Da stand er nun seit zwei Wochen auf dem Hof rum, innen reinlichst gescheuert, Polsterbezüge wurden genäht, die Hühmerleiter mit ordentlichen Holzstufen versehen und die mit etlichen kleinen Löchern verschandelte Kommode hinterm Fahrersessel mit Teppich bezogen und ein passender Läufer besorgt.
Außen war er noch vom Händler gereinigt. Gut, ich kann es besser, aber erst will ich wissen, ob die Kiste läuft.
Ich bin bei „Gebrauchten“ mißtrauisch, in der Vergangenheit oft enttäuscht worden und weiß ich doch, wie teilweise mit meinen Firmenwagen umgegangen wurde.
Und auch rätselhaft, warum man ein solch hochpreisiges Mobil mit soviel Verlust nach nur 1,5 Jahren wieder auf einen Händlerhof stellt.
Ich weiß, ich hab Gewährleistung, aber ich neige bei Fahrzeugen einfach immer wieder zum Pessimismus. Bisher aber ist nur das GFK-Häubchen über der Aquarienscheibe unzeitgemäß ermattet und hinten am Sawiko Träger eine Plastikecke mit Tesa fixiert, aber eindeutig nicht beschädigt.
Und trotz des Mißtrauens erwische ich mich allabendlich nach der Fron in dem alten Hobel. Und auch Edda kann es eigentlich kaum erwarten endlich damit los zu fahren. Ja und im letzten Moment nehm ich mir mal wieder die Zeit überhaupt eine Reiseroute zu überlegen.
In den Süden? Nachts träume ich von Elektro-Ulli und seinem Hümer. Ja so etwas bleibt hängen. Nein, Deutschland ist schön und früher sind wir auch nur in die Eifel gefahren. Usedom hat uns im letzten Jahr super gefallen, da gibt es bestimmt noch mehr zu entdecken. Und ich sehne mich nach ein wenig Ruhe, die Stimmung im Büro in den letzten Monaten ist situationsbedingt anstrengend und es wird sich in den nächsten Monaten nicht bessern können. Also zehn Tage, vier Aufenthalte sollen es sein.
In der Woche bekomme ich abends noch vorgeladen und schaffe es zuhause alles für unsere Papageien zu organisieren und so können wir Donnerstag abend gegen halb sechs starten. Schon beim Tanken stelle ich fest, das die Wendigkeit gleich wie beim Carado ist. Zwischen den überfüllten Tanksäulen quetsch ich mich zurück auf die Straße.
Muffin, der sonst mit Edda auf dem Beifahrersessel saß, also eher Edda ein wenig sitzen ließ, er passt nicht mehr auf die kleinen Sitze. Möge die Sesselmarke edel wirken, ich fühlte mich auf den Originalsitzen des X250 auch wohler. Alternativ haben wir Muffin ein Brett mit einer Decke auf die große Beifahrerablage gebaut, aber mit den vielen Reizen aus den großen altersblinden Fenstern findet der kleine Mann nicht so recht seine Ruhe. Es dauert nicht lange und er liegt zwischen unseren Sitzen im Hundekorb, da wo wir ihn auch haben wollten.
Knapp 160 Kilometer im knarzenden, ächzenden Mobil, es ist etwa acht Uhr, erreichen wir unser erstes Ziel, den Wohnmobilhafen in Hörstel. Es ist genug Platz, sogar nah am Wasser wär noch gegangen. Aber dann hätte ich ja seitlich stehen müssen und ich wollte doch die Panoramasicht mal ausprobieren. Wie so oft auf Stellplätzen werden schnellstens die Gardinen zurückgezogen, es wird geguckt, wer, was da kommt und wie es denn einparkt. Später bekomme ich mit Mühe aus Einigen die Tageszeit herausgequetscht. Na, so isset halt. Keine Angst, Strom wird nicht eingesteckt, ich will doch eh wissen, ob alles arbeitet und vor allem durchhält. so ist dieser wirklich feine Platz für „Umme“. Fahrradwege vor der Haustür, ein netter Ort mit allem was das Herz begehrt, lediglich zum Entsorgen müssten wir zur nahen Tanke. Aber da wir nur eine Nacht bleiben, sparen wir uns das. Die erste Nacht im Hubbett. Bisher hatten wir Einzelbetten. Aber dadurch, das nach oben viel Kopffreiheit ist, fühlen wir uns fast wie in unseren Wohnwagen in grauer Vorzeit. Der Hund legt sich gar freiwillig ans Fußende und so stört nur die nächtliche „Granufinkkletterei“ wenn ich pullern muß. Und Ablagen vermisse ich dort oben. Es ist doof, nachts auf den Fernbedienungen rumzuliegen und auch ein Trinkfläschchen sollte in der Nähe sein.
Ich denke, es wird für Edda eine Näharbeit fällig, etwas an die Seitenstoffe zu nähen, denn beim Hochfahren darf ja nichts stören.





