Gestern abend war "unser" zuletzt benutzter Stellplatz leider schon belegt, so fuhren wir die Straße zum Vikosbalkon bis an deren Ende, dort war sie eben und bot sich als ideales, ruhiges Plätzchen für eine Übernachtung an. Irgendwann in der Nacht tauchten Autoscheinwerfer unsere Schlafhöhle in helles Licht, die inneren Alarmglocken schrillten und mit adrenalingeschwängertem Blut öffnete ich die Aufbautür, um zu zeigen, daß ich wach und werhaft war. Schnell beruhigte ich mich wieder, ein weiterer Weltenbummler hatte seinen Platz für diese Nacht gefunden, ein kurzer "alles in Ordnung" Wink mit der Hand und ich verschwand wieder im Innern.
Im Urlaub zieht es mich sobald es hell ist nach draußen, diesmal kam noch die Neugierde über den nächtlichen Neuzugang dazu. Die Besatzung des roten VW Busses war schon am Frühstücken, es wurde ein verschworenes "Guten Morgen" ausgetauscht und der Tag nahm seinen Lauf.
Das Drehbuch des heutigen Tages sah einen Stellplatzwechsel nach Micro Papingo vor, bildet doch dieser kleine Ort die Ausgansposition unserer zweitägigen Wanderung mit dem Ziel Dragon Limni (Drachensee), ein kleiner, schön gelegener Bergsee.
Die geplante Route führt über Aristi nach Macro Papingo und von dort weiter nach Micro Papingo.
Allerdings mussten vorher einige wichtige Angelegenheiten geregelt werden, es wurde höchste Zeit für die Entsorgung, frisches Wasser kann man auch nie genug haben und der Kühlschrank glotzte mich mit leeren Fächern an. So fuhren wir auf halbem Weg zwischen Monodentri und Aristi nach links ab, mit dem Ziel Kalampakia. Dort fanden wir einen Supermarkt sowie eine Tankstelle, deren freundlicher Betreiber beinahe beleidigt war, als ich ihm die Lösung unserer Entsorgungsprobleme und den vollen Frischwassertank entgelten wollte.
Noch kurz ein Ereignis am Rande, das ich dem Leser nicht vorenthalten möchte: Auf der Strecke nach Kalampakia mußten wir wegen Mißachtung unserer Vorfahrt durch "Griechen" die Bremsen des Womos gründlich testen.
Als ich mir die "Griechen" dann so ansah, ging mir folgender Spruch durch den Kopf:
"Als Gott die Welt erschuf, hat er von Eile nichts gesagt".
Mittlerweile wurde es unerträglich warm (um es vorweg zu nehmen, dieser Tag stellte den Rekord mit 38 Grad Celsius auf), da kam es uns sehr gelegen, daß in unserem Reiseführer zwei Wasserattraktionen auf dem Weg nach Micro Papingo erwähnt wurden.
Die erste schöne Stelle welche zum Verweilen einlädt, ist ein schattiger Platz am Ufer eines alten Bekannten: dem Voidomatis. Nicht weit von der Stelle, an welcher der Voidomatis die Vikosschlucht verläßt, führt eine kleine Brücke über den Fluß, nach der Brücke (in Richtung Osten) beginnt der Pindos Nationalpark.
Dieses kleine Idyll ist der ideale Rastplatz, zumal die mächtigen Platanen Schatten im Überfluss spenden.
Der Hunger gesellte sich dazu und so wurde kurzerhand beschlossen, die Womo-Küche ihrem Zwecke zuzuführen. Der Witterung angepasst gab es - wieder einmal - Dorfsalat, den kennt jeder, oder?
Salat mit Tomaten, Zwiebeln, Olivenöl , Schafskäse und Rigani, der Klassiker schlechthin.
Ein kleines Nickerchen gab der Pause den letzten Schliff.
Die Straße klettert in verwegenen Serpentinen nach oben, Richtung Macro Papingo, und wir mit ihr. Zwischen Macro- und Micro Papingo findet sich die zweite Wasserattraktion, das schönste Naturfreibad, das ich je geniesen durfte.
