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Könige, Kapitäne und andere Vögel....Englandreise 2014


celso am 25 Mär 2015 22:49:07

(Ist zwar schon etwas her und einen ausgearbeiteten Reisebericht kriege ich zeitlich nicht hin, aber für ein paar Bemerkungen und Fotos von unserer England-Reise im Juni/Juli 2014 sollte es reichen. Und es gibt einen aktuellen Anlass.)


1. Könige

Morgen,am 26.März 2015, wird Richard III., König von England, in Leicester genau 193.428 Tage nach seinem Tod erneut beerdigt.
Der Fund seiner Gebeine nach Ausgrabungen auf einem Parkplatz in Leicester Ende 2012 wurde auch hier im Forum diskutiert. Je mehr ich mich mit seiner Geschichte beschäftigte, um so mehr empfand ich gewisse Sympathien für den König, der von den damals siegreichen Tudors zur Inkarnation des Bösen hochstilisiert wurde.
Shakespeares Drama „Die Tragödie von König Richard III.“, 1593 am Hofe der Tudor-Königin Elizabeth I. geschrieben, wird bis heute aufgeführt und verbreitet dieses Bild.
Aktuell könnt ihr es es euch in Berlin ansehen:
--> Link

Anfang 2014 stand fest:
Wir besuchen ein paar Orte, die uns der Geschichte Richards näherbringen.

Am 22.Juni 2014 nehmen wir früh die Fähre von Dünkirchen nach Dover.
Direkt geht es auf die Autobahn und gegen Mittag erreichen wir nach ca. 300 km Leicester.
Leicester ist nicht besonders touristisch. Es hat eher den Charme von Wattenscheid oder Gelsenkirchen. Ehemalige Bergbaugegend. Es gibt keinen stadtnahen Campingplatz.
Wir haben vorher eine Certified-Location des Caravan Clubs per mail reserviert. Es wäre nicht notwendig gewesen. Wir sind die einzigen Gäste. Die Stellplätze sind neu. Es gibt noch keinen Strom. Witzigerweise sind die Stellplätze auf dem Gelände eines Garten-Centers.



Erinnerung an die Bergbauvergangenheit:



Blumen



Certified Location



Am nächsten Tag geht es in die Innenstadt von Leicester.
Die Stadt hat ca. 300000 Einwohner. Die Hälfte davon sind Einwanderer. Hauptsächlich sind es indischstämmige Menschen aus Uganda. Nein, ich erzähle keinen Quatsch. Nachdem Uganda 1962 unabhängig wurde, hatte der berüchtigte Diktator Idi Amin Anfang der 70iger die Eingebung, er wolle Uganda von den Asiaten befreien. Uganda war britische Kolonie und so waren die Inder dorthin gekommen. Warum es einen größeren Teil der dort vertriebenen Inder ausgerechnet nach Leicester zog, habe ich noch nicht herausgefunden.
Auf jeden Fall ist es ein verdammt buntes Völkchen, das Leicester bevölkert. Wir saßen bei „Costa“ draussen am zentralen Platz der Innenstadt und ich hätte dort den ganzen Tag sitzen können, um Leute anzugucken. Stolze Sikhs mit Turban, buntgekleidete Afrikanerinnen, tätowierte Engländer, Menschen von spärlich bekleidet bis Burka.

Wir besuchen die Kathedrale von Leicester.
Vor wenigen Monaten ist es entschieden worden. Hier soll die allerletzte Ruhestätte von Richard III. sein.
2 Mitarbeiterinnen informieren uns über die Pläne zur Bestattung.
Es gibt auch einen deutschen Priester, der uns kurz begrüßt, wenig Zeit hat und dem der beginnende Trubel um Richard III. etwas suspekt zu sein scheint. Schade, die Frage, wie ein deutscher Priester in eine anglikanische Kirche nach Leicester kommt, hätte uns interessiert.

Die Kathedrale von Leicester und die Baustelle für das neue Infozentrum



Irgendwo hier sind die Gebeine Richard III. gefunden worden.



Die allerletzte Ruhestätte



Morgen geht es nach Bosworth!
Dort ist Richard auf dem Schlachtfeld gestorben.

Fortsetzung folgt....

Anzeige vom Forum

Hier findest Du vielleicht schon, was Du suchst: Artikel auf eBay oder versuchs hier bei Amazon

celso am 12 Apr 2015 12:26:25

Fortsetzung...

