Hallo zusammen,
also ich versuche es noch einmal :-)
Wer den Bericht mit den Bildern lesen möchte, wir hier fündig: --> Link
Viel Spaß beim Lesen!
Grüßle
Waschbaer
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Und hier ist der Text pur, für Puristen oder Suchmaschienen :D
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Freitag, den 29. Mai
Abfahrt
Juhuh!! Schon wieder Urlaub ... und dazu auch noch der "Große".
Im letzten Winter hatten wir genügend Zeit, alle möglichen Urlaubsziele auf die Wunschliste zu setzen und per Kopfkino ausgiebig zu bereisen, "was mein'sde, doch lieber in den Süden?, oder bleibt's dabei - wie schon oft besprochen - in Richtung Norden?". Es blieb dabei - Schottland erhielt den Zuschlag. Zu oft schon hatten wir vor, Schottland zu bereisen, aber immer kam etwas dazwischen oder verschoben sich kurzfristig die Prioritäten.
Diesmal sollte es wahr werden und wir waren in den letzen Monaten eifrig am Sammeln von Informationen:
Wie ist das Wetter?
Wann fliegen die Midges?
Welche Kleidung wird benötigt?
Welchem Campingclub sollte man beitreten?
Wie soll die Route verlaufen?
Die Reise- und Wanderführer stapelten sich auf dem Schreibtisch, wetterfeste Kleidung wurde bestellt, probiert und umgetauscht und gelagert.
Die Route festzulegen war das Hauptproblem. Wir wollten beim ersten Kontakt mit Schottland möglichst viel vom Land erleben, wohl wissend, dass 3 Wochen Urlaub für eine Rundreise viel zu wenig Zeit sind, aber es sollte ein "Schnupperkurs" für weitere Reisen nach Schottland werden.
Deshalb haben wir für größere Städte so gut wie keine Zeit eingeplant, die sind alleine einen Urlaub wert, sondern der Schwerpunkt sollten die Highlands sein, möglichst weit nach Westen und Norden; und dem Wandern sollte genügend Zeit eingeräumt werden, denn Landschaft läßt sich nicht besser als zu Fuss erleben.
Ein Tag vor der Abfahrt gab es in der Firma nochmals richtig was zu tun, so konnte ich leider nicht, wie geplant, Waldameise beim Beladen des Womos helfen, es blieb alles an ihr hängen und so kam es, dass sie einige meiner Geheimstapel nicht kannte und deren Schätze nicht an Bord von Apollo 13 verfrachtet wurden. Unter diesen Schätzen befand sich unter anderem der wichtigste allgemeine Reiseführer, sowie meine neu erstandenen (Wander-)Hemden; aber dies bemerkten wir erst einige Tage später.
Am heutigen Morgen wurde das Haus für unsere Abwesenheit präpariert,Waldameise übernahm den letzten Check,
dann durfte Apollo 13 vom Startgelände abheben; Startzeit: 09:45.
Den ersten Halt gab es nach 2 km, auf dem Parkplatz des Baumarkt's, hier erstanden wir zwei volle 11kg Gasflaschen, denn wer weiss, wie kalt die Nächte werden ...
Für heute hatten wir vor, soweit nach Norden zu gelangen, so daß wir am folgenden Tag ohne grossen Stress die Strecke zum Fährhafen in Amsterdamm (Abfahrtszeit: 17:30) abspulen können
Um flott voran zu kommen fuhren wir die A3 bis kurz vor Köln, der Verkehr wurde immer dichter und die Staumeldungen im Radio immer ausgedehnter, auf der Höhe von Köln war es dann vorbei mit flott. Da wir genügend Zeit hatten, flüchteten wir bei der nächsten Gelegenheit quer durch Köln (das ging überraschend gut) und weiter nach Westen,
Die großen Städte brauchen Strom, und den kann man mit unterschiedlichen Technologien erzeugen. Eine Bereicherung für die Landschaft sind sie jedoch alle nicht.
Etwas versetzt von Köln und Düsseldorf ging es wieder in Richtung Norden. In Holland haben wir versucht, möglichst viel Landstrasse "einzubauen". Viel gab es trotzdem nicht zu sehen, jedes Gebäude versperrte die Sicht bis zum Horizont, aber reizvoll war es trotzdem.
Hier ist ein Bild eines typisch holländischen Gebäudes:
Wir kamen gut voran, ein Blick auf die Karte zeigte, dass als Tagesziel Horst an der Maas in Frage käme, dort wollten wir den ersten "Urlaubsabend" verbringen. Nach zwei Kreisen um die Altstadt (wir hatten den Parkplatz in einer Einbahnstraße zu spät gesehen..) war auch der Stellplatz für die Nacht gefunden - einen von der Hauptstraße durch eine Häuserreihe versteckten Parkplatz, der sich nach der Durchfahrt zwischen zwei Häusern wie ein großer Innenhof auftat. Nach dem Andocken ging es zu Fuß auf Futtersuche.
Die Sonne stand schon etwas tief und gab dem Stadtbummel einen besonderen Flair.
Unseren Hunger habe wir zünftig gestillt, zum Essen gab es als Beilage eine riesige Tüte Pommes, welche in einen speziellen Ständer in der Mitte des Tisches präsentiert wurde, umringt von kleinen Schälchen mit Dipp-Soßen. Das Lokal selbst lies mich eher glauben, in Italien denn in Holland zu sein.
Die Pommes machten durtstig, aber da Apollo 13 heute nicht mehr bewegt wurde, gab es nicht nur ein Bier gegen den Durst, sondern auch noch eines für die nötige Bettschwere.
Der Parkplatz für die Übernachtung erwies sich als ein Volltreffer, zurück vom Essen trafen wir den Platz beinahe leer und wunderbar ruhig vor, nur eine schwarze Katze nahm von uns Notiz und nach einer kräftigen Kraul-Session wollte sie nicht unbedingt verstehen, warum sie jetzt nicht in's Womo durfte. Ein letzter Blick zum nahegelegenen Kirchturm, und ich verschwand in der Luke - genug für heute.
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30. Mai
Auf die Fähre
Heute geht es auf die Fähre. Ich, der ich bisher immer gen Süden verreist bin, bin schon richtig auf die Nordsee, auf Ebbe und Flut gespannt. Da wir genügend Zeit hatten, nutzten wir das Traumwetter, um möglichst weite Strecken über idyllische Landstrecken zu fahren - begeistert war ich von den vielen traumhaften Alleen.
Das letzte Stück das Strecke blieben wir auf der Autobahn und erreichten nach einem Tankstop den Fährhafen in Ijmuiden (Amsterdam). Unser Schiff, die "King of Scandinavia" lag schon da und wurde für das Borden vorbereitet, während wir in der Hitze geduldig ausharrten.
Endlich an Board kletterten wir soweit wie möglich nach oben, des Windes und der Sicht wegen. Auf dem Deck war richtig was los, Livemusik und eine Bar heizten ein, oder sorgten für Kühlung - zum Tanzen konnte ich Waldameise nicht überreden (sie mich auch nicht!), aber ein kühles Getränk - Jawohl - Auf Schottland!
Endlich legten wir ab,
wir warteten noch, bis wir den Hafen verlassen hatten, dann bereiteten wir uns auf das Abendessen im Buffetrestaurant vor. Untergebracht waren wir in einer "Außen-vierer-Kabine", zu zweit, das klang verlockend komfortabel, aber die Realität ist dann leider öfters weniger angenehm. Die Kabine befand sich auf Deck 5, in der Kabine war es viel zu warm, extrem laut, und nach Gulli hat es gestunken. Die Gestankquelle war bald gefunden, es war der Ablauf der Dusche. Um die Götter gnädig zu stimmen, opferten wir ein Handtuch; dieses wurde in Wasser getaucht und auf den Gulli gelegt, und gut war es. Ein letzter Blick nach draussen, dann versuchten wir zu schlafen; morgen fängt der eigentliche Urlaub an, mit Linksverkehr ...
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31. Mai
Ankunft in Newcastle
Die Überfahrt nach Newcastle war das reinste Vergnügen, die Nordsee hat entweder nicht mitbekommen, dass ich auf dem Schiff war, oder sie war mir gnädig gestimmt. Jedenfalls war die See glatt und ruhig, der erste Blick aus der Luke präsentierte ein Bild, wie es sonst nur in Museen für moderne Malerei zu finden ist: Blau über Blau.
Als unsere Fähre den River Tyne enlang, zur Anlegestelle zuckelte, waren wir an der Reling und nahmen begierig die neuen Eindrücke auf, als ob wir auf einem anderen Kontinent gelandet wären. Allein auf dieser kurzen Strecke bieten sich Motive an, um ganze Bildbände zu erstellen. Stellvertretend habe ich ein Bild von einem - ja was? Boot? Schiff? Kahn? ausgesucht. Schaut euch dieses Bild (im Grossformat) ruhig mal eine Minute lang genau an, würdet ihr mit diesem Ding ablegen?.
