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Reisebericht Provence und Cote dAzur September 2022


birgit60 am 11 Nov 2022 21:05:16

Freitag, 2.9.2022

Um 13.00 Uhr starten wir guter Dinge in unseren letzten Urlaub in diesem Jahr.
Seit drei Wochen fahren wir mit der Zusatzluftfederung und sind gespannt, wie sich diese auf das Fahrverhalten in beladenem Zustand auswirkt.
Wir haben sie auf 2 bar aufgepumpt. Gert spürt sofort den Unterschied. Ich, als Beifahrer(in) bilde mir auch ein, dass der Ducato besser auf der Straße liegt. In zwei Stunden werde ich es selbst beurteilen können, denn der Fahrerwechsel nach zwei Stunden hat sich auf den zurückliegenden Fahrten bewährt und wird beibehalten.



Zwei Stunden später und 170 km weiter legen wir unsere erste Kaffeepause ein. Nun bin ich an der Reihe und schwinge mich voller Vorfreude auf den Fahrersitz. Tatsächlich: Beim Überholen der LKW „schwimmt“ der Ducato nicht mehr. Er liegt wie ein Brett auf der Autobahn und fährt einfach Klasse. Selbst bei 130 km /h bleibt er ruhig. Aber das war nur ein Test. Wir kamen überein, dass wir uns zwischen 100 und 120 km/h fortbewegen wollen. Das schont Gerts Nerven und in Anbetracht des Dieselpreises auch unser Portemonnaie. Ich stelle anerkennend fest: Die Investition (ca. 640 € Material plus 106 € TÜV Abnahme) und Gerts Eigenleistung unter Hartmuts fachkundiger Anleitung haben sich absolut gelohnt.

Gegen 19.30 Uhr erreichen wir unseren ersten Übernachtungsplatz. Wie schon im Juni steuern wir den großen Rastplatz Aire du Poulet de Bresse an der A 39 an. Vom Übernachten auf Autobahnraststätten wird ja eigentlich abgeraten. Dieser hier wird jedoch von den gängigen Stellplatzapps als offizieller Wohnmobilübernachtungsplatz ausgewiesen. Dann kann es ja nicht gefährlich sein.



Im Gegensatz zum Sommer ist der gesamte Parkplatz gut besucht. Wir stehen fast an derselben Stelle wie im Juni vor der Wiese mit der Picknickgarnitur. Es beginnt heftig zu regnen. Dieses Mal gibt es zu den Würstchen Nudel- statt Kartoffelsalatsalat. Nach dem Essen lesen wir noch ein bisschen und legen uns schlafen.


Samstag, 3.8.2022

Gegen 5 Uhr wird Gert von einem Rütteln oder Wackeln am Kastenwagen wach. Er setzt sich auf die Dinettenbank, schaut aus dem Fenster und beobachtet, wie sich ein schwarz gekleideter junger Mann aus einem vor uns parkenden PKW unserer Fahrertür nähert. In der Hand hält er einen großen Schraubenzieher. Bevor er diesen zielgerichtet ansetzen kann, klopft Gert von innen an die Scheibe. Daraufhin wendet sich der vermeintliche Einbrecher ab und begibt sich schnurstracks zurück zu seinem Komplizen, der am Auto wartet.
Wir haben zwar Prickstop aber der Aufkleber unter dem Türschloss an der Fahrertür hat den jungen Mann wohl nicht interessiert. Wahrscheinlich hätte er keinen Erfolg gehabt aber wir den Schaden am demolierten Türschloss.

Während wir frühstücken, geht uns das Erlebte nicht aus dem Kopf. Welches „Wackeln“ ließ Gert erwachen? Er bittet mich, ich solle mich mal ins Bett legen und mich kraftvoll umdrehen. Gesagt, getan aber das war es nicht. Gert mutmaßt, dass der Einbrecher eventuell vorher am Kasten gerüttelt haben muss um sich zu vergewissern, dass keiner davon wach wird oder vielleicht ein Hund anschlägt. Wir werden es nie erfahren.

Erkenntnis am frühen Morgen: Wir werden künftig Wohnmobil Stellplätze auf Autobahnen grundsätzlich meiden.

