Nachdem es kaum Literatur über Womo-Reisen auf die Kanaren gibt und ich auf den Inseln laufend angesprochen wurde und über Details ausgefragt, mal eine kurze Zusammenfassung über die meistgestellten Fragen:
Wir waren 1 ½ Monate auf Gran Canaria und 2 Monate auf Teneriffa. Unser Dank gilt auch den einen User aus diesem Forum, der über seine Reise auf die Kanaren hier so ausführlich berichtet hat. Ich stelle bewußt meine Zeilen in die Rubrik SPANIEN, zu denen die Kanaren ja politisch gehören.
Anreise : Eine Direktfährverbindung gibt es mit der Gesellschaft ARMAS von Huelva in Südspanien aus. Die Fahrtstrecke von Hannover nach Huelva beträgt ca. 2700 km. Die Reisezeit übers Meer beträgt ca. 30 Stunden, also nur eine Übernachtung. Preis für die Hin- und Rückfahrt für Womo und zwei Personen ohne Kabine ist ca. 1100 Euro. Die zwei Schwesternschiffe, die im Dienst sind, sind sehr komfortabel und großzügig ausgestattet.
Für Hundebesitzer gibt es zwei Möglichkeiten, seine Lieblinge unterzubringen. In Käfigen unter Deck (wo auch die Autos stehen), dort ist es etwas stickig und man darf nur mit Besatzungsbegleitung alle 4 Std. zu gewissen Zeiten runter. Gassigehen ist auf dem blanken Stahlbleckdeck möglich.
Auch am Oberdeck gibt es Käfige, die allerdings zwar überdacht, aber unter dem Schornstein / Maschinenraumluftauslaß stehen. Es ist also laut. Vorteil ist, daß man im Freien mit seinen Hund die ganze Zeit verbringen kann und Gassigehen, allerdings nur in begrenzten Zonen. Nachteil ist, daß es windig ist und in der Nacht sehr kalt.
Dritte Möglichkeit ist, seinen Hund im Womo zu lassen. Wir haben eine Kombination von Womo und Außendeck praktiziert. Trotzdem ist es für Hunde, die gerne in Ruhe auf Wiese machen, etwas gewöhnungsbedürftig.
Sowie auf Gran Canaria als auch Teneriffa gibt es kaum Campingplätze, so wie wir es vom Festland kennen, also große Plätze am Meer. Auf jeder Insel sind da vielleicht 2 – 3 solcher Plätze, oft in einfachster Art.
Offizielle Wohnmobil Stellplätze gibt es so gut wie nicht, deshalb auch keinerlei Infrastruktur. Was vorhanden ist, sind Plätze von einheimischen Womo-Clubs und vereinzelte Privatplätze, die auch manchmal an Auswärtige vermieten. Dies ist günstig, die Plätze sind aber oft außerhalb und haben vielfach kein Wasser und Strom.
Dafür gibt es sehr wenig Verbotsschilder und wenn doch, werden die von den Einheimischen ignoriert 8) . Ja, man glaubt es kaum, aber es gibt relativ viele Canarios, die Wohnmobile besitzen. Am Wochenende sind die dann alle unterwegs an den Stränden, es gibt aber kein Campingleben. Selbst ein Parken neben Campingplätzen !! ist üblich und toleriert. Ich schätze mal, daß es auf jeder Insel so um die 20 bis 25 Stell- / Parkplätze gibt, auf denen man stehen kann.
Toll sind manchmal die tolerierten Plätze in den Städten, nur wenig von den Promenaden entfernt, an denen Womos stehen. Unglaublich für europäische Verhältnisse. :-o
Wasser: auf GC problematisch, denn auf der ganzen Insel gibt es nur im Landesinneren zwei ! Quellen. Deshalb gibt es auch kaum Strandduschen oder Brunnen oder öffentliche Wasserhähne. Man braucht also große Tanks im Womo und muß die Augen aufhalten.
Auf Teneriffa ist die Situation deutlich besser, durch den Teide ist Wasser vorhanden und man findet Strandduschen, Wasserhähne, Brunnen, etc.
Entsorgung: auch hier ist große Kapazität kein Nachteil. CP´s, Tankstellen, öffentliche WC Strandhäuschen, etc. gibt es zum Entsorgen. Man muß allerdings ein bißchen vorschauend planen :? .