Die Ankunftszeit in Newcastle: 09:00 GMT
Nach dem Verlassen der Fähre wurden alle Womos auf gesonderte Fahrspuren gelotst, dann hieß es erst einmal warten. Zollkontrolle! Wir mussten den Kleiderschrank öffnen, die Sitzbank über dem Wasserbehälter hochklappen, die "Garage" wurde ebenfalls inspiziert. Die freundliche Lady, die für Apollo 13 zuständig war, erklärte auf unsere Frage nach dem Warum: "Wir suchen nach illegalen Einwanderen, deshalb wird jeder größere Stauraum kontrolliert."
Dann endlich wurde ich auf die ahnungslosen Insulaner losgelassen: "Apollo 13, clear to leave"
"Links fahren! Links fahren!", ermahnte Waldameise, "Schön links bleiben!" - ermahnte ich mich selbst. Na, wer sag es denn, geht doch ganz einfach. Dann meldet sich das Navi: "Kreisverkehr, 2. Ausfahrt". "Was? äh - also rechte (unserer 2 linken) Spur aufsuchen, den von rechts kommenden Störenfrieden die Vorfahrt gewähren, die innere Kreisspur nach links fahren, nach der ersten Ausfahrt nach links auf die äußere Spur wechslen und bei der zweiten Ausfahrt den Kreis nach links - auf der ganz linken Spur - verlassen - hehe, geht doch... zumindest wenn ich so langsam fahre wie eben."
Aber warum sind die Hände so feucht - das kann nur an dem ganz und gar nicht englischen Wetter liegen, strahlend blauer Himmel und eine Sonne wie in Südeuropa.
Jetzt sind wir unterwegs, mit dem Ziel, die Insel von Ost nach West zu überqueren. Es sollte auf der A69 bis nach Hexham gehen, danach ein kurzes Stück gen Norden, der Hadrians Wall ist ein "Muss" (ich habe extra noch wenige Tage vor der Abfahrt den Film "König Arthur" zum wiederholten Male verschlungen), von dort weiter nach Westen in Richtung Carlisle und über die A74 nach Gretna Green. Danach eine Stipvisite zur Sweetheart Abbey und für das Nachtlager wollten wir einen geeigneten Platz danach aufsuchen. Also: Packen wir's!
Der Hadrians Wall
Der Parkplatz bot genügend freien Platz für unsere kleine Kapsel, die Sonne knallte vom wolkenlos blauen Himmel und lies mich eher an Sonnenschutz-Creme und Mütze denken, als an einen der vielen Pullover in den Wäschefächern. Der Weg vom Parkplatz zu den Ruinen der römischen Festung und den passablen Resten des Schutzwalles führte über Wiesen, und bot uns so die Gelegenheit für den ersten Kontakt mit jener Lebensform, die für den weiteren Urlaub stets präsent sein sollte:
Eine abgeklärte Schafs-Mamma mit zwei deutlich nervöseren Bälgern.
Und dann standen wir davor! Auf den Bildern ist links Norden, dort waren die Pikten und Skoten und auch die Sachsen kamen aus dieser Richtung, rechts der Mauer, im Süden, waren die Römer.
Wir folgten dem Wall ein gutes Stück zu Fuss. Der Verlauf der Mauer nutze das Gelände geschickt aus, wer angreifen wollte, musste dies von unten nach oben versuchen
Schade nur, dass das Wetter gar so prächtig war - ja liebe Waldameise, auch ich geniese die Sonne, aber die Bilder, das werden Postkartenfotos, Wolken, Nebel, Sonnenstrahlen die durch die Wolken brechen, das wäre mir jetzt lieber. Aber- Kopf hoch - es geht nach Schottland, das wird schon werden, mit den Wolken.
Gretna Green
Was mir spontan zu Gretna Green einfällt?
- Ein Halbsatz aus einem alten Schlagertext: Und mit dir wollt ich mal nach Gretna Green...
Ich habe das damals zwar nicht verstanden, aber gemerkt habe ich mir den Satz, warum auch immer.
- Tourismus, eine überlaufene Sehenswürdigkeit, die ausser Andenkenläden nicht viel zu bieten hat.
Auch wenn die Vorurteile zutreffen, es ist eben nur die halbe Geschichte.
Inspiriert durch einen Text aus dem Reiseführer habe ich mir vorzustellen versucht, welche Dramen sich hier abgespielt haben mochten:
Ein blutjunges Paar, für ihre Liebe bereit, den strengen Eltern zu trotzen, welches gerade eben vermählt wurde, dann im Gallop der verzweifelte, aufgebrachte Vater, der - das Schwert in der Hand - feststellen musste, dass er zu spät kam.
Wer möchte jetzt in der Haut des Bräutigams stecken?
Nein, Gretna Green sollte man nicht links liegen lassen, es gibt zu viele Denkmäler, die nur an Macht und Morden erninnern.
Waldameise - was geht dir soeben durch den Kopf?
Ja, stimmt! Schade, dass wir schon verheiratet sind ...
Sweetheart Abbey
Und weiter ging es Richtung Westen, bis wir den River Nith erreichten, an dessen Ostufer fuhren wir nördlich, jedoch ist Ufer nicht das richtige Wort, Strand wäre sicher auch passend. Nur - wo war das Wasser?
Wir folgtem dem Fluss aufwärts, bis nach Dumfries, in der Stadt ging es über die Brücke und danach am Westufer des River Nith wieder nach Süden, bis nach New Abbey
Und hier erhielten wir eine erste Lektion in Länderkunde: die Sweethard Abbey konnte nicht mehr (innen) besichtigt werden, wir waren zu spät! Es war immerhin schon kurz nach 17:00 Uhr. Diese Erfahrung, dass z.B. auch Läden für unsere Vorstellung sehr früh schliessen, mussten wir des Öfteren machen.
An die Abbey angrenzend gibt es einen Friedhof, von welchem aus sich das Gemäuer eindrucksvoll präsentiert. Der einzige Nachteil war, dass man gegen die Sonne schauen musste und die rote Farbe der Steine nicht zur Geltung kam.
Gegenlicht hat dafür seine eigenen Reize.
Hier kann man ahnen, welche Leuchtkraft das Gemäuer mit der Sonnen im Rücken haben muss.
Sandyhills Bay
Jetzt wurde es langsam Zeit, einen geeigneten Platz für die Übernachtung zu finden. Kurz vor Portling landeten wir einen Volltreffer: ein wunderschöner Campingplatz in der Sandyhills Bay, mit tollem Sandstrand und tagsüber regem Badebetrieb.
Nachdem wir einen traumhaften Stellplatz unser eigen nannten, mit Stromanschluss und Blick auf das Meer, war es an der Zeit, zum ersten Mal die schottische Küche zu versuchen.
Ausserhalb des Campingplatzes, wenige hundert Meter auf der anderen Strassenseite, gibt es ein Restaurant innerhalb eines kleinen Feriendorfes. Dort gönnten wir uns ein 3-Gänge Menü, inclusive Wein, zum schottisch/schwäbischen Preis von 14,90 Pfund!
Was es zu essen gab? Nun, unter anderem unser erstes Haggis, und zum Nachtisch Panoffe Pie bzw. Sticky Tofee Pudding mit Datteln! Mmmmhhhh!
Das war also der erste Tag, voller Eindrücke und durchweg positiver Überraschungen, toll, wirklich toll, nur der doofe blaue Himmel ...
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01. Juni
Fahrt nach Ayr
Nachdem wir gestern ein strammes Stück Weg absolviert hatten, wollten wir es heute geruhsamer angehen.
Nach dem Frühstück lockte der Strand, wir spazierten in der Bucht umher, soweit man trockenen Fusses gelangen konnte.
Unser Tagesziel war die Stadt Ayr, nordwestlich unserer Bucht. Wir nahmen uns vor, auf direktem Wege nach Ayr zu fahren und die gewonnene Zeit für einen kleinen Stadtbummel zu nutzen. Auf der Karte ist unser derzeitiger Campingplatz mit C008 beziffert, unser Ziel ist der Platz C024.
Der erste Teil der Strecke führte am nordöstlichen Ufer des Loch Ken entlang. Etwa in der Mitte des Loch, dort, wo von Westen das "Black Water of Dee" in den See mündet, ist ein kleiner Schotterparkplatz. Wenige Meter weiter befindet sich eine nicht mehr benutze Eisenbahnbrücke, welche über den schmalen Loch führt.
Der Rest der Strecke nach Ayr verlief unspektakulär, erst in Ayr selbst wurde es wieder spannend, da das Navi uns vorbildlich über alle Kreisverkehre zum Campingplatz führte, aber leider von der falschen Seite her. Der Weg wurde immer schlechter und endete auf einem Schotterplatz, vor einer Mauer mit verschlossenem Tor, dahinter lag der Campingplatz. Aber diesen einmal vor Augen war es dann leicht, die richtige Einfahrt zu finden.
Vor Antritt unserer Reise waren wir dem "The Caravan Club" beigetreten und die kommende Nacht war die erste, die wir auf einem clubeigenen Platz verbringen wollten. Ich muss schon sagen, auf der Insel verstehen die was vom Camping, Apollo hätte quer stehen können, so reichlich war der Platz bemessen.
Das Tollste aber war, jeder Platz hatte seinen eigenen Gärtner ...
