Eine hoffentlich amüsante kleine Geschichte von unserer diesjährigen Fahrt durch Italien. Kurz vor Ravenna streikte plötzlich unser Dometic-Kühlschrank, soweit er mit Gas betrieben wurde. Für mich war der Grund gleich klar : Ich hatte einen Tag zuvor GPL-Gas getankt. Offenbar war es mit Ölrückständen verschmutzt und hatte deshalb den Brenner des Kühlschranks verstopft. Hilfe suchten wir über das Internet. Hier gibt es auf der Seite von Dometic eine Übersicht über alle Service-Partner im In - und Ausland. Auf der Italien-Seite fanden wir einen Betrieb in Ravenna. Dort angekommen, erfuhren wir, dass der Betrieb Motoren von Honda-Rasenmähern repariert, aber keine Kühlschränke. Dometic war dem Inhaber aber immerhin ein Begriff. Offensichtlich hatten sich schon andere Womos hierher verirrt. Ein zufällig anwesender freundlicher Italiener, der unser Leid mitbekam, geleitete uns mit seinem PKW zu einem etwa 5 km entfernten Betrieb, der seiner Ansicht nach Kühlschränke reparieren konnte. Es war aber ein Bosch-Betrieb, der sich mit Autos, aber nicht mit Kühlschränken auskannte, was unserem Helfer äußerst unangenehm war und wofür er sich – unnötigerweise – mehrfach entschuldigte. Wir erhielten von dem Betrieb aber die Adresse einer anderen Werkstatt, die uns vielleicht weiter helfen könnte. Nach einer Stunde Fahrt war sie erreicht. Dort kannte man sich aber nur mit Industriekühlschränken und Klimaanlagen aus. An unseren Kühlschrank wagte man sich deswegen nicht heran. Wir erhielten jedoch die Adresse eines Betriebes in Ravenna, der die Reparatur vornehmen könnte. Er hatte jedoch noch Betriebsferien und öffnete erst zwei Tage später wieder. Also mussten wir einen Campingplatz mit 220-Volt-Anschluss aufsuchen, um bis dahin - bei 30 Grad im Schatten - unseren Kühlschrankinhalt nicht verderben zu lassen. Auf dem Weg sahen einen Platz mit lauter Wohnwagen : Ein Winter-Abstellplatz oder auch ein Reparaturbetrieb? Auf jeden Fall fuhren wir hin. Leider war es nur ein Abstellplatz. Der Betreiber suchte jedoch lange, bis er einen Dometic-Prospekt fand, auf dem die Adresse der Italien-Niederlassung vermerkt war, und die war ganze 30 km entfernt. Also nichts wie hin. Dort wurde uns jedoch erklärt, dass das eine Fabrik sei, aber kein Reparaturbetrieb. Wir erhielten aber als Hilfestellung eine Telefonnummer, die sich als italienisches Callcenter von Dometic herausstellte. Dort erhielten wir die Adresse eines Servicebetriebes, wo man uns mit Sicherheit helfen würde. Am späten Nachmittag kamen wir dort an. Da hier alle nur Italienisch und kein einziges Wort Englisch (geschweige denn Deutsch) sprachen, half uns ein freundlicher Italiener, der dort ebenfalls auf eine Reparatur wartete, mit reichlich holpriger, aber doch gerade ausreichender Übersetzung Italienisch-Englisch. Es stellt sich heraus, dass unser Problem nicht am GPL-Gas, sondern an der Elektronik des Kühlschranks lag. Das wichtigste Teil davon war defekt. Ein entsprechendes Ersatzteil hatte die Werkstatt aber nicht vorrätig. Nach mehreren Telefongesprächen stellte sich heraus, dass es dieses Teil auch in ganz Italien nicht gab. Aber man wollte es sofort in Deutschland bestellen. Angeblich sollte es schon am übernächsten Tag da sein. Da wir bis dahin für unseren Kühlschrank auf 220 Volt angewiesen waren, suchten wir am Abend einen Campingplatz unmittelbar an der Adria in der Nähe von Ravenna auf. Ein langer, nerviger und heißer Tag war endlich vorbei. Am übernächsten Tag riefen wir am Nachmittag – mit Hilfe der Campingplatzleiterin als Dolmetscherin – bei der Werkstatt an, obwohl wir uns angesichts der – im Hinblick auf Terminzusagen - vermeintlich sehr lockeren Art der Italiener nicht vorstellen konnten, dass das Ersatzteil schon da sein konnte. Wir wollten uns eigentlich nur melden, um für die nächsten Tage einen Termin zu vereinbaren. Die Antwort : Natürlich sei das Teil schon da. Man habe vorgestern sofort in Deutschland angerufen und um schnellste Zusendung gebeten. Heute Morgen sei es angekommen. Man habe jetzt den ganzen Vormittag auf uns gewartet. Jetzt sei es aber zu spät. Auch am morgigen Freitag sei die Werkstatt bereits völlig ausgelastet, so dass wir erst am Montag kommen könnten. So gab es für uns noch drei Tage „Zwangs“aufenthalt auf dem Campingplatz, was aber angesichts der Leere des Platzes (Anfang September), des traumhaften Wetters und der noch sehr warmen Adria kein Tragödie, sondern ein äußerst erholsamer Zwischenaufenthalt auf der Fahrt in den Süden war. Am Montag wurde dann sofort, nachdem wir angekommen waren, die Reparatur durchgeführt, glücklicherweise noch im Rahmen der Gewährleistung.
Und was kann man aus alledem lernen? 1. Elektronik ist eine feine Sache, aber nur unter der Voraussetzung, dass sie auch funktioniert. Ansonsten … 2. Vorsicht mit leichtfertigen Urteilen über Italiener, etwa dass sie alles auf die lange Bank schieben und unfreundlich sind. Wir haben übrigens bei unserer achtwöchigen Fahrt kreuz und quer durch Italien nur freundliche und hilfsbereite Italiener getroffen. Die einzigen unfreundlichen Menschen auf dieser Reise war ein deutsches Paar.

