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Kupplung/Zweimassenschwungrad wechseln 2,4 l Transit


selbstschrauber am 05 Feb 2014 21:20:30

Diese Anleitung gilt für die Hecktriebler.

Erstmalig hat Ford bei den Transits ab 2000 ein sogenanntes 2 Massenschwungrad eingebaut. Diese verlagert bzw. verhindert Vibrationen des Motors / Antriebsstranges. Leider ist dieses Teil ein Verschleißteil und hält oft nicht einmal so lange wie die Kupplungsscheibe. Üblicherweise hat es eine Lebensdauer von ca. 150tkm. Bei unserem Transit war es jedoch schon nach etwas mehr als 80 tkm defekt. Wie äußert sich so ein Defekt? Bei uns waren es eigenartige Vibrations- / Dröhngeräusche die vor allem nach dem Wiederstarten eines nur kurz abgestellten, heißen Motors auftraten. Nach einiger Zeit bemerkten wir auch bei nicht ganz durchgetretenem Kupplungspedal eine "ratternde" Kupplung, kurz darauf blinkte zusätzlich die LED der Motorsteuerung. (die in der Uhr eingebaute)

In schwereren Fällen zerlegt sich das Schwungrad und Fett und Staub führen zum Exitus des Anlassers. Große Pechvögel haben auch schon auseinanderfliegende Schwungräder gehabt, was dann einen kapitalen Motor- oder Getriebeschaden bedeutet.

Wir haben unten mal ein Video eingestellt, das unser defektes und das neue Schwungrad zeigen. Vor allem das Lagerspiel der beiden Bauteile höhenmäßig dürfte das Problem gewesen sein. Unser Teil war übrigens eher ein "leichter" Fall.
Video --> Link

Es gibt Umrüstkits von Ford auf starre, Einmassenschwungräder. Wir waren in der Türkei gezwungen so eines einzubauen, da kein 2 Massenschwungrad verfügbar war. Wir rüsten jedoch wieder um. Grund dafür ist zum einen der Komfortverlust, (das Auto wird "bockiger" beim Fahren, vor allem nach Schaltvorgängen) zum anderen die Überlegung, dass die nun vorhandenen Vibrationen auf Dauer wohl doch Getriebe oder Teile des Motors schädigen könnten. Laut dem englischen Transitforum sollen die Transits, die ab Werk mit einem Ein-Massenschwungrad ausgestattet sind, andere Antriebsräder für den Riementrieb haben. Andererseits gibt es Menschen, die das Quatsch finden.- Entscheidet selbst.
Umrüstkits gibt es ab ca. 300 Euro, ein 2 Massenschwungrad aus dem Zubehör kostet in etwa so viel, dazu sollte man noch Kupplungsscheibe, Druckplatte und Ausrücklager erneuern, so dass man insgesamt auf ca. 5-600 Euro ohne Einbau kommen wird. Mit anderen Worten, doppelter Preis.

Wir bauen wieder um.
Benötigte Teile / Werkzeuge:
Teile:

Neue Kupplung, neue Druckplatte, ggfs. neues Zweimassenschwungrad, ggfs. neue Schrauben für das Zweimassenschwungrad, neues Ausrücklager, ggfs. neues Pilotlager, neue Bolzen für die Kardanwelle, Gewindesicherungsmittel, Fett

Werkzeuge:

Rätschenkasten 1/2 Zoll, 14 Außentorx (weiblich), 30 Innentorx (männlich) Drehmomentschlüssel, großer Schraubenzieher, kleiner Hydraulikwagenheber, Holzklotz, Drehmomentschlüssel, ggfs. Auffahrrampen oder Montagegrube

Zeitaufwand / Kenntnisse

Ich denke, wer sich daran wagt, wird nicht ganz ungeübt im Schrauben sein. Wer schon mit dem Wechseln eines Keilriemens an seine persönliche Grenze kommt, sollte sich ggfs, jemanden mit Erfahrung dazu holen. Ich habe das am Transit das erste mal gemacht und etwa 6 bis 6,5 Stunden gebraucht. Geübte Schrauber und mit Erfahrung sollten es in unter 5 Stunden schaffen.

Hilfreich für diese Arbeiten ist eine Montagegrube, notfalls geht es aber auch mit Montagerampen oder stabilen Böcken. Die nachfolgende Beschreibung stellt die "türkische" oder "russische" Methode dar, d.h. eine Reparatur bei der möglichst wenig abgebaut wird, um den Preis etwas erschwerten Arbeitens.

1.Fahrzeug stabil aufbocken

2. Batterie abklemmen am Minuspol.

3. Gummischnuffi am Gangwählhebel nach oben schieben



4. Plastikwählhebel nach oben abziehen, dazu Sicherungsstift nach vorne ziehen, dabei gleichzeitig Plastikwählhebel nach oben ziehen.


5.Schaumstoffdichtung nach oben herausziehen, Achtung zerreist leicht. (Meine habe nicht ich zerrissen, sondern unser türkischer Monteur, der in Antalya mitten auf der Straßenkreuzung bei 46Grad C unser Zweimassenschwungrad aus- und das Einmassenschwungrad einbaute. Darunter liegende Plastik-Sand-Abdichtung nach oben herausziehen.


