nur eine Verständnisfrage: wenn man einen Solarkoffer an die Fahrzeugbatterie klemmt und die irgendwann keine Ladung mehr nimmt, lädt der Koffer dann die Aufbau-Batterie weiter?
Bestimmt 99 % der Womos haben als Starterbatterie eine Bleibatterie irgendeiner Art, meist die wartungsintensiven billigen Blei-Säure-Batterien oder die wartungsfreien AGM-Batterien. Diese Bleibatterien haben ein ganz bestimmtes Ladeverhalten.
Dieses kann man am ehesten mit einem Raumschiff vergleichen, das Richtung Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Je näher das Raumschiff der Lichtgeschwindigkeit kommt, desto schneller steigt die erforderliche Energiemenge an, um noch ein kleines bißchen schneller zu werden. Zuletzt geht die erforderliche Energiemenge gegen unendlich für eine winzige Geschwindigkeitsteigerung.
Bei einer Bleibatterie ist das Ladeverhalten ähnlich. Ist die gespeicherte Lademenge gering, lädt die Bleibatterie fast linear, d.h. 1 Ah Ladeenergie bringt fast 1 Ah gespeicherte Energie. Je voller eine Bleibatterie wird, desto mehr Ah Ladung werden benötigt, um 1 Ah Energie in der Batterie zu speichern.
Fazit: Ein kleiner Solarkoffer wird eine Starterbatterie mit größter Wahrscheinlichkeit nicht voll- bzw.
überladen können.
Dazu braucht man schon eine große Energiemenge und dann beginnt eine Bleibatterie zu "kochen" und eine Elektrolyse des Wassers in der Batteriesäure beginnt, also die Spaltung in Sauerstoff und Wasserstoff und irgendwann macht es dann Bumm. Auf alle Fälle sinkt dabei der Säurespiegel in der Batterie und überall, wo die Bleiplatten dann aus der Säure heraus sind, ist die Bleibatterie irreversibel kaputt.
Auf alle Fälle ist es in meinen Augen sinnvoll, einen Solarkoffer nicht direkt an die Starterbatterie zu klemmen, sondern einen kleinen Solarlader zwischenzuschalten. An diesem kann der Batterietyp und damit die Ladekurve eingestellt werden. Ist eine bestimmte Spannung erreicht, schaltet der Solarlader auf die Erhaltungsspannung, d.h. er verhindert, dass eine Batterie überladen wird. Ein Solarlader verhindert auch eine Überspannung an der Batterie. Ein 12 V-Solarmodul bringt nämlich mehr als 12 V Spannung, im Extremfall bis etwa 22...23 V.
Weil die Ladekurve einer Bleibatterie so ist, ist eine Bleibatterie nicht gut mit einer PV-Anlage kombinierbar, weil eben zu viel Solarstrom beim Laden verpufft.
Eine LiFePO4-Batterie lädt bis zuletzt etwa proportional, d.h. aus 1 Ah Ladeenergie wird fast eine Ah Lademenge in der Batterie. Eine LiFePO4-Batterie kann also aus der gleichen zugeführten Strommenge deutlich mehr Strom speichern. Das ist für PV-Anlagen von großem Vorteil, da die erzeugte Strommenge besser ausgenutzt wird. Um eine Überladung zu verhindern, wird die Ladekurve am Solarregler eingestellt und außerdem sollte das BMS eine Überladung verhindern.
Aber eine LIFePO4-Batterie ist per se nicht gut als Starterbatterie geeignet. Um einen Kurzschluss zu vermeiden, begrenzt das BMS die max. Ampere-Zahl (z.B. auf 100 A) und die ist für einen Startvorgang eines Verbrennermotors zu gering. Eine Starterbatterie aus Blei kann dagegen kurzzeitig, also während des Startvorganges, eine große Strommenge abgeben, wahrscheinlich deshalb, weil der Innenwiderstand der Bleibatterie sehr viel höher als bei einer LiFePO4-Batterie (LFP) ist.
Zur Ausgangsfrage:
Wenn man ein moderneres Womo hat, dann hat dieses eine intelligente Lichtmaschine, die dann herunter regelt, wenn die Starterbatterie eine bestimmte Lademenge erreicht hat. Dadurch lädt eine intelligente Lichtmaschine eine Aufbaubatterie nicht nennenswert. Um auch mit der herunter geregelten Lichtmaschine die Aufbaubatterie laden zu können, wird, begonnen ab 2017 bei Luxuswohnmobilen), ein Ladebooster dazwischen geschaltet. Am Ladebooster kann man die Art der Batterie und damit die Ladekurve einstellen. Der Ladebooster erhöht dann die Ladespannung entsprechend der eingestellten Ladekurve, so dass die Aufbaubatterie(n) geladen werden.
Hat man einen Solarkoffer an die Starterbatterie angeschlossen, wird die Bleibatterie weiter als etwa 60 % geladen (beachte aber das o.g. Ladeverhalten einer Bleibatterie). Wenn man noch ein älteres Womo hat, z.B. vor 2010, dann wurde noch keine intelligente Lima verbaut und deshalb war kein Ladebooster erforderlich. In diesem Fall könnte es sein, dass mit der Ladung der Starterbatterie eventuell auch die Aufbaubatterie etwas abbekommt. Da kenne ich die alte Fahrzeugelektrik zu wenig.
Bei einem Ladebooster in einem neueren Womo müßte ja der PV-Strom erst einmal den Ladebooster überwinden. Dazu kenne ich das diesbezügliche Verhalten des Ladeboosters nicht und es gibt ja auch unterschiedliche Fabrikate. Es könnte sein, dass der Ladebooster erst anspringt, wenn die intelligente Lima die Spannung herunter regelt. Dann wäre es unwahrscheinlich, dass der Ladebooster Strom in die Aufbaubatterie leitet, wenn die Starterbatterie mit einem Solarkoffer geladen wird. Man weiß es erst genau, wenn man das einmal mit einem Amperemeter nachmisst oder wenn die Aufbaubatterie(n) einen Batteriecomputer haben und der Strom eine Mindestgröße hat, so dass der Batteriecomputer diesen anzeigen kann.
Wir haben einen Batteriecomputer von Victron nachgerüstet, der alle ein- und ausgehenden Strommengen der Aufbaubatterie(n) anzeigt und ich glaube auch, speichert. Der Hauptgrund war jedoch, dass der Batteriecomputer auf ein Prozent genau den Ladezustand der Aufbaubatterie(n) anzeigt, während die werksseitig eingebauten Panels nur eine Spannung an der Aufbaubatterie anzeigt. Der Batteriecomputer würde es anzeigen, wenn bei den Aufbaubatterien ein nennenswerter Strom ankommt.
Ob ein Solarkoffer überhaupt Sinn macht, ist eine ganz andere Sache. Ich halte aus verschiedenen Gründen nicht viel von diesen. Dazu gibt es sicher einige Threads in diesem Forum.