Dies ist er übrigens, der 3. Richard:



Ungefähr auf halbem Weg zwischen Leicester und Birmingham liegt das Bosworth Battlefield Heritage Center. Es steht unter dem Motto „One Day, Two Kings“. Hier endete 1485 die Epoche der Rosenkriege mit dem Tod Richard III. und dem Beginn der Herrschaft der Tudors unter König Heinrich VII. Spannend präsentiert, erzählt das Museum die Geschichte der Schlacht anhand des Schicksals einzelner Menschen.

Zunächst dachte man, hier sei das Schlachtfeld gewesen:



Doch tatsächlich war es hier:



Insgesamt ist das Museum um Ausgewogenheit in der Darstellung der Geschichte bemüht.Man hat jedoch hier und wenn man -wie wir- weiter nach Yorkshire und nach York fährt den Eindruck, dass Richard III. die Sympathien auf seiner Seite hat. Seine Anhänger sind aktiver. Irgendwie verrückt, wenn man bedenkt, dass die Geschichte gute 530 Jahre her ist. Oder sollte ich sagen: „typisch britisch“?

Aus dieser Quelle soll Richard III. während der Schlacht getrunken haben:



Die angebrachte Tafel zeigt eindeutige Parteinahme:



Im Museum wird die Bekleidung eines mittelalterlichen Ritters ausführlich erklärt:



"Echte" Yorkshire Münzen:



Die englischen Könige des Mittelalters waren alle keine Engel. Für Macht und Machterhalt wurde Krieg geführt, intrigiert und gemordet.

Als Gemahlin hatte frau ganz schlechte Karten. Der 2.Tudorkönig Heinrich VIII.:



Ob Richard III. seine beiden Neffen im Tower ermordet hat, wird vielleicht nie geklärt werden, obwohl es heute wissenschaftliche Methoden gibt, die das möglich machen würden.

Eine Aufgabe haben all diese Könige jedoch heute noch und da tun sie wirklich mal gutes für ihr Land:
Wir Touristen besuchen ihre Burgen, Schlösser und Schlachtfelder.
Wir geben Geld aus und sorgen für ein wenig mehr Wohlstand.
Hier möchte ich dem Ottomar (siehe in anderen Threads) vehement widersprechen:
York benötigt kein Grabmal von Richard III. Die Stadt ist voller Touristen, hat viele Attraktionen, ist immer einen Besuch wert.
Leicester als alte Industriestadt braucht für einen Wandel weitere Anziehungspunkte.So ist Richard III. dort jetzt gut aufgehoben.
....Und er würde sich wundern, welch ein buntes Völkchen er heute regiert.

Unsere Fahrt geht weiter über Birmingham nach Yorkshire.
Meine Fortsetzung berichtet demnächst über 2 Kapitäne, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

reisetanteuta am 12 Apr 2015 19:59:40

Vielen Dank!

Interessant und sehr nett zu lesen. ich freue mich auf die Fortsetzung.


Uta

Anzeige vom Forum


etta am 14 Apr 2015 22:24:47

Das liest sich wirklich super,macht Lust auf mehr.
Freue mich schon auf die Fortsetzung.Danke

kitally am 15 Apr 2015 07:53:07

Klasse Bericht. Weitermachen....

celso am 04 Mai 2015 20:50:47

2. Kapitäne

Wenden wir uns den Kapitänen zu. Kapitäne, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.
Unsere Reise führte uns in die North-Yorkshire-Moors. Gerade in den Nachmittagsstunden und am frühen Abend wünschte ich mir, das Talent eines Landschaftsmalers zu haben, um die romantische Stimmung einzufangen, die wir oft erlebten. Manche Leute können sowas sogar fotografieren. Ich nicht.
Das Städtchen Whitby liegt an der Küste von North-Yorkshire. Es wird von vielen Touristen besucht. In dem 100 Orte-Thread gibt es Bilder von den Ruinen der Abtei und Eiswagen die „blutiges“ Eis verkaufen. Bram Stokers Dracula soll hier per Schiff England erreicht haben.



Im 18. Jahrhundert war Whitby einer der 8 größten Häfen Englands. Alaun war ein Rohstoff, der in Yorkshire gewonnen wurde. Manch eine/r kennt vielleicht noch den Alaunstift, den die Großmutter zur Stillung von kleinen Blutungen einsetzte und der Opa, wenn er sich beim Rasieren geschnitten hatte. Alaun war ein begehrter Stoff. Er wurde in der Papierproduktion eingesetzt, in der Gerberei und beim Beizen. Das klassische Ölzeug wurde zunächst mit Alaun behandelt und dann mit Ölsäure wasserdicht gemacht. Für die Alaun-Produktion musste Kohle aus anderen englischen Regionen herangeschafft werden.
Der große Seefahrer James Cook verbrachte seine seemännischen Lehrjahre auf den Kohlefrachtern von Whitby.
Für seine 3 Südseereisen kaufte die königliche Marine solche Schiffe und baute sie für Cooks Zwecke um. Cook war der Überzeugung, dass diese Schiffe bestens für die Anforderungen schwerer See und langer Reisen gerüstet seien.
Er behielt Recht!

