Aber auch nur sehr ungefähr. Ich versuch noch mal deine gute Erklärung ein bisschen zu verbildlichen:
Alle hier wichtigen Prozesse laufen an der negativen Elektrode ab. Die besteht aus Grafit, das hat eine Schichtstruktur. In diese Schichten geht das Lithium beim Ladevorgang rein, wie Bienen in die Wabengasse. Und bei Kälte werden die Bienen immer langsamer. Irgendwann so langsam, dass es einen Stau gibt, und eine Traube Bienen aussen vorlagert. Bei der Elektrode entspricht das metallischem Lithium, dass sich auf der Oberfläche bildet, statt in die Schichten zu gehen (Interkalation). Dieser Prozess wird bei den Y-Zellen erleichtert durch, was weiss ich, grössere Fluglöcher.
Dieses Bild soll auch zeigen, dass die Welt nicht Schwarzweiss ist, da gibt es jede Menge Grautöne. Der Vergleich mit "Einfrieren" ist völlig falsch, es gibt keine feste Temperaturgrenze. Je kälter, desto langsamer die Bienen, aber ob es einen Stau gibt, hängt entscheidend mit davon ab, wieviele Bienen pro Zeit ankommen. Mit sinkender Temperatur sinkt also auch der verträgliche Ladestrom über einen sehr breiten Bereich. Und dann ist das Plating noch reversibel, solange noch Kontakt zur Elektrode besteht - beim Entladen kehrt sich das also um. Das gilt allerdings dann nicht mehr, wenn sich Li-Partikel ablösen und keinen Kontakt mehr haben, die sind weg. Ich kann nicht sagen, wieviel das ist, aber von "massivem Kapazitätsverlust" kann hier keine Rede sein. Ausser mir gibt es ja noch andere im Forum, die es drauf ankommen lassen und LFP als Starterbatterie einsetzen. Die müssen auch bei Minusgraden ran, ein BMS verbietet sich und das Laden nach dem Start lässt sich auch nicht verhindern. Daher sind an der Stelle auch Winston-Zellen sehr zu empfehlen. Ich werde sie verwenden, wenn meine billigen Pouch Bags das Zeitliche segnen. Bislang halten sie sich aber gut.
Der Effekt tritt übrigens beim Entladen genauso auf, allerdings führt das nicht zu potentiellen Schäden. Überladen (mit zu hohem Strom) geht, überentladen nicht - da bricht dann einfach die Spannung ein und es kommt nicht mehr. Deutlich hörbar am sehr müden Anlasser bei Temperaturen wie jetzt. Wird aber schnell besser, weil sich die Batterie durch den Startversuch erwärmt und leistungsfähiger wird.
Im Aufbaubatteriebereich finde ich die "Temperaturangst" sogar ein bisschen lächerlich. Das einzige realistische Szenario, welches zu einer geringen Schädigung der Batterie führen könnte, ist 1. starker Frost mit sehr kaltem Fahrzeug 2. deutlich entladene Batterie 3. kräftiger Ladebooster 4. Motorstart. Wer im Winter nicht fährt, oder eine
Solaranlage hat, die die Batterie schön voll hält, oder keinen Ladebooster hat, muss sich keine Gedanken machen. Und für die Freunde der Gürtel-und-Hosenträger-Automation gehört der Temperatursensor an den Ladebooster und nicht an die Batterie.
Gruss Manfred