schaschel am 08 Dez 2009 14:47:44
Hallo, Georg.
Du hast Recht: nicht weiterfahren, erst zumindest drunterlegen und genau gucken, auch im Hinblick darauf: wie lange hast Du den Wagen, wer hat vorher dran geschraubt und was kann falsch gelaufen sein?
Bevor Du zu schrauben beginnst, unbedingt für ein sicheres Aufbocken des Fahrzeuges sorgen. Du wirst Dich teilweise drunterlegen müssen. Niemals nur den Wagenheber zum Halten nehmen!
Ich habe einen 90/91 er Peugeot J 5 25, TD mit Eura- Aufbau. Nach meinen Informationen sind die Getriebe von unseren Fahrzeugen mit Ausnahme der Getriebeglocke identisch und die Antriebswellen lassen sich auch ganz gut alleine ausbauen: Rad ab, Fettkappe ab, Zentralmutter (41er Nuß) ab (beidseitig Rechtsgewinde) und dann unterhalb der Achse am Drehpunkt die vier Schrauben der Halteplatte raus (SW 17), den Lenker dafür einmal nach rechts und einmal nach links drehen. Nimm Dir jemand dazu, der das schon mal gemacht hat, wenn Du das alleine nicht machen möchtest. Die Halteplatte nach unten aus der Führung drücken und den ganzen Plunder an der Bremsscheibe nach außen ziehen. Vorsicht: einziger Halt des inneren Gelenks beim nach außen ziehen ist der Faltenbalg aus Gummi! Hierbei die Radnabe quasi von der Antriebswelle weg nach außen ziehen, bis die Welle aus dieser Verzahnung raus ist.
Dann gilt für die linke Welle: die sitzt getriebeseitig in einer fingerhutähnlichen Hülse mit Verzahnung und wird dort von einem Sprengring, der in einer Nut am Ende der Welle sitzt, gehalten. Ob das noch zuverlässig hält, kannst Du beim Ausbauen feststellen: mit einem Stemmeisen vorsichtig zwischen Getriebe und Gelenk gehebelt, sollte die Welle sich ohne großen Widerstand lösen lassen und genauso leicht und deutlich wieder einrasten.
Ist nun der Sprengring verschlissen oder nicht vorhanden, hat die Welle im Getriebe keinen Halt und bekommt durch die Trudelbewegung in der Verzahnung die Tendenz, aus dem Getriebe hinauszuwandern, denn der Ring ist beinahe alles, was sie dort drin hält
Ich hatte dieses Jahr rechtsseitig, wo es keinen Sprengring gibt, einen solchen Effekt. Das Stützlager in Wellenmitte machte seinen Job nicht und die Welle begann, aus dem Getriebe hinauszuwandern (war ein Montagefehler). Die Verzahnung selbst ist vielleicht 40 mm lang und die Welle ist schnell mal 2 cm herausgewandert, wenn sie nicht gehalten wird. Dann hast Du nur noch 50 % der Verzahnung am Tragen und die Welle kann im Sitz ordentlich Trudeln, was Du als übles Geschüttel und Vibrieren empfinden wirst.
Wenn aber nun der Sprengring die Welle noch gut hält und linksseitig ja alles neu ist, stellt sich die Frage nach der rechten Seite: ist diese Welle noch da, wo sie soll? Die ist über einen Meter lang und hat deshalb das Stützlager. Sitzt das noch da, wo es soll? Hat es Spiel? Wenn ja: Welle raus. Die hat keinen Sprengring am Wellenende, sondern zwei Schrauben, die das Stützlager im Sitz halten und vor Demontage der Welle natürlich gelöst werden müssen.
Das Lager ist die „Sollbruchstelle“ der rechten Welle- es geht gern mal kaputt und sollte dann nicht mehr gefahren werden!!! Wir durften den zerschranzten Lagersitz nach Komplettdemontage Reparaturschweißen lassen. Also Vorsicht bei Spiel im Stützlager!
Von Deiner Schilderung her deutet vieles auf ein Auswandern einer Welle hin. Die Hülse im Getriebe oder auch die Verzahnung ist eher robust und als letzte Quelle für ein solch starkes Rappeln fällt mir nur noch ein weiteres kaputtes Gelenk (aber eher bei Kurvenfahrt) oder eben dieses Stützlager der rechten Welle ein. Aber nix davon sollte unlösbar sein. Laß uns wissen, ob es das war, bitte.
Getriebe habe ich noch nicht zerlegt oder repariert.
vom Schaschel