Moin,
bei unserem recht neuen Ahorn Canada AS ist das untere von drei Türscharnieren an der Aufbautür gebrochen, wenige Tage vor der Abreise.
Eine schnelle Reparatur ist unumgänglich - der Türfeststeller wirkt wie ein Hebel, es würde ohne Reparatur wohl nur Tage dauern, bis die anderen Scharniere auch nachgeben:
Such, such, such - es gibt das Scharnier scheinbar nicht als "Normteil", sondern speziell nur vom Aufbau- /Türhersteller. Ok, Ahorn Speyer angerufen und tatsächlich haben die es auf Lager. Versand Expreß? Nein, machen die immer als Warensendung mit DHL. Na gut, bestellt und gleichzeitig Plan B aufgerufen. Ich habe da ja auch so meine Erfahrungen mit Paketdienstleistern ... wir wollen in wenigen Tagen los, also wird es Zeit, über eine Alternative nachzudenken.
Meine Suche fördert nach langer Zeit ein wenigstens ähnlich aussehendes Scharnier bei Hornbach zutage. Ok, geholt und drangehalten: es paßt!
Ich entschließe mich, es oberhalb des originalen Scharniers einzubauen. Dann habe ich den originalen Platz frei für das Originalteil, wenn es denn mal kommt.
Ich bereite also Scharnier Hornbach vor: es müssen vier Löcher für vier Nieten gebohrt werden, die Schraubenlöcher für die Schrauben an der Tür müssen als Langloch aufgefeilt werden.
Anzeichnen und körnen:
Löcher 4mm bohren und leicht ansenken (entgraten):
Die Drehachse des Scharniers so ausrichten, dass sie möglichst ganz genau oberhalb der Drehachse des originalen Scharniers in einer Flucht sitzt, sonst klemmt es nachher, wenn beide Scharniere eingebaut sind! Dann Löcher 4mm am Rahmen anzeichnen und ebenfalls bohren:
Scharnier mit Blindnieten am Türrahmen vernieten:
Jetzt noch den Scharnierflügel mit den Gegenstücken in der Tür verschrauben (2 Schrauben). In der umlaufenden Nut sind zwei viereckige Stückchen Stahl mit einem M5-Gewinde drin. Also so eine Art "Vierkantmutter". Die nehmen die Schrauben auf und halten sich selbst in der Nut.
Genau in diesem Moment erscheint der Postbote und bringt mir tatsächlich das am Donnerstag in Speyer bestellte Scharnier!
Jetzt habe ich meine Notlösung fest und das Originalteil - also baue ich das Originalteil auch noch ein.
In der Türnut habe ich aber nur zwei kleine "Vierkantmuttern". Ich brauche mindestens drei. Also in die Werkstatt, 15 mm Flachstahl genommen, abgesägt, gebohrt, Gewinde geschnitten (M6) und eine möglichst wenig "auftragende" (flache) Schraube gesucht /gefunden.
Das Altteil muss entfernt werden, zwei Schrauben an der Tür und zwei Schrauben am Türrahmen, dann noch vier Nieten. Die Nietköpfe müssen dazu abgefräst werden - mit einem kleinen Fräskopf am Dremel in Sekunden erledigt. Keinen Schleifkörper verwenden, es ist Alu und schmiert jeden Schleifstein zu! Haltet den Dremel fest - wenn der abrutscht, blöde Schramme.
Gottlob habe ich noch genug Nieten und nehme die größten, die in die Löcher passen. Viermal knack, und das Teil sitzt wie neu:
Dann noch das Flacheisen in die Nut gefummelt, und das obere Scharnier festgeschraubt:
Die Schraube war die mit dem flachsten Kopf, die ich fand. Ich besorge noch eine richtige, damit das ordentlicher aussieht. Aber wichtiger: es hält, und die Tür knackt und klemmt nicht, sie sitzt super gerade im Rahmen und vor allen Dingen können wir jetzt los!
Ursachenforschung
Warum ist das Scharnier gebrochen? Verdacht auf Hebelwirkung - jemand lehnt sich gegen die Tür und mit dem Türfeststeller unten an dieser blöden Stelle - knack. Nein! Das ausgebaute Scharnier sitzt unverrückbar bombenfest - festgegammelt! Der (ganz schön mickrige) Bolzen ist Stahl, nicht mal Edelstahl, der Rest Aluminium. Stahl und Alu kann ja nicht gutgehen. Es ist festgegammelt und dann abgebrochen.
Alternativensuche
So, das Originalteil kostet etwa 45 €. Da sag' ich jetzt mal lieber gar nichts zu. Ich habe bei Hornbach ein Scharnier von Hettich gekauft: "Lamellentürscharnier 88x29 mm, vermessingt, Art.-Nr. 6826251 für 2,40 €. Sicher muss ich hier gelegentlich mal schauen, ob die Alunieten mit dem Stahlscharnier reagiert haben.
Werkzeug
Akkubohrmaschine, 4mm Bohrer, Senker, Schraubendreher Torx, Dremel mit Fräskopf, Blindnietzange mit Nieten, Cuttermesser, Spitzzange, Staubsauger.
Worauf achten?
Bohren - Vorsichtig in den Türrahmen, das ist ein "komisches" Profil und der Bohrer verhakt sich gern innendrin. Und nicht zu tief!
Nietköpfe wegfräsen - Dremel gut festhalten! Schutzbrille tragen, das elende Aluzeug ist wirklich fix im Auge. Und es ist eine Schweinerei, gerade bei Zugluft fliegen die Späne.
Auf Schrauben aufpassen - die können bei diesem Fahrzeug unter den Türrahmen kullern und dann ist das Heidenarbeit, die da wieder mit Magneten rauszufischen.
Exakt arbeiten - Scharnierachsen müssen senkrecht übereinander stehen und fluchten. Was nicht fluchtet, muss sich irgendwie später biegen = Belastungsbruch vorprogrammiert.
Scharniere sogar noch öfter schmieren - wir haben jedes Jahr zweimal mit Silikonöl geschmiert, jetzt werden wir das noch öfter tun.
Fazit
Das hier sollte keine High-End-Reparatur werden. Ob man das jetzt wahrnimmt (ja, wenn man genau hinsieht, fällt das "goldene" Teil natürlich auf) oder ob das ästhetisch gelungen ist, das ist mir ehrlich 100% sowas von mumpe. Ich wollte rechtzeitig die Tür wieder sicher gebrauchsbereit haben - Ziel erreicht. Wäre das Originalteil nicht rechtzeitig gekommen, so hätte das nicht unsere Abreise verhindert. Ehrlich gesagt hätte ich mir rückblickend die 45 € gespart und nur die Hornbach-Alternative verbaut, wenn ich 100% gewusst hätte, dass es so einfach ist und so gut funktioniert.
Bei Wartezeiten für die Werkstatt von 6 ~ 8 Wochen und Lieferzeiten für Ersatzteile von "unbekannt" bis "gerade nicht verfügbar" lohnt es sich, auch mal über den Zaun zu gucken.
Andy

