da das Forum für mich ein unerschöpflicher Quell der Inspiration für neue Reisen ist, möchte ich heute auch einen Beitrag leisten und Euch an meiner Kurztour durch England und Belgien teilhaben lassen.
Zweck der Tour war eigentlich die Rückkehr meiner Tochter von ihrem Aupair Jahr in England. Und da es in England so viele "hippe" Läden und Antiquariate gibt, war das Gepäckvolumen für die Rückreise nicht mehr „flugtauglich“. Ich habe dann die Gelegenheit ergriffen und die Abholung meiner Tochter mit einer kurzen Rundreise verbunden.
Gestartet bin ich am Freitag, den 06.07.2012 um 15:00h nach Calais zur Fähre. Nach dem obligatorischen Tankstopp in Luxemburg ging´s Richtung Brüssel. Aber nicht lange, denn es war ein Stau auf der Nordumfahrung angekündigt, der mich 20 min kosten würde. Also noch rechtzeitig umdisponiert und die Strecke über Lille gewählt. Mit dem Ergebnis, dass ich nördlich von Lille dann 1,5 h im Stau gestanden bin, weil die Autobahn immer wieder kurz gesperrt wurde, um einen Behelfsbrücke zu bauen. Das Fährticket für den nächsten Tag hatte ich schon vorher zu einem unglaublich günstigen Kurs online gebucht, also konnte ich den Stau diesbezüglich stressfrei aussitzen. In Calais angekommen bin ich aber durch den Zeitverlust sehr spät. Erst um 23h war ich auf dem Stellplatz an der Hafeneinfahrt und mit viel Glück konnte ich den letzten freien Platz ergattern. 2 min später wäre er weg gewesen – ein anderes Wohnmobil war direkt hinter mir.
Nach dem Abstellen des WoMo´s und einem kurzen Plausch mit dem Nachbarn, der auch kurz vorher angekommen war, bin ich nochmal zur Einfahrt gegangen um nachzusehen, wo denn die Stellplatzgebühr entrichtet werden kann. Dem Schild am Eingang entnahm ich, dass entweder der Platzwart kommen würde oder alternativ am Campingplatz gezahlt werden könne. Aber einen Campingplatz konnte ich nirgends sehen. Auch eine Nachfrage bei Passanten ergab nur, dass am nächsten Morgen jemand kommen würde. Na dann. Zurück am Womo traute ich meinem Augen und meiner Nase nicht. Mein Stellplatznachbar hatte doch tatsächlich nachts um 23:30 h Uhr seinen Holzkohlengrill angeworfen und war gerade dabei ein paar Steaks aufzulegen!?! Offene Fenster beim Schlafen konnte ich so vergessen. Also noch einen Schlummertrunk auf der Kaimauer genommen und dann schlafen gelegt.
Am nächsten Morgen habe ich dann noch entsorgt und bin dann auf die andere Seite des Hafens zum Fähranleger gefahren. Das Einchecken bei der Fährgesellschaft war problemlos, wo hingegen der Herr an der Bordercontrol misstrauisch wurde, weil ich alleine im WoMo war. Also durfte ich rechts ran fahren und das WoMo wurde, wahrscheinlich nach blinden Passagieren, durchsucht.

Das Boarding war stressfrei und während des Auslaufens aus dem Hafen habe ich dann nochmals zum Stellplatz geschaut und dann auch den Campingplatz entdeckt, der oberhalb des Stellplatzes liegt. Jetzt weiß ich auch wo ich das nächste Mal bezahlen kann.

Alleinreisende stehen anscheinend unter Generalverdacht, denn nach dem Verlassen der Fähre war ich schon wieder mit einer Durchsuchung dran. Nachdem keine blinden Passagiere im Wohnmobil und auch sonst keine „bösen“ Gegenstände gefunden wurden, durfte ich den Hafen verlassen und bin schurstracks nach St. Albans, nördlich von London gefahren. Die ersten 20min auf der linken Straßenseite waren wie immer gewöhnungsbedürftig, aber dann ging´s ganz gut. Etwas in Hektik bin ich dann bei Dartford Crossing geraten. Für die Befahrung der Brücke wird eine Maut verlangt und ausgerechnet die Kassenstation auf meiner Spur nahm keine Karten. Glücklicherweise hatte ich zuhause noch ein wenig Kleingeld vom letzten England Urlaub eingepackt. Da das Kleingeld aber hinten im Schrank war und sich zum Bezahlen auf die Beifahrerseite klettern musste, wurde die Geduld der mir nachfolgenden Fahrer schon arg strapaziert – es hat aber keiner gehupt. Insgesamt ist zu bemerken, dass die englischen Autofahrer zumindest gegenüber ausländischen Fahrzeugen sehr rücksichtsvoll sind.
Bei den Hosts meiner Tochter angekommen, haben wir erst mal den „Hausstand“ verladen. Als Ergebnis war die Heckgarage prall voll und ich hatte prima Druck auf der Hinterachse. Nach der Verabschiedung von der Host-Familie sind wir nun zu zweit gleich wieder retour Richtung Dover gefahren, um den Abend in Canterbury zu verbringen. London kennen wir schon zur Genüge und ich bin zudem auch kein ausgewiesener London-Fan. In Canterbury wollten wir am kommenden Sonntag noch die Kathedrale besuchen. Ich kenne diese zwar schon von vorherigen Englandaufenthalten, aber meine Tochter hatte es in ihrem England -Jahr noch nicht dorthin geschafft.

