Hallo burgunderin,
meine Reiseerfahrung basiert auf unsere Reise durch Nordpolen und das Baltikum im Jahr 2003, aber in der Zwischenzeit dürfte sich nicht viel verändert haben. Vorab, wir haben uns in allen bereisten Ländern sicherer gefühlt als in manchen westeuropäischen Ländern, eingeschlossen Deutschland. Einen Campingplatz haben wir in den 4 Wochen niemals aufgesucht. Natürlich muß trotzdem die nötige Vorsicht beachtet werden, wie Wertsachen und Geld am Mann oder Frau behalten, alles abschließen usw. (aber da ist schon genügend im Forum geschrieben worden).
Zur Einreise nach Polen benutzten wir von der Insel Usedom kommend den Grenzübergang Linken auf der B 104 (keine LKW). Weiter über Stettin zur Halbinsel Wolin. Dort Besichtigung der Seebäder, Naturschutzgebiet mit Wisentgehege, lohnende Besichtigung der Stadt Cammin (Kamien Pomorsko). Übernachtung bei Wiselka an einem kleinen See mit Angelstegen, Picknickplätzen, kleinen Schutzhütten und vielen Mücken. Weiterfahrt über Trzeblatow und Kolberg nach Mielno. Ein Stück weiter (etwa bei Lazy) ist ein Parkplatz in den Dünen neben einem kleinen Flüsschen, welches nach wenigen Metern in die
Ostsee mündet. Dort konnten wir ungestört übernachten, früh kam der Parkwächter und forderte seinen Obulus. Ich habe ihm 2€ gegeben. Das nächste Ziel ist der
Slowinski-Nationalpark mit seinen gewaltigen Wanderdünen (stehen der Düne von Pilat nicht nach!). Sehr schön ist eine Radtour durch den gesunden Küstenwald mit vielen kleinen Seen. Die Fahrt dorthin führte an der Küste entlang über Darwolo und Uska nach Rowy, einem kleinen Badeort am Rande des Nationalparks. Dort schöne Übernachtungsmöglichkeit auf geräumigen Parkplatz unter schattenspendenten Bäumen. Weiter nach Kluki mit sehenswerten Freilichtmuseum über die Lebensweise der Slowinzen. Übrigens, die Slowinzen waren eine Volksgruppe der Kaschuben, welche in den 50ger Jahren aufgehört hat, als eigene Sprachgruppe zu existieren. Die Kaschuben wiederum sind eine nationale Minderheit, von den Günter Grass in der Blechtrommel schreibt, dass sie für die Deutschen zu wenig deutsch und für die Polen zu wenig polnisch seien. Soweit der Ausflug in die Geschichte. Von Kluki aus in Richtung Leba nach Rabki. Von geht es mit Bus oder Elektrobähnchen 6 km zu den Dünen, welche von UNESCO als Biosphärenreservat als besonders schutzwürdig erklärt sind. Den nächsten Übernachtungsplatz fanden wir in Richtung Danzig am Stausee Zarnawieckie. Vor Danzig sollte die Halbinsel Hel besucht werden. An der Spitze im Ort Hela viele gute Restaurants und eine Robbenaufzuchtstation.
Das Auto hatten wir auf einem kleinen Parkplatz abgestellt. Die deutschsprechende Besitzerin bot uns
Stellplatz für die Nacht an, aber wir wollten weiter. In Reda am Friedhof fanden wir eine Stellmöglichkeit für die Nacht. Auf dem Weg nach Danzig in Oliva die Klosteranlage und die Kirche besichtigen. Attraktion ist die Orgel mit 7876 Pfeifen. Über Danzig zu schreiben würde den Rahmen sprengen. Eine Besichtigung zu versäumen wäre sträflich. Günstige Parkmöglichkeit am Bahnhof; dort aber Fahrzeug sichern. Das nächste sehenswerte Objekt ist die Marienburg im Malbork. Abends angekommen ließ uns der Parkplatzwart auf dem Parkplatz übernachten. Zur Besichtigung der Burg ist es günstig, bei einer der zahlreichen deutschen Besuchergruppen den Führer zu bitten, sich der Führung anschließen zu dürfen. An den Masurischen Seen sind viele Stellmöglichkeiten vorhanden, auf Campingplätze kann aber muss man nicht verzichten. Sehr zu empfehlen ist ein Besuch der Wallfahrtskirche "Heilig Linde" (Swieta Lipka). Mit etwas Glück ist dort ein Orgelkonzert zu erleben. Die Orgel verfügt über viele bewegliche Figuren, da ist richtig was los. Als Kontrast können danach auf der Weiterfahrt noch die Bunker der Wolfsschanze besichtigt werden, aber man kann auch getrost darauf verzichten. Auf dem Parkplatz soll gut übernachtet werden können. Wir haben es nicht versucht und haben uns als letzten Übernachtungsplatz vor dem Grenzübergang nach Litauen einen Parkplatz am See hinter Olecko gesucht. Die Ausreise nach Litauen erfolge über den Grenzübergang Sangruda. 2003 hatte die Grenzabfertigung noch einen richtig sozialistischen Charme, hoffentlich ist es jetzt durch den EU-Beitritt anders geworden.
Auf der gesamten Reise durch Polen haben wir weitgehend die Hauptstraßen gemieden und die kleinsten Straßen gesucht. Die Fahrt führte meistens durch traumhafte Alleen. Allerdings zwang das überwiegend vorherrschende Kopfsteinpflaster trotz kaum vorhandenes Verkehrsaufkommen zu langsamer Fahrweise. Aber dafür ist genügen Zeit die wunderschöne Landschaft zu sehen.
So, eigentlich wollte ich nur eine mutmachende Nachricht schreiben. Nun ist fast ein
Reisebericht daraus geworden. Aber vielleicht ist meine Schreiberei auch für andere Reiselustige von Nutzen.
Tschüß und schöne Reise
Peter