Nach ausgiebiger Kaffeepause (mit dem Tee habe ich es nicht so) traten wir unseren Einkaufsbummel an. Der Campingplatz liegt direkt am River Ayr, so war es ein Vernügen, am Fluß entlang Richtung Altstadt von Ayr zu gehen. Der Fluß führte wenig Wasser (es war auch wieder einmal Niedrigwasser), die herausragenden Steine waren grün bewachsen und Seevögel aller Art tummelten sich im Flussbett.
Wir erreichten die alte Brücke (im Vordergrund), die nicht mehr befahren wird, und überquerten diese links über den River Ayr, hinein in das Getümmel der Stadt.
Wir machten fette Beute, ein sommerliches Kleid bei Marks & Spencer, dort gab es auch eine Lebensmittelabteilung (?), in welcher wir unseren Bedarf an Salat deckten. In der Stadt entdeckte Waldameise einen Metzger im Stil der 20er-Jahre (echt schräg, mit so nem komischen Hut auf, ist das immer so?) und da war klar, heute abend wird gegrillt.
Der Bummeltag kam uns heute genau richtig, morgen wollen wir nämlich unsere erste Wanderung wagen und den Ben A'an erklimmen.
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02. Juni
Wanderung auf den Ben A'an
Heute ist mal wieder Wandertag, in diesem Urlaub der Erste, da wollen wir nicht gleich übertreiben, gelle - Waldameise?
Zum Einlaufen war uns der Ben A'an gerade recht, ist er doch mit 454m nicht besonders hoch, aber der steile Anstieg fordert den Beinen doch ein wenig ab, und die tolle Aussicht, die der Wanderführer versprach, lockte zusätzlich.
Der Ben A'an liegt im Zentrum des Trossachs genannten Berglandes, östlich des Loch Katrine. Auf dem gezeigten Kartenausschnitt befindet sich Loch Katrine links ausserhalb des Ausschnittes, ist also nicht zu sehen.
Da wir Glasgow meiden wollten, ging es von Ayr zuerst nach Norden, in Richtung Largs, kurz vor Largs schwenkten wir nach Osten bis kurz vor Glasgow, umfuhren die Stadt im Uhrzeigersinn, bis wir im Norden von Glasgow waren, dann ging es geradewegs in den "Queen Elizabeth Forest Park", weiter nach Norden bis zum Loch Achray.
Der Womo-Reiseführer gab an, dass man, am Westufer von Loch Achray angekommen, die Strasse links zum Loch Katrine fahren soll, am Ende der Strasse gäbe es einen grossen Parkplatz, der sich für eine Übernachtung eigne. Dort angekommen gab es lange Gesichter, der Parkplatz war voll und ganz schön schräg, nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Also richteten wir die Schnauze von Apollo 13 nach Osten und nahmen erneut Fahrt auf. Wieder am Loch Achray angekommen, fuhren wir 300m am Nordufer gen Osten und erreichten, rechts zwischen der Strasse und dem Loch gelegen, den kleinen, geschotterten Wanderparkplatz, von welchem aus der Anstieg auf den Ben A'an beginnt.
"Der Platz ist doch super, hier bleiben wir", entschied Waldameise. Der Rest war Routine: Kühli auf Gas umstellen, Foto, GPS, Wanderführer, Wasserflasche in die Rucksäcke gepackt, die festen Schuhe angezogen und wir waren bereit.
Nach dem Überqueren der Strasse haben wir sofort die Wegweiser gefunden, die uns den Weg zum Gipfelglück anzeigten, Uii - ganz schön steil der Anfang...
Und es blieb dabei. Der Weg war wirklich steil und die Beine protestierten - wir seien doch im Urlaub - Ausspannen sähe gaaanz anders aus - aber ich hatte keine Chance Waldameisen's Meinung dazu einzuholen, denn dazu hätte ich sie erst mal einholen müssen.
Nachdem der erste Schock abklang, waren die Beine weniger sperrig und stapften gehorsam gen Himmel. Nach einiger Zeit flachte der Weg deutlich ab und wir erreichten eine kleine Lichtung, von welcher aus der Gipfel zu sehen war.
Tja, es gibt immer noch eine Steigerung, nach steil kommt steiler. Schlimm waren dabei die großen Felsbrochen, welche die Schrittweite -höhe vorgaben, mein Rythmus war es jedenfalls nicht, der mir hier aufgezwungen wurde.
Etliche Schweissperlen später war dann Zahltag: Wir erreichten den Gipfel (eigentlich ist es ein Doppelgipfel) und hatten eine phantastische Aussicht, der linke Gipfelfelsen war in fester Hand einer anderen Wandergruppe, der rechte Felsen, mit herrlichem Blick auf Loch Katrine, war noch unbesetzt.
Es wehte ein recht frischer Wind, mir war er willkommen, Waldameise mag das nicht so sehr, deshalb hat sie den Platz nur kurz für das Foto eingenommen, danach wurde der Thron mir überlassen.
Ich hätte dort oben ewig sitzen können, alleine schon nur deshalb, um den Abstieg noch etwas hinauszuzögern. Aber es ging nach einer kurzen Warmlaufphase doch ganz flott nach unten und wir erreichten, mit uns zufrieden, den Stellplatz, der jetzt beinahe leer war, nur Apollo und ein weiterer PKW standen auf dem Platz.
Um den Hunger zu stillen wurde der Grill angeworfen, zu trinken gab es Dosenbier. Kurz danach gingen wir schlafen. Ich weiss nicht, was mich umtrieb, aber ich konnte nicht richtig einschlafen. Also beschloss ich, Foto und Dosenbier in den Händen, dem nahen See einen Besuch abzustatten. Ich wollte die Gelegenheit nutzen, um Erfahrungen mit der Langzeitbelichtung zu sammeln.
So sass ich, still und friedlich, machte Nachtaufnahmen vom Loch, trank Bier und verscheuchte ab und zu eine dieser zahllos umherschwirrenden kleinen Mücken
Jetzt tut mir bitte einen Gefallen und sagt, dass die Nachtaufnahme das tollste Foto ist, das ihr je gesehen habt, damit der damit verbundene Schaden wenigstens teilweise kompensiert wird, weil - die Geschichte ist noch nicht zu Ende.
Als die kleinen Mücken immer lästiger und zahlreicher wurden, tröstete ich mich damit, dass ich bisher nicht bemerkt habe, dass die Viecher stechen oder beissen, habt ihr es erraten?
Stimmt! Leider! Es waren in der Tat Midges. Am nächsten morgen waren die Stiche eindeutig zu spüren, und einen weiteren Tag später hätte ich mich dämlich kratzen können. Am Kopf, den Ohren, Hals, Schulter und Unterarmbereich, eben alles, was ein T-Shirt nicht abdeckt, zählte ich 54 Stiche!!
"Selbst schuld", meinte Waldameise - recht hat sie ja, aber dass diese Quälgeister sooo winzig sind, wieder etwas gelernt: Reisen bildet eben
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03. Juni
Fahrt zum Glen Nevis
Trotz meiner Schlacht, gestern abend, einsam am Seeufer, mit einer Horde blutrünstiger Minimonster, war ich einigermaßen ausgeschlafen und für weitere Unternehmungen gerüstet.
Heute wollen wir ein gutes Stück weiter nach Norden kommen, mit dem Ziel, nahe des Ben Nevis für 2 oder 3 Tage zu campieren. Beim Frühstückskaffee haben wir uns auf folgende Route geeinigt:
1) An die Südspitze des Loch Lomond und dann am Westufer Richtung Norden,
2) Richtung Westen nach Inverary,
3) nach Norden, am Kilchurn Castle vorbei,
4) einen großen Halbkreis entgegen dem Uhrzeigersinn über das Ranooch Moor nach Fort Williams,
5) zum Campingplatz im Glen Nevis.
Noch ein Wort zum Wetter: Wie in den letzten Tagen war die Luft frisch, der Himmel blau und die Sonne schien kräftig, hinter den Scheiben des Womo's war es eindeutig zu warm, so hatte die Klimaanlage (im Motorraum) wieder einmal reichlich zu tun.
Der Loch Lomond ist flächenmäßig der größte See Schottlands und gilt auch als der schönste. Wir fuhren auf der A82 westlich am Loch entlang, die Strasse ist für schnelles Vorankommen gebaut, mir wäre eine kleine Strasse näher am Ufer lieber gewesen. Wir versuchten deshalb, ab und zu einen Parkplatz anzufahren, um die Schönheit von Loch Lomond zu genießen.
Bei Tarbet schwenkten wir nach Westen und erreichten kurz danach den Loch Long. Hier gab es direkt am Wasser eine Haltemöglichkeit, die wir gerne zum Vertreten der Beine benutzen.
"Schau mal, Waschbär, das hier ist tatsächlich ein Briefkasten!", ist wohl doch was dran, an den Geschichten von Gnomen und Elfen, fiel mir dazu ein.