6. 4 30er Innentorx herausdrehen und Metallbetätigungshebel nach oben ausbauen.


7. Nun entfernen wir die Hitzeschutzabdeckung des Kurbelwellenpositionssensors, hier im Bild schon ausgebaut und auf die Plastikabdeckung gelegt.

Hier ist der Kurbelwellenpositionssensor zu sehen, Abdeckung und Stecker bereits entfernt

Unten Nahaufnahme des Sensors

8. Als nächstes bauen wir die Kardanwelle ab. Dazu kleinen Gang einlegen und Handbremse anziehen.
Mittellager der Kardanwelle lösen, aber noch nicht ausbauen. Lage der Kardanwelle im Verhältnis zum Gummiteil kennzeichnen.

3 bzw 4 Bolzen der Kardanwelle am Gummiteil (Hardyscheibe) ausbauen. Dann Mittellager ganz ausbauen, Kardanwelle vom Getriebe abziehen und Kardanwelle zur Seite legen, Dabei Kardanwelle nicht zu sehr knicken.

9. Kupplungsnehmerzylinder ausbauen, die Leitung bleibt angeschlossen! Dazu Zylinder gegen den Uhrzeigersinn drehen.

Zylinder ausgebaut:

Kupplungsgeberzylinder zur Seite legen.

10. Stecker vom Geschwindigkeitsgeber und vom Rückfahrlichtschalter am Getriebe abziehen. Kabel vom Getriebe abbauen und zur Seite legen.

11. Getriebehalterung unter dem Auto abbauen, (2 x 13 Bolzen) Halteblech abbauen, dazu Getriebe mit Kraft in Richtung Wagenboden drücken.

12. Insgesamt 10 Getriebeverbindungsschrauben lösen, die oberen am Motor sind schlecht erreichbar, aber mit langen Armen geht es. Die besser erreichbaren unteren Schrauben werden erst ganz zum Schluß gelöst!

13. Getriebe vorsichtig aber mit Kraft in Richtung Fahrzeugheck drücken. Darauf achten, dass nicht das Gewicht des Getriebes auf der Eingangswelle des Getriebes ruht. Notfalls mit einem breiten Schraubenzieher vorsichtig zwischen Motor und Getriebe hebeln. Achtung: Wenn es sehr schwer geht, habt Ihr eine Schraube vergessen, keine Gewalt, sonst gibt es Bruch! Ggfs. Motor mit einem Wagenheber und Holzklotz unterstützen bzw. leicht anheben:

Das Getriebe kann etwa 10 cm nach hinten geschoben werden, ehe es zwischen Unterboden und Hilfsrahmen klemmt. Wer mehr Platz benötigt, muss den Hilfsrahmen absenken, was bedeutet dass die Lenksäule gelöst und der Hilfsrahmen abgesenkt werden muss. Dazu muss der Wagen hochgebockt werden. Diesen Aufwand kann man sich aber sparen, wenn die 10cm ausreichen. Eben "türkisch" repariert wird. Achtung: nicht die Leitungen der Servolenkung beschädigen, diese laufen unmittelbar auf dem Hilfsrahmen
Mehr Platz wird es nicht, es reicht aber gerade aus! Zu sehen: Motor, Schwungrad, Druckplatte, Eingangswelle des Getriebes in der Kupplungsglocke. (von links n. rechts)

14. Nun die Kupplung ausbauen. Dazu mit einem breiten Schraubenzieher in den Anlasserkranz eingreifen und gegen den Motor das mitdrehen der Schwungscheibe verhindern Dann über Kreuz langsam und gleichmässig alle Schrauben lösen (SW 10), Druckplatte abnehmen. Achtung, die Reibscheibe der Kupplung fällt Euch entgegen, also beim Abnehmen der Druckplatte auf diese achten und auffangen. TIP Sollte die Druckplatte wieder verbaut werden, vor dem Ausbau deren Position im Verhältnis zur Schwungscheibe kennzeichnen.
15. Dann ggfs. Zweimassenschwungrad ausbauen. (wieder Blockade nötig mit dem Schraubenzieher) Über Kreuz die Torxschrauben herausdrehen. Achtung das Schwungrad ist schwer, gut festhalten.

Druckplatte und Kupplung ausgebaut, Schwungrad noch eingebaut. (das türk. Einmassenschwungrad)

Tipp: Nach dem Ausbau der Druckplatte bzw des Zweimassenschwungrades erst das Ausrücklager wechseln, ehe ihr diese Teile neu einbaut, andersherum habt Ihr sehr wenig Platz!

Schwungrad ausgebaut. Nun prüft ihr ob die Dichtung der Kurbelwelle noch in Ordnung ist.. Bei uns ist sie perfekt. Bei kleinstem Zweifel oder Kilometerleistungen über 150tkm/ Fahrzeugalter über 15 Jahren: Dichtung erneuern. Sonst besteht die Gefahr das Motoröl auf die Kupplung kommt und dann macht Ihr die Arbeit 2x.Ebenfalls Dichtung der Eingangswelle des Getriebes kontrollieren. Wenn diese undicht ist, muss das Getriebe ganz raus, d.h. Hilfsrahmen absenken etc. Bei uns war alles noch dicht. Pilotlager in der Kurbelwelle kontrollieren und ggfs. austauschen.
16. Als nächstes wechselt Ihr das Ausrücklager der Kupplung. Dieses ist nur eingeclipst, beim Ausbau auf Lage und Einbauart des alten achten, dann klappts mit dem Einbau.

