Hallo zusammen,
vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere, vor einiger Zeit fragte ich mal nach den Sehenswürdigkeiten rund um die Hermannstatue und die Externsteine (hier das damalige Thema: --> Link )
Nun, lang hat es gedauert, aber kurz vor Saisonende waren wir dann doch noch im Teutoburger Wald unterwegs und haben natürlich auch dem Hermann einen Besuch abgestattet.
Von diesem Besuch will ich euch heute berichten, hier der Auszug aus unserem neuesten Reisebericht:
--> Link
Um 12 haben wir dann alles an Altwasser dagelassen und nehmen sogleich Kurs auf unser erstes Ziel an diesem Tag, dem erklärten Hauptziel der Reise.
Kein geringer, als das Nationaldenkmal und die derzeit größte Statue Deutschlands (und Platz 21 in der Weltrangliste ;-) werden wir besuchen, unseren Hermann, oder auch Armin den Cherusker.
Den Weg zum Hermann kennt zum Glück das Navi, sodass wir uns noch nicht einmal groß um die Route kümmern brauchen. Aber auch ohne Navi wäre der gute Hermann wohl nicht zu verfehlen, er ist gut ausgeschildert.
Die Fahrt zum Hermanndenkmal dauert vom Stellplatz in Detmold (hier zu finden: --> Link ) aus nur knappe 10 Minuten. Echt perfekt gelegen!
Es geht kurz auf einem etwas engerem Waldpfad nach oben, bis wir bei N 51.90958° / E 8.84182° einen großen Parkplatz erreichen.
Scheinbar scheint das schlechte Wetter doch deutlich Einfluss auf die Besucherströme zu haben, zumindest „spontane Tagesbesucher“ haben sich möglicherweise ein anderes Ziel überlegt.
Anders können wir uns nicht erklären, warum vielleicht gerade mal 10% der verfügbaren Parkfläche ausgenutzt sind.
Wir ziehen eine Parkkarte an der Einfahrt zum Parkplatz, suchen uns ein nettes Plätzchen in einer der hinteren Reihen, stellen den Kühlschrank auf Gas, werfen die Wanderschuhe an die Füße und schon geht es los.
Noch bevor wir den Hermann erreichen, können wir in einer Art „Touristenviertel“ unsere Eintrittskarten an einem Kiosk kaufen.
Praktisch hierbei: Es gibt eine Kombikarte, die sowohl für die Besichtigung der Hermann- Statue gilt, aber auch den Eintritt an den Extern- Steinen ermöglicht, die sich hier unmittelbar nebenan befinden.
Da wir diese ja auch auf unserer Wunschliste stehen haben, kaufen wir also gleich mal 2 Kombitickets zu je 3,50 €.
Die weiteren Gebäude neben dem Kiosk bieten eine kleine Gaststube, eine Art Tagungsraum, einen kleinen Souvenirverkauf.
Viel los ist hier nicht, andererseits haben wir auch nicht allzu viel erwartet.
Der Weg zum Hermann will übrigens mühsam erarbeitet werden!
Nur wenige Schritte hinter dem Parkplatz führt der Weg eine Anhöhe rauf und wir müssen uns wirklich schwer tragen. Wenn wenigstens noch die Sonne dazu scheinen würde!
Aber den Gefallen tut sie uns einfach nicht, noch immer ist der Himmel bedeckt und grau.
Schade.
Wird wohl nichts aus der Fernsicht über den Teutoburger Wald und das Lipper Land, die man von der Aussichtsplattform des Hermann genießen können soll.
Zum Glück ist der Weg nicht allzu weit und so reicht unsere Motivation gerade bis zu dem Punkt, wo wir den guten Hermann zum ersten Mal sehen können.
Und der gute streckt uns gleich seine Schokoladenseite entgegen!
Frei nach dem Motto „Auch ein schöner Rücken kann entzücken“, spazieren wir im toten Winkel auf den Hermann zu.