Ein kleiner Bergbach hat in das geschichtete Felsgestein wunderschöne Rinnen und Gumpen gegraben, in welchen sich vortrefflich baden läßt.
Das Wasser war nicht wirklich kalt, nur das erste Eintauchen kostete Überwindung, da der Körper ziemlich aufgeheizt war; einmal drin, war es das reinste Vergnügen.
Dieser hier war der tiefste Gumpen, wenn ich auf dem Grund stand, konnte ich die Hände gerade noch über die Wasseroberfläche strecken. So kam er mir gerade Recht, um an meinen Wasserbomben zu feilen.
So wie es scheint, bevorzugen Waldameisen wärmeres Wasser.
Ist es nicht herrlich, wie die Natur es schafft, diese weichen und runden Formen hervorzubringen (die vom Wasser geformten Felsen, und so ...)
Nach ausgiebigem Planschen waren wir soweit abgekühlt, daß wir uns trauten, in den auf dem Parkplatz wartenden Backofen einzusteigen. Wir waren noch nicht ganz abfahrtbereit, da wäre ich am Liebsten wieder in die Gumpen gesprungen.
Nein, eine Aufbau-Klimaanlage haben wir nicht, irgendwie muß man ja auch noch spüren, daß man in Griechenland ist, aber, wenn das Womo jetzt angenehm kühl wäre ...? Nix da, gschbard wird!
Jetzt galt es nach Micro Papingo zu kommen, um dort den einzigen ebenen Stellplatz, vor der Kirche, neben der Telefonzelle (so steht es im Reiseführer), zu ergattern.
Im Ort angekommen gab's lange Gesichter, der Platz war belegt, und auch jeder weniger gerade war es. Aber Waldameise hatte bei der Auffahrt ein Parkplatzschild gesehen. Nach einem wackeligen Wendemanöver auf dem schrägen Kirchplatz fuhren wir 100m zurück. Tatsächlich, im spitzen Winkel führt eine Straße, genauer gesagt ein Weg, steil nach rechts-hinten-unten.
"Da komm ich nie um's Eck", brummelte ich, drehte eine Straße weiter unten um und lies Waldameise aussteigen, um mich einzuweisen, damit sie die Womo-Unterseite davor bewahrt, mit der Straßenoberfläche anzubandeln.
Schon gut schräg, oder?
Unten angekommen stellte sich heraus, daß wir einmal mehr den Friedhofsparkplatz für die Nachtruhe erwischt haben; bisher machten wir damit nur gute Erfahrungen.
Der Platz war groß, eben und schattig, nur stank es etwas heftig nach Stall, obwohl kein Stall zu sehen war.
Nachdem das Womo seinen Platz gefunden hatte, auf welchem es die nächsten zwei Tage stehen konnte, kamen wir uns beinahe wie Hoteltouristen vor.
Rollengerecht wurden neue Klamotten angezogen und wir durchstreiften am frühen abend auf der Suche nach einer Taverne den Ort.
Neben der Kirche steht eine wunderschöne Platane, die - wie sicher schon an weiteren ungezählten Abenden - dem Gespräch der Alten lauschte.
Tavernen fanden wir keine, es gibt nämlich nur eine einzige, na gut, dann nehmen wir eben diese. Das Essen war wirklich gut, und wenn man sich im Preis ein Ticket für den tollen Aussichtsplatz enthalten vorstellt, war es geradezu billig.
Die Essen ist verzehrt, die Gläser sind leer und der Tag ist hinter den Bergen verschwunden.
Zeit also, schlafen zu gehen, denn morgen steht uns der Höhepunkt unseres Aufenthaltes hier im Pindos Gebirge bevor: Die Wanderung zum Dragon Limni, inklusive einer Übernachtung am Ufer des Sees.
Mittwoch, den 28. Mai
Einmal mehr war frühes Aufstehen angesagt. Für den Weg bis zum See waren zwar nur sechs Stunden veranschlagt, allerdings wollten wir bei der herrschenden Hitze eine möglichst große Strecke hinter uns bringen, bevor uns die Sonne zusätzlich einheizt.