Der Platz einer Rundsitzgruppe mit dem verschiebbaren Tisch und den entfernten Fahrerhaussesseln, das ist mit unserem ehemaligen Teilintegrierten einfach nicht zu vergleichen. Der Wagen war genauso breit, aber länger und wir mußten beim aneinander vorbeigehen Rücksicht nehmen. Der Hund kann jetzt mit Anlauf auf Sofa und Sitze springen. Das passt dann schon an der alten Karre.
Und auch das Bad. bietet endlich den Platz, den wir uns gewünscht haben, strahlt vor allem holzige Nostalgie aus. Das Duschen ist ein Genuß, obwohl auch hier etwas Wasser überläuft und man sehr genau ausgerichtet stehen soll, oder die Abtrennung mit Bedacht schließen soll. Aber das haben wir im Laufe der Reise drauf. Ich richte jetzt auch so aus, das der Wagen vorne ein Pfitzelchen höher steht und die Brausebrühe verstärkt in den hinteren Gulli läuft.
Erstmal Ausschlafen, morgens ein wenig Glotze gucken im Bett und dann gemütlich frühstücken und Schiffe beobachten. Das Wetter ist traumhaft. Mir fehlt nur der Rentenbescheid. Wir gehen am Wasser vorbei in den Ort, schauen uns alles mal an, wieder zurück, noch ein Kaffee und es geht weiter . Etwa 370 km, es ist Freitag, viel Verkehr. Erst gegen 18:30 erreichen wir

Lübeck.
Der Bruder von Edda lebt dort mit seiner Frau und wir besuchen uns im Laufe eines Jahres gegenseitig. Nun war sie vor Kurzem operiert worden und noch nicht so reisesicher. Und da bei mir beruflich nie sicher ist, wie ich weg kann, hatten wir beschlossen den Besuch in die Reise einzubauen. So parkten wir dann in der Nähe der Drägerwerke in einer kleinen Siedlung mal wieder direkt vor dem Haus. Es klappt immer.
Das Wetter ist bombastisch, es kommt noch der durch Zufall auf der gleichen Straße wohnende Exfastschwiegersohn dazu und wir sitzen bis tief in die Nacht draußen, wärmen alte Zeiten auf und lassen Flaschen plöppen.
Am nächsten Morgen geht es nach dem Frühstück erstmal in den italienischen Feinkostgroßmarkt um die Ecke, wo wir uns für die nächsten Tage mit Vorräten eindecken. Danach in die Stadt. Es ist Drachenbootfest und so ist Lübeck prall gefüllt mit Leben.
Obligatorisch wird im Straßencafe zum Cappu ein großes Stück Marzipantorte inhaliert.
Am Abend dann geht es nach Travemünde, dort ist schließlich Hafenfest. Interessant, dort ist direkt vor dem Geschehen ein Wohnmobilstellplatz, der auch fast proppevoll ist. Bestimmt nicht die ruhigste Übernachtung an dem Tag, aber es gibt viel zu gucken.
Für uns gibt es Scholle mit Bratkartoffeln und die schmeckt.









Sonntag am Mittag. 65 Kilometer und wir erreichen Wismar. Irgendwie schau ich schon bei der Ortseinfahrt missmutig. Der Stellplatz ist fast voll, aber wir finden noch einen einzigen Wiesenplatz. Zum Hafen müssen wir ein Stück laufen, besonderes Flair bietet er irgendwie für mich nicht. Als wir zurückkommen, ist der Platzwart auch da. Wir zahlen und er hält den Platz frei, damit ich zur Entsorgung kann. Wir sind seit Donnerstag unterwegs, Schwarz und Grauwasser läuft bald aus den Außenspiegeln raus.
Aber es kommen ständig neue Mobile auf den Platz und suchen. Das wäre schief gegangen. Als ich zum Öffnen des Abwasserhahns ins Mobil will, reißt eine heftige plötzliche Windböe mir die Aufbautür aus der Hand und der Kunststoffaufsteller spaltet in zwei Teile. Toll. Ich helfe mir mit einem Verzurrgummi erstmal.