So haben wir abends gegen 16:00h in Canterbury den Stellplatz bezogen und waren wieder einmal so gut wie alleine dort. Das hat mich schon bei unseren zwei vorherigen Besuchen dort gewundert. Offensichtlich ist der Stellplatz in der Stadt nicht sehr bekannt. Dieser liegt völlig ruhig keine 5 min Fußweg von der Kathedrale entfernt. Entsorgungsstation gibt es keine, aber dafür eine Toilette (22:00h – 07:00h geschlossen) im Gebäude der Touristeninfo. Der Stellplatz ist mit 10 Pfund je 12 Std. recht teuer, aber für einen Stadtbummel super gelegen und nachts ausnehmend ruhig für die Lage.
Am späten Nachmittag sind wir dann noch in die Innenstadt bummeln gegangen und wollten Tickets für die Besichtigung der Kathedrale holen. Sonntags finden dort aber viele Gottesdienste statt und eine Besichtigung kann nur zwischen 12:00h und 14:h erfolgen. Das war uns dann doch etwas zu kurz.

Canterbury Altstadt
Nach dem Stadtbummel haben wir uns beim Inder noch ein köstliches Curry gegeben und den Abend bei Ale und Cider in einem Pub ausklingen lassen.
Am Sonntag sind wir nach Dover zum Schloss gefahren, weil ich mir die „Secret Wartime Tunnels“ darunter ansehen wollte.

Dover Castle
Diese Tunnels wurden bereits im 18ten Jahrhundert angelegt und über die Jahre mehrfach umgenutzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde von dort die Evakuierung von Dünnkirchen koordiniert und war Hauptquartier der Überwachung der Südküste Englands. Die Besichtigung ist sehr lehrreich und die Geschichte wird multimedial präsentiert.

Der Parkplatz für die Besichtigung von Dover Castle befindet sich in der Anlage und für Wohnmobile ist ein spezieller Platz eingerichtet. Zwischen den einzelnen Besichtigungen kann man sich gemütlich auf eine Pause ins Wohnmobil zurückziehen und hat einen prima Ausblick auf Dover und den Kanal – ganz großes Kino.

Dover Hafen
Die Zufahrt ist allerding ein wenig knifflig. Erstens gibt es eine Zufahrtbeschränkung (soweit ich mich erinnern kann auf 3m) und zweitens muss eine Brücke passiert werden deren Fahrspur gerade ´mal für mein WoMo ausgereicht hat. Die Leute an der Kasse sind aber sehr hilfreich und haben einen Plan mit den Maßen der Tordurchfahrt vorliegen. Die Anlage bietet neben den Tunnels auch noch das eigentliche Schloss mit einem Museum und Überreste einer Festung aus dem 14 Jahrhundert. Insgesamt kann man dort gut einen ganzen Tag verbringen, ohne dass Langeweile aufkommt.
Nachmittag sind wir dann zum Hafen runter gefahren, um die Rückfahrt auf den Kontinent anzutreten. Irgendwie muss ich wohl nicht sehr vertrauenserweckend aussehen, weil ich, kaum im Hafen, schon wieder eine Sicherheitsüberprüfung über mich ergehen lassen musste. Dieses Mal war der Motorraum dran.
Beim Check-in bei der Fährgesellschaft dann gleich die nächste Überraschung. Man teilte mir mit, dass ich kein gültiges Ticket besäße, weil es nur für PKW gültig sei. Mir schwante, warum das Ticket so unglaublich günstig gewesen war, obwohl ich bei der Onlinebuchung Länge und Höhe ordnungsgemäß angegeben hatte und die Maße auch auf der Buchungsbestätigung zu lesen waren. Ich hatte wohl irrtümlich PKW anstatt Wohnmobil gebucht. Ich habe dann eine Weile mit dem netten Herrn diskutiert. Letztlich hat dann das Argument gezogen, dass bei der Überfahrt von Frankreich nach England die Buchung nicht beanstandet wurde. Widerwillig hat er mich dann durchgewunken. Leider war´s damit noch nicht ganz ausgestanden, weil kurz vor der Auffahrt auf die Fähre die Tickets nochmal kontrolliert werden und das hat mir dann auch nochmal eine längere Diskussion und 15 min Wartezeit eingebracht. Aber letztlich hat alles geklappt.
Unsere nächste Station war Brügge. Der Stellplatz dort befindet sich fußläufig vom historischen Stadtkern, liegt aber direkt neben dem Busparkplatz, auf dem ab 08:00h richtig Betrieb herrscht. Dann ist es mit der Nachtruhe definitiv vorbei, vor allem wenn man, wie wir direkt neben der Schranke steht. Für die zweite Nacht sind wir dann innerhalb des Platzes umgezogen. Da ging´s dann besser. Ansonsten liegt der Stellplatz recht schön an einem kleinen Yachthafen, ist gepflegt, aber mit 20 € die Nacht recht teuer. Die V/E – Station ist derart ungeschickt platziert, dass ich mit meinem Abwasserrüssel nicht ran kam. Nach Rücksprache mit dem Platzwart durfte ich aber auf dem Busparkplatz das Grauwasser ablassen.