Nach dem Frühstück setzen wir unsere Fahrt fort. Der Regen lässt nach. Lyon passieren wir erstmals ohne Stau. Früh dort zu sein, lohnt sich.



Gegen 14 Uhr erreichen wir Avignon. Unsere Wahl fällt auf den CP Pont d’ Avignon, der laut den Bewertungen etwas „gepflegter“ sein soll als der benachbarte CP Bagatelle. Die sanitären Einrichtungen sind zwar auch hier etwas in die Jahre gekommen aber das Personal ist bemüht, die antiquierte Keramikabteilung sauber zu halten. Für 19 € die Nacht für zwei Personen inklusiv Strom, Wasser, Duschen und Kurtaxe kann man nicht meckern.

Es ist heiß. Während Gert die Räder abnimmt, öffne ich Fenster und Hekis. Als ich wie gewohnt das Badfenster öffne, droht diese komplett nach draußen zu fallen. Ich kann es gerade noch festhalten und Gert zu Hilfe rufen. Es hat sich aus der oberen Schiene gelöst und hängt nur noch an den Seitenhalterungen. Das Dilemma hatten wir bereits 2019 an einem der Heckfenster. Diesmal haben wir allerdings Glück, denn es lässt sich oben in die Halterung wieder einhängen. Das nächste Mal muss ich etwas behutsamer sein beim Öffnen.



Wir essen eine Kleinigkeit und fahren anschließend mit den Rädern ins knapp 2 km entfernte Avignon.





Die Straßen sind voller Menschen, sodass wir die Räder oft schieben müssen. Wir schlängeln uns durch die Menschenmenge, die uns an einen Besuch auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt vor Coronazeiten erinnert. Nachdem wir die Rue des Teinturiers erreicht haben, lässt der Trubel nach. Wir sind im Färberviertel. Dieser Bereich der Altstadt liegt ruhig und idyllisch und bietet einige schöne Fotomotive mit alten Mühlen und Häusern und urigen unter Platanen gelegenen Kneipen. Je weiter man sich der Mauer um die Altstadt nähert, desto mehr verwinkelte Ecken und dunkle Schlupflöcher gibt es, die übel nach Urin riechen und wenig einladend wirken.











Wir fahren zurück Richtung Papstpalast, dessen Besichtigung wir uns für morgen vornehmen.

Zurück auf dem Campingplatz sind wir zahlreichen Stechmücken ausgeliefert, die sich weder durch Antibrumm noch durch unseren Kräuter-Mönch davon abhalten lassen, uns zu stechen. Wie immer halten sie sich zunächst an Gert.


Sonntag, 4.9.2022

Nach dem Frühstück radeln wir zum Papstpalast und reihen uns in die Schlange der Wartenden ein.



Nachdem wir den Eintritt bezahlt haben, erhalten wir ein Tablet, unseren Reiseführer auf Deutsch. Blöd ist, dass wir keine eigenen Kopfhörer dabei haben. Diese sind Voraussetzung für eine Führung mit dem Audioguide. Ohne Kopfhörer gestaltet sich die Führung etwas umständlich. Wir sind so sehr damit beschäftigt, die an den Vitrinen hängenden Codes einzuscannen und die entsprechende Beschreibung vom Tablet abzulesen, dass wir fast nicht zum Fotografieren kommen. Das Fotografieren ist in vielen Räumen ohnehin nicht erlaubt. Über eine Abkühlung von den draußen herrschenden 30° C hatten wir uns zu früh gefreut. Es ist unerträglich heiß und schwül hinter den dicken Mauern. Und viele Menschen stehen hier auch auf engstem Raum. So etwas ist man seit Corona eigentlich gar nicht mehr gewohnt. Nun sind wir aber drinnen und machen das Beste daraus.