Ein alter Baukran. Funktioniert wie ein Hamsterrad. :D



Die Besatzungen der Wohnmobile neben uns sind diesmal sehr nett. Rentnerpärchen, die nicht weit weg wohnen und den Platz öfter aufsuchen. Sie geben uns gute Tipps und wir tauschen einige geistige Getränke aus. Am nächsten Morgen fahren wir mit den Pedelecs nach Wismar rein. Die Stadt ist netter als der Hafen, wir haben einiges anzugucken und landen schließlich in einem Eiscafe im Altstadtkern, wo wir hervoragendes Eis mit Früchten schlemmen. Trotzdem beschließen wir gleich weiter zu fahren.
Wir laden die Fahrräder, verabschieden uns und fahren etwa 260 Km nach Heringsdorf auf Usedom, wo wir auf einen kleinen Campingplatz möchten. Auf dem Weg suchen wir einen Zubehörhandel auf, damit wir den Feststeller ersetzen können. Mit einem Hümer sollte man sowieso geübt sein, immer eine Werkstatt zu finden. Als wir gegen 18:00 in Heringsdorf eintreffen, ist der Platz natürlich voll belegt. Ein Stück zurück hatten wir Stellplatzschilder gesehen und so landen wir in Bansin auf einem recht komfortablen Stellplatz, wo komischer Weise aber auch ein Wohnwagen mit Vorzelt steht. Wir klingeln, der Besitzer ist sehr freundlich mit einer guten Portion Humor zeigt und erklärt er uns den Platz, der im unteren Bereich auch einige feststehende Ferienhütten beherbergt und komplette Sanitäreinrichtungen, Duschen, Waschmaschine, Trockner und Geschirrspülplätze bietet. Die Wohnmobilplätze haben auf Wunsch Strom und Satanschluß. Jeder Platz hat einen Abwasserschlauch und der Frischwasserschlauch des Platzes reicht zu jedem Mobil. Man steht wie in einer Wagenburg rundum.

Diesmal ist Edda nicht so recht begeistert, vor allem aber weil sie erfahren hat, daß man eine Straße weiter zu einem Drittel des Preises steht. Wenn auch in Reihe auf Asphalt.
An diesem Abend wird gekocht und gleich festgestellt, das eine Flamme hin und wieder erlischt. War ja klar und ich wollte ein Chaosmobil.
Trotzdem strahlen diese urigen alten Wohnmobile eine gewisse Gemütlichkeit aus und wir verbringen einen schönen Abend darin. Der Platz ist wunderbar ruhig und es ist wieder einmal Sternenklar.
Nach dem Frühstück werden die Stromräder aus dem "Dixiklo" geholt, wieder mit Zuschauern. In Wismar und auch auf zwei Raststätten wurden wir gefragt, was denn da wohl in der "Kiste" ist.
Wir radeln in den Ort und dann rechts den Uferweg über Heringsdorf und Ahlbeck bis zur polnischen Grenze. Auf dem Weg immer wieder Gasthöfe und Geschäfte die zu einer Pause einladen.
Kurz vor der polnischen Grenze finden wir einen riesigen, einsamen Hundestrand, auf dem Muffin sich richtig ausläuft. Ist er ja oft faul und unbeweglich, sobald er das Meer wittert, flippt er total aus und dreht seine Runden, bis die Zunge auf dem Boden scheuert.
Wir suchen uns auf dem Rückweg zum Mobil einen Gasthof zum draußen sitzen und spülen Sülze und Hering mit einem riesigen Alsterwasser nach. Die Hausmannskost der Insel ist eine perfekte Abwechslung zu dem Chinesen und Griechen, der zuhaus meist auf dem Plan steht. Das erste Mal macht mein Stromrad schlapp, hatte ich Depp die Dinger das letzte Mal vor unserer Fahrt nach Makkum vor ein paar Wochen aufgeladen.
Mit Hundehänger ist auch der eine Berg hoch zum Stellplatz eine üble Schufterei.
Am Nachmittag, nach einer 80% Ladung geht es nach Ückeritz. Ein weiter, aber abwechslungsreicher Fahrradweg. Mal schnurgrade, dann steil hoch und wieder bergab. Meist durch einen Wald, wo an manchen Stellen die Bäume im Wasser stehen und in der Nachmittagssonne ein ganz besonderes Schauspiel bieten. Auch ist der Wald zu einem großen Teil ein riesiger Campingplatz. Vor Ückeritz fährt man auch an einer Ansammlung von Gasthöfen und Touribuden vorbei, es hat den Flair eines kleinen feinen Dörfchens.
Ückeritz selber kratzen wir nur an, kaufen im örtlichen Lidl ein, Edda möchte den rumpeligen langen Weg gerne im Hellen schaffen und hat Angst, das meine Akkus nicht reichen.
In Zukunft bin ich klüger und lade bei jeder Gelegenheit.
Der Abend dient der Entspannung, Ver - und Entsorgung sind auf dem Platz ein Kinderspiel, da man nicht einmal fahren muss. Zum Fahren fällt mir ein, daß die ersten Kilometer ja sehr ungewohnt waren. Man hatte irgendwie das Gefühl von der Rücksitzbank aus zu lenken. Ich kann jeden beruhigen, der sich bisher wegen der unendlich wirkenden Weite zur Frontscheibe gegen einen VI entschied, es ist nach kurzer Eingewöhnung ein erstklassiges Fahrgefühl mit Augenschmaus.
Die nächsten Tage führen in den polnischen Teil und in die Orte Ahlbeck und Heringsdorf. Alles hat einen feinen Charme. Den Nachmittag verbringen wir mit untergehender Sonne an den Hundestränden, die immer wieder mal zur Verfügung stehen. Ab dem Nachmittag entfällt auch die Kurtaxe, sollten verarmte Wohnmobilisten hier mitlesen.
Einen Abend nutzen wir zum Grillen und unterhalten uns mit den "Mitmobilisten". Dadurch, das man in einer Wagenburg steht, ist auch die Kommunikation besser. Muffin findet ein kleinen Mops zum Spielen, der ihn völlig fasziniert und auch der alte Westi-Opa nebenan vergisst glatt seine Wehwehchen.
Spätabends radeln wir nach Heringdorf an die Strandpromenade. Lichtspiele, Livemusik und Getränke. Usedom ist fein.