Der Anstieg erfolgt gen Osten, so daß der Berg für längere Zeit Schatten spendet.
Die Rucksäcke waren schnell gepackt, Zelt, Jacken, Proviant und Wasser, das war es im Wesentlichen. Auf unserer Karte waren in kürzeren Abständen Quellen eingezeichnet, aber hier gingen wir auf Nummer sicher.
Der aufmerksame Leser hat sicher längst die zwischen den Zeilen versteckten Andeutungen gefunden, mit welchen ich eingestehe, daß ich noch daran arbeite, das Wandern wirklich zu lieben.
Doch, auch mich begeistern schöne Landschaften und auch ich genieße die tollen Ausblicke von oben nach unten, wenn da nur nicht das von unten nach oben kommen wäre.
Das mußte gesagt sein, damit niemand auf die Idee kommt, mir hätte das Frühstück nicht geschmeckt, oder dergleichen; nein, mein gequälter Gesichtsausdruck spiegelt nur meine Sorge wieder, die über 1000 Höhenmeter, ohne schlapp zu machen ,hoch und wieder runter zu kommen.
Die ersten Meter sind geschafft. Der Blick zurück zeigt die Westhänge der Berge noch im Schatten.
Kurze Zeit später erreichten wir die erste Quelle.
Die Jahreszeit war für die Wanderung wie geschaffen, im uns umgebenden Blumenmeer waren alle Farben vertreten. Wie macht die Natur das bloß, daß das so gut aussieht? Wenn ich zuhause in dieser Farbkombination die Wände streichen würde, liefe sicher jeder davon.
Irgendwann war es dann soweit, wir näherten uns der Baumgrenze und ab und zu schauten wir der Sonne in's Gesicht.
Die Schatten schmolzen in der Sonne dahin.
Die in der Karte vermerkten Quellen haben wir alle vorgefunden, und sie führten alle auch Wasser, mal weniger, meistens überreichlich. Sie füllen die Tröge, damit auch die Vierbeiner das Wasser geniesen können. Außer Gelbbauchunken, die in den Trögen "toter Mann" spielten (O-Ton Waldameise), haben wir jedoch keine Tiere an den Tränken vorgefunden.
Für uns war es jedesmal das pure Vergnügen, sich der Rucksäcke zu entledigen und für ausreichende Innenkühlung zu sorgen.
Als ich mal wieder den Kopf hob, schaute die Schutzhütte zu mir herunter. Das Wort "Hütte" deutet an der Wirklichkeit vorbei. Es ist schon ein ausgewachsenes Haus aus Stein, auf der Hangseite drei Stockwerke hoch.
Die Schutzhütte vor Augen (und das unangenehme Gefühl, daß von dort jemand zuschaut) beflügelten unsere Schritte, jetzt noch ein kurzer Endspurt ...
und wir wurden von heftigem Hundegebell begrüßt.
Ob wir Angst vor Hunden hätten, wurden wir gefragt, und wir sollten das nicht zu ernst nehmen, die junge Hündin würde gerade dazu erzogen, zu Fremden nett zu sein.
Darf ich vorstellen, von links nach rechts:
Der 12-jährige Rüde, der Chef des Hauses und die junge Hündin.
Zu unserer Freude konnte man in der Hütte richtig essen, also bestellten wir Spagetti mit Hackfleisch und Tomatensoße und dazu Kaffee, normalen, ohne Satz.
Für das Essen haben wir einen Tisch im Freien gewählt, bei diesem Himmel ein Muß, wenn mir auch die Sonne mächtig auf die Platte schien.
Während wir auf das Essen warteten, kamen weitere Bewohner des Anwesens, getrieben von der Neugierde, um uns ihre Aufwartung zu machen.
Zuerst mal dieses Tier hier (ein Muli, glaube ich)
Dann bimmelte es unten an der Ecke und drei Pferde erschienen.
Seht ihr es auch, auf dem Bild da oben? Die Frauen halten wieder mal zusammen.