Eigentlich verbindet man ja mit den Päpsten Rom und den Vatikan. Wie kommt also ein Papstpalast ausgerechnet nach Avignon? Im Jahre 1304 wurde der Erzbischof von Bordeaux zum Papst gewählt und in Lyon als Clemens V. gekrönt. Aus gesundheitlichen und aus politischen Gründen hielt er sich ausschließlich in Mittel- und Südfrankreich auf. Auf der Suche nach einer würdigen Residenz wählte man kurz darauf Avignon und machte es zur „größten Baustelle des Jahrhunderts“. Clemens V. residierte jedoch nur vorübergehend in Avignon und wohnte im Kloster der Dominikaner. Sein Nachfolger, Papst Johannes XXII., ließ den bischöflichen Palast ausbauen und vergrößern. Dieser Palast stand an einem Hang südlich der Kathedrale Notre-Dame-des-Doms.
Die nachfolgenden Päpste ließen abreißen, neu erbauen, anbauen, bis sich die Größe des Palasts nahezu verdoppelte. Mit seinen ungefähr 15.000 m² Nutzfläche ist er eines der größten Feudalschlösser seiner Zeit. Die ganze Anlage ist sehr kompliziert mit ineinander verschachtelten Raumsystemen. Im Jahre 1376 kehrte der Heilige Stuhl nach Rom zurück.

Am Nachmittag radeln wir noch am Ufer der Rhone entlang. Hier findet heute eine große Veranstaltung statt. Alle möglichen Vereine präsentieren sich an Ständen. Überwiegend Sportvereine. Solche Veranstaltungen gibt es wohl in ganz Frankreich zum Beginn des neuen Schuljahrs.


Montag, 5.9.2022

Heute geht es über Landstraßen durch die Provence nach Saint-Tropez.





Fast eine halbe Stunde durchqueren wir ein Gebiet, in dem riesige Wälder rechts und links der Landstraßen Bränden zum Opfer gefallen sind. Insgesamt ist die Trockenheit spürbar. Ganze Felder mit Rebstöcken wirken wie vertrocknet. Die Trauben sind sehr klein und sehen schrumpelig (wie Rosinen) aus. Aber wer weiß, vielleicht wird daraus ja ein ganz besonderer Wein.





In Saint-Tropez steuern wir zunächst den WoMostellplatz Tamaris an. Den Stellplatz in seiner ursprünglichen Form scheint es nicht mehr zu geben. Hier ist vorgelagert ein großer überdachter PKW Parkplatz. Der Parkplatzwächter signalisiert uns schon am Eingang, dass der Camping Tamaris (so nennt sich der Stellplatz wohl jetzt) „complet“ sei und wir es „peut être demain“, vielleicht morgen nochmal versuchen sollen.

Wir fahren weiter zum CP Les Eucalyptus. Hier ist Siesta bis 17.30 Uhr. Am Eingang hängt ein Hinweisschild, dass auch hier alles besetzt sei. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als auf den riesigen WoMostellplatz Bonne Terrasse in Ramatuelle auszuweichen. Auch dieser ist fast voll belegt aber wie ergattern noch einen „richtigen“ Stellplatz. Wir packen Tisch und Stühle aus und machen einen Strandspaziergang.





In einem der vielen Clubs am Strand findet später eine Hochzeit statt. Alles ist bereits schön arrangiert.







Für 10 € die Nacht, steht man auf Bonne Terrasse gut & günstig aber auch recht beengt. Unter unserem Klofenster sitzt der Nachbar und spielt Gitarre, während uns auf der gegenüberliegenden Seite die SOG des anderen Nachbarn entgegen strömt. Es ist immer wieder ein Erlebnis hier zu stehen. Man muss die Geselligkeit mögen. Auf dem Weg zwischen den Wohnmobilen spielt eine Gruppe Franzosen Boule. Ein Holländer, der den Platz bereits zweimal auf der Suche nach einem geeigneten Stellplatz umrundet hat, biegt nun ausgerechnet in diese Gasse ein, wo sich gerade Sieg und Niederlage entscheiden. Die lustige Boule-Truppe nimmt es gelassen, räumt ihre Kugeln beiseite und beginnt anschließend von vorne. Am Eingang spült eine Frau am einzigen Waschbecken ihr Geschirr, während ein anderer nur eine Ellenbogenlänge neben ihr seinen Fäkalientank entleert. Köstlich. Man könnte ein Buch über die Begebenheiten hier schreiben.


Dienstag, 6.9.2022

Heute ist in Saint-Tropez Wochenmarkt. Den möchten wir uns nicht entgehen lassen. Wir strampeln die knapp 10 km mit den Rädern nach Saint-Tropez. Schon vor dem Ortseingang stauen sich die Autos, die Luft ist geschwängert von Abgasen. Der Markt ist gerammelt voll.