Die A82 war gut befahren, der vor mir träumende Mitbürger fuhr zu schnell, um ihn überholen zu können, aber immer wieder zu langsam, so dass ich mehr ihn, als die Landschaft im Auge haben mußte. "Der nervst", knurrte ich, "Lass uns dort auf dem Parkplatz anhalten, dann bist du ihn los", riet mir Waldameise. Gut, warum nicht, wir sind ja im Urlaub. So kam es, dass wir nach nur kurzen 15km schon wieder Pause machten.
Wir beschlossen, einen nahegelegenen kleinen See aufzusuchen. An das Ufer zu gelangen, ist dabei gar nicht so einfach, wo man auch hintritt, tritt man wie auf einen nassen Schwamm und holt sich feuchte Socken.
Wir folgten einem Trampelpfad und entdeckten dabei dieses Stilleben:
Auf dem Rückweg fiel uns ein sehr schräg gewachsener Baum auf,
an dessen Äste eine bunte Sammlung von Stoffstreifen gebunden war. In Wikipedia fand ich dazu folgendes:
In Irland und Schottland kennt man beispielsweise die "rag trees", mit Stoffstreifen behangene Bäume in der Nähe von Quellen (Clootie well), denen Heilkräfte zugeschrieben werden, ein Brauch, der vermutlich bis in vorchristliche Zeiten zurückreicht.
Nach dieser willkommenen Unterbrechung fuhren wir entspannt weiter, das nächste Etappenziel war Inveraray.
Über diese Stadt und dem Castle - Wohnsitz des Duke of Argyll - findet man genügend interessante Informationen, ich werde hier nur wenige Sätze zu den Bildern verlieren.
Wenn man sich der Stadt nähert, fallen einem unweigerlich die weissen Fassenfronten in's Auge. In der rechten Hälfte des Bildes ist vor den Häusern der grüne Rasen zu erkennen, der auch uns zu einer kleinen Rast einlud.
"Hast Du gesehen,", stupste mich Waldameise an, "die hatten eben einen Fish&Chips Karton in den Händen". Sofort war mein Hunger geweckt, und es wurde auch langsam Zeit, dass wir uns an das Überlebensfutter Nummer 1 rantrauen, immerhin sind wir schon 4 Tage im Lande."
Die "Kartonausgabe" war schnell gefunden, in Inverary spielt sich so gut wie alles in der Hauptstrasse ab. "Mit Essig?", wurden wir gefragt? "Äh - nö, lieber erstmal nicht, Salz und Zitrone, bitte". Sachen gibt es, Essig ist sicher auch eine interessante Variante, aber, um es mit Baumbart zu sagen: Sachte, sachte, nur nicht so hastig, junger Schotte ...
Wir ergatterten auf der Rasenfläche ein schattiges Plätzchen und waren hin und weg von dem herrlichen Fisch; die Pommes waren auch gut, nicht so hart, wie bei uns, eher weich, wie Kartoffeln eben.
Hier wurde der Kung-Fu Panda, alias Waschbär, so richtig beim Futtern ertappt.
Satt und friedlich lies ich den Blick in die Runde schweifen und entdeckte dabei diese Unikate; very British, isn't it?
Waschbär: "Nach dem Essen sollst du ruhn"
Waldameise: "Oder tausend Schritte tun"
Waschbaer: "Brummel ..."
So schlenderten wir ein wenig durch die Strassen, und .. also, die Hüte, die sind doch auch "very British", oder?
Und dann wurde mir auch noch schmackhaft gemacht, in der Hitze den Weg zum Castle unter die Sohlen zu nehmen. Das Castle ist wirklich schön, wir haben es trotzdem nur von aussen besichtigt.
Wieder voller Tatendrang, setzen wir unsere Fahrt zum Glen Nevis fort, und kamen auf unserer Route auch am photogenen Kilchurn Castle vorbei, damit war der nächste Stop vorprogrammiert.
Wir liefen von der Parkbucht der Strasse aus die Wiese hinunter, bis an das Ufer des Loch Awe, am gegenüber liegenden Ufer erhob sich die Ruine.
Ich habe einige Bilder gemacht, gefallen hat mir keines wirklich, es gibt zuviel Sonne und blauen Himmel, zuwenig Nebel und Wolken. Bin ich hier in Italien, oder was?
Und so machten wir uns auf, ich mit gemischten Gefühlen (ein Hochmoor ohne Nebel ...), um das nächste Highlight der heutigen Tour anzusteuern, das wunderschöne Ranooch Hochmoor. Es gibt nur eine einzelne, auch von Schwerverkehr stark befahrene Strasse und nur wenig Haltemöglichkeiten, für das nächste Mal wäre es interessant, hier Wanderungen einzuplanen.
Links am Strassenrand gab es eine Möglichkeit, soweit von der Strasse runterzukommen, dass wir kein allzugroßes Verkehrshindernis darstellten. Wie das hier wohl im Herbst aussieht?
Einige Meilen weiter, befuhren wir den Pass of Glen Coe, der durch herrliche Landschaften führt,
und weiter ging es, am Loch Linnhe entlang, nach Fort William. Wir hielten uns nicht auf, die Stadt kann warten, sondern nahmen die letzten 2km unter die Räder, Richtung Südost, zum Campingplatz im Glen Nevis, am Fuße des Ben Nevis
Es war wieder ein anstrengender, aber wunderschöner Tag gewesen. Was wir bisher mitbekommen haben, läßt schon jetzt den Schluß zu: Schottland wird uns noch öfter sehen!
Sollte sich jemand fragen, warum es keine Bilder von der Ankunf auf dem Campingplatz gibt, nun, am Anfang war ich zu müde/faul, und später - NEE, abends bringen mich keine 10 Gäule mehr vor die Womotür!
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04. Juni
Wandern im Glen Nevis
Ursprünglich wollten wir heute den Ben Nevis besteigen, aber dann dachten wir, daß dies besser vorbereitet sein sollte (auch mental), deshalb haben wir den heutigen Tag für zu machende Hausaufgaben genutzt (es gibt eine Waschmaschine am Platz) und wir hatten genügend Zeit, die Packlisten für die Rucksäcke zu erstellen.
Unsere neuen (mückendichten!!) Wanderhosen waren noch zu lang, beim Abstecken der Länge konnte ich noch etwas helfen, aber dann mußte Waldameise ran, Danke! - wurde ganz prima!
Nach der Pflicht kommt die Kür.
Als Warmlauftraining für morgen kam uns gelegen, dass es eine leichte Wanderung im Glen Nevis gibt, die trotzdem einige kleine Besonderheiten hat. Laut Wanderführer kann man den Anfahrtsweg bis an das Ende der kleinen Straße benutzen, kleine holzbedeckte Brücken, mit einer ausgewiesenen Tragkraft von 3t, setztem dem Fahrspass ein frühes Ende. Eigentlich soll man die Ausweichbuchten ja nicht als Parkplatz benutzen, aber die Lage lies es zu, es gab genügend andere, in Sichtweite und viel Verkehr gab es auch nicht. Vor der Brücke wurde also gewendet (das war nicht ganz einfach), so daß nach dem Wandern Apollo 13 schon in Startrichtung ausgerichtet war.
Der heutige Wetterbericht: Jetzt wird es langsam langweilig, oder? Na was schon, blauer Himmel und Sonne satt.
Der erste Teil der Wanderung ging über mit großen Felsblöcken übersähten Wegen, immer am Nevis River entlang, der zum Teil spektakuläre Spalten und Hohlräume in das Felsgestein geschliffen hat.
Nach der Klamm wurde das Teil weiter, und das kühle, dunkle Wasser lud zur ersten Rast ein.
Wir liefen am linken Ufer flußaufwärts, unser Ziel war der Wasserfall, der im Hintergrung zu sehen ist. Laut Wanderführer wächst das "Puschelgras" dort, wo es feucht und sumpfig ist
Um an den Wasserfall zu kommen, muß der River Nevis überquert werden. Dafür habe sich die Verantwortlichen eine besondere Feinheit ausgedacht: Eine Seilbrücke. Wenn man sich gut festhält, kann eigentlich nichts schiefgehen, nur sollte man versuchen, besonders in der Mitte der Strecke, das Laufseil möglichst ruhig zu halten, sont fühlt es sich schon komisch an.
Waldameise auf dem Laufsteg
Nach dem Erklimmen einer kleinen Böschung war das Ziel zum Greifen nahe.
Kurze Zeit später, und nach einigen kleinen Umwegen, denn der gerade Weg über die Wiese ist nicht immer möglich (da wuchs Puschelgras!), waren wir am Ziel.
Die Vesperpause wurde nochmals verschoben, den in den dunklen, schattigen Stellen am Wasserfall flogen viele ziemlich mickrige Mücken umher, nein Danke, gehen wir doch lieber in die Sonne, auf der anderen Seite des Flußes. Da die Schuhe von Waldameise nicht über den Knöchel reichen, war es angebracht, diese lieber über das Wasser zu tragen.
Arme Waldameise, und das, wo sie doch an den Füßen sooo kitzlich ist ...
Wenn man Hunger hat, und draußen auf der Wiese sitzt, ist ein Wurstbrot das reinste Schlemmermahl. Ausgeruht und nicht mehr hungrig kehrten wir um, dem trauten Heim entgegen.