Die Hündin stellt sich neben Waldameise, als ob es ihre angestammte Aufgabe sei, sie vor der Herde wilder Pferde zu schützen, und ich, ich werde allein gelassen, obwohl Mulis bekanntermaßen viel heimtückischer sind.
Das Gebimmel (alle Tiere hatte Glöckchen um den Hals) rief die Cheffin auf den Plan, bewaffnet mit einem Strohbesen, der den Tieren kein Unbekannter schien. Das Heben des Besens reichte, und wir waren die Vierbeiner wieder los (und mit ihnen die meisten der Fliegen).
Nach einer kurzen Verdauungspause versahen wir die Rucksäcke wieder mit Beinen, und weiter ging es, zu meinem Leidwesen bergab!!
Rechts im Bild, so beim Übergang von 2-ten zu 3-ten Drittel des Bildes, ist der Horizont etwas tiefer, unterbrochen von einem kleinen grünen Dreieck, welches sich über den Horizont erhebt.
Zwischen diesem Dreieck und dem weiter links aufragenden Fels liegt unser Ziel; und wir laufen bergab?!
Unten angekommen hatten wir in alle Richtungen fantastische Ausblicke. Im See spiegelten sich die Berge und der blaue Himmel.
Und Blumen gab es im Überfluss. Ich mag besonders die Blauen; hier war die ganze Wiese blau, es tat mir beinahe Leid, durch diese Pracht hindurchlaufen zu müßen.
Dieser Prachtkerl hier wollte sich nicht photographieren lassen. Immer wenn ich beinahe die richtige Entfernung hatte, machte dieser muntere Hüpfer einen gewaltigen Satz, und die Pirsch begann von Neuem. Aber ich habe ihn dann, dank Autofokus, doch noch überlistet, indem ich ihm die Kamera am langen Arm entgegenstreckte und selbst möglichst still auf Distanz blieb.
Am anderen Ende des kleinen Tals sollte nach kurzem Anstieg eine weitere Quelle sein. Wir spähten umher, konnten aber nichts entdecken. Nach einigen Schritten blieben wir erneut stehen, da war doch ganz eindeutig ein Plätschern zu hören. einige Schritte zur Seite, und wir standen auf nassem Grund. Die Quelle bahnte sich an mehreren Stellen einen Weg ins Freie, unspektakulär, aber in der Summe doch recht ergiebig. Wir gingen dem Plätschern nach an fanden die Stelle, an welchem durch ein in den Boden gestecktes Plastikrohr das Wasser in fingerdickem Strahl hervorquoll.
Schnell waren die Flaschen gefüllt. Das Wasser war so kühl, daß die Alu-Flasche richtig ins Schwitzen geriet.
Das letzte Stück des Weges zog nochmals steil nach oben, aber ich habe auf dem Weg hierher gelernt, daß man einfach kleine Schritte machen muß, immer im gleichen Rhythmus, einen nach dem anderen,
und plötzlich ist man da! Vor uns lag das Ziel der ganzen Plackerei.
Und jetzt verstehe ich auch, was der besondere Reiz solcher Wanderungen ist. Das Ankommen, zu Wissen, daß man etwas geleistet hat, daß man stolz auf sich sein darf.
Und wie stolz ich war!
Beinahe 1200 Höhenmeter an einem Tag!
Unterwegs habe ich mir öfters ausgemalt, wie schön das sein wird, wenn ich mich, endlich angekommen, im Gras faul austrecken darf, aber jetzt, die Strapazen hinter mir, jetzt sah das alles ganz anders aus.
Ich musste als erstes den See umrunden, Hügel rauf- und runterlaufen und das erreichte Ziel aus allen Blickwinkeln in mich aufsaugen.
Hier bin ich schon auf der Ostseite des Sees, den Blick nach Westen gewandt. Auf dem Höhenzug am Horizont liegt, links aus dem Bild heraus, die Schutzhütte. Unten rechts, am Seeufer, krabbelt Waldameise entlang und inspiziert die Stelle, an welcher wir unser Zelt aufstellen wollen.