So, wir haben Halbzeit, ab jetzt kommt der Zusammenbau!
17. Gewindebohrungen der Aufnahme an der Kurbelwelle reinigen. Neues ZMS einbauen. Das ZMS passt nur auf eine Art, die Aufnahme am Motor hat einen kleinen Führungsbolzen, dies beachten. Unbedingt neue Bolzen zum Anschrauben verwenden. Das kann etwas knifflig sein, weil wir wenig Platz haben und kaum etwas sehen. Ich habe einen alten Bolzen des alten ZMS abgesägt und mir oben einen Schlitz für einen Schraubenzieher hineingesägt. Diesen Bolzen habe ich als Führung eingeschraubt und später mit dem Schraubenzieher herausgedreht. Über Kreuz anziehen in 4 Stufen:

Dazu wieder die Schwungscheibe mit einem breiten Schraubenzieher am Anlasserkranz blockieren.

Stufe 1: 15 Nm, Stufe 2: 30 Nm, Stufe3: 75 Nm, Stufe 4: 45 Grad weiter drehen. Bolzen vor dem Einbau mit Gewindesicherungsmittel bestreichen.

Spitze der Getriebeeingangswelle und Ausrücklager hauchdünn mit Fett bestreichen.

18. Kupplung in Schwungscheibe einsetzen, dann Druckplatte aufsetzen. Wir haben kein Spezialwerkzeug um die Reibscheibe der Kupplung zu zentrieren, wenn wir es hätten, würde es uns nichts nutzen, da kein Platz dafür vorhanden ist, das Getriebe ist im Weg, Also versuchen die Reibscheibe so gut es geht zu zentrieren und die Druckplatte über Kreutz gleichmäßig festziehen. (30 Nm)
19.
Jetzt kommt der schwierigste Teil: Wir müssen das Getriebe wieder an den Motor anflanschen. Dabei muss die Getriebeeingangswelle in die Kupplung und dann in das Pilotlager in der Kurbelwelle rutschen Zudem dürfen wir das Gewicht des Getriebes beim Einbau nicht auf die Eingangswelle des Getriebes einwirken lassen. Das ist sehr schwer zu bewerkstelligen, zumal das Getriebe geschätzte 40-50kg hat. Wenn Ihr wie ich ganz alleine arbeitet, werdet Ihr gut zu tun haben, das Getriebe drauf zu bekommen, ein 2. Helfer ist sicher gut. Wenn es gar nicht geht, sitzt Eure Reibscheibe falsch, dann nochmal Druckplatte lösen und Kupplungsscheibe verschieben.

Wenn es klappt, rutscht das Getriebe bis auf ca 1 - 2cm an den Motor ran. Achtet darauf, dass die Passtifte vom Motor in die Öffnungen des Getriebegehäuses greifen. Den letzten cm kann man dann mit den Befestigungsschrauben des Getriebes heranziehen. Dabei mit Gefühl arbeiten, an mehren Stellen nacheinander, auf beiden Getriebeseiten immer nur wenige Umdrehungen schrauben, dann rutscht es ganz gut zusammen.
20. Wenn Ihr das habt, ist das wesentliche geschafft. Alle Befestigungsschrauben gut festziehen.
21. Getriebehalter wieder montieren. Dazu ggfs. mit dem Wagenheber das Getriebe an seinem Ende in Richtung Wagenboden drücken.

22. Alle Stecker aufstecken, Kabel am Getriebe wieder befestigen.

23. Kardanwelle mit neuen Bolzen anschrauben, dabei darauf achten, dass die Markierungen fluchten, Mittellager der Kardanwelle festziehen.

24. Hitzeschutzblech des Kurbelwellenpositionssensors montieren.

25. Kupplungsnehmerzylinder einbauen.

26. Wählhebel anbauen, Plastik- und Schaumstoffdichtung einbauen, Plastikganghebel aufstecken. Gummischnuffi überstülpen. 5-10 Kupplung treten, dabei auf verdächtige Geräusche achten

Alle Gänge probehalber durchschalten.

27. Batterie anklemmen.
28. Motor starten, in allen Gängen Kupplung kommen lassen, auf Geräusche achten. Probefahrt durchführen.
Springt der Motor nicht an, habt ihr wahrscheinlich das Kabel zum Kurbelwellenpositionssensor vergessen.

Meine selbstgebauten Führungsstifte.
Keine Gewähr für Fehler. Benutzung auf eigene Gefahr. Keine Haftung für unmittelbare oder mittelbare Schäden. Diese Anleitung unterliegt dem Urheberrecht. Keine kommerzielle Nutzung zulässig. Weitergabe nur mit Urheberangabe:

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