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Südengland Sommer 2011


q2v am 09 Okt 2011 18:53:59

Hallo,
nachdem ich die Reiseberichte hier im Forum immer sehr genieße und mir schon einige wertvolle Informationen herausgezogen habe, möchte ich Euch heute mit meinem Erstlingswerk „beglücken“.
Nach unserer Reise 2007 nach London und Wales stand für mich eigentlich fest, dass mich die Insel nicht mehr so schnell sehen würde. Damals noch mit einem 12 m langen Wohnwagengespann unterwegs, war das Reisen dort auf den Landstraßen nicht sehr kommod. Sehr enge Straßen, der Tunnelblick bedingt durch wahlweise Hecken oder Mauern links und rechts der Straßen und v.a. 10 Tage annähernd Dauerregen waren nicht dazu angetan meinen Reisefokus zukünftig auf England zu legen. Wie auch immer, familiäre Umstände rückten England 2011 wieder in den Fokus. Das Ziel sollte diesesmal Südengland sein.
Am 25.08. brachen wir am späten Nachmittag auf und hatten unseren ersten Übernachtungsstop in Dudelange, Luxemburg.



Auf unserem Weg nach Dunkerque am 26.08. zur Fähre legten wir noch einen kleinen Sigtseeing-Stop in Brüssel an und besichtigten das Atomium.



Das Hafenareal in Dunkerque ist sehr weitläufig, aber hervorragend beschildert und somit war die Anfahrt zum Fährterminal der DFDS völlig problemlos. Um 17:00 h Ortszeit kamen wir, nach einer ruhigen Überfahrt in Dover an. Der Linksverkehr ist zunächst v.a. in den Kreisverkehren etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach einer halben Stunde schon kein Thema mehr. Ein Thema wurde aber die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Wir fuhren erst einmal Richtung Hastings und dachten noch nicht verschärft über die Tatsache nach, dass wir auf das Bankholiday-Weekend (höchste Hochsaison in England) zusteuerten. Das war mir im Vorfeld schon bewusst, aber Vorbuchungen mag ich nicht und ich stehe auf dem Standpunkt, dass Campingreisen mit Vorbuchungen eigentlich nichts zu tun haben (ganz eigene Meinung). So kam es, wie es kommen musste - alle angefahrenen Campingplätze, egal wo entlang der Strecke, waren ausgebucht und es gab für uns kein Unterkommen. So gegen 21:00h und nach 5 „Absagen“ hatte ich die Nase voll und das Schild „Industrial Estate“ in Bexhill kam mit gerade recht. Wir verbrachten eine ruhige Nacht in einer Seitenstrasse und ich war ´mal wieder froh ein Wohnmobil und keinen Wohnwagen mehr zu haben.

Unser Ziel für den 27.08. war Purbeck in der Nähe von Pool und dort Corfe Castle und für den nächsten Tag die Jurassic Coast mit Durdle Door.
In Corfe hatten wir Glück und sind trotz Bankholiday Weekend und ohne Reservierung auf einem netten Farm Camping untergekommen. Nach dem Abstellen des WoMo unternahmen wir noch einen kurzen Spaziergang nach Corfe und besichtigten die Ruine von Corfe Castle. Allerdings nur von aussen. Für den Eintritt wurden 7,50 Pfund aufgerufen. Das war uns das doch etwas zu heftig. Mal eben zum Feierabend für die 4-köpfige Familie 30 Pfund für ein paar alte Steine auf den Tisch des Hauses zu legen - da gewinnt der Kulturbanause in mir die Oberhand. Und von aussen war´s auch schön.





Nach unserer Rückkehr aus Corfe schlenderten wir noch ein wenig über den Campingplatz und stellten dann erst fest, dass wir bisher nicht mal erahnt hatten, welche Dimensionen der hatte. Der Farmer hatte extra für das Bankholiday Weekend ein paar seiner Weiden zugänglich gemacht und dort befanden sich mindesten 500 Einheiten - der Wahnsinn.
Am 28.08. morgens machten wir uns auf den kurzen Weg nach West Lulworth, um dort an der Jurassic Coast noch Durdle Door anzusehen, bevor wir weiter nach Cornwall fuhren.