Das wird das Panorama sein, wenn wir den Kopf aus dem Zelteingang strecken - gefällt mir.
Nachdem ich auch von Waldameise die Baugenehmigung erhalten habe, beginne ich mit der Erstellung unseres schnuckeligen Nestes.
Da Heringe auch nicht Nichts wiegen, haben wir diese im Womo liegen lassen, für die Befestigung der Spannleinen gab es genügend Steine, die seltsamer Weise genau im Kreis um den gewählten Stellplatz herumlagen.
Den Rest des Tages verbrachten wir damit, die Landschaft um den See herum zu erkunden, den Molchen, von denen es im See nur so wimmelte, zuzusehen, ab und zu kamen Wandersleut aus aller Herren Länder vorbei, die aber nur kurz rasteten und danach weiterzogen, mit denen haben wir "kommuniziert", viel Zeit verbrachte ich damit, den vereinzelt hochquellenden Wolken nachzuschauen.
Nachdem die Sonne so tief stand, daß sie hinter Bergspitzen verborgen war, gefroren die Schatten wieder. Das war für uns das Signal ein treffliches Abendessen zu uns zu nehmen (belegte Brot, im Rucksack überbacken, Obst und verformte Schokoriegel), zum Trinken gab es das herrliche Quellwasser.
Mit dem Schatten kam die Frische, wir haben deshalb recht früh unser Zelt bezogen, und müde wie wir waren, schliefen wir beinahe vor dem Schließen der Augen ein.
Donnerstag, den 29. Mai
Wieder waren wir vor der Sonne wach, diesmal war der harte Untergrund dem frühen Aufstehen äußerst hilfreich.
Nicht weit hinter dem Zelt kippte der Boden senkrecht nach unten. Die Hangkante war der ideale Platz, Apollo auf seinem mit Feuerrädern versehenen Streitwagen willkommen zu heißen.
Während Waldameise die Schlafsäcke verpackte, machte ich nochmals die Runde, um die in der Morgensonne veränderte Landschaft abzulichten.
Der See liegt noch im Schatten.
Das Zelt war schnell abgebaut und wir begannen unseren Morgenspaziergang, zur Schutzhütte, dort wollten wir frühstücken, Rührei mit Pilzen und Kaffee.
Der Weg war bekannt, aber die geänderte Richtung und die Sonne im Rücken ergaben völlig neue Eindrücke.
Ein Blick zurück nach Osten, immer noch erreichen die Sonnenstrahlen nicht den See.
Der Anstieg zur Hütte hat begonnen.
Oben angekomme, gab es eine kleine, aber wirklich nur kleine, Enttäuschung. Die Pilze waren alle, dafür war das Rührei war super, und der Kaffee sowieso.
Da das Warenlager auch andere Defizite aufzuweisen schien, war für die Betreiber der Hütte der nächste Einkaufsbummel angesagt. Jetzt erfuhren wir auch, welche Aufgaben das Muli und die Pferde hatten. Dafür, daß jedes Ei, jeder Pilz, jedes Körnchen Salz auf diese urtümlich anmutende Weise zur Hütte geschleppt werden müssen, waren die Preise der Mahlzeiten so gut wie geschenkt.
Nach dem Frühstück nahmen wir die Verfolgung auf, wurden dabei aber gründlich abgeledert. Wir haben auf der ganzen Strecke bis zum Parkplatz des Womos auch nicht nur ein einziges Schweifhaar eines Pferdes gesehen.
Aber dann waren sie plötzlich alle wieder da, hinter dem Womo, jetzt wussten wir auch, warum es an dieser Stelle so nach Stall roch.
An einem Ende des Parkplatzes befand eine verschlossene kleine Holzhütte, dort wurde von Lieferanten die bestellte Ware eingelagert und per Perdekarawane abgeholt.
Dem Beladen und dem Abtransport schauten wir noch zu, aber danach gab es kein Halten mehr:
Wo ist die Dusche!!
Wenn es Womos nicht gäbe, müsste man sie erfinden. War das einen Wohltat.
Gewaschen und in frischer Bekleidung sah die Welt gleich wieder anders aus.