Ob die Hund und E-Bike klauen?







Nun ein Mops?....



Ein Isabella Coupe. Mein Onkel hatte so ein seltenes Teil, wo ich klein war. Mußte sein. In Heringsdorf aufgeschnappt.


Freitag am späten Morgen geht es weiter. Da wir 700km bis nachhause haben, möchten wir ein Stück zurückrudern und fahren nach Neukloster.
Wir stehen vor den Toren des Wohnmobilhafens, diesmal hat Edda dieses Gefühl von mir in Wismar. Die Anfahrt ist nicht einladend.
"Fahr bitte weiter nach Boltenhagen." kommt die kurze Ansage und irgendwie bin ich auch froh. Wir biegen auf den ersten von drei Stellplätzen ein und werden von der Besitzerin auch eigentlich sehr freundlich empfangen. Wir reden über unsere Hunde, stutzig werde ich erst, als ich bar und nicht mit Karte zahlen soll. Da habe ich als steuertreuer Germane besonders in den neuen deutschen Bundesländern immer so ein skeptisches Gefühl.
Nunja, der Platz ist astrein, hinter unserem Mobil ist eine richtige kleine Fläche zum Sitzen, umgeben von Hecken. Für uns mit unserem leicht reizbaren Rüden ganz toll. Ich hole meinen Rasenteppich raus, der aber gelöchert ist, damit auch Luft an den Boden kommt und Wasser abläuft. Stühle und Tisch drauf. Perfekt, dort morgen zu frühstücken und die Sonne des Spätsommers zu genießen.

Ich sitze grad in der gemütlichen Rundsitzgruppe, da wackelt mein altersgeplagter Hümer, die eben noch freundliche Dame hat sich in eine Spinatwachtel verwandelt und keift in mein Wohnmobil hinein, das ich sofort den Teppich wegzupacken hätte, mit dem Mist würde ja nichts wachsen. Ich hätte eine freundliche Ansprache auch verstanden und eigentlich bereut, keine Kresse oder Bambus eingepackt zu haben, damit sie sich hätte überzeugen können, das dort sehr wohl etwas wächst. Egal, für dieses Wochenende bleiben wir, ein nächstes Mal wird einen Platz weiter stattfinden, wo wir sowieso unsere Brötchen morgens holen.
Boltenhagen ist ein wunderschöner Ort mit sehr viel Abwechslung, vielen Restaurants und Biergärten. Lediglich der Hundestrand ist ein wenig klein geraten. Leider waren wir nur ein Wochenende noch da und hatten Samstagnachmittag den ersten Regen der Reise.



Hier werden wir auf jeden Fall nochmal zurückkehren.