Nach unserem Marktbesuch schlendern wir durch die Altstadt, am Hafen entlang, bestaunen die Luxusyachten der Reichen und Schönen und machen uns langsam auf den Rückweg.



















Das Meer am Strand von Pampellonne ist aufgewühlt, der Strand unsauber und wir überlegen, was das Besondere an diesem Strand ist.
Wir packen unsere Habseligkeiten zusammen und machen uns auf den Weg nach La Londe les Maures.



Bevor wir den CP Le Pansard ansteuern, kaufen wir im Supermarkt in La Londe noch ein.
Die Anmeldung auf Le Pansard ist schnell erledigt. Wir kennen den Platz ja bereits, buchen „bis auf Weiteres“ und wagemutig ohne Strom, denn der schlägt hier mit 6,50 € pro Tag zu Buche. Mal testen, wie lange unsere Solarpanels die beiden Aufbaubatterien mit Strom versorgen. Sonne haben wir jedenfalls genug.



Auf eine Parzelle können wir uns schnell einigen. Wir stellen uns fast an dieselbe Stelle wie die Jahre zuvor. Schnell erkennen wir vertraute Gesichter aus den letzten Jahren wieder, die auch, wohl aus Gewohnheit, an derselben Stelle stehen: Da ist der „Otto“ aus Lübeck, der Franzose mit dem Taxi und Wohnwagen, der Surfer aus Füssen. Hinter uns der Martin aus Luzern, ebenfalls Surfer und uns gegenüber stehen Elke und Franz, Deutschfranzosen aus der Nähe von Straßburg, mit denen wir noch nette Tage erleben werden.

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birgit60 am 11 Nov 2022 21:11:46

Mittwoch, 7.9.2022

Nach dem Frühstück packen wir das SUP aus. Franz kommt rüber und stellt uns seinen kleinen Kompressor zur Verfügung, der an den Zigarettenanzünder angeschlossen wird. Er stellt den Kompressor auf 1200 PSI ein, dann beginnt lautstark der Aufpumpvorgang, der anschließend automatisch abschalten soll. Das Ganze dauert zwar länger als mit Muskelkraft aufzupumpen und es macht auch mehr Lärm aber es ist kraftsparend und man kann in der Zwischenzeit Kaffee trinken und sich unterhalten.

Während ich paddel, macht Gert eine Radtour um den Col de Babao und nach Bormes-les- Mimosas.
Nach meiner sportlichen Betätigung fahre ich mit dem Rad nach La Londe und kaufe im Fischgeschäft Doradenfilets. Zum Abendessen gibt es Fisch mit einer Gemüse-Reispfanne.
Es ist Gewitter mit Regenschauern vorhergesagt aber kein Wind. Wegen der Gemütlichkeit (wie Gert es nennt) lassen wir die Markise draußen.

Etwas Kopfzerbrechen bereitet mir unser Kompressorkühlschrank, der Anstalten macht abtauen zu wollen. Ich überlege kurz, ob ich an der Rezeption noch Strom ordern soll aber Gert beruhigt mich: „Morgen, wenn die Sonne wieder scheint, laden die Batterien wieder auf“. Sein Wort in Gottes Ohr. Bei der Abendtoilette fällt mir auf, dass das Licht im Bad auch nur noch schwach brennt. Die LEDs im Schlafbereich leuchten jedoch wie immer. Ich lese noch lange. Augen zu und durch. Morgen scheint ja wieder die Sonne.


