LongJohn hat geschrieben:,, Produkte von höchster Qualität,,
Das heißt doch nicht, daß das Produkt gut ist - sondern nur daß alle gleichmässig schlecht sind.
In der Massenfertigung ist das Ziel schon lange nicht mehr ein gutes und langlebiges Produkt herzustellen, sondern die Kosten zu senken und dafür zu sorgen, einen Kompromiss aus Haltbarkeit und Kundenunzufriedenheit zu finden der das Image nicht all zu nachhaltig schädigt und die eigene Position im Markt nicht zu sehr verschlechtert. Da alle das Gleiche machen (mal abgesehen von Kleinstherstellern die dafür unbezahlbar sind), kann man da schon ziemlich weit gehen.
Thule macht das doch schon lange so. Ich hab mal eine AHK für einen T4 (2,5to Zuglast!) von Thule bekommen (seriöser Händler, ich gehe also davon aus daß es kein Plagiat war). Hals mit Kugelkopf wurde an die Haltebleche geschraubt, die Träger (die die Kräfte des Hängers längs und Quer aufnehmen müssen) waren geteilt und zusammengeschraubt, die Schrauben waren billigste Fernostqualität (ich bilde mir ein es stand nichtmal eine Festigkeit drauf) und die schwarze Beschichtung platzte fast schon von selber ab.
Das zieht sich leider immer mehr und mehr durch. Die alten Familienbetriebe die unsere Väter, Großväter und Urgroßväter mit viel Herzblut vor allem seit dem zweiten Weltkrieg aufgebaut hatten, gehen nach und nach alle in den Wettbewerb der Finanzmärkte bzw. an Erben die wenig Interesse am Betrieb und an der Belegschaft haben, sondern nur am Ertrag.
Schauen wir uns exemplarisch mal Daimler als Premium Hersteller - der extrem hohe Verkaufspreise für seine Fahrzeuge am Markt durchsetzen kann - an:
Ein Rekordjahr jagt das Nächste (
--> Link), trotzdem wird Jahr für Jahr die nächste Sparrunde eingeläutet (
--> Link).
Seit inzwischen etwa 20 Jahren ist die Haltbarkeit und Zuverlässigkeit der Fahrzeuge schlechter geworden (mit einem Tiefpunkt um die Jahrtausendwende) seitdem wieder etwas besser, aber noch immer deutlich unter dem Niveau von 85 bis Anfang der 90iger. Dafür wird versprochen - Das Beste oder Nichts.
Wir haben hier einen Hersteller, der hohe Preise erzielen kann, eine zahlungswillige Käuferschicht anspricht und (angeblich) einen hohen Anspruch an Innovationen, Sicherheit, Haltbarkeit, Zuverlässigkeit, Komfort seiner Produkte hat und trotzdem an allen Ecken spart um seine Ergebnisse erzielen zu können. Wenn selbst ein Hersteller, dessen Kunden sehr viel Geld für (angeblich) gute Produkte bezahlen so rigide sparen muß um seine Ergebnisse zu schaffen, wie sieht das dann erst bei einem Hersteller für die breite Masse aus, die deutlich weniger Geld dafür bezahlt? Oder bei Herstellern die für bezahlbare Preise vergleichweise geringe Stückzahlen haben (im Wohnmobilbereich z.B.)?
Früher war das Ziel gute Produkte zu bauen. Heute ist das Ziel eher möglichst billig Produkte zu bauen, die gerade so schlecht sind daß es nicht zu sehr weh tut. Das werden wir in Zukunft noch sehr viel stärker merken. Ich hege allerdings die Hoffnung, daß langfristig dann nicht mehr eine zu billige Federscheibe für einen Ausfall sorgt, sondern das Ding nach Erreichen seiner geplanten Lebensdauer (im WoMo Segment also nach 10 Jahren bei Ferienbenutzung) komplett verendet. Vorteil für die die 10 Jahre lang ihre Ruhe haben, Nachteil für die, die das Zeug selbst preiswert am Leben halten und deutlich länger nutzen wollen. Die werden dann einfach zu viele Schwachstellen zeitgleich instandsetzen müssen.