Das erste Schiff von James Cook die "Endeavour" hieß vorher "Earl of Pembroke" und war ein Kohletransporter.


In Whitby findet sich das James Cook Memorial Museum im Hause seines damaligen Lehrherren. Ich war ein wenig ergriffen, als ich den Raum betrat, wo Cook als junger Mann lebte. Seine Abenteuer und Erkenntnisse auf den Südseereisen faszinieren mich schon lange.

Hier der link zum Museum:
--> Link

Der Besuch des Museums lohnt sich. Die Mitarbeiter/innen sind ausgesprochen wissend und können viele Details zu den Reisen und den Schiffen erklären.
Ich hatte noch eine Geschichte, die sie nicht kannten. Wahrscheinlich bei seinem 3. Besuch 1777 im Königreicht von Tonga schenkte Cook dem damaligen König eine lebende Meeresschildkröte. Bei meinem Besuch 1989 dort erzählte mir der Führer beim Anblick eines solchen Tieres im Garten des Palastes von Tupou IV., es wäre immer noch das von Cook geschenkte.
Ich meine, die Viecher werden steinalt, aber so alt nun doch nicht.


Wir trafen noch einen anderen Kapitän. Besser gesagt, ist es ein Kapitänenpaar.
Den männlichen Teil diese Paares kennen die von euch, die schon länger im GB-Teil des Forums unterwegs sind. Erinnert ihr die freundlichen und kompetenten Beiträge von Stu?
Stu hat sein Wohnmobil verkauft und lebt derzeit mit seiner Lebensgefährtin auf einem Narrowboat.
GB hat ein großes Netz von kleinen Kanälen aus der Zeit, bevor Eisenbahnen den Transport von Gütern übernahmen. Heute wird ein wachsender Teil der alten Kanäle wieder beschiffbar gemacht und für touristische Zwecke genutzt.

--> Link

Da die Kanäle schmal sind, sind auch die Narrow-Boote schmal. Nicht mehr als 2m breit, dafür 8 m und mehr in der Länge. Die Einrichtung könnte man mit der eines Wohnmobils vergleichen. Angetrieben von einem nicht sonderlich PS-starken Motor gleiten die Boote mit unter 10 km/Std. dahin.



Jedenfalls bis zur nächsten Schleuse. Die Schleusen werden manuell bedient und so ist manche Fahrt durch die hügelige Landschaft richtig Arbeit. Nach Schleuse kommt Schleuse.



Wir haben die beiden auf unserer Reise zweimal getroffen und sie haben uns ein Stück mitgenommen.
Die Wånderlust ist nicht nur Heim, sondern auch eine schwimmende Galerie.
Stu fertigt perfekt gearbeitete, ausdrucksstarke Holzskulpturen. Seine Lebensgefährtin ist eine Landart Künstlerin, die in der Natur Veränderungen vornimmt und so Landschaft in Kunst verwandelt. (Das habe ich jetzt mit eigenen Worten hoffentlich korrekt beschrieben.)
Macht die Wånderlust irgendwo Station wird eine Art Sonnensegel gespannt, Regale am Boot befestigt und ihre Werke ausgestellt und verkauft. Es gibt eine viele schwimmende Künstler und Händler auf den Kanälen und sie treffen sich zu regelrechten Märkten.

In Birmingham kann man über die Kanäle bis mitten in die City fahren.




Die Kanäle sind oft überwuchert und man gleitet durch einen grünen Tunnel.
Hier passt mal der Begriff Entschleunigung.





In diesem Jahr hat sich die Wånderlust mit anderen Booten zusammengetan. Sie treffen sich bis Juli an verschiedenen Orten, machen Kunstaktionen und verkaufen.
Mehr über die Wånderlust und die Tour erfahrt ihr hier:
--> Link

(Stu würde sich mit Sicherheit über Besuch freuen.)

Am 11.Juli 2014 nahmen wir von Magda und Stu Abschied und wenn alles klappt, sehen wir sie Anfang Juli dieses Jahres wieder.


Die Wånderlust fährt langsam davon.