ILeider habe ich versäumt, ein Photo von uns beiden nach der Ankunft am Womo zu machen, denn ich bin sicher, mein Gesicht hätte nicht mehr besorgt, sondern tief zufrieden ausgesehen.
Ich glaube, so langsam kann ich mich für das Wandern erwärmen.
Jetzt galt es bald Abschied zu nehmen. In den letzten Tagen war mir das Pindos Gebirge richtig ans Herz gewachsen.
Unsere Urlaubsplanung sah vor, daß wir vom Pindos aus über Kastoria, Limni Vegoritis, Edessa, Thessaloniki und Drama nach Hamokerasa fahren, um dort liebe Bekannte zu besuchen.
Für den heutigen Tag jedoch war unser Bedarf an Aktivität vollkommen gedeckt, wir wollten nur noch eine gute Taverne finden, nicht weit von einem brauchbaren Übernachtungsplatz entfernt.
Die Wahl des Platzes fiel uns leicht, da war doch dieser wunderschöne Platz am Ufer des Voidomatis, und ein Blick auf die Karte zeigte, daß der Ort Aristi nicht weit davon entfernt ist, seine Größe schien uns Garant dafür, dort eine vernünftige Taverne zu finden.
Also los, nach Aristi. Jeder gefahrene Kilometer, der uns näher an den Ort brachte, gab meiner Phantasie neue Nahrung: Vorspeise, klar doch, mal sehen, was es gibt. danach, etwas aus dem Ofen.
Nur, da wurde nichts daraus.
Die einzige offene Taverne, die wir fanden, bot nur Gegrilltes an, alle anderen Speisen, die die Karte zierten, gab es heute nicht. Also eben Gegrilltes und Pommes, den Bauch wachsen zu lassen verschieben wir auf Hamokerasa.
Als dann unser Schlemmermahl aufgetischt wurde, zeigte sich, daß das Fleisch vor dem Grillen wohl erst getrocknet worden war. Auch das ficht einen Dragon Limni Bezwinger nicht wirklich an, beruhigte ich mich, wohl aber der stolze Preis für die miese Ware.
Unten am Fluß dann, war das Dilemma schnell wieder vergessen, hatten wir doch einen traumhaften Stellplatz ergattert.
Nur, da wurde nichts daraus.
Wir standen noch nicht lange, da kam eine nette junge Dame vorbei und tat, was sie als Parkwächterin tun mußte. Sie klärte uns auf, daß wir uns ab dem Ostufer des Voidomatis im Nationalpark befänden und campieren hier verboten sei. Was soll man machen, sie hatte einfach Recht, wir haben das zu akzeptieren, beschlossen wir und suchten in den Reiseunterlagen nach einer Alternative.
Diese war, dank Herrn Schulz, schnell gefunden. Schrieb er doch in seinem Buch von einer alten Steinbrücke, etwas flussabwärts, die einen guten Stellplatz abgibt. Das Besondere daran ist, daß der Stellplatz auf der einen Seite der Brücke ist, der Nationalpark dagegen auf der anderen.
Der Stellungswechsel war schnell vollzogen und wir nahmen uns die Zeit, die Brücke zu besichtigen.
Als wir bei der Brücke einen Platz neben einer kleinen Kapelle als Schlafplatz auserkoren hatten, sah ich ganz in der Nähe ein kleines Auto, aus welchem eine nette junge Dame stieg. Nicht schon wieder, jetzt galt es, im Vetrauen auf Herrn Schulz, den Stier bei den Hörnern zu packen.
"Ist es richtig, daß wir hier auserhalb des Parkes sind und für eine Nacht hier stehen dürfen?", sprach ich die Despina an, diese schaute freundlich zurück und sagte, "Kein Problem, solange Sie auf dieser Seite der Brücke bleiben".
Na also, mit dem Segen der Parkwächterin schläft es sich gleich sorgenfreier.
Hier endet der erste Teil. Im zweiten Teil werde ich über die Fahrt nach Hamokerasa und den Aufenthalt dort, berichten.