Gas: Repsol oder Cepsa, die in Festlandspanien so omnipräsent sind, gibt es auf den Kanaren nicht, deshalb auch nicht deren Flaschen. Der Gas-Versorger auf den Inseln ist DISA, die eigene 13,5 kg Flaschen haben. Ich habe mir eine Flasche gegen Bares von einem Gasflaschenlieferwagen um ca. 35,- Euro Kaution gekauft, zusätzlich die Füllung um 15 Euro. Einen Regler bekommt man um 12 Euro in jeder Eisenwarenhandlung. Die Flaschen kann man dann an jeder DISA Tankstelle tauschen. Sowie in GC wie als auch auf TF gibt es eine Möglichkeit, deutsche Flaschen zu füllen.
Strassenverhältnisse: Bis auf die Autobahnen, die gut befahrbar sind, sind die Straßen auf den Kanaren vor allem eines, nämlich ENG !! Wer so wie ich meint, durch Reisen nach Südtirol, Südfrankreich oder Spanien schon enge Verhältnisse kennengelernt zu habe, der wird auf den Kanaren lernen, was eng wirklich heißt. Wehe dem, der nur einmal nicht aufpaßt und falsch abbiegt. Gerade die Ortsdurchfahrten / Ortsstrassen sind teilweise so eng und steil, daß schon kleine Pks´w aufpassen müssen. Manche Strassen durch die überall vorhandenen Bananenplantage und deren hohen Mauern sind nur etwas über 2,5 m breit, sodaß wir schon das ein oder andere Mal die Spiegel einklappen mußten.
Auf GC ist es am schlimmsten. Die auf der Landkarte rot gekennzeichneten Bundesstrassen sind im Landesinneren so schmal, daß wir teilweise vor jeder Kurve, die größtenteils in den Felsen gesprengt sind, hupen mußten. Gegenverkehr mit Pkw´s sind mit Abbremsen und Langsamfahren verbunden, bei Linienbussen und Lkw´s muß man auch mal warten oder zurücksetzen. Selber erlebt haben wir, daß es bei einem Zusammentreffen von Bus und Lkw bis zu einer halben Stunde dauern kann, bis sie (und die Hinterfahrenden) vorbei sind. Auf Teneriffa ist es auch im Landesinneren etwas besser, allerdings kommt man auch dort mit dem Womo nicht überall hin.
Parkplatzsituation: Wir stellen uns mal vor, daß vor 40 Jahren (noch unter dem Diktator Franco) die Kanaren ein sehr arme Gegend war ohne viel Tourismus. Heutzutage kommen auf jede Insel fast 4 Millionen Touristen jährlich, von denen viele mit Mietautos rumfahren. Zusammen mit den Einheimischen ergibt dies eine Mischung von Autofahrern, die jedlichen Parkraum gnadenlos zuparken. Große Parkplätze in Städten, die morgens noch leer sind, werden dann mittags so vollgestellt, daß man mit seinem Womo nicht mehr vom Platz kommt (ist uns zweimal passiert). Also warten auf die Siesta. Mit dem Womo, welches 4 Pkw-Parkplätze braucht, einen Parkplatz zu finden, ist sehr schwer. Auch normale Pkw Parkbuchten oder Plätze sind mit Pickup´s oder Geländewagen überausgefüllt, die Hecks oder Seiten stehen dann in die Fahrstreifen rein. Ein Fahren durch Orte ist also sehr nervenaufreibend und erfordert große Konzentration.
Fahrräder und sonstige Fortbewegung: Fahrräder kann man eigentlich zu Hause lassen. Selbst am Meer gehen die Dörfchen so steil in die Berge hinein, daß man selbst zu Fuß kaum raufkommt. Auch sonst sind die Strassen so schmal, daß Fahrradfahren keinen Spaß macht. Fahren kann man noch in den Massentourismuszentren auf den Promenaden, dort ist es aber meist zu voll. Ein Motorroller wäre hier das Optimum, auch um sich kleine Dörfchen im Landesinneren anzuschauen. Möglich wäre auch sich ein Mietauto zu nehmen, da gibt´s schon ab 50 Euros einen kleinen Citroen für 3 Tage.