Brügge ist eine wunderschöne Stadt. Allein der Marktplatz mit den alten Kaufmannshäusern und der Platz neben an, die Burg mit all den prächtigen Bauten ist schon einen Besuch wert.

Grote Markt

Burg
Auch eine Fahrt über die Grachten sollte man nicht versäumen.



Dann gibt es noch eine Vielzahl von Museen. Neben dem Schokoladenmuseum haben wir noch das Diamantenmuseum besichtigt. Dieses war zwar interessant aber schon ein bisschen klein. Ich hätte mir ein wenig mehr erwartet. Aber in der Altstadt gibt es noch so viel, was das Auge und den Gaumen erfreut. Alleine die Auslagen der Chocolatiers lassen einem das Wasser im Munde zusammen laufen und das Marzipan erst – hmm. Am Nachmittag sind wir in der alten Brauerei der entsprechenden Museums eingekehrt und machten die Bekanntschaft eines Paars aus Wales, das während einer Ostseekreuzfahrt die Stadt besichtigte.
Abends gab es dann Moules Frites, bevor wir zum Stellplatz zurückkehrten. Dort habe ich mich dann mit einem Fläschchen Wein vor´s WoMo gesetzt und bin mit dem Nachbarn ins Gespräch gekommen. Meinen Wein hat er verschmäht, uns aber großzügig mit Honiglikör und Met aus eigener Produktion bewirtet. Das war ein schöner und auch langer Abend, dessen Auswirkungen am nächsten Morgen deutlich spürbar waren.
Etwas müde haben wir uns dann am Dienstag auf den Weg nach Antwerpen gemacht. Das WoMo haben wir auf dem Großparkplatz an der Schelde angestellt und sind die Antiquitätenstraße entlang in die Innenstadt spaziert.

Antwerpen Marktplatz

Antwerpen ist auch eine schöne Stadt, kann meiner Ansicht nach aber mit Brügge nicht mithalten. Könnte natürlich auch an den Nachwehen des vergangenen Abends gelegen haben, dass sich unser touristisches Interesse dort eher in Grenzen hielt. Früher als geplant haben wir dann am Nachmittag die Heimreise angetreten und uns unterwegs in Han-sur-Lesse auf dem Stellplatz einquartiert. Han-sur-Lesse liegt nicht weit von der Autobahn in den Ardennen und eignet sich als Etappenplatz sehr gut. Stellplatz und V/E sind vorbildlich und die Kosten für die Übernachtung mit 10€ sind für das Gebotene nicht zu teuer. Darüber hinaus hat es eine charmante kleine Innenstadt und als Attraktion eine historische Bahn und eine Tropfsteinhöhle, wenn man denn möchte. Wir mochten nicht und haben es uns abends bei einem Menü mit lokalen Spezialitäten gut gehen lassen.
Der Rest der Reise am nächsten Tag war dann eher Routine. In Luxemburg nochmals Diesel und Kaffee fassen und über die Autobahn bis nach Hause, wo schon einige Freunde meiner Tochter eine Willkommensparty organisiert hatten.
Ich hoffe der Reisebericht hat Euch ein wenig Spaß gemacht und auf den Geschmack gebracht einmal Brügge zu besuchen. Eine wundervolle Stadt, in der ich nicht das letzte Mal war.
Ralf