Solltet ihr einmal viel Zeit haben, dann mietet euch ein Narrow-Boat für eine Woche. Den Rückweg zum Wohnmobil könnt ihr wahrscheinlich zu Fuß erledigen.

....wird fortgesetzt

ottomar am 05 Mai 2015 00:28:13

Endlich geht es hier weiter. Vielen Dank, Peter !

Und nun freue ich mich auf Deine neuen Lieblingsvögel ...

celso am 14 Mai 2015 16:04:21

...und andere Vögel

Den letzten Teil meiner Reisenotizen will ich nutzen, um das ein oder andere Erwähnenswerte von unserer Tour 2014 zu erzählen.
Vögel kommen auch vor.

Damit ihr wisst, wo wir waren, hier unsere Route:



In der Nähe des Ortes Tring durften wir auf der Wånderlust mitfahren. Ein paar Meilen weiter liegt Leighton Buzzard. Nie gehört? Kann sein, aber was dort passiert ist, kennt ihr bestimmt. Wie ständig in GB stolpert man über Filme, Autoren und Geschehnisse.
Erinnert ihr euch an einen der Straßenfeger der 60iger Jahre im deutschen Fernsehen? Ich habe "Die Gentlemen bitten zur Kasse" einige Male gesehen. Und dies ist die Brücke, wo am 8.August 1963 die Säcke voller Geld auf LKW umgeladen wurden:

--> Link



(Vögel, die erste...)

Wähend wir auf unserer Reise im Jahre 2013 mit pubertierenden Jungbullen zu kämpfen hatten, waren es 2014 andere Ungeheuer, die sich uns in den Weg stellten:





Wir sind wieder viel auf dem Coast Path gewandert. Diesmal zwischen Flamborough Head (bei Bridlington) und Whitby.

In Flamborough fanden wir einen schönen Stellplatz, eine Certified Location des Caravan Club. Der Bauer hatte eine etwas weniger verkniffene Sicht auf bestimmte Dinge, die manchmal hier im Forum heiss diskutiert werden:

Aufforderung...



...und Umsetzung





(Vögel, die zweite...)

In der Nähe von Flamborough Head liegt das Vogelschutzgebiet Bempton Cliffs.

--> Link

Schon beim ersten Abendspaziergang fielen mir kleine Gruppen von Vögeln auf, die in Formation elegant Richtung Norden schwebten. Mir waren diese Tiere natürlich wieder vollkommen unbekannt. Erst bei dem Besuch der Bempton Cliffs erfuhr ich, dass es sich um Basstölpel handelte. Der Name passt so gar nicht zu den herausragenden Fliegern. Na ja, beim Landen sehen sie immer etwas ungeschickt aus. Sie nisten dort etwa bis Mitte Juli gemeinsam mit ca. 200.000 anderen Vögeln. Besonders beliebt sind noch die kleinen Papageientaucher, die manchmal ein wenig an fliegende Pinguine erinnern.
So ein schönes Foto von Basstölpeln, wie bina es im 100 Orte-Thread eingestellt hat, bekommt man nur vom Boot. In Bempton schaut man von oben auf die riesigen Kolonien.



Basstölpel





Papageientaucher




Mit einem letzten Hinweis für Besucher der Stadt York möchte schließen.
Schließlich geht es in knapp einem Monat wieder los. Northumberland wartet.

Wer in die tolle Stadt York kommt, besichtigt den Yorker Münster.

--> Link

Ich will jetzt hier niemand angucken, aber viele finden bei der Besichtigung nicht in die Krypta, obwohl man schon an der Kasse darauf hingewiesen wird. In der Krypta gibt es ein ganzes, hochspannendes Museum (The Undercroft) über die Geschichte Yorks. Offensichtlich führt mangelnde Beschäftigung mit dem Weg-Informationssystem der Kirche zu diesem Versäumnis. Manche halten die Figuren an der hinteren Mauer des Münsters tatsächlich für moderne Kunst. Deshalb für zukünftige Besucher noch diese Erklärung:



Das war´s
Celso

ottomar am 14 Mai 2015 16:54:24

Das sind schöne Erinnerungen an unseren Sommerurlaub letztes Jahr. Danke, Peter.

Die Papageientaucher waren leider Ende Juli schon wieder weg.


Was das Informationssystem im Münster zu York betrifft, irrst Du Dich leider.

Unter Anwendung des internationalen Flaggenalphabets komme ich zu folgender Aufschlüsselung:

"Delta - Hotel - Romeo - India - Sierra - Tango"

Da bleiben doch wohl keine Fragen offen ...

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