtungsplatz ausgewiesen. Dann kann es ja nicht gefährlich sein.

Im Gegensatz zum Sommer ist der gesamte Parkplatz gut besucht. Wir stehen fast an derselben Stelle wie im Juni vor der Wiese mit der Picknickgarnitur. Es beginnt heftig zu regnen. Dieses Mal gibt es zu den Würstchen Nudel- statt Kartoffelsalatsalat. Nach dem Essen lesen wir noch ein bisschen und legen uns schlafen.
Samstag, 3.8.2022
Gegen 5 Uhr wird Gert von einem Rütteln oder Wackeln am Kastenwagen wach. Er setzt sich auf die Dinettenbank, schaut aus dem Fenster und beobachtet, wie sich ein schwarz gekleideter junger Mann aus einem vor uns parkenden PKW unserer Fahrertür nähert. In der Hand hält er einen großen Schraubenzieher. Bevor er diesen zielgerichtet ansetzen kann, klopft Gert von innen an die Scheibe. Daraufhin wendet sich der vermeintliche Einbrecher ab und begibt sich schnurstracks zurück zu seinem Komplizen, der am Auto wartet.
Wir haben zwar Prickstop aber der Aufkleber unter dem Türschloss an der Fahrertür hat den jungen Mann wohl nicht interessiert. Wahrscheinlich hätte er keinen Erfolg gehabt aber wir den Schaden am demolierten Türschloss.
Während wir frühstücken, geht uns das Erlebte nicht aus dem Kopf. Welches „Wackeln“ ließ Gert erwachen? Er bittet mich, ich solle mich mal ins Bett legen und mich kraftvoll umdrehen. Gesagt, getan aber das war es nicht. Gert mutmaßt, dass der Einbrecher eventuell vorher am Kasten gerüttelt haben muss um sich zu vergewissern, dass keiner davon wach wird oder vielleicht ein Hund anschlägt. Wir werden es nie erfahren.
Erkenntnis am frühen Morgen: Wir werden künftig Wohnmobil Stellplätze auf Autobahnen grundsätzlich meiden.
Nach dem Frühstück setzen wir unsere Fahrt fort. Der Regen lässt nach. Lyon passieren wir erstmals ohne Stau. Früh dort zu sein, lohnt sich.

Gegen 14 Uhr erreichen wir Avignon. Unsere Wahl fällt auf den CP Pont d’ Avignon, der laut den Bewertungen etwas „gepflegter“ sein soll als der benachbarte CP Bagatelle. Die sanitären Einrichtungen sind zwar auch hier etwas in die Jahre gekommen aber das Personal ist bemüht, die antiquierte Keramikabteilung sauber zu halten. Für 19 € die Nacht für zwei Personen inklusiv Strom, Wasser, Duschen und Kurtaxe kann man nicht meckern.
Es ist heiß. Während Gert die Räder abnimmt, öffne ich Fenster und Hekis. Als ich wie gewohnt das Badfenster öffne, droht diese komplett nach draußen zu fallen. Ich kann es gerade noch festhalten und Gert zu Hilfe rufen. Es hat sich aus der oberen Schiene gelöst und hängt nur noch an den Seitenhalterungen. Das Dilemma hatten wir bereits 2019 an einem der Heckfenster. Diesmal haben wir allerdings Glück, denn es lässt sich oben in die Halterung wieder einhängen. Das nächste Mal muss ich etwas behutsamer sein beim Öffnen.

Wir essen eine Kleinigkeit und fahren anschließend mit den Rädern ins knapp 2 km entfernte Avignon.


Die Straßen sind voller Menschen, sodass wir die Räder oft schieben müssen. Wir schlängeln uns durch die Menschenmenge, die uns an einen Besuch auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt vor Coronazeiten erinnert. Nachdem wir die Rue des Teinturiers erreicht haben, lässt der Trubel nach. Wir sind im Färberviertel. Dieser Bereich der Altstadt liegt ruhig und idyllisch und bietet einige schöne Fotomotive mit alten Mühlen und Häusern und urigen unter Platanen gelegenen Kneipen. Je weiter man sich der Mauer um die Altstadt nähert, desto mehr verwinkelte Ecken und dunkle Schlupflöcher gibt es, die übel nach Urin riechen und wenig einladend wirken.