Am Campingplatz angekommen, informierten wir uns über die zu erwartende Wetterlage am Ben Nevis, das Wetter sollte schlechter werden, aber für die Besteigung noch tauglich sein. Wunderbar, dann haben wir den Aufstieg gerade noch rechtzeitig geplant.
Als später die Sonne unterging, tauchte sie das Bergmassiv in ein zauberhaftes Licht, der Gipfel des Ben Nevis ist leider nicht zu sehen, aber das hat noch Zeit bis morgen.
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05. Juni
Besteigung des Ben Nevis
Zitat:
Alljährlich fordern Unterkühlung und Entkräftung ihre Opfer, da der Ben Nevis von vielen Gipfelaspiranten unterschätzt wird
Zitat Ende.
Der Grund dafür dürfte sein, daß der Ben Nevis nur 1344m hoch ist, das klingt nicht besonders beeindruckend. Jedoch beginnt der Aufstieg in etwa in Meereshöhe, damit verbleiben 1300 Höhenmeter, hoch und wieder runter. Dramatische Wetterwechsel sind auch nicht selten, selbst im Sommer kann es plötzlich schneien.
Aber mit genügend warmer Kleidung und Proviant, nebst guten Schuhen und ein wenig Kondition, ist die Besteigung kein Hexenwerk.
Eine unbedingt notwendige Vorsichtsmaßnahme sollte sein, daß man sich über die Wetterlage am Berg informiert. Dazu hängen z.B. in der Rezeption des Campingplatzes Infoblätter an der Pinwand. Für heute stand zu lesen:
Nullgradgrenze: 700m
Wind: kräftig
Sicht: meistens gut
Schauer: Regen, Graupel, Schneefall - möglich
Meine Interpretation: Idealwetter - He, wir sind in Schottland!
Um 07:30 Uhr brachen wir auf, da wir ein genügend großes Zeitpolster für Rasten haben wollten. Da Ameisen bekanntlich große Lasten schleppen können, durfte das zarte Geschlecht den Rucksack mit Wasser und Proviant tragen, ich begnügte mich mit dem Photorucksack.
Der eigentliche Anstieg beginnt beim Besucherzentrum, welches vom Campingplatz aus gesehen kurz vor Fort Williams liegt. Von unserem Platz aus gibt es eine weitere Möglichkeit, die kürzer ist, dafür ziemlich steil; von der Jugendherberge aus, gleich neben dem Campingplatz, geht es direkt die Bergflanke hoch, bis man auf den von links kommenden eigentlichen Wanderg stößt.
Es ist 08:00 Uhr und wir sind dabei, den steilen Anstieg zur Wegkreuzung zu bewältigen. Warum kommt mir immer wieder "Herr der Ringe" in den Sinn? Das hängt wohl mit der "geheimen Treppe nach Mordor" zusammen. Aber, schön ist es hier, wirklich schön und noch ist es frisch.
Die erste Zeit sind wir weit und breit die einzigen, die auf dem Weg zu sehen sind. Das liegt wohl daran, daß wir so früh gestartet sind. Aber dann ging es los, ein um das andere Grüppchen pirschte sich von hinten heran und zog an uns vorbei; laß sie nur, dachte ich, wir veranstalten kein Wettrennen. Aber ein bischen gewurmt hat es mich doch.
Ein Blick zurück, das gehört dazu, denn der Aussicht wegen sind wir ja unterwegs.
Noch ein kleiner Nachtrag zum Thema überholen: ungefähr an der Stelle des vorigen Bildes wurden wir von einem Dreiergespann überholt, voraus der Hund, dann Sie und dann Er, alle drei im Laufschritt, die Zweibeiner im T-Shirt und kurzer Hose! Wir haben gelesen, daß es als sportliche Disziplin einen Ben Nevis Lauf geben soll, dabei wird den Berg hoch und wieder runter gerannt ?!! - Na, dann viel Vergnügen beim Training.
Zwei Stunden sind wir nun unterwegs, nach genügend Schweiß und einer kurzen Rast, schon auf der anderen Talseite des Red Burn, kann man weit unten unseren Campingplatz sehen.
Wir sind jetzt dabei, den schwierigeren Teil des Anstiegs zu meistern, die schuttüberzogene Westflanke den Ben Nevis, auf der man Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert ist.
Aber bisher können wir nicht klagen, die Wolken werden häufiger, aber der überwiegende Teil des Himmels zeigt das uns mitlerweile vertraute tiefe Blau.
Nur täuschen lassen darf man sich nicht, auch die vereinzelten Wolken können für Niederschläge sorgen, wie das Exemplar etwas unter uns. Befindet man sich innerhalb einer solchen Wolke, wird es sehr schnell unangenehm: neblig, kalt, naß und windig.
Auf dem Bild ist der Einschnitt des Red Burn gut zu sehen, von links nach rechts. Wir kamen von der gegenüberliegenden Flanke, auf welcher ein Stück des Weges zu sehen ist.
Nach weiteren zwei Stunden (es ist jetzt 12:00 Uhr) erreichen wir das verharschte Schneefeld, welches den letzten Anstieg zum Gipfel signalisiert.
"Lauf, Waldameise, lauf! Ich bleib nur ab und zu stehen, damit ich Bilder machen kann", klasse Ausrede, gell?
Der Aufstieg über den Harsch war unangenehm, meine Schuhe rutschten immer wieder in schon vorhandene Trittlöcher, auch seitlich weg, dies war dem Gleichgewicht nicht gerade förderlich; so schwankte ich eher wie leicht betütelt bergauf, mit Luis Trenker hat mich ganz sicher niemand verwechselt.
Dann endlich - endlich! - wurde der Weg flacher, wir haben das Gipfelplateau beinahe erreicht. Die Abbruchkante mit dem Schneeüberhang zog mich magisch an, aber nicht nur aus Instinkt, sondern auch wegen der ausdrücklichen Warnung, gelesen beim Studium des Wetterberichtes, ging ich keinen Schritt weiter. Drei Bilder weiter ist die Kante von der anderen Seite aus zu sehen.
Noch ein- oder zweihundert Meter weiter und wir haben es geschafft - Hipp Hipp Hurra!!!
Der Gipfel!. Wir haben die Ruinen des Observatoriums auf dem höchsten Punkt der britischen Inseln ereicht.
Ich drückte den Photoapparat dem nächsten Gleichgesinnten in die Hand, mit der Bitte, ein Bild von Waldameise und mir zu machen - Bitte schön:
Waldameise und Waschbär am Vermessungspunkt auf dem Gipfel des Ben Nevis.
Der Blick zurück auf den Schneeüberhang.
Der Wind war kräftig und schneidend kalt. Hinter den Mauern der Ruinen kauerten Wanderer, die ihr "Mittagessen" verzehrten.
"Lass uns erst wieder ein Stück nach unten gehen", riet Waldameise, "unterhalb des Schneefeldes war es weniger windig".
Der Abstieg durch den verharschten Schnee war ebenfalls unangenehm, um nicht zu rutschen, hieb ich die Fersen in den Untergrund, manchmal brach ich dabei tiefer ein als gewollt und durfte mir danach den Schnee aus den Schuhen popeln.
Unterhalb des Schneefeldes machten wir Pause, der Rucksack von Waldameise wurde zusehens leichter, der Photorucksack dagegen leider nicht.
Mittlerweile gab es mehr Wolken am Himmel, als blaue Anteile. Immer wieder zogen Nebelschwaden vorbei und versperrten die Sicht, ab und zu gab es Gucklöcher, die mich wirklich faszinierten.
Beim Abstieg über die ungeschützte Westflanke gerieten wir in einen kurzen Graupelschauer, bei genauem Hinsehen sind die Graupelkörner als schräge Striche zu erkennen.
Das Wetter wurde zunehmend schlechter, die Jacken wurden geschlossen und die Kaputzen aufgesetzt.
Als wir wieder die nördliche Talseite des Red Burn erreichten, zog von Nordost her eine gewaltige schwarze Wolkenmasse auf, jetzt mobilisierten wir alle Reserven, um dem Unwetter zu entkommen.
Umsonst. Die Wolken öffneten die Schleußen, zum Glück kam der stürmische Wind von hinten und peitschte den Regen nicht in unsere Gesichter. Wer jetzt in kurzer Hose und T-Shirt unterwegs war hatte sicher einige Probleme.
Von dieser Phase unserer Wanderung gibt es leider keine Bilder mehr, Elektronik und Wasser vertragen sich nicht so sehr.
Das Unwetter ließ etwas nach, es regnete noch kräftig, aber mehr senkrecht als waagrecht, und die leichte Panik legte sich wieder. Das war auch notwendig, denn die durch den Regen schlüpfrig gewordenen Steine verlangten unsere volle Konzentration. Aber wir schafften es schließlich, ohne Blessuren, müde, jedoch überglücklich, unsere Ankunftszeit am Campingplatz: 17:00 Uhr
Waldameise, mit dir kann man Pferde stehlen!
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06. Juni
Ankunft auf der Isle of Skye
Der Wetterbericht von heute: Moment - oha - ganz anders als bisher.