Preise: Lebensmittel Discounter gibt es in genügend mit vergleichbaren Preisen wie Deutschland. Die Kanaren haben keine UST, nur eine 5% Inselabgabe. Diesel kostete Anfang 2012 pro Liter 0,93 Euro. Essengehen ist wie in D, Pizza ab 7 Euro. Günstiger sind die wenigen Campingplätze, da beginnen die um die 6 Euro (allerdings ohne Strom und Wasser) und gehen bei guten bis zu 18Euros. Private Stellplätze gab es ab 3 Euro, bis 10 Euro.
Wetter: einfach toll :) . In 4 Monaten gab es nur einen einzigen !! Tag mal ein bißchen Regen. Jeden Tag Temperaturen ab 18 Grad, nachts um die 16 Grad. Ganzen Tag Sonne, im Norden auch mal leicht bewölkt. Aber durch die Sonnenstrahlung immer angenehm warm. Ich habe fast 4 Monate kurze Hose getragen. Im März wurde es dann auch schon heißer, man mußte schon auf seine Haut aufpassen. Unglaublich sind die Temperaturunterschiede auf kurzer Distanz. Man fährt nur 30 km auf den Teide, wo wir in der Früh MINUS 8 Grad !! hatten und wenige Stunden später steht man wieder am Strand bei 20 Grad.
Menschen und Mentalität: die Leute sind sehr freundlich und zurückhaltend. Auch Behörden und Offizielle sind nett und zuvorkommend. Mir schien, daß die Menschen sehr bescheiden und einfach sind. Viele einheimische Wohnmobilisten, mit denen ich gesprochen habe, kommen vom Landesinneren am Wochenende zu den Küsten, um zu fischen und zwei ruhige Tage zu verbringen. In 4 Monaten Aufenthalt gab es kein unangenehmes Erlebnis mit der Polizei, nur einmal im Naturschutzgebiet des Teide hat in der Früh (nachdem wir die Nacht dort verbracht haben) ein Wildhüter bei uns angeklopft, wir mögen von den Keilen runterfahren, denn das wäre Camping, aber (mit Augenzwinkern :wink: ) gegen Parken können er nichts machen.
Landschaft: faszinierend. Kleine Kontinente. Im Norden grün und oft auch bewölkt, im Süden wüstenähnlich und supersonnig . Toll der Kontrast zwischen brutalen Massentourismus wie Puerto Rico, Playa Ingles, Maspalomas, Playa de los Americanos, etc. und ruhigen und einsamen Stränden, sowie kleinen Dörfern oder Urbanisationen. Im Landesinneren gibt es auf beiden Inseln eine andere Welt, dort leben Menschen teilweise wie vor 50 Jahren in nicht zugänglichen Dörfern in den Bergen (von uns auf Wanderungen gesehen)
Sicherheit: wir haben uns deutlich sicherer als in Festlandspanien gefühlt. Das einzige was nervt, ist halt, daß durch das schöne Wetter und die Enge auf den Inseln sich viel in der Nacht dort abspielt, wo auch wir Wohnmobilisten sich aufhalten, am Strand. Dorthin kommen auch die Liebespärchen (die ja noch relativ ruhig sind :D ), aber auch Hardrockfans, die um Mitternacht ihre neuesten Hits anhören müssen. Glücklicherweise hatten wir nur wenige Male das Vergnügen. Nur einmal habe ich mich nächtens umgeparkt :twisted: .
In den Tourizentren gibt es natürlich auch all die Lebemänner und Gaukler und Musikanten, die man überall trifft, wie auch die Taschendiebe, Abzocker, etc..
Mein persönliches Fazit: Lange Reise (bei uns gesamt 8000 Km), sehenswert bei längeren Aufenthalt, interessant für Womobilisten, die gerne länger auf einen oder wenigen Orten stehen. Schlecht für Leute, die Kultur und Abwechslung haben wollen oder klar definierte Wohnmobilinfrastruktur. Rumfahren mit dem großen Womo ist nur bedingt machbar und wenn nur mit sehr guten Nerven. Unbedingt von Nöten wäre Motorroller oder kleiner Pkw.
Bewußt muß sich jeder sein, daß er zwar politisch sich noch in Europa befindet, geografisch aber schon in Afrika. Alles wird ein bißchen lockerer genommen, vor allem was Müll und Umwelt betrifft.
Habe ich etwas vergessen ?? Noch Fragen ?? Her damit !!
Viele
C.