Donnerstag, 8.9.2022

Gegen halb fünf in der Früh klopft Martin heftig an die Kastenwagentür. Er steht mit einem anderen Nachbarn vor uns im Regen und weist uns darauf hin, dass der Starkregen unsere Markise hat einsacken lassen, sie würde den Wassermassen nicht mehr lange Stand halten. Beim französischen Nachbarn sei bereits das gesamte Gestänge verbogen. Wir lassen erst einmal das viele Wasser von der Markise ablaufen, lösen die Sturmsicherung und kurbeln das klatschnasse Ding ein. Alles ist noch ganz. Glück gehabt.
Dafür haben wir kein Licht und der Kühlschrank hat auch seine Tätigkeit eingestellt. Er blinkt rot und hat inzwischen vollständig abgetaut. Kein Kühlschrank, kein Licht, kein Schlaf. Ich räume den Kühlschrank leer und wische ihn gründlich sauber. An Schlafen ist eh nicht mehr zu denken, also schauen wir uns den CP um uns herum an: Der Weg zum Strand steht vollständig unter Wasser, manche Leute sind damit beschäftigt, ihre Markisen zu reparieren, andere ziehen Gräben um ihre Zelte. Vorne steht ein Facilitymanager knietief im Schlamm und schaufelt den Abfluss frei, damit die Pumpen wieder laufen können. Selbst als es hell wird, steht noch ein großer „See“ auf dem Weg.







Um 8 Uhr ordern wir an der Rezeption Strom, holen Brot im kleinen Supermarkt am Platz und frühstücken. Die Kastenwagenwelt ist wieder in Ordnung. Anschließend machen Elke und ich eine Paddeltour.



Nachmittags radeln wir nach La Londe zu unserem Lieblingsmetzger und kaufen Haché für Hamburger. Vom Rest Hackfleisch bereiten wir gleich noch ein Chili für morgen vor.
Beim Abendessen erreicht uns die Nachricht: Die Queen ist tot.


Freitag 9.9.2022

Wie schön entspannt, wenn alles funktioniert. Heute wird gepaddelt, gelesen, gegessen, gerätselt (4 G)  und mit den Nachbarn geklönt (5 G).







Samstag, 10.9.2022

Nach dem Frühstück bricht Gert zu einer längeren Radtour auf, die ihn von Bormes-les-Mimosas über die Route des Crètes nach Le Lavandou zurück nach La Londe führen soll.
76 km.







In der Zwischenzeit radel ich nach La Londe zum Einkaufen und bummel ein bisschen durch den Ort. Zum Nachmittagskaffee gibt’s vom besten Bäcker in La Londe Erdbeertörtchen und Apfeltaschen.
Heute ist zu starker Wind, sodass die Surfer mal wieder an der Reihe sind. Wir vermissen Martin, der schon vor einer gefühlten Ewigkeit zum Surfen aufgebrochen ist. Als er zur zurück ist, erzählt er, dass er sich bei der Auswahl seines Segels verschätzt habe und es nicht aus eigener Kraft zurück an Land geschafft habe. Sein Surfkumpel aus Füssen habe ihn zurück an Land gezogen.

Wir haben rechts neben uns neue Nachbarn. Holländer. Zunächst wirken sie freundlich interessiert und erkundigen sich, ob es hier Kinder gäbe. Ich verneine. In unserer Ecke eher nicht. Sie atmet auf. In gebrochenem Deutsch meint, sie, dass das gut sei, denn sie hasse Kindergeschrei. Na toll.
Während sie noch untätig herumsteht um eine geeignete Parkposition zu finden, bitte ich sie, ihr Gatte möge zu unseren Hecktüren genügend Abstand halten, da wir ansonsten den BusBiker nicht drehen und demzufolge die Hecktüren nicht öffnen können. Daraufhin meint sie nur kurz: „Wenn nicht passt, fährst du halt bisken vor“.
Wir? Vorfahren? Das ganze Geraffel ab und umbauen und neu ausrichten? Außerdem stehen wir genau richtig und wollen auch den Nachbarn zur anderen Seite, Heinz und Eva nicht zu dicht auf die Pelle rücken. Bei der piept es wohl.
Sie entscheiden sich dann offensichtlich anders und parken ihren weißen Brummer diagonal. Gar nicht schlecht, denn so haben wir keinen Blickkontakt. Weiter vorne stehen offensichtlich Bekannte von ihnen aus Belgien. Ab nun pendelt die unerzogene Gruppe stets quer über andere Parzellen, um den Weg abzukürzen, wenn sie sich gegenseitig besuchen.
In mir reift der Gedanke, auf Youtube nach Kinderlärm zu suchen und das Ganze dann morgens oder abends laut abzuspielen. Die anderen finden meine Idee echt gut. Abends sitzen wir noch bei Elke und Franz im Wohnwagenvorzelt und klönen.