Ein Blick aus dem Womo zeigt, daß wir gestern wohl die letzte Chance für eine Besteigung des Ben Nevis, mit guter Sicht von demselben aus, genutzt haben. Die Berge, die vorgestern abend noch so herrlich in der Abendsonne glühten, verstecken heute ihre Gipfel in den Wolken.
Daß sich die Berge verstecken, ficht uns heute nicht an, wir wollen eh weiterziehen, näher an den Atlantik ran.
Heute geht es auf die Isle of Skye. Der Stellplatz für heute Abend liegt noch nicht fest, den wollen wir nach der Ankunft auskundschaften.
Bevor wir uns auf den Weg zur Fähre, nach Mallaig, im Westen der britischen Hauptinsel machen, ist es an der Zeit, unsere Proviantvorräte aufzustocken, dazu bietet das nahegelegene Fort Williams optimale Bedingungen. Nahe des Stadtzentrums erspähen wir einen beinahe leeren Parkplatz und stechen in die erstbeste Parkfläche. Wir sind gerade beim Abschließen, da spricht uns ein, ja was denn?, Parkplatzwächter? Stadtbüttel, jedenfalls ein netter älterer Herr in Uniforman an. Jetzt regt sich mein schlechtes Gewissen, obwohl ich doch nichts bewußt falsch gemacht habe. "Es wäre besser, wenn sie hier rückwärts einparken, dann kommen sie später leichter wieder raus". Diesem Hinweis lasse ich sofort die Tat folgen, ein schlechtes Gewissen kann hier als Beschleuniger wirken, Apollo wird um 180 Grad gewendet, auf dem leeren Parkplatz ein Kinderspiel.
Nach dieser Demonstration von Gerhorsam wenden wir unsere Schritte gen Zentrum, um ein wenig einzukaufen. Allerdings haben wir bei der Suche nach den Dingen, die wir eigentlich kaufen wollten, des öfteren dem Locken anderer schmackhafter Köstlichkeiten nachgegeben. Neben der Kasse stapelten sich leere Kartons, wie wenn man mit uns gerechnet hätte. Wir durften einen davon nehmen und haben so die ideale Transportkiste für unsere fette Beute.
Wenn nur der Weg zurück zum Womo etwas kürzer Wäre!
Und ein dickes Dankeschön geht an den unbekannten Herrn in Uniform! Der Parkplatz ist jetzt gerammelt voll und rückwärts auparken könnte jetzt eng werden. Aber so, wie wir stehen, fahren wir einfach geradeaus aus dem Parkplatz auf die Straße, welche uns im Verlauf der nächsten Stunden an den Fährhafen bringen soll.
Zwei stunden später, um 13:00 Uhr, ensteht das nachfolgende Foto; es ist leider unscharf, aber uns dennoch so wichtig, daß es den Weg in diesen Bericht fand.
Das Bild zeigt das längste Ticket, das ich je erworben habe.
Entstanden ist dieses Bild am Ticketschalter in Mallaig. Waldameise besprach mit dem jungen Mann unser Vorhaben und ließ sich beraten. Das Ergebnis: Wir erstanden den "Scotch island hopper", für 135 Pfund. Enthalten sind dabei die Tickets für drei Fähren, auf die Isle of Skye, von dort nach Harris und von dort zurück auf die Hauptinsel. Für die von uns gewünschten Abfahrtszeiten wurden Reservierungen vorgenommen.
Unsere Route bis nach Mallaig
Die kurze Zeit bis zum Boarding nutzte ich, um ein wenig im Hafen herumzuschlendern. Dabei kam ich auch mit einem Bootseigner in's Gespräch. Er ließ mich wissen, daß sein Boot jedes Jahr einen neuen Anstrich benötigt. Warum nicht, Pflege kann nicht schaden, aber mit Verlaub, muß der Pinsel sooo klein sein?
Um 13:30 Uhr durften wir an Board. Dem Niedrigwasser wegen, ging es eine Etage tiefer.
Bei der Ankunft in Amadale verspürten wir Hunger, und als wir im Hafenbereich eine nette Fisch&Chips Bude entdeckten, war damit die zur Bekämpfung des Hungers optimale Lösung gefunden.
Unsere Ziele auf der Isle of Skye waren eine Besichtigung der Talisker Distillery in Carbot, sowie eine Wanderung in der Näher der Cuillins. Deshalb fuhren wir auf der A87 bis zum Loch Sligachan. An dessen westlichen Ende steht ein einsames Hotel, auf der anderen Straßenseite, auf einem kleinen Camingplatz, fanden wir unser zu hause.
Auf dem Weg dorthin fand dann die Begegnung statt, die ich schon längst herbeisehnte: eine kleine Herde Hochlandrinder!
Unsere Strecke zum Campingplatz
Der Himmel zeigte sich heute ziemlich bedeckt. Dichte Wolken zogen schnell dahin und streiften die Spitzen der Berge. Der Kegelberg neben dem Campingplatz bekam dadurch eine besondere Note, die ihm bei uns den Namen "Vulkan" einbrachte.
Als später noch ein kleiner Schauer niederging, kam Leben in den Campingplatz. Der einmalig schöne Regenbogen lockte eine Vielzahl kamerabewaffneter Gleichgesinnter aus ihren Unterkünften. Ich lief nach vorn, bis an den Rand des Platzes, um nur das Land, den Himmel und den Regenbogen im Bild einzufangen.
Der Rest des Tages war dazu da, den Grill mit Schätzen unseren Einkaufsorgie zu beladen und um den nächsten Tag zu planen.
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07. Juni
Wanderung im Herzen der Cuillins
Eine Wanderung im Herzen der Cuillins sollte es werden, war es dann aber leider nicht wirklich. Aber fangen wir doch mit dem Anfang an.
Den eigentlichen "Bad Step" habe ich schon hinter mir, das ist der, raus aus dem Bett,
der "Bad Step", den unsere für heute geplante Wanderung beinhaltet, wird wohl die Gretchenfrage werden.
Wir haben uns für heute vorgenommen, eine im Wanderführer beschriebene Wanderung im Herzen der Cuillins anzugehen. Die Cuillins sind ein sehr markanter Gebirgszug der Isle of Skye. Jedoch wird auf dieser Wanderung eine Stelle, die den Nahmen "Bad Step" trägt, besonders hervorgehoben. Dabei handelt es sich um eine schräge Felswand, die überquert werden muß. Diese Wand soll einen Riß haben, in welchem es möglich ist, über das Hindernis zu balancieren. Waldameise und ich sind uns einig, vor Ort zu entscheiden, ob wir uns das zutrauen, oder eben nicht. Für den Fall, daß wir es nicht wagen, kehren wir einfach um und haben trotzdem eine schöne Wanderung.
Der Anfahrtsweg bis zum Ausgangspunkt der Wanderung beträgt ca. 50km. Die Strecke besteht zum großen Teil aus einer Single Track Road, welche zwar keine hohe Reisegeschwindigkeit zuläßt, dafür überaus reizvoll zu befahren ist.
Unterwegs hielten wir neben einem umzäumten Friedhof an, dessen kleine Kirchenruine mein Interesse weckte. Auf dem Rückweg zum Womo, das nachstehende Bild vor Augen, mußte ich unwillkürlich an den Roman Glennkill von Leonie Swann denken:
"Ich untersuche unauffällig den Laderaum, ihr steht solange Schmiere, und achtet dabei besonders auf die Ameise da ..."
Am Wanderparkplatz angekommen, wurden die Stiefel geschnürt, das Gepäck verteilt und los ging es, zuerst ein Stück bergauf, dann ein wenig auf dem Hügelkamm gerade aus,
um danach ziemlich steil wieder auf Meereshöhe hinab.
Auf dem nächsten Bild sieht man das kleine weiße Haus, das einzige in der Bucht mit dem interessanten Muschelstrand. An diesem Haus geht der Weg vorbei, danach um die erste, teilweise von der Sonne beschienenen Felsnase, hinter welcher der Bad Step, der Sicht entzogen, auf uns lauert.
Unten angekommen, gönnen wir uns in der Bilderbuch - Gänseblümchenwiese eine kurze Paus.
Nach dem Durchwaten eines Flußes, welcher vom im Norden gelegenen Loch na Creitheach kommt und hier in den Loch Scavaig fließt, habe ich ein wenig nasse Socken, Waldameise war schlauer, 100m weiter flußaufwärts gibt es eine Furt...
Der weitere Weg ist etwas mühsam, er ist nicht gut markiert und verästelt sich oft in viele Spuren, die von Tierpfaden nicht unterscheidbar sind. So müßen wir öfters mal wieder querfeldein die Böschung hoch- oder runterklettern, um aus einer Sckgasse wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Das ist nicht weiter schlimm, kostet nur einiges der, wie sich jetzt schon abzeichnte, viel zu knappen Zeit, um die Wanderung wie geplant durchzulaufen.
Das Spiel "ich bin eine Bergziege" bringt uns Stück für Stück voran, Waldameise müpft auf, weil ihr der Magen knurrt, ich möchte jedoch bis an den Bad Step gelangen, der nicht mehr weit ist, und dort bei ausgiebiger Rast den weiteren Weg zu besprechen.
