Hallo,
ein paar Gedanken nach meiner Norwegen-Reise, wie sich ein Land verändert. Sie sind ein wenig wehmütig, aber nicht negativ gemeint. Ein Land kann nicht für Touristenromatik unverändert bleiben, das ist ganz klar. Aber so ein paar Dinge sind mir durch den Kopf gegangen:
Oslo, Ankunft im Hafen mit der Fähre: Von oben aus früher der Platz für die Kontainer zu sehen am Hafen, die alte merkwürdigen doppelstöckige Straße. Alles so, wie es etwa Jo Nesbö in seinen Romanen beschrieben hat. Im nächsten Jahr war zu sehen, wie Spundwände eingezogen wurden, wie Lastenplattformen verschoben wurden. Und jetzt gibt es anstelle der Kontainer die neue (sehr, sehr schöne!) Oper, dahinter schießen die Wohngebäude aus dem Boden, schon werden die nächsten Wasserflächen am Hafen in Bauland umgewandelt.
Die Ausfahrt aus dem Hafen - nach 100 Metern verschwindet man im Tunnel mit seinem gestank und kommt dann weiter oben wieder raus.
Die Strecke auf der E6 Richtung Norden: Bei der ersten Fahrt war bei Jessheim ende der Autobahn, der Blick auf die Karte half bei der Orientierung. Es war mühsam, vorwärts zu kommen bis zum Abzweig nach Elverum. Dann in den ncäshten Jahren. Baustellen, unzählige "Kjöremonster", die einen um die Baustellen herumleiteten, Geholper über Kies oder löchrigen Teer in Autokolonnen. Dann waren Tunnel zu erkennen, so würde die Straße einmal laufen. Werde ich im nächsten Jahr den Tunnel schon fahren? In der Zwischenzeit ist alles eine sehr gut ausgebaute Aufbahn, flott geht es durch die neuen Tunnel. Unterhalb ist die Zugstrecke ausgebaut, ab und zu sind noch die Reste der alten E6 zu sehen. Kein Fahren mit 50 km hinter den LKW mehr, es ist bequem geworden. Wo früher die E6 als schmale Straße über einen See führte, ist es jetzt eine breite Autobahn mit riesigen, sehr schönen Rastplätzen einschließlich Ver- und Entsorgung für Womos.
Hinter Trondheim, Vaerdal, aus der Baustelle ist eine Autbahn geworden. Die Straße von Levanger nach Steinkjer - wie lange habe ich da bei der ersten Fahrt gebraucht: zweispurig um viele Kurven, Baustellen. Auch jetzt - alles zügig und schnell ausgebaut.
Korgfjell - wie müshelige war die Passtraße bei der ersten Fahrt, aber wie toll auch der Ausblick nach unten - anhalten, knippsen. jetzt geht es flott durch den Tunnel, um die 13 km lang. Schnell und praktisch.
Narvik: Der gelbe Pfosten mit den Kilometertafeln, einfach auf einem Stückchen Gras. Ein eher verschlafener Ort. jetzt mit Füßgängerzone, breiter Straße, Kreisverkehren, modernen banken und anderen mordernen Häsuer, der Pfosten ist zwar noch da, aber in einer ganz anderen Umgebung und auf einen schön gepflasterten Platz gestellt.
Weiter oben bei Alta: Die Fahrt auf die Stadt zu, um einen Fjord herum. Kafjord mit seiner Kirche und den Bronzefiguren der Auswanderer - wem ist die Kirche mit den Figuren nicht in Erinnerung, der da hochgefahren ist? Und wie lange und mühselig es war, die letzten Kilometer bis Alta zu schaffen. In der Zwischenzeit gibt es vorher schon die neue große Brücke, die in einen Tunnel führt. Es geht viel schneller, praktischer. Aber ich komme nicht mehr an den Figuren vorbei.
Da sind die Lofoten: Der Stellplatz bei Eggum: Am Anfang eine Wiese, dazu noch drei oder vier Womos, ein paar Brotzeitbänke, das Rauschend es Meeres. Jetzt ein Kiosk, abgegrenzter Womobereich, geschottert, Womos dicht an dicht. Kiosk mit Andenken, Busse, die herangekarrt werden.
Ich erinnere mich noch, dass ich bei meiner ersten Reise mit dem Fahrrad von A aus nach Reine gefahren bin. Hinter jeder Biegung eine Überraschung, neue Ausblicke, anhalten, fotografieren. Und jetzt sind neue Tunnels gebaut, eine breite Galerie in den Fels geschlagen. Es geht schneller, aber sehen kann man halt in einem Tunnel nichts mehr, keine Überraschung, kein neuer Blick. Die Enge Straße - vorsicht vor jeder Kurve - auch sie ist zum Teil nicht mehr da. Bei Reine der Großparkplatz. Uttakleiv ziert ein Womo-Stellplatz, der gut gefüllt ist.
Es hat sich viel verändert, es ist praktischer geworden. Ich freue mich auch, wenn ich Kilometer machen muss, über jeden Tunnel und jede Erleichterung. Das ist auch notwendig und gut so, denn es muss für diejenigen, die dort leben, ja auch praktisch sein. Ein Land verändert sich eben auch.
Gruß
Klaus