Sonntag, 11.9.2022

Die Vorbereitungen laufen zwar schon seit einigen Tagen aber heute ist es soweit. Der Tag des großen Events ist da. Nicht für uns CP Gäste sondern für „Les amis du maîre“. Hier trifft sich heute der Verein „Freunde des Bürgermeisters“ zum Sommerfest. 640 geladene Gäste finden sich an den zwischen Tischtennisplatten, Supermarkt, Bar und Sanitärgebäude aufgebauten Tischen und Stühlen zu einem mehrgängigen Menu ein. Bereits am frühen Morgen um 7 Uhr sind die Sanitärbereiche und der Spülbereich so blitzeblank wie nie. Es riecht frisch und sauber nach Sagrotan. Ich bin gespannt, ob wieder genauso gründlich gereinigt wird, wenn die Gesellschaft weg ist.







Wir entgehen dem Trubel und radeln nach La Londe. Dort ist heute Markt und der ist wunderschön.







Am Nachmittag fahren Elke und ich SUP. Gert und Franz begleiten uns mit den Kajaks.



Vor dem Abendessen spielen Gert und Franz bis zu Einbruch der Dunkelheit Dart.







Montag, 12.9.2022 bis Mittwoch, 14.9.2022

Wir verbringen die Tage mit paddeln, schwimmen, einkaufen. Bei Chateau Bastidon machen wir eine kleine Weinprobe und kaufen Rot- Rosé- und Weißwein.











Donnerstag, 15.9.2022

Vorletzter Tag auf CP le Pansard mit einem herrlichen Sonnenaufgang.





Das Meer ist zu stürmisch. Nach einem Paddelversuch, reinigen wir das Board und lassen es in der Sonne trocknen. Gert macht mit Elke eine Paddeltour in Richtung Fort de Brégancon.



Ich schlendere nochmal über den Platz und knipse ein paar Fotos









Wir beginnen mit dem Zusammenräumen und bereiten uns auf den Abschied vor. Abends gibt es eine leckere Pizza aus der CP-Pizzeria.





Freitag, 16.9.2022

Zeitig schaffen wir es zu frühstücken und sind schon vor 8 Uhr abfahrbereit.



Über die Autobahn geht es zunächst nach Bédoin zu den Vignerons du Mont Ventoux.





Hier ist die Weinlese bereits in vollem Gange. Die Winzer liefern ihre Ernte ab. Auf der Landstraße tuckern die kleinen Traktoren mit ihren roten Anhängern vollbeladen mit Trauben.

















Weiter geht es über Landstraßen nach Nyons. Hier decken wir uns mit dem guten Olivenöl aus den schwarzen Tanchéoliven ein.





Unterwegs legen wir kurze Stopps ein um preiswert zu tanken.

Um 19.30 treffen wir in Louhans auf dem WoMostellplatz ein. Es ist merklich kühler geworden und wir frieren. Da Gert keine lange Hose dabei hat, erübrigt sich ein Besuch des netten Städtchens mit den Arkaden.









Samstag, 17.9.2022

Heute können wir noch preiswerter tanken in Louhans. Diesel für 1,525 €. Wir sind die Ersten an der kleinen Tankstelle unweit des Wohnmobilstellplatzes.





Wir fahren die Autobahn bis Mulhouse. Dort kaufen wir im Supermarkt Grillgut für den Abend und Crème Brûlée für zuhause ein und kommen in den Genuss noch ein letztes Mal billig zu tanken.

Gegen 18 Uhr erreichen wir den Wohnmobilstellplatz am Wildpark in Schwarzach, wo unser diesjähriges Treffen der Kastenwagenfreunde (um es genauer zu nennen, die Gruppe „Kastenwagen und Freunde“) stattfindet. Es regnet und es ist kalt aber das tut der Stimmung keinen Abbruch.



Heute Nachmittag wurden hier fleißig verschiedene Kuchen in den Omnias zubereitet. Schade, dass wir das verpasst haben.



Anschließend grillen wir und dürfen es uns -ob des starken Regens- auf der überdachten Terrasse des Kiosks gemütlich machen.