Das Wetter ist herrlich, nur der Wind weht kalt. Wir gelangen an eine Stelle, von der aus man den Felsen mit dem Bad Step sehen kann, dort, wo andere Wanderer sich zur Rast niedergelassen haben (auf dem großen Bild gut erkennbar, und nicht zu verwechseln mit der Gruppe Kanuten auf der Sanbank). Unser Ausguck ist durch Felsen hinter uns etwas windgeschützt und bietet einen prima Rastplatz.
Wir beschließen, auch aufgrund der vorgerückten Zeit (14:30 Uhr), hier umzudrehen und die Wanderung im Herzen der Cuillins auf ein andermal zu vertagen. So bleibt uns auch die Entscheidung, ob wir uns den Balanceakt zutrauen oder nicht, erspart.
Aber eines ist sicher, beim nächsten Besuch auf der Isle of Skye, brechen wir früher auf und dann werden wir ja sehen ....
Nach dem Erleichtern von Waldameisen's Rucksack machen wir uns auf den Rückweg, der, nicht so weit wie der Rest der eigentlichen Wanderung, genügend Zeit für Extratouren läßt,
auch für's Knippsen.
Wir klettern runter, an den Felsstrand, der bei herrschendem Niedrigwasser Motive in Hülle und Fülle bietet.
Ein Blick nach unten, und sowas tritt man mit Füßen!
Dieses herrliche Relief würde in macher Ausstellung plastischer Kunst den dort gezeigten Exponaten den Rang ablaufen.
Da steckt Arbeit dahinter, die harten Felsbrocken in solch handschmeicheld runde Formen zu schleifen.
Der Blick vom "Meeresboden" aus auf das einsame Haus am Muschelstrand.
Weniger glatt, genauer - gemein scharfkantig - fühlen sich die Seepocken an, die auf den Felsen üppige Kolonien gebildet haben, ab und zu in Nachbarschaft zu Muscheln, die ebenfalls auf das Wiederkommen des Wassers hoffen.
Hier ein weiteres "Kunstwerk", oder besser, "Naturwerk".
Wir ziehen weiter und sind mittlerweile wieder an dem kleinen Fluß angekommen. Diesmal folge ich brav der Waldameise, und wie so oft, fahre ich nicht schlecht damit; hier komm auch ich trockenen Fußes auf die andere Seite.
Dort, wo es auf dem Hinweg steil bergab ging, ging es rückwärts steil bergauf. Oben angekommen, werden wir mit der Aussicht auf einen einmalig schönen Himmel belohnt.
Ich komme beim Betrachten der Silbertöne der Wolken, die sich im Wasser wiederfinden, unweigerlich in's Schwärmem (großes Bild), wie in Öl gemalt!
Der Rest des Weges bis zum Parkplatz ging kurz bergab, dann mehr oder weniger eben, aber er zog sich unglaublich.
Wieder an Board von Apollo 13 verwöhnten wir uns mit Keksen und Kaffee, bevor wir, müde, aber glücklich, die Fahrt zurück zum Campingplatz antraten.
Zu dieser Jahreszeit ist es so weit im Norden lange hell, das warme Licht des Abends scheint über Stunden, traumhaft schön, wenn man sich nur um diese Tageszeit ungeschoren im Freien aufhalten könnte.
Das letzte Bild des Tages, enstanden um 21:11
Ich fange Schottland an zu lieben.
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08. Juni
Rundfahrt auf der Isle of Skye
Besichtigung der Talisker Distillery
Abwechslung ist das halbe Leben.
Getreu diesem Motto lassen wir es uns heute gut gehen. Das Womo darf rennen, wir hocken rum, oder gehen gezwungenermaßen die paar Schritte, die notwendig sind, um z.B. eine Distillery zu besichtigen.
Wir verließen unseren Campingplatz rechtzeitig und standen schon kurz nach neun auf dem Parkplatz der Talisker Distillery.
Ich bin kein Whisky Kenner und möchte es auch nicht unbedingt werden, aber - das geht nun wirklich nicht - Schottland besuchen und keinen Whisky verkosten. Also habe ich mich auf die schnelle etwas kundig gemacht und weiß deshalb, daß der Talisker Whisky geschmacklich etwas besonderes ist, aber nicht unbedingt jedermanns Sache.
Das Besondere am Talisker ist der ausgeprägt torfige Geschmack, den er dadurch erhält, das beim Malzen die Gerste im Rauch von einem Torffeuer getrocknet wird.
Die Besichtigung war spannend, leider ist es wegen der Explosionsgefahr nicht erlaubt, in den Herstellungshallen zu photographieren. Wie es zu einer zünftigen Besichtigung gehört, wurde am Ende der Tour ein Versucherle spendiert. Ich habe nur vorsichtig daran genippt, schließlich ist erst vormittag und wir wollen noch ein Stück Strecke fahren.
Um den Schmerz in Grenzen zu halten, haben wir eine Flasche 18-jährigen Talisker erworben, da freue ich mich doch schon auf den Abend.
Im Besucherzentrum hing ein Bild, welches die Distillery im Jahre - nun, das habe ich vergessen zu fragen, jedenfalls vor langer Zeit zeigt.
Heute sieht das so aus.
Da das Wetter wieder einmal mit dem Blau am Himmel nur so klotzte, wollten wir den Tag zu einer Rundfahrt nutzen. Für die kommende Nacht haben wir einen Campingplatz am Loch Greshornish, zwischen Edinbane und Flashadder gelegen, ausgekundschaftet (auf der Karte C085, in der Mitte des Bildes).
Unsere Ausflugstour sollte zuerst über die A863 nach Norwesten führen, zum Dunvegan Castle, dem Stammsitz des mächtigen McLeod Clans, dann ein kurzes Stück zurück und auf der A850 in Richtung Westen bis zu dem Campingplatz unserer Wahl, nach der Platzreservierung weiter nach Westen, die A85 nach Norden bis nach Uig und im Urzeigersinn, immer nahe der Küste nach Portree, von dort zurück Richtung Nordwest zum Campingplatz.
Für die Fahrt zum Dunvegan Castle bemühten wir das Navi, um möglichst kleine Straßen zu finden, die dann teilweise wirklich Feldwegcharakter aufwiesen, dafür fernab von jeglichem Verkehr;
hier hätte ich jederzeit auch über Nacht stehen wollen.
Am Dunvegan Castle angekommen, gab es zur Abwechslung einmal wieder eine Schulstunde in Kultur. Die Besichtigung des Castles war den Eintrittspreis wert. In einem Film erzählte das derzeite Clanoberhaupt, Hugh MacLeod of MacLeod, the 30th Chief, die Geschichte des Castles.
Hier ein Bild des Castles, die attraktivere Seite ist allerdings genau die gegenüber liegende, mit dem Blick vom Loch Dunvegan aus.
Über die Fahrt zum Campingplatz gibt es nichts besonderes zu erwähnen, aber zum Platz selbst schon. Der Platz war rappelvoll, alles ausgebucht. Uns wurde erklärt, daß die Zeit um den 21. Juni (Sommersonnenwende auf der Nordhalbkugel) des Lichtes wegen ganz besonders begehrt sei. In diesen Tagen wird es Nachts nicht mehr dunkel, die Sonne geht zwar unter, aber die Dämmerung danach geht nahtlos in die Morgendämmerung über.
Uns aber war das Glück hold, wir erhielten einen Notplatz, auf dem Rasen, hinter der Reihe der offiziellen Stellplätze, aber das Kabel reichte bis zur Steckdose, Strom gab es demnach.
"Stell Dir vor, im Shop, neben der Rezeption kann man "Imkerhüte" gegen Midges kaufen", klärte mich Waldameise auf; toll dachte ich, die hätte ich früher brauchen können.
Die Rundfahrt, an der Küste entlang, war landschaftlich ein Traum, verkehrstechnisch weniger. Über große Strecken ging es auf Single Track Roads voran, an für sich kein Problem, aber bei dem regen Verkehr auf dieser Route doch eine Plage.
Glückliche Kühe!
Hier mal ein Stück ohne Gegenverkehr.
Das wäre doch das richte Zweithaus, ob ich doch noch mit dem Lottospielen anfange?
Mittlerweile sind wir an der Ostküste angekommen, laut Reiseführer das schönste Stück Küste auf der Isle of Skye. Am Kilt Rock machten wir eine kurze Pause, um den Kilt Rock Wasserfall zu bestaunen, allerdings war der kräftige Wind derart kalt, daß wir nicht lange draußen verweilten.
Auf der Weiterfahrt nach Portree entdeckten wir einmal mehr eine Stelle, an der Torf gestochen wurde und diesmal ließ ich mir eine Besichtigung aus nächster Nähe nicht entgehen.
Waldameise prüft den Trockengrad, der kalte Wind ist an ihrer Haltung und ihrem Gesichtsausdruck beinahe körperlich spürbar.