Der Parkplatz bei Durdle Door ist so abschüssig, dass ich vorsichtshalber ´mal die Keile auspackte um das WoMo zu sichern.
Die weitere Tagestour führte uns in die Nähe von St. Austell wo wir in den folgenden Tagen das Eden Projekt und The Lost Gardens of Heligan ansehen wollten. In unmittelbarer Nähe vom Eden Project folgten wir einem Schild Inni´s Inn Camping und standen dann auf einer Wiese mit einem WoMo und einem Wohnwagen. Keine Mensch weit und breit. Auch der Pub auf dem Gelände war verschlossen. Angesichts der überfüllten Campings der letzten Tage kamen wir zur Überzeugung, dass Inni´s Inn wohl nicht in Betrieb war und wir zogen weiter zu einem, wie schon gewohnt, ausgebuchten Campingplatz. Da wir keine Lust auf eine weitere Campingplatzodyssee hatten, ging zurück zu Inni´s Campground. Für eine Nacht würde es dann schon gehen. Dort angekommen, klingelte ich versuchsweise am PUB und siehe da, Inni höchstpersönlich erschien und meinte wir können uns einen Platz aussuchen. Abends probierten wir noch das lokale Bier und hatten eine sehr ruhige Nacht. Es gefiel uns dort so gut, dass wir uns gleich für weitere 2 Nächte einbuchten.
Am 29.08. besuchten wir eins der Highlights der ganzen Reise. Die riesigen Folienkuppeln des Eden Project wurden in einem ehemaligen Steinbruch errichtet und beherbergen verschiedene Landschaften und Klimazonen unserer Erde. Besonders eindrucksvoll fanden wir die Tropenkuppel. Alles auf dem Gelände hat einen pädagogischen Charakter, erhebt aber niemals drohend den Zeigefinger, sondern vermittelt eindrücklich die Notwendigkeit des Nachhaltigkeitsgedankens. Selbst die Restaurationsbetriebe zeigen auf erfrischende Weise, dass Bio und Nachhaltigkeit auch Laune machen kann.









Demjenigen, der gerne fotografiert bieten sich in den beiden Kuppeln so viel herrliche Motive, daß nach zwei Stunden die Speichkarte glüht und der Akku die Waffen streckt.
Abends ging es wieder zurück zu Inni´s und nachdem die vorbestellte Forelle durch den Verzehr im heimischen Bier weiter schwimmen durfte, gab es noch ein paar Runden Poolbilliard mit den Kindern. Wir sahen wieder einmal, dass es für einem gelungenen Abend auf dem Campingplatz keine Animation, Kinderdisco, Spielhallen oder ähnliches braucht.
Den nächsten Tag verbrachten wir in den Lost Gardens of Heligan. Auch hier hatten wir wieder Tropenfeeling. Dieses Erlebnis im Wissen, dass man sich gerade in England befindet mutet schon etwas seltsam an. Aber egal, schön war es auf alle Fälle. Der Park ist sehr weitläufig und in unterschiedliche Sektionen unterteilt. Die Geschichte des Gartens hier wiedergeben zu wollen, würde den Rahmen bei weitem sprengen. Für Interesssierte bietet sich ein Besuch der Website aber auf alle Fälle an.







Bis hierher hatten wir ausgesprochen gutes Wetter und für die folgenden Tage war auch gute Wetter angesagt, so dass wir uns am 30.08. nach Brean in Somerset aufmachten, um dort direkt am Meer für einige Tage die Seele baumeln zu lassen. Dazu hatte ich mir im Vorfeld den Campingplatz Warren Farm im Internet ausgeguckt, aber nicht gebucht. Da Bankholiday nun vorüber war, war die Situation auf dem Campingplatz völlig entspannt. Nur die Strandnähe ließ für meinen Geschmack zu wünschen übrig, da noch eine Strasse und eine Reihe Häuser zwischen Camping und Strand waren. So hatte ich mir das nun gar nicht vorgestellt. Abends mit bei einem guten Roten die Sonne im Meer verschwinden zu sehen, das war das, was ich wollte. So blieb nur ein abendlicher Strandspaziergang. Dabei entdeckten wir einen Kilometer weiter den Campingplatz Channelview direkt am Wasser. Dorthin wurde dann am nächsten Tag „verlegt“.