Sonntag, 18.9.2022

Wir werden vom aufs Blechdach prasselnden Regen geweckt. Das Frühstück findet im Kastenwagen statt. Nachdem wir uns von allen verabschiedet haben, entsorgen wir und machen uns auf den Heimweg.


volkermuenster am 14 Nov 2022 12:30:58

Moin Birgit,

lieben lieben Dank für den tollen Bericht und den vielen schönen Fotos.

Das Beste fand ich die Idee mit den Kindergeschrei bei Youtube :-).

Von mir ein "+".

Klasse.

Liebe Grüß
Volker

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Tinduck am 14 Nov 2022 16:13:14

Danke für den schönen Bericht.

Zwei Fragen:

- La Londe erschien uns immer als der langweiligste Abschnitt der dortigen Küste, auch das Hinterland ist eher grauslig mit dem Flughafen nahebei - warum seid ihr gerade da geblieben?

- Vom Übernachten an Autobahnraststätten seid ihr jetzt hoffentlich geheilt? :)

Mal im Ernst, in Stellplatzführern und -apps steht auch viel Sch… drin. Legt euch selber ein Bauchgefühl zu, wo es sicher ist und wo nicht.

bis denn,

Uwe

akany am 14 Nov 2022 17:28:22

Vielen Dank für das Teilen Deiner Eindrücke und für die tollen Bilder


Frankreich fehlt mir :heul:

Säcker am 15 Nov 2022 14:18:40

Vielen Dank, Birgit, für diesen wunderbaren Bericht mit den schönen Bildern. Ich liebe deinen trockenen Humor mit dem du deine Gedanken zu den Befindlichkeiten des Camperlebens würzt

birgit60 am 15 Nov 2022 19:44:07

[quote="Tinduck"]Danke für den schönen Bericht.

Zwei Fragen:

- La Londe erschien uns immer als der langweiligste Abschnitt der dortigen Küste, auch das Hinterland ist eher grauslig mit dem Flughafen nahebei - warum seid ihr gerade da geblieben?

Hallo Uwe,

wir sind vor ein paar Jahren durch Zufall auf CP Le Pansard gelandet und fühlen uns dort inzwischen fast wie zuhause. Wir mögen die Leute und La Londe finden wir nicht langweilig. Es gibt dort ein hervorragendes Fischgeschäft und einen guten Metzger und schöne Weingüter. Mit dem Rad ist man schnell in Hyeres und das Hinterland lässt sich auch gut erfahren. Da wir in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens leben, stören uns die paar Flieger nicht. Für uns ist das Wichtige die unmittelbare Nähe zum Strand und die Überschaubarkeit des Platzes. Die Parzellen sind nicht durch Hecken abgeteilt und es herrscht (bis auf wenige Ausnahmen) ein nettes Miteinander.

Nette Grüße aus OF
Birgit

birgit60 am 15 Nov 2022 20:13:00

Säcker hat geschrieben:Vielen Dank, Birgit, für diesen wunderbaren Bericht mit den schönen Bildern. Ich liebe deinen trockenen Humor mit dem du deine Gedanken zu den Befindlichkeiten des Camperlebens würzt


Lieber Hans-Werner und liebe Lena,

danke für das Kompliment. Ja, mitunter kann man sich auch mal selbst auf die Schippe nehmen. Wobei dieser Bericht eigentlich eher langweilig war, denn wir verbummelten viel Zeit in La Londe, was aber auch sehr gut tat. Wenn ihr Interesse habt, könnt ihr gerne mal unsere Spanienreise vom Juni ansehen, da gibt es viel Neues und auch genug "Pech und Pannen" aber überaus lustig (im Nachhinein).
--> Link

Übrigens hatten wir letztes Jahr zur Tour de France am Mont Ventoux ja fast dasselbe Ziel. Leider mussten wir auf Sault ausweichen. Wäre bestimmt nett gewesen, wenn wir uns zufällig in Frankreich mal über den Weg gelaufen wären. Dieses Jahr wart ihr ja auch wieder dabei, wir hingegen sind eher zufällig auf unserer Heimfahrt fast in Dôle hineingeraten.

Liebe Grüße
Birgit

Säcker am 15 Nov 2022 23:58:21

Die Spanienreise werde ich noch schauen, und für die Tour de France im nächsten Jahr haben wir auch schon unsere Ziele.

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