Für Fahrzeuge mit mehr als 3,5 T Zul. GesGew. ist bei Benutzung der mautpflichtigen Autobahnen und definierten Schnellstraßen sowie einigen Nationalstraßen die ViaBox zwingend vorgeschrieben.
Das betrifft nicht nur Lkw, sondern auch Pkw mit Anhänger und Wohnmobile der entsprechenden Gewichtsklasse. Eine Mißachtung der Mautpflicht wird mit umgerechnet 750,- EUR Strafzahlung geahndet.
Da unser Wohnmobil nach der Auflastung 4,2 T wiegen darf, haben wir uns bei der Einreise nach Polen auf der A6/E28 am Grenzübergang Kolbaskowo in der Distributionsstelle die ViaBox geholt. Die Distributionsstelle ist im "Restauracja Bez Granic" an der Autobahnrast- und Tankstelle untergebracht. Die junge Dame am Schalter sprach kein Deutsch, auch auf Englisch war die Verständigung kaum möglich. Es ist immer wieder zu beobachten, dass besonders im grenznahen Gebiet die Mitarbeiter von Kundenanlaufstellen keine Fremdsprachen beherrschen, wogegen im Landesinneren durchaus auch Deutsch oder Englisch verstanden wird.
Nach Vorlage der Fahrzeugpapiere sowie des Personalausweises wurden die Daten in einen Computer eingetippt, welcher sodann zahllosen Papierbögen ausdruckte.
Die Dame am Schalter fügte noch einige handschriftliche Eintragungen hinzu, ich habe insgesamt 15 Unterschriften gefertigt. Meine Kreditkarte wurde mit 120 PLN Pfand und 120 PLN Aufladung der Box belastet.
Ich erhielt eine fabrikneue Box in einer Schachtel. Auf meine Frage, wie man die Box bedient und ob es eine Bedienungsanleitung dazu gibt, gab man mir zu verstehen, dass alle Einstellungen schon vorgenommen sind. Eine Bedienungsanleitung auf Deutsch wäre nicht dabei, wurde mir erklärt.
Im Wohnmobil eingestiegen, haben wir erst einmal alles untersucht.
Da waren also zahllose A4-Blätter mit Eintragungen auf Polnisch, teilweise auch mit Erklärungstext in Englisch, doch ich wusste nicht so genau, was ich da alles unterschrieben habe. Und dann die Box in der Schachtel, ein eingeschweißtes Reinigungstuch und 2 Klettbänder sowie eine antistatische Tüte, deren Sinn nirgendwo erklärt war. Zu meiner Überraschung war dann in der Schachtel der Box doch noch eine Bedienungsanleitung in vielen Sprachen, auch in Deutsch. Die Box selbst wird einfach innen an der Frontscheibe mit den selbstklebenden Klettenbandstreifen befestigt. Damit's auch richtig klebt, vorher Scheibe mit begefügtem Reinigungstuch säubern.
Die Funktion der Box war einwandfrei, sie piepte immer 1x beim Durchfahren der Mautbrücke.
Auf der Rückfahrt wollten wir die Box wieder an der Grenzübergangsstelle Kolbaskowo abgeben. Die dortige Orlen-Tankstelle zeigt an ihrer Eingangstür auch das ViaToll-Symbol, doch eine Distributionsstelle gibt es dort nicht.
Man hat uns gesagt, dass wir auf die andere Seite der Autobahn gehen müssen.
Andere Seite? Wie denn, eine Brücke oder ein Tunnel ist nicht vorhanden.
Eine Aus- und Wiedereinreise auf der anderen Autobahnseite verbietet sich, weil auf der ViaToll Website angegeben ist, dass die Mautpflicht und -Erfassung unmittelbar hinter der Distributionsstelle beginnt.
Ich rufe die ViaToll Hotline an und bekomme bestätigt, dass ich die Autobahn direkt überqueren muss.
Also Warnwesten anziehen und dann 4 Leitplanken überklettern, davon 2 Doppelleitplanken.
Als Schwerbehinderter mit Gehbehinderung ist mir das besonders schwergefallen, mal abgesehen vom Risiko, überfahren zu werden.
Was soll da wohl ein Rollstuhlfahrer machen?
Den Mitarbeiter, der an diesem Tag die Distributionsstelle betreut hat, interessiert dieses Problem nicht, was soll der auch machen.
Pfand und Restguthaben wurden meinem Konto gutgeschrieben, die ganze Aktion war erforderlich für eine abgefahrene Mautgebühr von umgerechnet 6,50 EUR.
Zu allem Überfluss wurden am Ausgang der Rastelle unsere Papiere von der Polizei kontrolliert, die uns aber wohl nicht beim Überqueren der Autobahn bemerkt haben, sonst hätten wir dafür wohl noch Strafe zahlen müssen.