Wir fahren zurück Richtung Papstpalast, dessen Besichtigung wir uns für morgen vornehmen.
Zurück auf dem Campingplatz sind wir zahlreichen Stechmücken ausgeliefert, die sich weder durch Antibrumm noch durch unseren Kräuter-Mönch davon abhalten lassen, uns zu stechen. Wie immer halten sie sich zunächst an Gert.
Sonntag, 4.9.2022
Nach dem Frühstück radeln wir zum Papstpalast und reihen uns in die Schlange der Wartenden ein.

Nachdem wir den Eintritt bezahlt haben, erhalten wir ein Tablet, unseren Reiseführer auf Deutsch. Blöd ist, dass wir keine eigenen Kopfhörer dabei haben. Diese sind Voraussetzung für eine Führung mit dem Audioguide. Ohne Kopfhörer gestaltet sich die Führung etwas umständlich. Wir sind so sehr damit beschäftigt, die an den Vitrinen hängenden Codes einzuscannen und die entsprechende Beschreibung vom Tablet abzulesen, dass wir fast nicht zum Fotografieren kommen. Das Fotografieren ist in vielen Räumen ohnehin nicht erlaubt. Über eine Abkühlung von den draußen herrschenden 30° C hatten wir uns zu früh gefreut. Es ist unerträglich heiß und schwül hinter den dicken Mauern. Und viele Menschen stehen hier auch auf engstem Raum. So etwas ist man seit Corona eigentlich gar nicht mehr gewohnt. Nun sind wir aber drinnen und machen das Beste daraus.





Eigentlich verbindet man ja mit den Päpsten Rom und den Vatikan. Wie kommt also ein Papstpalast ausgerechnet nach Avignon? Im Jahre 1304 wurde der Erzbischof von Bordeaux zum Papst gewählt und in Lyon als Clemens V. gekrönt. Aus gesundheitlichen und aus politischen Gründen hielt er sich ausschließlich in Mittel- und Südfrankreich auf. Auf der Suche nach einer würdigen Residenz wählte man kurz darauf Avignon und machte es zur „größten Baustelle des Jahrhunderts“. Clemens V. residierte jedoch nur vorübergehend in Avignon und wohnte im Kloster der Dominikaner. Sein Nachfolger, Papst Johannes XXII., ließ den bischöflichen Palast ausbauen und vergrößern. Dieser Palast stand an einem Hang südlich der Kathedrale Notre-Dame-des-Doms.
Die nachfolgenden Päpste ließen abreißen, neu erbauen, anbauen, bis sich die Größe des Palasts nahezu verdoppelte. Mit seinen ungefähr 15.000 m² Nutzfläche ist er eines der größten Feudalschlösser seiner Zeit. Die ganze Anlage ist sehr kompliziert mit ineinander verschachtelten Raumsystemen. Im Jahre 1376 kehrte der Heilige Stuhl nach Rom zurück.
Am Nachmittag radeln wir noch am Ufer der Rhone entlang. Hier findet heute eine große Veranstaltung statt. Alle möglichen Vereine präsentieren sich an Ständen. Überwiegend Sportvereine. Solche Veranstaltungen gibt es wohl in ganz Frankreich zum Beginn des neuen Schuljahrs.
Montag, 5.9.2022
Heute geht es über Landstraßen durch die Provence nach Saint-Tropez.


Fast eine halbe Stunde durchqueren wir ein Gebiet, in dem riesige Wälder rechts und links der Landstraßen Bränden zum Opfer gefallen sind. Insgesamt ist die Trockenheit spürbar. Ganze Felder mit Rebstöcken wirken wie vertrocknet. Die Trauben sind sehr klein und sehen schrumpelig (wie Rosinen) aus. Aber wer weiß, vielleicht wird daraus ja ein ganz besonderer Wein.