Am 03.09. waren wir mit Bekannten in St. Albans, nördlich von London, verabredet. Auf dem Weg dorthin hatten wir noch einen Zwischenstop in Bristol. Ein kleiner Spaziergang durch die Stadt hat uns allerdings nicht so viel gegeben, so dass wir nach diesen nach 2,5 h wieder beendeten.
Den Abend haben wir mit unseren Bekannten in St. Albans verbracht und am nächsten Tag noch die Kathedrale dort besichtigt. Gerüchteweise kam uns zu Ohren, dass diese Kathedrale ein Drehort einer der Harry Potter Filme sein sollte. Wir konnten davon allerdings nicht erkennen. Das Gotteshaus ist aber auch so schon sehr beeindruckend.

Am 05.09. stand Sissinghurst auf unserem Plan. Das scheint wohl eine Art Geheimtip zu sein. Ich kannte den dortigen Garten nicht mal dem Namen nach und bin darauf während der Lektüre einer der Reiseberichte hier im Forum gestoßen. Um es kurz zu machen. Das Schlösschen und der Garten sind wunderschön und es wird jedes Klischee über englische Gärten bedient. Wir haben es sehr genossen und die Öffnungszeiten trotz regnerischem Wetter voll ausgekostet. Die abendliche Stellplatzsuche war ein wenig mühsam, da ich immer noch nicht zwischen Campingplatz und Caravanpark unterscheiden kann, aber schließlich fanden wir eine Campingwiese. Nicht besonders schön aber für eine Nacht völlig ok.









Der 06.09. widmeten wir dem Besuch von Canterbury. Ein ausnehmend schönes Städtchen. Die Kathedrale als Sitz des Erzbishofs und der Ruhestätte von Thomas Becket ist einfach nur gewaltig. Die Damen und Herren, die in der Kirche Fragen beantworten sind jeden Penny des Eintrittsgeldes wert. Ich ließ mir über eine halbe Stunden lang die Geschichte von Thomas Becket und dessen Schrein (der ist allerdings irgendwann während der Reformation verschwunden) erzählen – sehr interessant, v.a. weil die Karriere als Kirchenmann für die damalige Zeit doch eher ungewöhnlich war.









Am Abend hat dann ein richtig fieses Wetter mit Sturm und Regen eingetzt und der Wetterbericht ließ für die nächsten Tage nichts besseres erwarten. Daher beschlossen wir (mal wieder) die Insel ein paar Tage früher als geplant zu verlassen und unser Urlaubsheil in den Ardennen zu suchen.
Am 07.09. wurden wir in Dover am Fährterminal vorstellig, um unsere Fähre umzubuchen. Das kostete mich 40 Pfund, womit der Vorteil der langfristigen Vorausbuchung auch wieder dahin war. Egal was ich buche, es geht meistens in die Hosen. Das war mir allerdings ziemlich egal, weil ich keine Lust hatte aus Ersparnisgründen zwei weitere Tage in Sturm und Regen zu verbringen.
Der Plan mit den Ardennen fiel auch dem schlechten Wetter zum Opfer so dass wir spät abends wieder an der Stelle landeten, wo unsere Tour begonnen hatte, nämlich in Dudelange.
Am 08.09. nutzen wir noch dir geografische Gunst und ein paar Wolkenlücken für einen Besuch der Saarschleife bei Cloef und einen klitzekleinen Shoppingexzess in Mettlach.



Abends kamen wir wohlbehalten wieder zuhause an.

So, ich hoffe die Lektüre hat ein wenig Spass gemacht und vielleicht hilft mein Bericht dem einen oder anderen bei der Tourplanung für Südengland.


