Riedenburg (er) In seinem Karpfenkescher hätte der riesige Stahlfisch, der bei Helmut Simon und einem Fischerkollegen gestern überraschend auftauchte, niemals Platz gefunden. "Plötzlich", so schildert Helmut Simon die Erlebnisse am Wasser, "hörten wir schabende und kratzende Töne aus dem Wasser."
Die abendlichen Angler im Kanalabschnitt zwischen Meihern und Gundlfing konnten die Geräusche keinem bisherigen Erlebnis am Wasser zuordnen und konzentrierten sich daher ganz auf das neue Ereignis.
Nur kurz darauf tauchten mit vielen Blasegeräuschen und nicht weit von ihnen entfernt mitten im Main-Donau-Kanal die Aufbauten eines U-Bootes auf. "Kein so großes, wie man es aus den Nachrichtensendungen oder den verschiedenen Schifffahrtsmuseen kennt · das hätte im Kanalbett niemals Platz gehabt", berichtet Simon. Einige Zeit lag der Stahl-Aal anschließend unbeweglich im Wasser. Noch kurz bevor die Turmluke geöffnet wurde, informierte Simon per Handy einen Mitarbeiter des DK.
Vor dem Eintreffen des Nachrichtenmanns hatte der Kapitän des U-Boots bereits von sich aus Kontakt mit den beiden Männern am Ufer aufgenommen und war mit einem Schlauchboot, das die Tauchboote für Notfälle immer mit sich führen, bei ihnen angelandet.
Die Umstände des plötzlichen Auftauchens zeigten sich trotz der Erklärungsversuche des niederländischen Kapitäns Jan van den Trembel · ein Angehöriger der dortigen Kriegsmarine · als sehr mysteriös.
Der ersten Schadensanalyse nach hatte sich das Boot während der Tauchfahrt mit seinen Tiefenrudern und einem der beiden Schiffsschrauben im Astgewirr einer von Bibern gefällten Erle verfangen. Das Schiff war für kurze Zeit manövrierunfähig, in der Folge auf einen angeschwemmten Schlickhaufen am Grunde des Kanalbettes aufgefahren und dadurch im Binnenkanal in Seenot geraten. Während die beiden anderen Crew-Mitglieder des kleinen U-Bootes in Neoprenanzügen das havarierte Schiff umtauchten und die Schäden zu beheben versuchten, musste sich der sichtlich peinlich berührte Offizier den Fragen des Reporters nach dem Grund der Tauchfahrt in bayerischen Hoheitsgewässern stellen.
"Im Auftrag des niederländischen Marineministeriums", so gab er schließlich zu, "sollen meine Männer und ich die Uferbereiche des Main-Donau-Kanals vor allem in den landschaftlich schönsten Teilen nach eventuellen Stellmöglichkeiten für holländische Wohnanhänger und Wohnmobile absuchen." Weitere Auskünfte über Nutzen und Verwertung dieser Informationen lehnte er mit Hinweis auf seine Verschwiegenheitspflicht ab. Das U-Boot konnte trotz eigener Mühen der Besatzung nicht wieder flott gemacht werden. Erst einem herbeigerufenen Landwirt gelang es, die im Wasser versunkene Erle mit Hilfe seines Schleppers und einer Forst-Seilwinde an Land zu ziehen. Als Dank für die Befreiung wollen die Holländer heute um 15 Uhr an der neuen Schiffsanlegestelle bei Meihern anlegen und der Bevölkerung die Gelegenheit geben, ihr Schiff kennen zu lernen. "Wir freuen uns über jeden Besucher und wer eine selbst gemalte Holland-Fahne in den Farben rot-weiß-blau mitbringt, darf sogar ins Schiff steigen", versprach der Kapitän.
31.03.2005 19:12 Donaukurier online