In Saint-Tropez steuern wir zunächst den WoMostellplatz Tamaris an. Den Stellplatz in seiner ursprünglichen Form scheint es nicht mehr zu geben. Hier ist vorgelagert ein großer überdachter PKW Parkplatz. Der Parkplatzwächter signalisiert uns schon am Eingang, dass der Camping Tamaris (so nennt sich der Stellplatz wohl jetzt) „complet“ sei und wir es „peut être demain“, vielleicht morgen nochmal versuchen sollen.
Wir fahren weiter zum CP Les Eucalyptus. Hier ist Siesta bis 17.30 Uhr. Am Eingang hängt ein Hinweisschild, dass auch hier alles besetzt sei. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als auf den riesigen WoMostellplatz Bonne Terrasse in Ramatuelle auszuweichen. Auch dieser ist fast voll belegt aber wie ergattern noch einen „richtigen“ Stellplatz. Wir packen Tisch und Stühle aus und machen einen Strandspaziergang.


In einem der vielen Clubs am Strand findet später eine Hochzeit statt. Alles ist bereits schön arrangiert.



Für 10 € die Nacht, steht man auf Bonne Terrasse gut & günstig aber auch recht beengt. Unter unserem Klofenster sitzt der Nachbar und spielt Gitarre, während uns auf der gegenüberliegenden Seite die SOG des anderen Nachbarn entgegen strömt. Es ist immer wieder ein Erlebnis hier zu stehen. Man muss die Geselligkeit mögen. Auf dem Weg zwischen den Wohnmobilen spielt eine Gruppe Franzosen Boule. Ein Holländer, der den Platz bereits zweimal auf der Suche nach einem geeigneten Stellplatz umrundet hat, biegt nun ausgerechnet in diese Gasse ein, wo sich gerade Sieg und Niederlage entscheiden. Die lustige Boule-Truppe nimmt es gelassen, räumt ihre Kugeln beiseite und beginnt anschließend von vorne. Am Eingang spült eine Frau am einzigen Waschbecken ihr Geschirr, während ein anderer nur eine Ellenbogenlänge neben ihr seinen Fäkalientank entleert. Köstlich. Man könnte ein Buch über die Begebenheiten hier schreiben.
Dienstag, 6.9.2022
Heute ist in Saint-Tropez Wochenmarkt. Den möchten wir uns nicht entgehen lassen. Wir strampeln die knapp 10 km mit den Rädern nach Saint-Tropez. Schon vor dem Ortseingang stauen sich die Autos, die Luft ist geschwängert von Abgasen. Der Markt ist gerammelt voll.



Nach unserem Marktbesuch schlendern wir durch die Altstadt, am Hafen entlang, bestaunen die Luxusyachten der Reichen und Schönen und machen uns langsam auf den Rückweg.









Das Meer am Strand von Pampellonne ist aufgewühlt, der Strand unsauber und wir überlegen, was das Besondere an diesem Strand ist.
Wir packen unsere Habseligkeiten zusammen und machen uns auf den Weg nach La Londe les Maures.

Bevor wir den CP Le Pansard ansteuern, kaufen wir im Supermarkt in La Londe noch ein.
Die Anmeldung auf Le Pansard ist schnell erledigt. Wir kennen den Platz ja bereits, buchen „bis auf Weiteres“ und wagemutig ohne Strom, denn der schlägt hier mit 6,50 € pro Tag zu Buche. Mal testen, wie lange unsere Solarpanels die beiden Aufbaubatterien mit Strom versorgen. Sonne haben wir jedenfalls genug.

Auf eine Parzelle können wir uns schnell einigen. Wir stellen uns fast an dieselbe Stelle wie die Jahre zuvor. Schnell erkennen wir vertraute Gesichter aus den letzten Jahren wieder, die auch, wohl aus Gewohnheit, an derselben Stelle stehen: Da ist der „Otto“ aus Lübeck, der Franzose mit dem Taxi und Wohnwagen, der Surfer aus Füssen. Hinter uns der Martin aus Luzern, ebenfalls Surfer und uns gegenüber stehen Elke und Franz, Deutschfranzosen aus der Nähe von Straßburg, mit denen wir noch nette Tage erleben werden.
















