Moor meets Apollo 13
Als wir von Norden her in Portree einfuhren, sahen wir aus dem Fenster die bunte Häuserzeile am Hafen, es gab jedoch keine Möglichkeit anzuhalten, und an Parken war nicht einmal zu denken. So fuhren wir weiter, Richtung Zentrum und ergatterten mit etwas Glück einen Platz auf einem engen, vollen Parkplatz. Zu Fuß ging es dann zurück, der Straße bergauf folgend, bis wir den Platz mit der tollen Aussicht erreichten.
Anschließend wollten wir das Gesehene aus der Nähe betrachten, und eigentlich sollte auch ...
Bingo! - ein Fish&Cips Laden zu finden sein!
Schwer mit den Schätzen der Fishbude beladen fanden wir im Hafen einen Sitzplatz auf einem Holzbrett, die Mauer selbst war zu kalt. Die Sonne ließ die weißen Schiffsaufbauten aufleuchten und schuf so die passende, stimmungsvolle Kulisse für unser Dinner.
Zurück auf dem Campingplatz wurden die Luken so weit midgesdicht gemacht, wie das eben möglich ist, dann wurde der Talisker entkorkt und beim kräftigen Geschmack dieses unverkennbaren Whiskies ließen wir den heutigen Tag Revue passieren und dachten auch schon an morgen, an die Fähre, die uns an den westlichen Rand von Schottland bringen sollte, auf die Isle Lewis and Harris, zu meinem persönlichen Höhepunkt dieser Urlaubsreise: den "Standing Stones of Callanish".
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09. Juni
Standing Stones of Callanish
Die Imkerhüte gegen Midges waren eine clevere Geschäftsidee, wären wir noch einen Tag geblieben, hätte ich so ein Ding erworben. Unglaublich, welche Wolken dieser Microvampire uns am Abend umschwirrten und am Morgen, beim Auffüllen der Wasservorräte ebenso. Mit geschlossenem Anorak und aufgesetzter Kapuze mußte ich nur die Hände und das Gesicht verteidigen, selbst dies gelang nur mangelhaft. Beim Öffnen der Garage verschwanden unzählige dieser Plagegeister im Dunkeln der Luke - na prima, oberhalb der Luke sind die Betten!
Unser Aufbruch war eher eine Flucht, dieser Platz kommt bei mir auf die schwarze Liste!
Der zweite Hopser unseres "Scotch island hopper" Tickets soll uns heute an den westlichen Rand von Schottland bringen, auf die Insel Lewis and Harris, dort befindet sich unter anderem der große Steinkreis, der in Form eines keltischen Kreuzes angeordnet ist. So interessant dieser Kreis auch ist, wer über den geschichtlichen/kulturellen Hintergrund mehr wissen möchte, muß sich anderweitig um Informationen bemühen, ich werde hier nur meine persönlichen Eindrücke schildern.
Wir waren schon um 09:00 Uhr im Hafen von Uig, es blies ein frischer Wind, den nutzten wir, um mittels kräftigem Durchzug die Midges aus ihren Verstecken zu blasen - Rache ist süß!
Die Wartezeit bis zum Eintreffen der Fähre nutzten wir zur Futtersuche, wir fanden einen Fish&Chips Lieferanten, aber die Qualität war diesmal nicht besonders.
Als die Fähre kam, ging alles sehr schnell, um 09:50 Uhr war Uig schon nicht mehr in Sicht, und wir waren unterwegs nach Tarbert.
Nach etwas über einer Stunde kam Tarbert in Sicht, überschaubar, idyllisch, und bei blauem Himmel (was sonst?) leuchteten die verstreuten weißen Häuschen in der Sonne.
Nach dem Anlegen fuhren wir bei der erstbesten Gelegenheit nach links in eine kleine Straße zum Halten, um das Navi mit unserer Wunschroute vertraut zu machen. Beim Wendemanöver sah ich in einem kleinen Hof in einer offenen Halle erstaunliches.
Also, auf zu den Steinen, ich würde ja auch gerne Nachts photographieren, ob das möglich ist? Wie nah darf man an die Steine ran? Sind diese durch eine Umzäunung geschützt?
Dies, finde ich, sind berechtigte Fragen, wenn man denkt, wie das in Stonehenge zugeht.
Ab Harris fuhren wir auf der A859 in Richtung Nordost bis nach Leurbost, nahmen die Abzweigung nach links um dann der A858 bis nach Callanish zu folgen. In Callanish bogen wir nicht zum Besucherzentrum ab, sondern bogen erst später nach links ab und kamen so von Norden zu den stehenden Steinen. Dort gab es einen kleinen Parkplatz, auf welchem wir unser Womo ungestört für heute und die kommende Nacht abstellen konnten.
Vom Stellplatz des Womos aus konnte man die lange Doppelreihe der Steine, welche sozusagen den Längsbalken des keltischen Kreuzes bildeten, entlangsehen.
Da steh ich nun, auf diesen Augenblick habe ich mich seit Monaten gefreut. Nach einer kurzen ersten Besichtigung stellte ich erstaunt und tief befriedigt fest, es gibt keinen Zaun, der den Zutritt verhindert (der Zaun auf dem Bild ist dazu da, die Schafe am Betreten zu hindern und hat unverschlossene Gatter), Eintritt wird nicht verlangt, kein Photographie- oder sonstiges Verbot! So etwas gibt es also auch noch, Danke schön!
Ich verbrachte den ganzen Tag damit, bei unterschiedlichen Sonnenständen Bilder aus allen Lagen, mit allen verfügbaren Brennweiten zu machen. Dabei lernte ich einen interessanten Herrn aus Österreich kennen, der mit einer professionellen, richtg großen und kompliziert aussehenden Filmkamera hochauflösende Standbilder (Photos) machte, wie er mir erklärte. Er hatte vor, während des lang dauernden Sonnenunterganges ausdrucksstarke Bilder zu machen; kann ich verstehen, darauf warte ich je ebenso.
Um 20:26 Uhr war die Welt noch in Ordnung, zu dieser Zeit entstand das nachstehende Bild.
Wie man aber sehen kann, bilden sich am Horizont dichtere Wolken, die wurden dem Herrn aus Österreich zum Verhängnis.
Als die Sonne den Punkt erreichte, an welchem sie auf dem Bild die Spitzen der Steine berühren sollte, war die dichtere Bewölkung genau in der falschen Höhe, die tief stehende Sonne war immer durch eine Wolkenfront verdeckt, war diese vorbei, war die schon nähergekommene nächste Wolkenfront im Wege. Der Herr aus Österreich packte leicht frustriert zusammen, lies sich aber nicht wirklich aus dem Gleichgewicht bringen, ein Profi eben, der weiß, daß zur Jagd auf spektakuläre Photos Jägerqualitäten notwendig sind: Geduld, Ausdauer und Glück!
Schade dachte auch ich, aber ich hatte noch ein Ass im Ärmel: Dank Womo wohne ich heute Nacht direkt an den Steinen und heute Nacht ist Vollmond!
Allerdings erst nach 01:00 Uhr. Aber für was gibt es Wecker.
Ich war rechtzeitig vorort. Mit dicker Jacke und Handschuhen, es war bitter kalt, da ist es kein Vergnügen, das metallene Stativ mit bloßen Händen zu berühren.
Im Steinkreis angekommen, mit einem seltsamen Gefühl, wie nachts, alleine auf einem Friedhof, strich ich durch die meterhohen Steine. Ausserhalb des Zaunes schliefen Schafe, einige hoben den Kopf oder die Ohren, aber bald sahen sie in mir keine Gefahr mehr und die Köpfe sanken wieder zu Boden.
Ich trat an den Hauptstein, vor meinen Füßen die Stelle, die vermutlich ein Massengrab war (den Skelettfunden nach). Langsam näherte sich mein Rücken der glatten Fläche des vor 5000 Jahren hier errichteten Steines. Ich mußte an den Roman "Feuer und Stein" denken, den ich gerade las, und daß in der dort beschriebenen Geschichte der Stein brummte, bevor er die Titelheldin in die Zeit des schottischen Aufstandes zurückwarf. Jetzt schiebt sich der Vollmond als schmale, orangefarbene Sichel über den Horizont - und ich wage es, ich gestehe es - mit leicht erhöhtem Puls: Ich laße los und spüre den Stein, aber kein Brummen.
Ist mir auch lieber so.
Unglaublich, wie schnell der Mond klettert, kaum habe ich eine gute Position für das Stativ gefunden und ein oder zwei Langzeitbelichtungen gemacht, muss ich schon wieder weiterrücken.
Besonders schön finde ich dieses Bild hier, mit der Spiegelung des Mondes in einem kleinen Moorsee.
Ich blieb noch einige Zeit im Banne des Steinkreises und dachte über manches nach, der richtige Ort und die richtige Zeit dafür, glaube ich.
Irgendwann war ich wieder im Womo, an Waldameise geschmiegt, dagegen kommt kein Stein an, wie alt und mythisch er auch sein mag.
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10. Juni
Rundfahrt bis zum "Butt of Lewis"
Ausschlafen war angesagt, dann Kaffee, um richtig auf Betriebstemperatur zu kommen, und danach starteten wir zur Besichtigungstour, quer durch Lewis and Harris, mit dem Ziel, am nördlichsten Punkt von Lewis das Nachtqurtier aufzuschlagen.