*Hihi*, so kann er uns wenigstens nicht kommen sehen ;-)
Während wir uns noch an den Hermann heran schleichen, muss ich zugeben, dass ich ein klein wenig enttäuscht bin.
Irgendwie hab ich mir den Hermann deutlich größer und monumentaler vorgestellt!
Bei Fernsehberichten rund um den Hermann (oder auch bei einigen Filmen, wo der gute Hermann schonmal eine Komparsenrolle hat) erscheint der Hermann für gewöhnlich als wuchtiges riesiges Bauwerk, welches weit über Baumwipfeln und den Landschaften thront.
Besonders, wenn man Luftbilder vom Hermann sieht und bewegte Bilder aus dem Hubschrauber aus mit dem sich hier bietenden Original vergleicht, ist das schon ein wenig demotivierend.
Ist das denn wirklich der richtige Hermann? Der wirkt so klein!
Auch Anja stimmt mir zu, findet den Hermann jetzt mal nicht wirklich beeindruckend.
Naja, vielleicht kommt das ja noch, wenn wir erst einmal auf dem Sockel stehen...
Recht schnell finden wir den Eingang zur Statue und halten unsere Kombikarte an das elektronische Drehkreuz.
Glück gehabt, dass wir unten den Hinweis mit den Eintrittskarten am Kiosk gelesen haben, denn hier oben gibt nur noch ein stummer Eintrittskartenautomat auf Anforderung eine Karte heraus.
Menschliches Personal hat man wohl abgeschafft, wie ein kleines verlassenes Kassenstübchen am Sockel des Hermann beweist.
Im Innern geht es nun eine betonierte Wendeltreppe hinauf.
Die kurze Steige ist schnell erklommen und schon stehen wir am Zugang zur Aussichtsplattform.
Es würde zwar noch durchaus weiter hinauf und direkt hinein in den Hermann gehen, aber dieser Zugang ist mit einer schweren Türe leider versperrt.
Hab ich vorher schon gelesen, dass der Hermann selber leider nicht von innen angeschaut werden kann.
Angeblich zu eng und zu dunkel. Und es soll mal jemand aus dem Nasenloch gefallen sein.
Ob das stimmt, habe ich bei weiterer Recherche zu diesem Gerücht aber weder bestätigt noch verneint bekommen.
Nun, auch ohne dem Hermann „ins Innere“ zu steigen, ist der Aufstieg schon lohnenswert.
Von hier oben hat man nämlich einen deutlich besseren Ausblick ins Umland, als man von der nur wenige Metern entfernten Position am Sockel vermutet.
Nur seine 7 Sachen sollte man schon festhalten. Wow! Fegt hier oben der Wind entlang! Fast schon instinktiv umrunde ich den Hermann- Sockel einmal fast komplett, bis ich im Windschatten des Sockels eine einigermaßen zumutbare Stelle ohne Sturmböen erwische. Anja ziehe ich direkt hinter mir her, sodass wir nun gemeinsam die Aussicht ohne Windgestöber bestaunen.
Hilfreich zu Orientierung sind einige auf den Rundlauf angeschlagene metallene Platten, die die jeweilige Stadt voraus anzeigen.
Auch die Himmelsrichtungen sind markiert und sogar der Weg nach Berlin ist vorgezeichnet.
Lange verweilen wir nicht auf der Plattform. Es ist einfach zu windig, trotz Sockel im Rücken.
Ich frage mich, wie der gute Hermann das nur aushält? Zum Beispiel bei Eisregen!
Es ist ja nicht gerade so, als wäre der gute Hermann wohl bekleidet! Und wenn ihm die Eiszapfen an der Nase herunter hängen, wird der bestimmt mit seinen unbestritten feschen aber auch nackigen Schenkeln mit Sicherheit ganz schön frieren!
Aber was einen Deutschen nicht umbringt, macht ihn nur härter! ;-)
Ein paar Augenblicke trotzen wir dem zugigen Wind noch, dann aber verlässt uns der Mut.
