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Kunststoff Reparatur mit Flüssigkunststoff


b0tti am 16 Okt 2011 00:55:33

Moin,

im WoMo wird aus Gewichtsgründen viel und umfassend mit "Plastik" gearbeitet und leider oftmals in einer Qualität, die man als Minimalstärke bezeichnen kann. Bei unserem Chausson wurde die Eckschraube eines Fiamma Dachfensters mit Lüftung wohl so stark angezogen, daß die Ecke im Kunststoff ausriß. Zwar kein Problem, die Ecke hielt ja überdimensioniert an einer Schraube und der Rest des Fensters war mit 7 Schrauben ja auch noch sicher. Aber das geschulte Auge stört sich halt an solchen "Kleinigkeiten". Doch häufig ist die dann nötige Ersatzteilbeschaffung teuer und u.U. langwierig, bis gar unmöglich.
Von berufswegen habe ich häufiger mit Kunststoff zu tun, was lag da näher, als einmal die Reparatur dieses Fensterrahmens zu versuchen.
So sah es nach Abnahme des Rahmens aus, vor Abriß ist die arme Ecke auch noch eingerissen, toll was alles mit Holzschrauben und fehlendem Fingerspitzengefühl machbar ist.
Vorher:




Auch an einer anderen Ecke war durch fehlendes Fingerspitzengefühl (Akkuschrauber :roll: ) ein Einriß.

Deshalb habe ich innerhalb des Kunststoffs eine Ausfräsung für eine Kunststoffverstärkung eingefräst. Das geht mit einem Dremel wunderbar:




Dann wird die "appene Ecke" mit etwas Wachs oder Sekundenkleber gegen Verrutschen fixiert:


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b0tti am 16 Okt 2011 01:05:56

Dann kommt der im zahntechnischen Labor bekannte Flüssigkunststoff zum Einsatz. Er besteht aus einer Flüssigkeit und einem Pulver.

Zuerst etwas Flüssigkeit (Monomer) in einen Mischbecher:



Dazu, ähnlich wie beim Gips anrühren, etwas Pulver (Polymer) und gut verrühren:



Dann entsteht ein fließfähiger Kunststoff, der am Anfang immer etwas zu dünn erscheint, aber nach ca. 30 sek, durch Aufquellen, anfängt, fester zu werden.

Damit wird dann die Ecke innen angefüllt.







Auch die Eckverstärkung, die ungefähr wie ein Türsturz aus einem Guß besteht, gieße ich zu:


b0tti am 16 Okt 2011 01:17:35

Dann braucht man nur noch 5 Minuten warten, in denen der Kunststoff polimerisiert. Er tut das ganz von alleine und sollte in dieser Zeit keinen Veränderungen ausgesetzt sein.

Nach der Aushärtung schleife ich die Überstände der Eckverstärkung noch plan:



So sieht das ganze nun erstmal aus:



Dann noch mit einem Sandpolierer anfinieren oder sanft schleifen:



Im Detail natürlich noch erkennbar, aber etwas Entfernung kaschiert schon mal:



Eingebaut sieht es dann so aus:





Zwar nicht neu, aber die Ecke hält jetzt auch was aus und die Kosten für das Ersatzteil, sofern erhältlich, konnte ich mir auch ersparen.

Zeitaufwand war, excl. Ausbau, ca. 10 Minuten.

Wen die Rosafarbe stört, bekommt das ganze auch in Transparent. Ist ein Werkstoff, der in jedem Zahntechnischen Labor und Dentallabor verwendet wird.

Wenn der Tröt auf Interesse stößt, kann ich ja mal Bezugsquellen posten.

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hartmut49 am 16 Okt 2011 05:09:21

Moin Bütti
Gute Arbeit!
Wäre noch interessant was das für Reparurtmaterialien sind, und wo man so etwas bekommt ?
Gleich gute Ergebnisse könnten evtl. auch mit Industrirkleber ereicht werden ??
Da entfällt das Mischen. Pulver- (Härter? )würde nach und nach aufgetreufelt.
,
Hatmut

Gast am 16 Okt 2011 06:55:22

Hallo Bütti

Respekt, gute Arbeit. Die Bezugsadresse wäre schon von Interesse.


LongJohn

Und wenn das Gebiss von unser Oma mal kaputt geht,
kann ich dir dieses dann doch zusenden oder ? :D

b0tti am 16 Okt 2011 08:42:45

Moin,

der Kunststoff heißt Paladur und wenn man sich das Anmischen zutraut, vielleicht vorher auch mal ein bischen probiert, ist der Prothesenkunststoff wegen der guten Verbindung zum Plastik durchaus einem Industriekleber überlegen, da er auch Bereiche ersetzen kann.

Bezug ist direkt beim DentalDepot manchmal schwierig, da dort nur an Zahnarzt oder Zahntechniker versandt wird.

Man kann es aber mal probieren, z.B. unter --> Link oder --> Link

Wem die Mengen zuviel sind, um es auszuprobieren, kann ja mal beim Dentallabor in seiner Nähe nachfragen (Telefonbuch, Internet). Die sind dort meistens sehr nett und hilfsbereit, da man dort immer vollstes Verständnis hat, für Leute. die auch gerne "frickeln".

@LongJohn: Schicken?!? - das kannst Du bestimmt bald selber machen :wink:

Gast am 16 Okt 2011 15:07:48

hartmut49 hat geschrieben:Wäre noch interessant was das für Reparurtmaterialien sind, und wo man so etwas bekommt ?

Kleine Ecken kriegt man mit UHU Endfest, dem man 50% Glasmehl zumischt, wieder hin.
Oder gleich mit Epoxydharz (2 Komponenten, bei größeren Stellen billiger als UHU), ebenfalls mit Glasmehl anzumischen. Glasmehl wird beim Aushärten der Mischung schön weiß. Epoxy hat aber den Nachteil, nach Anbruch nicht mehr sehr lange zu halten. Dafür kann man die Viskosität so anrühren, wie es gebraucht wird.

Mit UHU endfest habe ich mal bei einem hölzernen Großbaum eine ausgerissene Nut (Unterliek) für das Segel repariert. Den ausgerissenen "Holzspan" habe ich mit "Endfest" eingeklebt. Zwei Tage haben wir das aushärten lassen. Hat einen Törn bei 8 Bft problemlos überstanden.

Epoxydharz & Co einschließlich Glasmehl bekommt man im Farbenfachhandel oder vielleicht (!) wenn man liebt guckt, auch bei Bootsbauer, der sowas zufällig im Anbruch hat.

Andreas

cruiser 600 am 16 Okt 2011 17:39:16

@b0tti,
Dank für die umfassende Dokumentation und die Bezugsquellen!
Macht auf mich einen sehr guten Eindruck.
Werde die Methode im Winter wohl testen.

Hermann

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