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gerade in "Abenteuer Auto":
Holzgas-Antrieb
04.02.06
Hohe Kraftstoffpreise verleiden derzeit Autofahrern die Freude am Fahren. Auch alternative Antriebsenergien haben ihren Preis - selbst Salatöl beim Discounter um die Ecke. Doch es gibt noch Zeitgenossen, die fast zum Nulltarif unterwegs sind. Ein Waldstück im Fürstentum Liechtenstein. Fast täglich trifft man hier auf Dieter Grätz, denn bei ihm dreht sich alles ums Holz. Kein Versprecher – Sie haben richtig gehört: Dieter Grätz tankt Holz!
Nachteil: der Vergaser seiner 21 Jahre alten S-Klasse wiegt schlappe 450 Kilogramm und muss auf einem speziellen Hänger transportiert werden. Vorteil: Holzgas ist eine preiswerte Alternative zum herkömmlichen Kraftstoff. "Man kann sich ja die teuren Spritpreise nicht mehr leisten. Und ich fahre meine 100 Kilometer ungefähr so für einen Euro fünfzig." Allerdings muss auch alle 100 Kilometer “nachgetankt“ werden - der Kessel benötigt eine neue Füllung mit 16 Kilogramm Kleinholz.
Der Weg zum Motor
Sobald die Sauerstoffzufuhr gestoppt wird, verschwelt das Holz. Dabei entstehen Kohlenmonoxid, Methan und Wasserstoff als brauchbare Bestandteile. Aber auch Teer, Essigdampf, Stickstoff und Wasserdampf bilden sich bei diesem Prozess. 200 Filtertüten Trennen Gas und Reststoffe. Über einen Schlauch strömt das gekühlte Holzgas zum Motorraum, wo es erneut gefiltert wird. Über Mischbatterie und Ansaugbrücke gelangt es dann in den Motor.
Schadstoff-Klasse
Doch zuvor kontrolliert Grätz noch die Qualität – gutes Holzgas brennt rauchlos. Sonst ist zuviel Teer drin – das würde eine Motorblockreinigung bedeuten. Mit Holzgas bringt der Motor rund ein Drittel weniger Leistung als mit Benzin. Statt 250 PS hat der Schwabe jetzt nur noch 160 unter der Haube. Dafür hat der Holzgas-Antrieb andere Qualitäten. Dieter Grätz: "Der Unterschied ist: Benzin ist ein hartes Fahren. Der Motor läuft wesentlich ruhiger wenn er mit Holzgas fährt. Und ein Nachzünden das gibt es bei Holzgas gar nicht. Holzgas zündet 15 Grad früher wie Benzin."
Aber Zündpunkte hin, Leistungsverlust her: wo immer Dieter Grätz mit seinem Gespann auftaucht, ist ihm Aufmerksamkeit sicher. Und wie steht es mit der Umweltverträglichkeit? Da er keinen Kat hat, dürfte der CO-Ausstoß des Schwaben bei 3,5 Volumenprozent liegen. Der Abgas-Experte ist skeptisch. Doch dann die Überraschung: 0,13 – sogar besser als die Euro II Norm! Holzgas-Anlagen gibt es genauso lange wie Benzin-Motoren.
Der Ursprung
Durchsetzen konnten sie sich zwar nie, aber immer wenn Sprit knapp und teuer ist, erleben sie eine Renaissance. Inzwischen sammelt der 67-jährige Unternehmer alle mobilen Raritäten, die mit Holzgas betrieben werden. Merkmal der Holzgasautos: große Kessel die dort montiert werden wo eben Platz ist - zur besseren Gewichtsverteilung auf Front und Heck verteilt. Das Holz reist fast immer auf dem Dach mit. Noch immer gibt es Neuzugänge in der Sammlung von Dieter Grätz. Manche sogar mit eigener Historie. Dieter Grätz: "Das ist ein Chevy Imperial, auch so ein Baujahr ’43. Der war von der Armee. Und damit sollte angeblich der einzige General den die Schweiz jemals hatte, General Guisan, gefahren sein." Viele Fahrzeuge stammen aus dem holzreichen Norwegen: auch der 83er Cadillac mit integrierter Holzgas-Anlage - das liebste Kind des Sammlers. Der 300 Kilogramm-Generator passt spielend in den Kofferraum des US - Schlittens. Der Verzicht von gut einem Drittel Leistung macht dem hubraum- und drehmomentstarken Cadillac nicht wirklich etwas aus. Auch mit nur 200 PS ist die 2,5-Tonnen-Limousine immer noch flott unterwegs.
Dieter Grätz: "Der Benzinpreis kann so hoch gehen wie er will, umso mehr freue ich mich, und ich habe die modernsten Anlagen, die es gibt. Und ich fahre steuerfrei, ich zahle keine 68 Prozent des Treibstoffes an den Staat." Aktuelle Autos sind für Holzgas ungeeignet. Motormanagement und Einspritzanlage würden die schwankende Gasqualität nicht verkraften. Bei älteren Modellen sollte man rund 1.200 € Umbaukosten für das Material einkalkulieren und außerdem genügend Zeit mitbringen. Unter 150 Arbeitsstunden ist der Umbau kaum zu schaffen.
(Artikel aus --> Link )