Ralf

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CKgroupie am 09 Okt 2011 20:13:35

Hallo Ralf,
danke für Deinen Reisebericht und die schönen Fotos! Ich möchte schon lange mal nach England fahren, scheue mich aber vor dem Linksverkehr und den engen Straßen. Wie bist Du denn mit letzteren zurecht gekommen? Ist das wirklich so abenteuerlich in Südengland oder kommt man mit dem Womo doch überall durch?

stu am 09 Okt 2011 21:09:00

Hallo Ralf, Danke für den schönen Bericht.

@CK: Es gibt viele Ecken in Südengland, die sind schon speziell. In Kent kenne ich Ecken, die sind sogar enger als die Bauernwege hier in Wales - und das sind A-Strassen.

Andererseits: Ich finde das Linkssitzen im Linksverkehr sehr angenehm auf engen Strassen, da ich mich sehr weit an die Hecken und Mauern orientieren kann. In 3 Jahren habe ich hier noch keinen "Feindkontakt" gehabt... ;-)

guet goahn

Stu

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q2v am 09 Okt 2011 22:02:59

CKgroupie hat geschrieben:Hallo Ralf,
....Ist das wirklich so abenteuerlich in Südengland oder kommt man mit dem Womo doch überall durch?


Die Hauptdurchgangsstrassen sind gar kein Problem, aber auf den Nebenstrassen kann´s durchaus ´mal ziemlich eng werden. Da muss man sich eben vorsichtlich aneinander vorbeidrücken oder auch ´mal ein paar Meter zurücksetzen. Die Engländer, denen ich begegnet bin, waren sehr rücksichtsvoll. Ein ernsthaftes Problem ist für uns nie entstanden.
Gegenüber der Fahrrei mit dem Wohnwagen auf solchen Strecken, war die Fahrt mit dem WoMo geradezu entspannend, auch weil man etwas höher sitzt und auch ´mal über die seitlichen Mauern drübergucken kann.
Von irgendwelchen Schauergeschichten über enge Strassen würde ich mich nicht von einer Reise dorthin abhalten lassen.


Ralf

Roman am 09 Okt 2011 22:44:06

q2v hat geschrieben:Von irgendwelchen Schauergeschichten über enge Strassen würde ich mich nicht von einer Reise dorthin abhalten lassen.


Zunächst danke Ralf für den schönen Bericht, wenn ich auch sagen muss, dass Dein schönstes Foto das von der Saarschleife ist.

Eine nicht ganz ernstgemeinte Feststellung eines überzeugten Saarländers :D.

Wenn ich Deine Bilder sehe, ärgere ich mich schon etwas, dass wir dieses Jahr nicht im "Eden Projekt" waren. Aber irgendwie hatten wir es diesmal nicht im Plan.

Ansonsten kann ich mich dem o.g. Zitat nur anschließen. Defensive und vor allem vorausschauende Fahrweise ist schon mal die halbe Miete. Wenn in der Ferne ein Fahrzeug auf enger Straße entgegenkommt, bleibe ich einfach schon mal in der nächten Ausweichbucht stehen und verlasse mich nicht darauf, dass der Andere zurückfährt.

Es gab zwar in jedem Urlaub bisher die Situation, wo ich schon mal über eine größere Strecke zurückfahren musste, aber das bleibt die Ausnahme.



Roman

ottomar am 06 Nov 2011 13:57:21

Hallo,

erst mal vielen Dank für den animierenden Bericht...wir werden wohl wieder nächstes Jahr England besuchen.
Zum Thema enge Straßen und Linksverkehr: Wir kennen kein Land in Europa, in dem derart entspannt Auto gefahren wird - keine Schulmeisterei und Rechthaberei.
Und wenn es eng wird, und das kann es auf den entsprechenden Strecken sehr oft werden, dann hatten wir bei diversen Reisen in ganz GB den Eindruck, dass die Fahrer im Begegnungsverkehr insgeheim einen Wettbewerb austragen, wer schneller zur Ausweichstelle zurücksetzen kann. Meistens haben wir verloren.
Linksverkehr ist überhaupt kein Problem, da auch hier die Einheimischen ausgesprochen rücksichtsvoll mit dem Visitor umgehen.
Nun ja, eine Einschränkung - im Raum London geht es etwas rauher zu.

Viele ,

Ottomar

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