Sorry Hermann, du musst leider ohne uns weiter dein Schwert gen Westen und nach Frankreich richten, wir können dir nicht mehr weiter helfen.
Und so steigen wir die Treppe wieder herab, um zurück auf Bodenhöhe hinter dem Sockel eine Art Balkon näher zu begutachten.
Von hier aus hat man nun die Möglichkeit, den Hermann mal in seiner gesamten Statur einigermaßen vorzeigbar auch von vorne abzulichten, was uns auf dem Weg zum Hermann ja nur von hinten gelungen ist.
Rund um die Anlage finden sich übrigens mehrere Infotafeln, wovon wir einige studieren.
Die Tafeln erzählen die Geschichte des Hermanns, die Bauzeit, den Aufwand, aber auch politische Hintergründe, wie zum Beispiel, warum er (wie bereits erwähnt) sein Schwert zu DEM damaligen Gegner des 19 Jahrhunderts richtete, nämlich in Richtung Frankreich.
Dazu kommen Infos zum Bauherrn Ernst von Bandel, der hier so ziemlich alles an Geld und Leben in den Hermann gesteckt hat.
Am Ende starb der gute Mann mittellos und verarmt, die Statue hat ihn quasi seiner Lebensgrundlage beraubt.
Neben den Infotafeln erhält Ernst von Bandel ja heute noch eine weitere späte Anerkennung, was auch die am Zugang zum Hermann befindliche sogenannte „Bandel- Hütte“ beweist.
Die kleine Holzhütte war Schaffens- und Schlafplatz von Ernst von Bandel und bot dem Bauherrn des Hermann hier von 1872 bis 1876 Quartier.
Im Innern befindet sich heute eine kleine Ausstellung über die Geschichte des Hermann, die wir ebenfalls genau studieren (Eintritt in die Hütte ist kostenlos).
Die Eröffnung zum Herman fand 1875 statt. Der Kaiser selbst hatte sich auf den Weg hierher gemacht und soll am Ende des Events mit mehreren 10tausenden von Besuchern gesagt haben, dass es das schönste Fest gewesen wäre, dem er jemals beigewohnt habe.
Seit dem war es dann wohl Brauch, dass man als „guter nationalgesinnter Deutscher“ dem Hermann mindestens einmal einen Besuch abgestattet haben sollte.
Kein Wunder, dass auch in der „dunklen Deutschen Zeit“ das Symbol des Hermann für unlautere Zwecke ausgenutzt wurde.
So hat Ernst von Bandel sich das sicherlich nicht vorgestellt.
Umso schöner ist es, dass der Hermann nach dem Krieg nun als Mahnmal für Freiheit und Frieden seinen Platz gefunden hat.
Und das er dabei noch immer das Schwert gen Frankreich richtet, ist heute sicherlich in einem ganz anderen Kontext zu verstehen ;-)
Interessant sind natürlich auch die technischen Daten der Hermannstatue, die hier noch einmal kompakt zusammen gefasst sind:
Baubeginn: 1838
Grundsteinlegung: 1841
Vollendung des Unterbaus: 1846 (danach zunächst Baupause bis 1862)
Einweihung des Denkmals: 1875
Höhe des Unterbaus: knapp 27 Meter
Höhe der Statue: 26,57 Meter
Gewicht der Statue: knapp 43 Tonnen
Schwertlänge: 7 Meter, 550 kg (halt so ein Teil mal den ganzen Tag hoch... ;-)
Denkmalgesamthöhe: 53,46 Meter
Schon beeindruckend die Zahlen, oder?
Dennoch ist es nach wie vor ein wenig komisch, dass uns der Hermann hier vor Ort gar nicht so groß vorkommt, wie es die Zahlen auf den ersten Blick vermuten lassen.
Hermann hat übrigens einen kleinen Bruder!
Wer hätte das gedacht?!
Allerdings müsste sich einer der beiden, wenn er den anderen besuchen wollte, auf einen recht langen Weg machen und ein Boot bräuchte er auch!
Der kleine Hermann, das sogenannte „Hermann Heights Monument“ oder „Hermann the German“ (gesprochen "Hörmen the Djschörmen") steht in den USA, genauer in New Ulm im Bundesstaat Minnesota.
Dort wurde er von Deutschen Auswanderern aufgestellt, die dort in Neu- Ulm eine neue Heimat gefunden hatten und gleichzeitig ein Stück Ihrer Heimat mitnehmen wollten.
Der Hermann in den USA ist hierbei sogar fast so alt, wie sein großer Bruder hier in Deutschland, er wurde 1897 fertig gestellt und ist etwa 31 Meter hoch.
Unserem Hermann reicht er damit wohl nur bis etwa an die Knie…
Auch ein Kampf zwischen „Herman the German“ und unserem Hermann wäre wohl unfair dem amerikanischen Hermann gegenüber.
Herman the German´s Schwert misst nämlich nur etwas um knapp über 3 Meter.
Gegen das 7- Meter Schwert unseres Arminius wohl kaum konkurrenzfähig.
Aber die beiden sollen ja auch nicht gegeneinander kämpfen, sondern sich viel mehr friedlich im Geiste verbunden fühlen.
Wenn überhaupt, hätten die beiden stattlichen Herrmanns vielleicht gemeinsam eine Chance gegen eine der kampfeslustigen und wehrhaften russischen Damen... ;-)
Und so ist es schön zu lesen, dass die beiden jeweiligen Verwalter der Statue einen engen Gedankenaustausch pflegen.
Deswegen steht wohl auch die Infowand hier, um eben auch den Hermann in den USA einmal vorzustellen.
Übrigens hat Anja mich bei meinem Wort gepackt und ich sitze ein wenig in der Zwickmühle!
Ich hab ja mal im Frühjahr des Jahres gesagt, dass wir uns unbedingt einmal den Hermann anschauen müssen. Steht ja auch so in unseren erklärten Reisezielen.
Mit unserem heutigen Besuch war ich eigentlich der Meinung, dass wir dieses „Versprechen“ eingelöst haben.
Anja meint aber, dass zu einem echten „Hermann- Besuch“ ja nun auch der Besuch des kleinen Hermann in Minnesota gehören würde.
Oh- weia!
In was hab ich mich da nur verstrickt?!
Nun, warum eigentlich nicht?
Schon seit längerer Zeit haben wir überlegt, dass wir ja mal wieder eine Reise in die USA planen könnten.
Schon einmal haben wir vor einigen Jahren eine Tour mit einem Mietwagen durch Californien, Utah, Arizona und Nevada gemacht. Traumhaft war das damals.
Warum also nicht nochmal sowas machen? Vielleicht mit einem gemieteten Wohnmobil?!
Wenn wir wieder zuhause sind, werden wir hier mal ein paar Recherchen anstellen und ein bisschen herum rechnen, ob wir das im kommenden Jahr oder auch später realisieren können.
Dort in den USA den Hermann zu besuchen ist ja wirklich ein guter Grund! Jedenfalls wüsste ich im Moment keinen besseren, dort einmal hinzufahren ;-)
Nachdem wir die Bandel- Bauhütte ausgiebig besichtigt haben, spazieren wir zurück in Richtung Wohnmobil.
Wir stöbern zwar noch ein wenig durch einen kleinen Souvenirshop, können aber nichts Passendes entdecken, was einen Einkauf lohnt.
Wir zahlen fix schnell die Parkgebühr und machen uns sogleich auf, das nächste Ziel auf dieser Kurzreise anzusteuern, die Externsteine!
Nun, ich hoffe der kleine Einblick in unserer neuestes Reisetagebuch hat Lust auf mehr gemacht.
Denn am nächsten Reiseziel, den Externsteinen wird es richtig spannend!
Wir finden nämlich dort einen echten Münzschatz!
Ja, wirklich! :wink:
Mehr davon hier: --> Link
Viel Spass beim Lesen
Björn

